KOMMUNIKATIONS- UND MEDIENWISSENSCHAFT

Politik und Unterhaltung

Prof. Dr. Christiane Eilders
Dr. Cordula Nitsch

Kerngedanke des Projekts ist, dass Politikvorstellungen nicht ausschließlich in politischen Informationsformaten vermittelt werden. Vielmehr weist die zunehmende Unterhaltungsorientierung von Politikvermittlung einerseits und die Thematisierung von politischen Inhalten in Unterhaltungsformaten darauf hin, dass die Unterhaltung ein wirksames Vehikel für die Vermittlung von politikbezogenen Realitätsvorstellungen darstellt.

Das Projekt untersucht daher zunächst inhaltsanalytisch medienvermittelte Politikbilder in verschiedenen Genres und Medien. Mit Blick auf mögliche Wirkungen werden Hypothesen über die Effekte beim Publikum - in Abhängigkeit von weiteren Einflussfaktoren - generiert, die dann in einer Reihe von Experimenten und Befragungsstudien überprüft werden. Diese unterschiedlichen Kleinprojekte stellen Vorstudien für eine umfassender angelegte empirische Studie zur Kultivierung dar. Dabei handelt es sich um Untersuchungen zur Darstellung von Politik im Umfeld der Bundestageswahlen in der "Lindenstraße", zum Politikbild in "The West Wing" und "Kanzleramt" und zur Erarbeitung einer Systematisierung von Politik in fiktionalen Film- und Fernsehangeboten.

Außerdem werden die Wirkungen der dort vermittelten Botschaften auf die Weltbilder, Einstellungen und das Verhalten des Publikums untersucht. So z.B. durch die Rezeption von unterschiedlich politikhaltigen Episoden der "Lindenstraße" (gemeinsam mit Prof. Dr. Carsten Wünsch) oder zu positiven und negativen Politikerfilmen (Dr. Cordula Nitsch und Prof. Dr. Carsten Wünsch).

Die Befunde aus den unterschiedlichen Vorstudien fließen in einen entsprechenden Projektantrag ein.

Eilders, Christiane & Nitsch, Cordula (2010): „Du glaubst auch alles, was die Dir vor der Wahl noch so verzapfen…” Die Bundestagswahlen 1987 bis 2005 in der “Lindenstraße”. In Klaus-Dieter Felsmann (Hrsg.): Die Bedeutung der Unterhaltungsmedien für die Konstruktion des Politikbildes (S. 137-147). München: kopaed Verlag.

Wünsch, Carsten, Nitsch, Cordula & Eilders, Christiane (2012): Politische Kultivierung am Vorabend. Ein prolonged-exposure-Experiment zur Wirkung der Fernsehserie "Lindenstraße". Medien und Kommunikationswissenschaft, 60(2), 176-196.

Eilders, Christiane & Nitsch, Cordula (2014): Politikvermittlung zwischen "Traumschiff" und "The West Wing". Ein Vorschlag zur Systematisierung von Serien im deutschen Fernsehen. In Marco Dohle & Gerhard Vowe (Hrsg.): Politische Unterhaltung - Unterhaltende Politik. Forschung zu Medieninhalten, Medienrezeption und Medienwirkungen (S. 138-162). Köln: Herbert von Halem.

 

Politik im öffentlichen Raum

Dr. Cordula Nitsch
Prof. Dr. Carsten Wünsch

Das Projekt befasst sich mit politischen Informationen im öffentlichen Raum. In einem ersten Schritt wurde untersucht, mit welchen politischen Informationen Menschen im öffentlichen Raum in Kontakt kommen. Mittels Begehungen (zu Fuß, mit dem ÖPNV und mit dem PKW) wurden hier die politischen Informationen in vier deutschen Großstädten erhoben und zusätzlich an einem Stichtag eine Vollerhebung der politischen Informationen an den jeweiligen Hauptbahnhöfen durchgeführt. Die Hauptbahnhöfe zeichnen sich durch das Vorhandensein der neuen, aufstrebenden Digital-Signage Medien aus (z.B. Infoscreens und Out-of-Home-Channel).

In einem zweiten Schritt wird die Wirkung von politischen Informationen im öffentlichen Raum untersucht. Der Fokus liegt dabei auf Agenda-Setting- und Priming-Effekten durch Digital Signage Medien. Digital Signage bietet ein gemischtes Programm aus redaktionellen Inhalten und Werbung. 2011 waren in Deutschland ca. 90.000 Bildschirme an 8.000 verschiedenen Standorten installiert. Aufgrund ihrer hohen Reichweite – Digital Signage Medien verzeichneten 2011 ca. 335 Millionen Bruttokontakte pro Woche – und wegen des Anteils redaktioneller politischer (Kurz-)Nachrichten sind die Inhalte dieses Mediums ein relevanter Gegenstand kommunikationswissenschaftlicher Forschung.

Schließlich soll in einem dritten Schritt eine Beobachtung zur Rezeption dieser neuen Medien auf Bahnhöfen durchgeführt.

