Beiträge zur Semantik und Pragmatik in
G. Strube et al. (Hrsg.) Wörterbuch der Kognitionswissenschaften. Stuttgart. Klett-Cotta. 1996.
Sebastian Löbner
Universität  Düsseldorf

 


Ambiguität
(ambiguity). Form der Unbestimmtheit der Bedeutung . Möglichkeit verschiedener klar von einander abgegrenzter Lesarten (semantischer Interpretationen) auf der Ebene der Ausdrucksbedeutung oder der Äußerungsbedeutung ( Bedeutung: Bedeutungsebenen ). Quelle für die A. der Ausdrucksbedeutung kann lexikalische Ambiguität (Mehrfachbedeutungen von Lexemen) oder syntaktische (strukturelle Ambiguität) bei komplexen Ausdrücken sein. Auf der Ebene der Äußerungsbedeutung können Mehrfachlesarten durch die Anpassung von Ausdrucksbedeutungen an die Erfordernisse des gegebenen Kontexts oder durch unterschiedliche Bezugsmöglichkeiten entstehen

Ambiguität auf der Ausdrucksebene: Innerhalb von lexikalischer Ambiguität wird - bei notorischen Abgrenzungsschwierigkeiten - zwischen den Phänomenen Homonymie und Polysemie unterschieden. Homonym sind verschiedene Lexeme der gleichen Lautform (Homophone) und/oder Schriftform (Homographen), die verschiedene Bedeutungen ohne einen erkennbaren Bedeutungszusammenhang aufweisen, z.B. Ton (Erde) und Ton (in der Musik) oder Seite und Saite . Von Polysemie spricht man dagegen, wenn ein und dasselbe Lexem verschiedene Bedeutungsvarianten aufweist, die in einem erkennbaren Zusammenhang oder Ableitungsverhältnis zueinander stehen, z.B. Schlange ("snake", "queue"), grün (Farbe, "unreif", "umweltengagiert"). Die verschiedenen Bedeutungsvarianten sind idiosynkratisch und lexikalisiert. Produktive Prozesse der Bedeutungsvariation, z.B. konzeptuelle Verschiebung (s.u.),  Metapher , Metonymie werden der Ebene der Äußerungsbedeutung zugeordnet. Auch ohne lexikalisch ambige Elemente kann ein Satz ambig sein, wenn seine syntaktische Struktur mehrdeutig ist, z.B. aufgrund der nicht eindeutigen Zuordnung der Präpositionalphrase am Telefon in dem Satz  Ich habe dich am Telefon gehört (Wer war am Telefon, ich oder du?) oder aufgrund von Skopus-Ambiguität ( Skopus) wie in Jede von euch kann eine Fremdsprache: in einer Lesart können alle dieselbe Fremdsprache, in der anderen jede irgendeine, eventuell verschiedene.

Ambiguität auf der Äußerungsebene: Ausdrücke mit eindeutiger Ausdrucksbedeutung können in verschiedenen Äußerungskontexten immer noch verschiedene Lesarten besitzen. Bierwisch spricht angesichts von Beispielen wie Faulkner ist schwer zu verstehen von  konzeptueller Verschiebung (conceptual shift) und konzeptueller Differenzierung ( conceptual differentiation). Der Satz ist verschieden interpretierbar: er kann sich auf Faulkners Verhaltensweise, seine Aussprache oder seine Werke beziehen. Dennoch ist weder einer der in dem Satz enthaltenen Ausdrücke noch die Satzkonstruktion mehrdeutig. Vielmehr wird, in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext, die lexikalische Bedeutung des Eigennamens Faulkner "verschoben", die des Verbs verstehen passend begrifflich "differenziert". Im Gegensatz zu der bei Polysemie vorliegenden Bedeutungsvariation ist begriffliche Verschiebung ein systematischer und produktiver Prozess, der nicht lexikalisch auf idiosynkratische Einzelfälle eingeschränkt ist ( Semantik, kognitive ). Eine weitere Quelle von Ambiguität auf der Äußerungsebene stellen referierende Ausdrücke mit alternativen Bezugsmöglichkeiten dar, z.B. kann das Possessivpronomen sein in dem Satz Er hat sein Geld verloren je nach Kontext reflexiv auf den Referenten des Subjekts oder auf eine andere männliche Person bezogen werden.

