KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

Media Performance and Democracy

International vergleichende Studie zu den Leistungen der Informationsmedien

Medien leisten einen entscheidenden Betrag zum Funktionieren der Demokratie. Durch sie werden die Bürgerinnen und Bürger mit jenen Informationen versorgt, die sie nutzen, um ihre Staatsbürgerrolle wahrnehmen zu können. Von der Qualität publizistischer Leistungen hängt es dabei ab, ob und wie eine freiheitliche und liberale Demokratie sich erhalten und entwickeln kann.

Ziel des Projekts ist eine theoretisch fundierte und valide Messung demokratischer Medienqualität auf der Basis einer ländervergleichenden Untersuchung der Mediensysteme Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Das Projekt

  • untersucht das Spektrum für die Meinungsbildung relevanter Informationsquellen in großer Breite; dabei werden unterschiedliche Medien (Print, TV) und verschiedenartige publizistische Programme (überregionaler, regionaler, Boulevard-Journalismus) mit der jeweiligen Differenzierung nach verschiedenen Ausspielwegen (Print resp. Funk, Online, Social Media) berücksichtigt;

  • bestimmt die publizistischen Leistungen im Anschluss an die Qualitätsforschung in den öffentlichkeitstheoretisch begründeten Dimensionen Relevanz, Pluralität und Deliberativität;

  • nutzt als externen Benchmark für die Relevanz sowie die Pluralität der Informationsgebung die Policy-Agenden von Akteuren im parlamentarischen Raum;

  • erfasst die Art der Relevanzkonstruktion sowie die Pluralität der übermittelten Themendeutungen anhand von Value Frames;

  • setzt die Befunde der Inhaltsanalysen in Beziehung zu der Analyse der strukturellen Besonderheiten der Mediensysteme sowie der politischen Systeme, um über diesen internationalen Vergleich die Faktoren zu identifizieren, die das Ausmaß publizistischer Qualität prägen.

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Schweizerischen Nationalfond sowie dem Österreichischen Fond zur Förderung der Forschung unterstützt.

An dem Projekt sind folgende Partner in leitender Funktion beteiligt:

An der Heinrich-Heine-Universität wird das folgende Teilprojekt bearbeitet:

Teilprojekt 4: Vergleichende Analyse der Berichterstattung zum Konfliktthema Migration

Das Gesamtprojekt wird die Qualität der Informationsleistungen von verschiedenartigen Medienangeboten themenübergreifend ermitteln. Dabei dient der informierte Staatsbürger als Leitbild für die zu untersuchenden Qualitätsdimensionen: Relevanz, Pluralität und Deliberativität.

Das Teilprojekt 4 geht in die Tiefe und untersucht die Qualität der Berichterstattung auf der Ebene übermittelter problembezogener Aussagen. Dafür werden die Beiträge über das Konfliktthema Migration, das die innenpolitische Debatte in allen drei Ländern maßgeblich prägt, analysiert. Mit Blick auf die Dimension Relevanz wird untersucht, welche Deutungen über den Kern des Problems vermittelt werden, d. h wie breit oder selektiv Medien verschiedenartige Relevanzkonstruktionen übermitteln. Mit Blick auf die Dimension Pluralität wird untersucht, wie vollständig oder selektiv Medien das Spektrum politischer Positionen zum Konflikt darstellen. Der Informationsgehalt wird dabei anhand von Standardargumenten erfasst, die normative Grundpositionen (Value Frames) artikulieren. Die Unterscheidung von politischen Grundpositionen orientiert sich an den Cleavages, die die Konfliktlinien in den drei Gesellschaften beschreiben. Mit Blick auf die Dimension der Deliberativität wird klassifiziert, inwieweit die Beiträge zu dem Konfliktthema professionelle Standards wie Sachlichkeit, Begründetheit oder Responsivität erfüllen.


Projektverantwortliche

Prof. Dr. Ralph Weiß, Professur für Kommunikations- und Medienwissenschaft, Institut für Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

PD Dr. Merja Mahrt, Akademische Oberrätin a. Z., Kommunikations- und Medienwissenschaft, Institut für Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Raphael Kösters, M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Kommunikations- und Medienwissenschaft, Institut für Sozialwissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf


Projektrelevante Publikationen

Jandura, O. & Kösters, R. (2017). Neue Medienumgebungen, andere Auswahlkriterien? Überlegungen zur Auswahl von Medienangeboten bei Inhaltsanalysen. Publizistik, 62 (1), S. 25-41.

