Ausschreibung: WHk-Stelle Soziologie III ab 1.4.2011

Hier geht es um die Kurse und Themen des Masterstudiengangs Politische Kommunikation.

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Tilo.Beckers
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Ausschreibung: WHk-Stelle Soziologie III ab 1.4.2011

Beitrag von Tilo.Beckers » 22. Februar 2011, 11:16

Im Rahmen des vierstündigen Lehrforschungsprojektes "Moralische Einstellungen in der Umfrageforschung" (nur SS 2011) ist vom 1. April - 30. September 2011 eine WHk-Stelle im Umfang von 6 SWS zu besetzen.

Aufgaben:

Die wissenschaftliche Hilfskraft ...

- soll den Dozenten unterstützen, das vierstündige Lehrforschungsprojekt organisatorisch und datentechnisch zu betreuen. Im LFP werden eigene Erhebungen und statistische Auswertungen u.a. zu den aktuellen Themen Sterbehilfe und PID realisiert;

- soll u.a. bei den notwendigen Schulungen in SPSS und mit dem EFS-Befragungsprogramm dem Dozenten assistieren, um eine bessere individuelle Betreuung zu gewährleisten;

- soll zudem Studierende bei Abschlussberichten im LFP gemeinsam mit dem Dozenten methodisch beraten und kann dabei selbst eigene Kenntnisse verbessern und Beratungs- und Betreuungsaufgaben erlernen.


Anforderungen:

Voraussetzungen sind die Einschreibung in einem Masterstudiengang sowie gute bis sehr gute Vorkenntnisse in der quantitativen Datenanalyse mit SPSS. Vorteilhaft (aber keine Voraussetzung) sind zudem Kenntnisse des Befragungstools EFS/Unipark. Erwartet wird die Teilnahme an zentralen (nicht allen) Sitzungen des LFP dienstags 8.30-12.30 Uhr (inbes. Programmierung und Datenanalyse) sowie die Unterstützung bei der datentechnischen Betreuung, Recherche und Administration. (Eine bedingte Konzentration der Gesamtarbeitszeit auf die Monate April bis August wird angestrebt, d.h. in diesem Zeitraum kann das Volumen über 6 SWS pro Woche hinausgehen.)


Bewerbungsmodalitäten:

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung mit kurzem Anschreiben zu Ihrem Interesse an der Tätigkeit, Ihrem Lebenslauf und einem Transcript of Records (für BA und MA) bis 8.3.2011 per E-Mail an tilo.beckers@uni-duesseldorf.de. Eine Abgabe (23.31.05.31) oder Zusendung einer ausgedruckten Bewerbung ist ebenfalls möglich. Es gilt das Eingangsdatum. (Dr. Tilo Beckers, Institut für Sozialwissenschaften, Soziologie III, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf).

Für Rückfragen stehe ich per E-Mail, unter 0211 81-14273 oder persönlich zur Verfügung.



Zur Information finden Sie unten die Ankündigung und den vorgesehenen Ablaufplan des LFP:

Moralische Einstellungen in der Umfrageforschung

Das LFP findet nur im SS 2011 und vierstündig statt!

(Planungsstand dieser Ankündigung: 1.2.2011; Änderungen vorbehalten)

In dem Lehrforschungsprojekt werden Einstellungen zu moralisch umstrittenen Themen in modernen Gegenwartsgesellschaften analysiert. Als Anwendungsbeispiel dienen für das LFP erstens Einstellungen zu den sogenannten Grenzsituationen des Lebens bzw. "beginning- and end-of-life issues" wie Abtreibung und Präimplantationsdiagnostik, Sterbehilfe und Patientenverfügung und zweitens ergänzend Einstellungen zur Sexualmoral.



Im Zuge der Modernisierung und Säkularisierung westlicher Gesellschaften ist es zu starken Verschiebungen in den moralischen Einstellungen der Bevölkerung und Veränderungen im Recht gekommen.

Dies gilt einerseits für den Beginn menschlichen Lebens: Durch die einfache Verfügbarkeit von Kontrazeptiva und die Gleichstellung von Frauen hat sich etwa die normative Haltung zur Abtreibung durchschnittlich gewandelt. Dennoch ist die Legitimität weiterhin heftig umstritten bzw. in starkem Maße von den situativen Bedingungen abhängig. In ähnlicher Weise stehen Gegenwartsgesell-schaften in jüngster Zeit und ganz aktuelle in der öffentlichen Debatte um die Reichweite und Bedeutung des Embryonenschutzgesetzes vor neuen Herausforderungen, wenn es um die Beurtei-lung der Zulässigkeit der Präimplantationsdiagnostik vor einer künstlichen Befruchtung geht.

Andererseits finden sich ähnlich Kontroversen auch für das Ende des menschlichen Lebens, wenn es um die Frage der Sterbehilfe, des assistierten Selbstmordes und der Bedeutung und Verbindlichkeit von Patientenverfügungen geht.

Ob am Beginn oder am Ende des Lebens: der Konflikt zwischen der Selbstbestimmung der Person und dem Wert des Lebens wird kontrovers diskutiert. Im Falle der Abtreibung geht es um das Recht der schwangeren Frau über das werdende Leben des Kindes zu verfügen, im Falle des todkranken oder sterbenden Patienten oftmals um das Recht, auf Verlangen tödliche Medizin zu erhalten oder die Verfügung über das eigene Leben an einen anderen abzutreten und diesen trotz Beihilfe zur Tötung schuldfrei zu stellen. Damit verbunden ist die Rechtsentwicklung zu Patientenverfügungen.