Lit. Bierwisch, M. (1983). Semantische und konzeptuelle Repräsentationen lexikalischer Einheiten. In R. Ruzicka, W. Motsch (Eds.), Untersuchungen zur Semantik. Berlin: Akademie-Verlag. S. 61-100.


Antonymie (antonymy). siehe Oppositionen , Bedeutungsbeziehungen, logische .


Äquivalenz, logische (logical equivalence). siehe Bedeutungsbeziehungen, logische .


Bedeutung
(meaning). Grundbegriff der linguistischen Semantik und Pragmatik . Nach dem vorherrschenden Drei-Ebenen-Modell wird Bedeutung in drei Ebenen differenziert und ihre Beschreibung auf die Disziplinen Semantik und Pragmatik aufgeteilt. Dem gegenüber stehen holistische Ansätze, nach denen sich Bedeutung nicht in diese Ebenen auftrennen lässt. (s.u.: Bedeutungsbegriffe)


Bedeutungsebenen. Bedeutungsebene im Sinne der Linguistik ist die Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken, sprachlichen Äußerungen und sprachlichen Handlungen. Drei Ebenen werden unterschieden: (1) Die Ebene der Ausdrucksbedeutung. Auf dieser Ebene, die dadurch gewonnen wird, dass man von den möglichen Verwendungskontexten abstrahiert, besitzen Ausdrücke eine "feste" Bedeutungsebene. Die Bedeutungsebene lexikalischer Ausdrücke ( Lexeme,  Wörter,  idiomatische Wendungen) ist als deren lexikalische Bedeutung Teil des lexikalischen Eintrags für diesen Ausdruck. Die Ausdrucksbedeutung eines Satzes, die Satzbedeutung, ergibt sich aus der lexikalischen Bedeutung seiner Bestandteile und seinem syntaktischen Aufbau ( Semantik, linguistische: Kompositionalitätsprinzip ). Z. B. besteht die Satzb. des Satzes Ich gebe Ihnen das Buch also heute abend zurück darin, einen abstrakten Sachverhalt auszudrücken: dass die Sprecherin der Adressatin oder den Adressatinnen an dem Abend des Tages, an dem der Satz geäußert wird, ein bestimmtes Buch zurückgeben wird. Das Wort also verweist auf einen nicht näher spezifizierten Zusammenhang, aus dem sich das Gesagte ergibt. Die Satzform (Verbzweitstellung) weist den Satz als Aussage aus. (2) Die Ebene der Äußerungsbedeutung. Wird dieser Satz in einem bestimmten  Kontext von einer bestimmten Person A einer bestimmten anderen Person B gegenüber geäußert, so ergibt sich aus Satzb. und Kontext seine Äußerungsb.: dass nämlich die Person A am Abend desselben Tages der Person B das Buch, um das es sich in diesem Kontext handelt, zurückgeben wird. In Abhängigkeit vom Kontext wird in der Äußerungsb. z.B. festgelegt, auf welche Personen, welches Buch, welchen Tag sich die Ausdrücke ich, Ihnen, das Buch, heute konkret beziehen ( Referenz ). Durch also wird ein Bezug der Äußerung auf den gegebenen Kontext und Handlungszusammenhang beansprucht. (3) Ebene des kommunikativen Sinns: Erst auf der Basis der Äußerungsb. lässt sich ihr kommunikativer Sinn bestimmen: was die Äußerung "soll", welche Sorte von  Sprechakt sie darstellt, z.B. die Bestätigung einer Vereinbarung oder einer Feststellung, eine Vorlage zur Bestätigung (mit Frageintonation), eine Zusage, eine Drohung oder auch das Zitat einer Fremdäußerung (direkte Rede).

