KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

Vertrauen, Solidarität, Sozialer Zusammenhalt

Die Erosion sozialen Zusammenhalts ist eines der gesellschaftlichen Kernprobleme unserer Zeit. Sie fördert extreme politische Strömungen, delegitimiert politische Entscheidungen und bedroht die öffentliche Ordnung sowie den sozialen Frieden. Die Anzeichen dafür, dass sozialer Zusammenhalt in westlichen Demokratien schwindet, äußern sich in sinkendem Vertrauen in die Politik, mangelnder Solidaritätsbereitschaft unter den Bürgern sowie wachsender Ungleichheit in der Gesellschaft.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie man sozialen Zusammenhalt fördern kann. Dass die Medien dabei eine zentrale Rolle spielen können ist weithin unbestritten, das zeigen die kontroversen öffentlichen Debatten um ‚Lügenpresse‘ und ‚Filterblasen‘. Die kausalen Zusammenhänge sind jedoch nach wie vor unzureichend erforscht. Welche Rolle kann öffentliche Kommunikation dabei spielen verlorenes politisches Vertrauen zurückzugewinnen? Wie lässt sich die Solidaritätsbereitschaft der Bürger in Europa durch kommunikative Prozesse steigern? Inwiefern verändert die Digitalisierung die öffentliche Meinung über sozialstaatliche Sicherungssysteme? Mit diesen und anderen Fragen setzt sich die Forschungsarbeit am Lehrstuhl auseinander. Wir fokussieren uns dabei vor allem auf zwei sozialwissenschaftliche Grundbegriffe: Vertrauen und Solidarität. Die Kommunikationswissenschaft hat den Vertrauensbegriff zwar in den vergangenen Jahren zunehmend für sich entdeckt, jedoch verzichten viele vorliegende Forschungsbeiträge auf eine theoretische Fundierung des Konzepts von politischem Vertrauen. Die Forschung zur gesellschaftlichen Solidaritätsbereitschaft steckt sogar noch in den Kinderschuhen. Zunächst geht es darum die Begriffe theoretisch zu fundieren und eine klare Arbeitsdefinition zu entwickeln. Darauf aufbauend erarbeiten und testen wir geeignete Messverfahren um die Begriffe für die umfragebasierte Sozialforschung fruchtbar zu machen. Drittens ist zu klären, wie auf dieser Basis der Zusammenhang von öffentlicher Kommunikation und politischem Vertrauen bzw. Solidarität modelliert werden muss. Ziel der Forschungsarbeiten ist zu erklären unter welchen kommunikativen Bedingungen gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden kann bzw. wann er zunehmend in Gefahr gerät.

Projekte

  • Politisches Vertrauen: Ursprünge und Wirkungen
  • Europäische Solidarität und mediale Identitätsdiskurse
  • Digitalisierung first, Solidarität second

Ausgewählte Publikationen & Vorträge

Marcinkowski, F. & Starke, C. (2018). Trust in Government: What’s News Media Got to Do With It? Studies in Communication Sciences. [in Druck]

Marcinkowski, F. & Starke, C. (2016). Why do(n’t) we trust in Government? An Empirical Investigation of Four Different Trust Reasons. Vortrag auf der WAPOR Regional Conference, Barcelona (Spanien), 24.-25. November.

Starke, C. (2016). The Power of Collective Identity: Framing Europe and its Effect on Solidarity within the European Union. Vortrag auf der Jahrestagung der ECREA, Prag (Tschechische Republik), 09.-12. November.

Starke, C. & Marcinkowski, F. (2014). How the News Media affect Trust in Mediated Politics. Poster-Präsentation auf der Jahrestagung der ECREA, Lissabon (Portugal), 12.-15. November.