KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

Digitale Gesellschaft: Wahrnehmung, Bewertung, Meinungsbildung

Wie jede technologische Revolution, so birgt auch die Digitalisierung nicht nur große Chancen, sondern auch große Risiken. Als solche gelten neben massiven Veränderungen von Arbeitswelt und Arbeitsmarkt die durch Sammlung, Zusammenführung und Analyse unzähliger Datenspuren erreichbare vollständige Transparenz und ‚Berechenbarkeit‘ des Individuums, die dann von staatlichen Bürokratien, politischen Bestrebungen und/oder privaten Akteuren für Eigeninteressen ausgenutzt werden kann. Welche Gefahren davon auch für demokratische Wahlen ausgehen können, ist durch jüngste Veröffentlichungen zur Rolle von ‚Cambridge Analytica‘ im Wahlkampf von Donald Trump schlaglichtartig ins Bewusstsein gerückt. Diese Möglichkeiten entstehen dadurch, dass viele, gerade junge Menschen, ihr Leben in naiver Technikbegeisterung immer stärker Systemen anvertrauen, deren Sicherheit höchst fragwürdig ist. Das ist keineswegs selbstverständlich, im Gegenteil, es ist hochgradig erklärungsbedürftig. In einem Land, in dem über Jahrzehnte hinweg noch jeder Großtechnologie (von der Atomtechnologie, über Bio und Gentechnik bis hin zur Nanotechnologie) Skepsis entgegenschlug, scheinen neuerdings die Ambivalenzen und Schattenseite der Digitalisierung weitgehend aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden zu sein, wenn nicht regelrecht verdrängt zu werden. Wie kann es sein, dass nur drei Jahrzehnte nach dem ‚Volkszählungsboykott‘ Big Data ein mehrheitlich positiv konnotierter Begriff ist? Woran liegt es, dass viele Menschen die Gefahren der Digitalisierung entweder gar nicht wahrnehmen oder als vernachlässigbare Kollateralschäden abbuchen? Unter welchen Bedingungen verändern sich Einstellungen gegenüber der Digitalisierung und wann werden sie handlungsrelevant? Das sind die Ausgangsfragen, die in diesem Forschungsfeld adressiert werden. Das Forschungsprogramm beruht auf der Prämisse, dass Staat und Politik mit der Lenkung der Digitalisierung in sozial-und demokratieverträgliche Bahnen vielfach überfordert sind. Wenn alternative Ideen zum Umgang mit privaten Daten eine Realisierungschance haben, dann führt der Weg dahin über das Verhalten individueller Nutzer digitaler Technologien, das seinerseits wieder von Wissen und Wahrnehmungen abhängt. Die Forschungen in diesem Bereich liefern notwendiges Grundlagenwissen für das übergeordnete Ziel der Sicherung und Stärkung von Demokratie in der digitalen Gesellschaft.

Projekte

  • Entwicklung der Öffentlichen Meinung zur Digitalisierung in Deutschland
  • Online Privacy Concerns in Deutschland
  • Big Data Belief Systems
  • Fair Artificial Intelligence Reasoning (FAIR) - gefördert durch die VolkswagenStiftung

Ausgewählte Publikationen & Vorträge

Kieslich, K. (2019). Digitalization vs. Robotization Framing Effects on Fear in Context of the Digitalization of Work. Précis für das Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie (DIID). Abrufbar unter (Download)

Lünich, M., & Marcinkowski, F. (2018). Der Facebook-Datenskandal im Spiegel der öffentlichen Meinung. Précis für das Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie (DIID). Abrufbar unter (Download)

Klinger, K., Garrell, D., Voskoboynikova, M., Konsek, A., Neppel, M., Kuth, M. J., Obermöller, D., Groß, S. & Heiß, F. (2018). Systematisch irrational? Zum Umgang mit privaten Daten im digitalen Zeitalter. Working Paper No. 1 des Lehrstuhls KMW I. Düsseldorf: Institut für Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. (Download)