Wie das Beispiel zeigt, sind die beiden Ebenen der Äußerungsb. und des kommunikativen Sinns zumindest partiell in der Ausdrucksb. angelegt: bestimmte Elemente des Ausdrucks können auf den jeweiligen Äußerungskontext ( Deixis Referenz ) verweisen oder den kommunikativen Sinn mitdeterminieren ( Pragmatik zugeordnet; die Ebene der Ausdrucksb., die die Basis für die beiden anderen Ebenen bildet, fällt in den Bereich der Semantik . Die Zuordnung der Ebene der Äußerungsb. ist eine umstrittene Frage der Grenzziehung zwischen den beiden Bereiche. - Die B. von Ausdrücken kann prinzipiell nur indirekt erschlossen werden. Die beiden wichtigsten Quellen sind B.beziehungen zu anderen Ausdrücken und  Referenz


Bedeutungsspektrum. Die Ausdrucksb. kann mehrere voneinander unabhängige Komponenten aufweisen. In dem vorherrschenden Paradigma der linguistischen Semantik , der  Proposition : die abstrakte Sachverhaltskennzeichnung, die der Satz ausdrückt. Die Sätze Sie gehen., Gehen Sie!, Gehen Sie? haben dieselbe deskriptive Bedeutung/Proposition. Der Unterschied im Satzmodus (Deklarativ-, Imperativ, Interrogativsatz) ist Teil der nicht-deskriptiven Bedeutung.  Die deskriptive Bedeutung einzelner Wörter oder Satzteile besteht in dem Beitrag, den sie zur deskriptiven Bedeutung eines Satzes leisten können, z.B. in der Bezugnahme auf eine bestimmte Zeit ( heute ) oder auf Personen mit einer bestimmten Rolle in der Äußerungssituation (ich, Sie ), in der Kennzeichnung von Referenten (BuchReferenz ) oder Geschehnissen (). - Nicht alle Ausdrücke haben deskriptive Bedeutung oder ausschließlich deskriptive Bedeutung. Innerhalb der nicht-deskriptiven Bedeutung unterscheidet man unter anderm soziale und expressive Bedeutung. Soziale Bedeutung haben Sätze, Ausdrücke und Ausdrucksweisen, wenn sie auf spezifische Weise dem Ausdruck sozialer Beziehungen und dem Vollzug sozialer Interaktion dienen. Die Ausdrücke du und Sie haben bei gleicher deskriptiver Bedeutung (wenn man davon absieht, dass sich Sie auch auf mehrere Adressatinnen beziehen kann) unterschiedliche soziale Bedeutung, da ihr adäquater Gebrauch sozial geregelt ist, wodurch sie umgekehrt eine Kennzeichnung der sozialen Beziehung zwischen Sprecherin und Adressatin ergeben. Eine weitere Klasse von Ausdrücken hat ausschließlich oder überwiegend soziale Bedeutung, z.B. Floskeln wie Tschüß! , Danke! , Entschuldigung! , mit denen spezifische Interaktionen vollzogen werden (Abschied, Bedankung, Entschuldigung). Durch einen expressiven Bedeutungsanteil werden Einstellungen oder Gefühle ausgedrückt oder mit ausgedrückt. Das Nomen Köter besitzt eine expressive, nämlich abwertende Bedeutungskomponente, die das deskriptiv bedeutungsgleiche Nomen Hund nicht besitzt. Auf dieselbe Weise haben Schimpfwörter (), Kraftausdrücke (Kerl), Euphemismen (Verteidigungsfall ) deskriptive und expressive Bedeutung.  Nur expressive Bedeutung liegt bei vielen Interjektionen (au!, i!) oder bewertenden Adverbien (leider , hoffentlich ) vor. Die Bedeutung von also in dem Beispiel oben liegt in einem weiteren Bedeutungssektor: sie ist kohäsiv (dem Textzusammenhang dienend,  Partikel).


Kernbedeutung und periphere Bedeutung Bei der Beschreibung der Ausdrucksbedeutung wird von einem konstanten begrifflichen Bedeutungskern ausgegangen (auch: kognitive Bedeutung). Dazu tritt in vielen Fällen eine Peripherie von kulturell, stilistisch, regional, situativ variierenden  Konnotationen , Nebenbedeutungen, die mit der Kernbedeutung assoziert werden (z.B. die assoziierte politische Kategorisierung, die bei dem Wort Sympathisant mitschwingt). Konnotationen sind nicht individuell-subjektiv, sondern konventionell, wenn auch nicht so konstant wie die Kernbedeutung.