Kösters, R. & Jandura, O. (2018). Politische Kommunikation in heterogenen Lebenswelten. Kommunikationspraxis in politischen Milieus und Bedingungen ihrer Integration. Studies in Communication and Media (SCM), 7 (2), S. 129-185.

Mahrt, M. (im Erscheinen). Of filter bubbles and echo chambers: The integrative potential of the Internet. Berlin: Digital Communication Research.

Mahrt, M. (2017). Themenkenntnis und Integrationsfunktion der Medien: Sind Onlinenutzung und Onlineinhalte mit Massenmedien vergleichbar? In M. Beiler & B. Bigl (Hrsg.), 100 Jahre Kommunikationswissenschaft in Deutschland. Von einem Spezialfach zur Integrationsdisziplin (S. 305-318). Konstanz: UVK.

Mahrt, M., & Begenat, M. (2013). Von Lebenswelten und ihren Horizonten: Mediennutzung und Themenwahrnehmung in politischen Milieus. Medien & Kommunikationswissenschaft, 61(1), 21-37.

Mahrt, M. (2010). Values of German media users, 1986-2007. Wiesbaden: VS Verlag.

Weiß, R., Magin, M., Hasebrink, U., Jandura, O., Seethaler, J. & Stark, B. (2016). Publizistische Qualität im medialen Wandel – eine normativ begründete Standortbestimmung. In: Werner, P., Rinsdorf, L., Pleil, T. & Altmeppen, K.-D. (Hrsg.). Verantwortung – Gerechtigkeit – Öffentlichkeit. Normative Perspektiven auf Kommunikation. Konstanz, München: UVK, S. 27-49.

Weiß, R. & Jandura, O. (2017). Medien und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Welche Leistungen öffentlicher Kommunikation braucht eine demokratische Gesellschaft? In: Jandura, O., Wendelin, M., Adolf, M. & Wimmer, J. (Hrsg.). Zwischen Integration und Diversifikation. Medien und gesellschaftlicher Zusammenhalt im digitalen Zeitalter. Wiesbaden: Springer, S. 11-31.

Weiß, R., Kösters, R. & Jandura, O. (im Erscheinen). Aufklärung neben Barbarei – Die Ambivalenzen öffentlicher Kommunikation in heterogenen Gesellschaften.


Projektrelevante Vorträge

Kösters, R. (2017, Mai). A Pluralistic Debate on Immigration? Media Framing in Different Segments of the Public Sphere. ICA 2017 Political Communication Division PhD Student Conference, San Diego (USA).

Kösters, R. (2017, Mai). Evaluating Media Performance in the Light of Fragmented Audiences. ICA 2017 Preconference “Media Performance & Democracy – the Debate continues”, San Diego (USA).

Kösters, R. & O. Jandura (2017, März). Politisch homogene Teilkulturen in der Öffentlichkeit? Identifikation von politisch-kommunikativen Milieus und Bedingungen ihrer Vernetzung. DGPuK Jahrestagung 2017, Düsseldorf.

Kösters, R. (2016, Juni). Spotlight on the Essentials. Democratic Theory as a Rationale for Normative Standards and Benchmarks of Media Performance. ICA 2016 Pre-Conference “Media Performance & Democracy”, Fukuoka (Japan).

Mahrt, M. (2016, April). Themenkenntnis und Integrationsfunktion der Medien: Sind Onlinenutzung und Onlineinhalte mit Massenmedien vergleichbar? Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Leipzig.

Mahrt, M., & Begenat, M. (2012, Mai). Segmentierte Agenden – Mediennutzung und Themenwahrnehmung in politisch-kommunikativen Milieus. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Berlin.

Mahrt, M., & Begenat, M. (2010, November). Mediatisierte politische Milieus? Politische Milieus und ihr Mediengebrauch. 3. Workshop des Medienwissenschaftlichen Lehr- und Forschungszentrums, Köln.

Weiß, R. (2015, Mai). Ist eine normative Theorie publizistischer Qualität noch begründbar? Vortrag im Rahmen des Panels „Publizistische Qualität im medialen Wandel – eine normativ begründete Standortbestimmung“. Jahrestagung der DGPuK in Darmstadt.

Weiß, R. (2015, November). Lassen sich allgemein verbindliche Maßstäbe für publizistische Qualität begründen? Vortrag bei der Landesanstalt für Medien.

Weiß, R. (2018, Mai). Debatten auf dem Forum und Wutreden in der Echokammer. Wie politische Milieus die Kommunikationspraxis prägen. Vorlesung an der Universität Salzburg.