WORKSHOP FILMUNTERTITELUNG

Filmkritik zu Der beseelte Wald


Man nehme einen mystischen Wald, einen Dorftrottel, einen Geist und einen Haufen abergläubischer Frauen und fertig ist eine märchenhafte Geschichte mit allem, was dazugehört. Dass dieses Rezept aufgeht, zeigt der Film El bosque animado (Der beseelte Wald) von 1987. Schauplatz ist der geheimnisvolle Wald um das Dorf Cecebre, der sich tatsächlich in vielerlei Hinsicht als beseelt herausstellt.

Malvìs (Alfredo Landa), der nicht mehr arbeiten möchte, ohne dass sich seine finanzielle Lage verbessert, entscheidet sich, als Räuber Fendetestas im Wald sein Unwesen zu treiben. Nur leider geht sein Vorhaben nicht so gut auf wie gedacht, da die Bewohner des kleinen Dorfes, in dem jeder jeden kennt, genauso arm sind wie er selbst.
Brunnenbauer Geraldo (Fernando Valverde) ist unglücklich in Hermelinda (Alejandra Grepi) verliebt, die von seinem quietschenden und zu kurzen Holzbein allerdings abgeschreckt wird. Um nicht mehr im Haushalt ihrer argwöhnischen Tante arbeiten zu müssen, verlässt sie Cecebre, ohne Gerlado eine Chance zu geben, ihr seine Zuneigung zu gestehen. Verzweifelt sucht Geraldo die Dorfhexe auf, die Hermelinda mit einem Zauber zurückholen soll.
Als ob das Geschäft für Fendetestas nicht schon schleppend genug laufen würde, taucht zu alledem auch noch der Geist Fiz (Miguel Rellán) auf, der ruhelos durch den Wald wandelt, und die Dorfbewohner daraufhin den Waldweg meiden. Zudem bekommt er Konkurrenz vom kleinen Spitzbuben Fuco (José Estéban Jr.), der Kohle klaut und Nagetiere jagt.

El bosque animado ist eine gelungene Mischung aus Komödie und Drama, die nicht zu Unrecht 1988 den spanischen Filmpreis Goya in acht von 16 Kategorien, zum Beispiel für den "Besten Film" gewonnen hat.

Besonders überzeugt Alfredo Lada in seiner Rolle als durchtriebener Räuber mit dem Decknamen Fendetestas, der seiner Figur trotz seiner nicht allzu ernstzunehmenden kriminellen Aktivitäten einen liebenswerten Charakter verleiht. Malvìs scheitert auch in seinem neuen Laben, und insgesamt scheint sich das Leben im Dorf trotz aller Veränderungen im Kreis zu bewegen.

Fernab aller Hollywood-Allüren wartet man vergeblich auf ein Happy End. Dennoch verliert der Film seinen märchenhaften Charme nicht und verzaubert gerade wegen seiner verfahrenen Geschichte.

von Jennifer Preuß

Diese Filmkritik entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit des Workshops Filmuntertitelung mit dem Institut für Germanistik im Wintersemester 09/10 im Rahmen des Seminars "Filmkritiken schreiben" unter Leitung von Constanze Fiebach M.A.


In Kooperation mit:

Institut für Germanistik