Bedeutungsbegriffe. Auf die Frage, was Bedeutung eigentlich ist, gibt es bisher keine allgemein akzeptierte Antwort. Bedeutung wird in den verschiedenen linguistischen, philosophischen, psychologischen und kognitiven Ansätzen unterschiedlich theoretisch konstruiert. In einem Versuch zur Objektivierung macht die Referenzsemantik , insbesondere im vorherrschenden Paradigma der  Wahrheitsbedingungssemantik , Bedeutung an dem Referenzpotential eines Ausdrucks fest; damit kann allerdings nur die deskriptive Komponente der Bedeutung erfasst werden. Der  Strukturalismus definiert die Bedeutung eines Ausdrucks als dessen Stellenwert im sprachlichen System und daher nur relativ zur Bedeutung anderer Ausdrücke ( BedeutungsbeziehungenWortfeldanalyse ). In kognitiven Ansätzen ( Semantik, kognitive ) sind Ausdrücke durch ihre Bedeutung mit kognitiven Kategorien verknüpft. Pragmatische Bedeutungstheorien vertreten einen holistischen Bedeutungsbegriff: sie setzen Bedeutung mit dem Verwendungs- bzw. Funktionspotential gleich (Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, 1953: "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.").


Unbestimmtheit der Bedeutung Im Gegensatz zu den Ausdrücken formaler Sprachen sind natürlichsprachliche Ausdrücke in vielfältiger Weise semantisch unbestimmt. Was von Logikern oftmals als ein Defekt der Sprache betrachtet wird, bedeutet in der Praxis eine unverzichtbare Flexibilität und Kreativität der Sprachverwendungsmöglichkeiten. In der Beschreibung werden zwei Phänomene unterschieden:  Vagheit liegt bei Ausdrücken vor, deren Anwendungsbereich nicht klar abgegrenzt ist und je nach Kontext variiert (z.B. rot im Kontrast zu rosa , orange, braun , rötlich etc.). Von  Ambiguität spricht man, wenn ein Ausdruck mehrere klar voneinander unterscheidbare Lesarten besitzt.

Lit. A. von Stechow/D. Wunderlich (Eds.) (1991). Semantik . Berlin: de Gruyter. Darin: J. Lyons: Bedeutungstheorien, S.1-24. M. Pinkal: Vagheit und Ambiguität, S.250-269. D. Wunderlich: Bedeutung und Gebrauch, S.32-52.


Bedeutung, deskriptive (descriptive meaning). siehe Bedeutung : Bedeutungsspektrum .


Bedeutung, lexikalische (lexical meaning). Im Lexikon einer Sprache festgelegte vom jeweiligen Verwendungskontext abstrahierende "feste" Bedeutung eines Ausdrucks ( Lexems).  Bedeutung : Bedeutungsebenen.


Bedeutungsbeziehungen, Sinnrelationen (meaning relations , semantic relations, sense relations). Im Gegensatz zur Bedeutung selbst sind Bedeutungen zwischen Ausdrücken (Wörtern, Satzteilen, Sätzen) relativ leicht fassbar und daher wichtige Evidenz zur Bestimmung von Bedeutung . Im Sinne des  Synonymie ), Gegenteilbeziehungen ( Oppositionen ) oder logische  Bedeuntung . Eine dritte Klasse von Bedeutung, wie sie z.B. zwischen den Ausdrücken tot, sterben, töten besteht, wird durch Dekomposition etabliert ( Semantik, linguistische : Wortsemantik , Wortfeldanalyse )

Bedeutungsbeziehungen, logische (logical meaning relations ) lassen sich auf der Basis von  Wahrheitsbedingungen primär für Aussagesätze, sekundär für Prädikatsausdrücke definieren. Entscheidend für alle logischen B. ist, dass sie sich allein aus der Satzbedeutung auf der Basis der lexikalischen und grammatischen Information ergeben müssen. Schlüsse, Äquivalenzen, Widersprüche auf der Basis von Alltagswissen, Rationalitätsannahmen ( Konversationsimplikaturen ) oder besonderen Kontextgegebenheiten begründen keine logischen B. Grundbegriff ist die  Implikation (logische Folgerung): ein (Aussage-)Satz A impliziert einen Satz B, wenn folgende Bedingung erfüllt ist: Immer wenn Satz A wahr ist, ist auch Satz B wahr. (Dabei ist auch die Möglichkeit zugelassen, dass Satz A immer falsch ist; in diesem Fall ist die Bedingung für beliebige Sätze B erfüllt.) Beispiel: Sie ist die Mutter von Freds Vater impliziert Sie ist Freds Großmutter . Wenn A B impliziert und umgekehrt auch B A impliziert, sind A und B äquivalent. Äquivalenz bedeutet also identische Wahrheitsbedingungen. Nach dieser Definition sind z.B. alle Sätze äquivalent, die sich nur durch deskriptiv synonyme Ausdrücke unterscheiden ( Synonymie ), Heute ist Samstag / Heute ist Sonnabend, oder Sätze, die denselben Sachverhalt verschieden ausdrücken: Heute ist Samstag / Morgen ist Sonntag.