Nitsch, Cordula & Wünsch, Carsten (2013): Politische Information im öffentlichen Raum. In Barbara Pfetsch, Janine Greyer, & Joachim Trebbe (Hrsg.): MediaPolis – Kommunikation zwischen Boulevard und Parlament. Strukturen, Entwicklungen und Probleme von politischer und zivilgesellschaftlicher Öffentlichkeit (S. 123-141). Konstanz: UVK.

 

Anschlusskommunikation als Medienwirkung: Einfluss von Relevanz und Qualität genutzter Medieninhalte auf das Gesprächsverhalten

Pablo Porten-Cheé, M.A.

Das Konzept Anschlusskommunikation, hier definiert als an vorherige Medienrezeption anschließende Gespräche, erhielt in den letzten Jahren wachsende Aufmerksamkeit seitens der Kommunikationswissenschaft. Jedoch wurden die Gründe der Anschlusskommunikation bislang unzureichend beleuchtet. Menschen lernen, so die theoretische Argumentation, dass es gesellschaftlich belohnt wird, sich über Relevantes und Richtiges zu unterhalten. Die Dissertation knüpft folglich an Arbeiten zur Wirkung von Relevanzindikatoren (Nachrichtenfaktoren) und Qualitätsindikatoren in Medieninhalten auf Rezipienten an und diskutiert, ob sich diese medialen Faktoren auch auf die Anschlusskommunikation auswirken. Es wird unterstellt, dass sich Rezipienten insbesondere bei sozialen und politischen Themen motiviert sehen sollten, relevanz- und qualitäts-bezogene Medieninhalte in Gespräche einfließen zu lassen. Die Wirkungsannahme wurde in einer empirischen Studie zum Thema Klimawandel im Rahmen des DFG-Projekts „Wahrnehmung öffentlicher Meinung“ unter Leitung von Christiane Eilders untersucht. In Online-Tagebüchern hielten 444 Befragte ihre genutzten (n = 1137) (journalistischen und nicht-journalistischen/online-) Medienbeiträge zum Thema Klimawandel und sich daran anschließende Gespräche (offline und online) fest. Die Beiträge wurden einer quantitativen Inhaltsanalyse unterzogen und mit Befragungsdaten verknüpft. Die Befunde deuten darauf hin, dass Relevanzindikatoren in den Medieninhalten Anschlusskommunikation fördern, Qualitätskriterien jedoch nur in geringem Ausmaß. Verschiedene Randbedingungen variieren die Bedeutung beider medialer Faktoren.

Online-Deliberation

Dennis Frieß, M.A.

Das Konzept der Deliberation hat im Zuge der rasanten Verbreitung des Internets innerhalb der letzten 20 Jahre erhöhte Aufmerksamkeit erfahren. Unter Deliberation wird dabei ein öffentlicher und frei zugänglicher Kommunikationsprozess verstanden, der bestimmten Regeln (u.a. Begründung der eigenen Position, Anerkennung anderer Positionen, Respekt, wechselseitige Bezugnahme) genügen muss. Obgleich das Internet die Infrastruktur für groß angelegte Deliberationsprozesse bereitzuhalten scheint, zeitigen empirische Untersuchungen immer wieder ernüchternde Ergebnisse bezüglich der deliberativen Qualität von Online-Debatten.

Das Projekt untersucht zum einem die Voraussetzungen für erfolgreiche Online-Deliberation und zum anderen die Folgen solcher Deliberationsprozesse. Entsprechend ergibt sich ein Modell das zwischen Voraussetzungen für Deliberation, dem Kommunikationsprozess (Deliberation) und den Ergebnissen von Deliberation unterscheidet. Im Zuge einer Vorstudie wurde dieses Modell auf einer breiten theoretischen und empirischen Grundlage entwickelt und in Teilen getestet. An dem Fallbeispiel einer online entwickelten Promotionsordnung zeigte sich, dass ein in deliberativer Hinsicht optimal gestaltetes Online-Forum (Voraussetzungen), eine Debatte von hoher deliberativer Qualität (Kommunikationsprozess) hervorbrachte und schließlich eine Promotionsordnung von hoher Güte einstimmig verabschiedet wurde (Ergebnisse). 

Im weiteren Projektverlauf wird es darum gehen die Wechselwirkungen zwischen institutionellen Design, Kommunikationsprozess und Ergebnissen weiter zu analysieren. Dabei sollen vor allem systematische Vergleiche unterschiedlicher Online-Diskussionen, sowie experimentelle und quasiexperimentelle Designs zum Einsatz kommen.

Celebrity Endorsement bei der Europawahl 2014

Dr. Katja Friedrich
Dr. Cordula Nitsch

Dass sich bekannte Persönlichkeiten aus dem Showbusiness für politische Themen, Parteien oder Kandidaten einsetzen und offen für diese werben, ist ein Trend, der sich nicht nur in den USA sondern auch in Europa immer mehr bemerkbar macht. Erkenntnisse zum Einfluss dieser Celebrity Endorsements stammen bislang allerdings hauptsächlich aus den USA und es ist unklar, inwieweit sich diese auf Länder mit anderen politischen Systemen und Kulturen übertragen lassen.