Auch die Einstellungen zur Sexualmoral, etwa zu vor- und außerehelichem Geschlechtsverkehr, zur Homo- und Bisexualität und zur sexuellen Freizügigkeit haben sich im Rahmen einer Tendenz zur sexuellen Selbstbestimmung gewandelt. Wie weit reicht die Tendenz zur Selbstbestimmung? Einige dieser moralischen Einstellungen sollen ergänzend erhoben werden, um mögliche über die Religion vermittelte Zusammenhänge zu den "beginning-and-end-of-life-issues" zu klären.

Anders als in der Ethik oder der Theologie geht es im LFP nicht darum, eine normative Rechtfertigung für einen bestimmten Standpunkt zu entwickeln oder entlang vorgegebener Dogmen das richtige und gute Handeln zu begründen. Für die Sozialwissenschaften ist vielmehr die Analyse der Beweggründe, Handlungsweisen und Einstellungen von zentraler Bedeutung. Hierfür ist zwar eine Kenntnis der normativen Gründe unabdingbar. Diese soll aber nicht die Anlage oder gar die Ergebnisse des Forschungsprozesses beeinflussen.

Gliederung

Im ersten Block werden existierende Studien diskutiert, die das Wechselspiel von Recht, Religion, Werten und Moral in Politik und Gesellschaft reflektieren.

Im zweiten Block (April/Mai) werden wir vorhandene Datenquellen und die dort verwendeten Befragungsinstrumente studieren (u.a. European Values Study, ALLBUS, British Social Attitudes Survey, Cultural Changes in the Netherlands).

Im dritten Block werden wir ein Online-Befragungsinstrument zu Werten und moralischen Einstellungen entwickeln und eine Onlinebefragung durchführen (Mai/Juni).

Im abschließenden vierten Block werden die Ergebnisse empirisch ausgewertet und in einen Abschlussbericht überführt (Juli/August/September).


ABLAUFPLAN (Stand: 1.2.2011)



Raum 23.02.U1.61 (bis einschließlich 10.5.)

5.4. Allg. Einführung; Forschungsfrage, Forschungsdesign und Erhebungsinstrument

12.4. Umgang mit sensitiven Fragen; Experimentelle Designs und faktorielle Surveys



Block I: Religion und Werte, Recht und Politik: Einfluss auf moralische Einstellungen

19.4. Werte, Religion und Moral; Recht, Politik und Moral

26.4. Moralische Kontroversen am Beginn des Lebens: Abtreibung, IVF und PID

3.5. Moralische Kontroversen am Ende des Lebens: Sterbehilfe und Patientenverfügung



Block II: Datenquellen und Befragungsinstrumente zu Grenzsituationen des Lebens

Raum 23.02.U1.61

10.5. A: EVS, ALLBUS und ISSP u.a., B: British Social Attitudes und Cultural Change/NL u.a.



Raum 23.21.04.64 (kl. CIP-Pool) Raum 23.02.U1.61

17.5. Gruppe A: Schulung in EFS-Survey; Gruppe B: Auswahl von Fragen/Instrumenten

24.5. Gruppe B: Schulung in EFS-Survey; Gruppe A: Auswahl von Fragen/Instrumenten



Block III: Online-Befragungsinstrument zu Werten und moralischen Einstellungen

Nach Ankündigung: Raum 23.02.U1.61 und/oder Raum 23.21.04.87 (CIP-Pool)

31.5. Hypothesen, Konzepte, Indikatoren und Fragen; weitere Schulung in EFS



Raum 23.21.04.87 (CIP-Pool) Raum 23.02.U1.61

7.6. Gruppe A: Programmierung in EFS-Survey; Gruppe B: Konzeption des Befragungsinstruments

14.6. Gruppe B: Programmierung in EFS-Survey; Gruppe A: Konzeption des Befragungsinstruments



(weitere Programmierung, Pretest und Revisionen 14.-20.6.)

(Feldphase 10 Tage: 21.6.-4.7.)



Raum 23.21.04.87 (CIP-Pool) (bis 20.9. verfügbar)

Block IV: Analysen und erste Ergebnisse der empirischen Auswertungen

21.6. Schulung in SPSS: Datenhandling, uni- und bivariate Analysen

28.6. Schulung in SPSS: Conjoint-Analyse, dimensionale und kausale multivariate Verfahren

5.7. Exemplarische erste Analysen: AGs

12.7. Plenum: Präsentation erster Ergebnisse und Festlegung des weiteren Analyseplans



--/-- TB: 18.-22.7., ESRA-Konferenz Lausanne



26.7. AG-Termine: Präsentation weiterer Ergebnisse

3.8. AG-Termine: Präsentation weiterer Ergebnisse



20.9. Letzter Abgabetermin für die Abschlussberichte

Organisation und Lernziele

Die Veranstaltung findet wöchentlich vierstündig statt und setzt die kontinuierliche Teilnahme und Mitarbeit voraus. Die Planung, Durchführung und Analyse der Befragung im Zeitraum April bis September ist nur möglich, wenn Sie bereit sind, Zeit für die Projektarbeit zu investieren.

* Sie erhalten die Qualifikation zur Programmierung und Durchführung einer Onlinebefragung sowie zur quantitativen Analyse von Umfragedaten (u.a. geplant: Conjoint-Designs).
* Zudem machen Sie durch die Gruppenarbeit wichtige Erfahrungen im Projektmanagement, der zielorientierten Kommunikation, der Präsentation von Projektergebnissen sowie der professionellen Erstellung und termingerechten Abgabe eines Abschlussberichts.
* Schließlich erlernen Sie, sich in einem relativ kurzen Zeitraum in ein komplexes Forschungsthema und ein geeignetes Analyseverfahren einzuarbeiten und Daten statistisch auszuwerten.
Dr. Tilo Beckers
Akad. Rat, Soziologie III

tilo.beckers@uni-duesseldorf.de

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