Ein Satz A ist  konträr zu einem Satz B, wenn A und B die Bedingung erfüllen, dass immer, wenn A wahr ist, B falsch ist. Wenn A konträr zu B ist, ist B auch konträr zu A. Konträre Sätze schließen sich gegenseitig aus. Zugelassen ist dabei die Möglichkeit, dass beide Sätze falsch sind. Beispiele: Heute ist Samstag / Heute ist Mittwoch , Das kann jeder / Das kann fast niemand. Wenn A konträr zu B ist und zusätzlich B immer dann wahr ist, wenn A falsch ist (Entweder-Oder-Beziehung), dann sind A und B  kontradiktorisch zueinander. Das Standardbeispiel für kontradiktorische Satzpaare sind Sätze und ihre Negationen: Es schneit / Es schneit nicht , Da war jemand / Da war niemand.

Sekundär lassen sich die logischen B. auf Prädikatsausdrücke ( Prädikat ) übertragen. Ein Prädikat A impliziert ein Prädikat B, wenn eine Aussage des Inhalts "A trifft auf x zu" die Aussage "B trifft auf x zu" impliziert, analog für die anderen logischen B. In diesem Sinne impliziert T-Shirt  Hemd, Samstag ist äquivalent zu , alle  antonymen und alle  heteronymen Prädikatsausdrücke, z.B. groß/klein , blau/gelb sind konträr, komplementäre Prädikatsausdrücke, z.B. männlich/weiblich , sind kontradiktorisch. Andere Bezeichnungen: Wenn ein Prädikatsausdruck, insbesondere ein Nomen, A einen anderen Ausdruck B impliziert, ist A ein  Hyponym (Unterbegriff) von B bzw. hyponym zu B und umgekehrt B ein  Hyperonym (Oberbegriff) von A bzw. hyperonym zu A. Konträre (und kontradiktorische) Ausdrücke sind miteinander  inkompatibel (schließen sich gegenseitig aus), kompatible Ausdrücke können gleichzeitig auf dasselbe zutreffen.


Bedeutungspostulat (meaning postulate). Semantische Regel, mit der die Bedeutung eines Worts charakterisiert oder zu anderen Wörtern in Beziehung gesetzt werden kann. Z.B. "suchen = versuchen zu finden" zur Kennzeichnung des Zusammenhangs zwischen den Bedeutungen der Verben suchen und finden, oder "wenn x eine graue Maus ist, dann ist x ein grauer Gegenstand" zur Charakterisierung des Adjektivs grau als "absolut", im Gegensatz zu "relativen" Adjektiven wie groß . ( Semantik, linguistische: Satzsemantik ).


Definitheit (definiteness). Mit definiten Nominalphrasen wird angezeigt, dass  Referenz auf etwas Bestimmtes, vorweg Gegebenes erfolgt. Definit sind Eigennamen, Personalpronomen (ich, du, usw.) und alle Nominalphrasen, die mit dem bestimmten Artikel (die/der/das), mit einem Demonstrativpronomen (dies- ,
jen-), Possessivpronomen (mein-, dein-, usw.) oder einem vorangestellten Genitiv (wie in Ottos Mops) beginnen. Mit Verwendung einer definiten Nominalphrase wird vorausgesetzt ( Präsupposition ), dass ein Referent gegeben (existent) und eindeutig bestimmt ist. Diese Voraussetzung kann durch den jeweiligen Kontext gewährleistet sein oder bereits in der Bedeutung des Ausdrucks begründet sein: Ausdrücke wie das Jahr 1994, das höchste Gebäude , die Nase von X sind inhärent definit (weil es nur ein Jahr 1994 gibt, nur ein Gebäude das höchste sein kann, und jede Person nur eine Nase hat). Definite Ausdrücke sind im Kern deiktisch ( Deixis), da die Bestimmtheit des Referenten relativ zur jeweiligen Äußerungssituation zu verstehen ist.