Dieses Projekt untersucht den Einfluss von Celebrity Endorsement auf politische Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensabsichten im Rahmen der Europawahl 2014. In den zwei Wochen vor der Wahl (Mai 2014) wurde ein Online-Experiment durchgeführt. Das 3x2 faktorielle Design berücksichtigt die Faktoren ‚Politische Expertise des Endorsers‘ (Expertise: U2-Frontmann Bono; keine Expertise: Robbie Williams; unbekannte Person) sowie ‚Art des Endorsements‘ (Wahlaufruf vs. Imagekampagne für die EU). Die Studie wurde in Kooperation mit Kollegen und Kolleginnen aus insgesamt sieben europäischen Ländern durchgeführt (Deutschland, Österreich, Spanien, Großbritannien, Schweden, Polen und Rumänien) und ermöglicht es dadurch, auch länderspezifische Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten.

Nationale Konstruktionen Europäischer Identität - DFG-Projekt

Prof. Dr. Christiane Eilders
Dr. Dennis Lichtenstein

Europäische Identität bezieht sich auf das Zusammengehörigkeitsgefühl der europäischen Gesellschaften und ist von hoher Relevanz hinsichtlich der Legitimität und Stabilität der politischen Institutionen der EU. Wie stark europäische Identitätsbekenntnisse im öffentlichen Diskurs artikuliert und mit welchen Inhalten sie begründet werden, ist die leitende Frage des Projekts. Identität wird dabei als soziale Konstruktion verstanden, die in nationalen Kommunikationszusammenhängen diskursiv ausgehandelt wird. Zu vermuten ist, dass der Zusammenhang zwischen Identitätsbekenntnissen und ihrem inhaltlichen Framing national unterschiedlich verläuft und in je unterschiedliche Handlungserwartungen an die EU und nationale Regierungen mündet.
Methodisch wird mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse, die auf dem Framing-Ansatz aufbaut, ein Vergleich der Identitätskonstruktionen in den Medienöffentlichkeiten von sieben ausgewählten Nationen durchgeführt.  Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über drei Jahre gefördert.
Eine ausführliche Beschreibung des DFG Projektes finden Sie hier.

Politikdarstellung in Late-Night-Shows

Dr. Dennis Lichtenstein
Dr. Cordula Nitsch

Politikvermittlung im Fernsehen findet heute nicht mehr nur über klassische Nachrichtensendungen, sondern zusätzlich vermehrt über unterhaltende Formate statt, die vor allem ein junges Publikum erreichen. So z.B. auch in Late-Night-Shows, deren Selbstverständnis nicht zuerst in der neutralen und politischen Hintergrundberichterstattung und Wissensvermittlung liegt, sondern vor allem in der Unterhaltung ihres Publikums. Das Projekt untersucht, welches Politikbild in Late-Night-Shows vermittelt wird und inwiefern dieses von dem über Nachrichtensendungen vermittelten Bild abweicht. Zu diesem Zweck wurde die Darstellung von Politik in der Harald-Schmidt-Show dem Politikbild der Tagesschau gegenübergestellt. 

Nitsch, Cordula & Lichtenstein, Dennis (2013): Politik mal anders: Die Politikdarstellung in "Harald Schmidt" im Kontrast zur "Tagesschau". Publizistik, 58(4), 389-407.

 

Journalismus in der Fiktion

Dr. Cordula Nitsch

Dass der Journalismus nicht nur in der Kommunikationswissenschaft von großem Interesse ist, zeigt die Fülle fiktionaler Werke, deren Handlung im journalistischen Milieu angesiedelt ist. Das Dissertationsprojekt knüpft an die deutschen und international vergleichenden Journalistenstudien an und untersucht das Verhältnis von Realität und Fiktion. Der Fokus liegt auf dem Thema Fernsehjournalismus und es wird ein Zwei-Länder-Vergleich zwischen Deutschland und den USA durchgeführt.

Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis von empirischer Realität und fiktionaler Darstellung und setzt sich mit dem Wirkungspotenzial fiktionaler Medieninhalte sowie mit der Frage nach deren Realitätsgehalt auseinander. Darüber hinaus wird der Forschungsstand zu fiktionalen Journalismusdarstellungen systematisch vorgelegt. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen werden in einem zweiten Teil 60 deutsche und amerikanische Romane aus dem Zeitraum von 1970 bis 2005 inhaltsanalytisch untersucht. Neben Merkmalen der journalistischen Akteure werden auch institutionelle, rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen erhoben. Die Befunde der Inhaltsanalyse ermöglichen eine Darstellung des fiktionalen Fernsehjournalismus im Zeitverlauf sowie im Ländervergleich und einen Vergleich mit den Erkenntnissen der empirischen Journalismusforschung. Hinsichtlich der journalistischen Rahmenbedingungen bilden die Romane beider Länder die jeweilige Realität weitgehend ab, während die Darstellung der journalistischen Akteure ein in vielen Aspekten verzerrtes Bild aufweist.

Nitsch, Cordula (2011): Journalistische Realität und Fiktion. Eine empirische Analyse des Fernsehjournalismus in deutschen und US-amerikanischen Romanen (1970-2005). Köln: Herbert von Halem Verlag.