KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

Abschlussarbeiten

(Stand 03.05.2018)

Die folgenden Themenvorschläge können an der Juniorprofessur für politische Online-Kommunikation bei Jun.-Prof. Dr. Marc Ziegele bearbeitet werden. Interessierte Kandidat*innen können die Vorschläge nach eigenen Wünschen modifizieren, gestalten und mit eigenen Ideen anreichern. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung. Auch grundsätzlich andere Ideen von Kandidat*innen im Bereich der politischen Online-Kommunikation können gerne in der Sprechstunde besprochen werden (Dienstag, 14-16 Uhr, Anmeldung unter https://goo.gl/5igNnU).

Um die Kultur Bayerns zu erhalten, sollten wir eine Weißwurst mit Brezel an die Wand nageln!“ Wann wird ein Kommentar in (politischen) Online-Nutzerdiskussionen auf Facebook-Medienseiten zu einem Top-Kommentar?
Öffentliche Nutzerkommentare auf den Facebook-Seiten von Medien und Politikern werden meist nach „Top-Kommentaren“ sortiert. Top-Kommentare sind solche Beiträge, die von anderen Nutzern besonders viele Reaktionen (Likes etc.) oder Antworten erhalten. Sobald ein Kommentar zu einem Top-Kommentar wird, wird er prominent angezeigt und kann nachfolgende Leser vermutlich stärker beeinflussen als andere Kommentare. Doch was macht einen Kommentar eigentlich zu einem Top-Kommentar? Basierend auf existierenden empirischen Studien sowie theoretischen Diskussionen der „Erfolgsfaktoren“ politischer (Online-) Kommunikation soll die Masterarbeit Hypothesen über die Eigenschaften von Top-Kommentaren aufstellen. Ist z.B. anzunehmen, dass diese Kommentare vor allem kurz und prägnant sind sowie kontroverse Statements und/oder Humor beinhalten? Die empirische Prüfung der Hypothesen kann entweder anhand einer selbst konzipierten Studie erfolgen oder es kann eine Sekundärauswertung eines bestehenden Datensatzes von mehr als 11.000 Facebook-Nutzerkommentaren zu 700 Nachrichten durchgeführt werden.

Wann ist ein Troll ein Troll? Analyse der Ursachen und Folgen von „Trolling“ in (politischen) Online-Diskussionen.
Als „Internet-Trolle“ werden im öffentlichen Diskurs mittlerweile ein breites Spektrum an Nutzern bezeichnet, die deviante Meinungen vertreten, wutentladen kommentieren, oder andere Nutzer täuschen. Tatsächlich weiß man jedoch relativ wenig darüber, wie groß das Problem der Trolle wirklich ist und wie „Troll-Kommentare“ auf andere Nutzer wirken. Die Masterarbeit soll daher neben einer grundsätzlichen theoretischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen des „Trollings“ eine empirische Studie entwerfen und durchführen, die das Forschungsdefizit in diesem Bereich beheben kann.

Von der Pöbelei zum Diskurs. Entwicklung und Evaluation einer Maßnahme zur Verbesserung der Qualität und Wirkung von öffentlichen Online-Diskussionen in Social Media.
„Trolle“, „Hater“, „linksgrünversiffte Gutmenschen“ und „Social Bots“: Das gesellschaftliche Image der Online-Diskussionen von Nutzern unter Nachrichtenartikeln ist derzeit katastrophal. Die Politik versucht nun mit Maßnahmen wie dem „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“, Hass und Abusus im Netz zu begegnen. Doch ist ein Gesetz, das vor allem das Löschen von Inhalten fördert, wirklich die beste Lösung für das Hassproblem oder gibt es bessere Wege, um das Diskussionsklima im Netz zu verbessern? Die Masterarbeit soll diese Frage aus theoretischer Perspektive aufspannen sowie eine empirische Studie konzipieren und durchführen, mit der die Qualität von Online-Diskussionen potenziell verbessert werden kann. Maßnahmen können z.B. die journalistische Moderation von Diskussionen sein, aber auch „technische“ Maßnahmen wie ein „Registrierungszwang“ oder das Beantworten von artikelbezogenen Fragen vor dem Absenden von Kommentaren.

Bitte schaltet die Kommentar-Funktion ab!? Wie Journalisten, Community-Manager und Nutzer die Kommentar-Funktion unter Nachrichtenartikeln wahrnehmen und beurteilen.
Journalisten, Community-Manager und Nutzer beklagen sich regelmäßig über die Zustände der Diskussionen in Kommentarspalten. Insbesondere Community-Manager, die sich täglich durch mehrere Tausend Kommentare kämpfen müssen, fühlen sich überfordert. Aber auch Journalisten entmutigt das überwiegend negative Feedback der Nutzer zunehmend. Die Folge ist, dass immer mehr Medienhäuser restriktive Einschränkungen der Kommentarfunktion befürworten oder durchführen. Viele Nutzer schätzen jedoch die Möglichkeit des offenen Meinungsaustauschs in Kommentarbereichen und sehen stattdessen Journalisten und Community-Manager in der Verantwortung, „für Ordnung zu sorgen“. Wie kann man die Erwartungen dieser verschiedenen Gruppen zusammenbringen? Die qualitativ angelegte Masterarbeit soll Leitfadeninterviews und/oder Fokusgruppen mit Journalisten, Community-Managern und Nutzern von Kommentarfunktionen durchführen, um ihre Wahrnehmungen von und Erwartungen an „gute“ Online-Diskussionen zu eruieren und daraus verschiedene Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung der Diskussionen abzuleiten.

Nutzer ohne Gewissen? Unter welchen Umständen greifen Menschen intervenierend in respektlose und unzivilisierte Online-Diskussionen ein?
Viele Nutzer begegnen im Internet unzivilisierten und respektlosen Diskussionen. Doch nur wenige Nutzer entscheiden sich, zu intervenieren und dadurch zu einer Verbesserung des Diskussionsklimas beizutragen. Basierend auf etablierten sozialpsychologischen Interventionsmodellen soll die Masterarbeit eine empirische Studie entwerfen und durchführen, die die Determinanten der Interventionsbereitschaft von Nutzern untersucht. Greifen zum Beispiel Menschen mit einem starken „moralischen Gewissen“ grundsätzlich bereitwilliger ein? Wann und unter welchen Umständen schieben Menschen die Verantwortung, einzugreifen, auf andere Nutzer oder Institutionen ab? Die Ergebnisse der Masterarbeit können praktische Implikationen für die Steigerung einer „Online-Zivilcourage“ von Bürgerinnen und Bürgern geben.