 
Deixis (deixis). Phänomenbereich innerhalb der Referenz . Sprachliche Bezugnahme, die die unmittelbare, aktuelle Äußerungssituation (wer spricht wann wo zu wem worüber;  Kontext ) zum Ausgangspunkt nimmt. Deiktische Ausdrucksmittel sind Personalpronomen wie ich (aktuelle Sprecherin), du (aktuelle Adressatin), Demonstrativpronomen (dies), bestimmter  Artikel ( Definitheit ), lokale Adverbien (hier, da), Zeitangaben ( jetzt , vorhin, heute, morgen) und Tempus (Bezug auf Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft, jeweils relativ zur gegebenen Äußerungszeit). Die Existenz deiktischer Ausdrucksmittel ist ein zentrales Charakteristikum menschlicher Sprache. Deixis ermöglicht die flexible Verwendung bekannter Mittel in immer neuen Kontexten und damit jeweils unmittelbare Relevanz des Gesagten. Ohne deiktische Mittel wäre konkreter Situationsbezug nicht möglich.


Dekomposition (decomposition). Zerlegung der Bedeutung eines Ausdrucks in elementarere Bestandteile, semantische Primitive , siehe Semantik, linguistische : Wortsemantik


Denotation (denotation). In der linguistischen Semantik Gesamtheit dessen, was ein Ausdruck bezeichnen kann, siehe  Referenz .


Designat (denotation). In der Mögliche-Welten-Semantik der Wert eines Ausdrucks in einem gegebenen Kontext und einer möglichen Welt, für Sätze ihr Referent , für Prädikatsausdrücke die Menge aller Gegenstände, auf die das Prädikat zutrifft.


Extension (extension). Traditionell Umfang eines Begriffs, die Menge aller Gegenstände, die konkret unter diesen Begriff fallen. Verschiedene Begriffe können je nach Lage der Dinge dieselbe E. besitzen. In der  Mögliche-Welten-Semantik der Wert einer Intension für eine bestimmte mögliche Welt.


Frege-Prinzip (Frege's principle). siehe Semantik, linguistische : Kompositionalitätsprinzip .


Heckenausdruck (hedge)  In Zusammenhang mit der  Prototypentheorie eingeführte Bezeichnung: Heckenausdrücke dienen der näheren Kennzeichnung der Zugehörigkeit zu einer Kategorie. In Ein Futon ist eine Art Matratze zeigt der Heckenausdruck eine Art eine periphere Zugehörigkeit an; andere Heckenausdrücke wie richtig in Er ist richtig arbeitssüchtig indizieren zentrale Zugehörigkeit.


Heteronymie (heteronymy). siehe Oppositionen , Bedeutungsbeziehungen, logische .


Homonymie (homonymy). siehe Ambiguität .


Hyperonymie (hyperonymy). siehe Bedeutungsbeziehungen, logische .


Hyponymie (hyponymy). siehe Bedeutungsbeziehungen, logischeTaxonomie .


Implikation (entailment). siehe Bedeutungsbeziehungen, logische .


Implikatur, konversationelle siehe Konversationsimplikatur .


Indefinitheit (indefiniteness). Nominalphrasen sind indefinit, wenn mit ihrer Verwendung nicht beansprucht wird, dass ihr Referent ( Referenz ) vorweg gegeben und bestimmt ist. Vielmehr wird der Referent zwar der Art, evtl. auch der Quantität nach gekennzeichnet, seine Identität aber offengelassen. Indefinit sind die verschiedenen Objekt-Nominalphrasen in Sie hat Schrott/Nudeln/einen Fernseher/zwei Schirme/viele Zeitschriften gekauft, allgemein Massennomen wie Schrott mit oder ohne Mengenangaben (viel, ein bißchen , usw.), sog. zählbare Nomen mit dem unbestimmten Artikel ein, oder im Plural mit oder ohne Mengenangaben (Zahlwörter, einige u.ä.).


inkompatibel (incompatible). siehe Bedeutungsbeziehungen, logische .


Intension (intension). Inhalt eines Begriffs, im Gegensatz zur Extension , dem Umfang des Begriffs. In der  Mögliche-Welten-Semantik die Bedeutung eines Ausdrucks in einem gegebenen Kontext: eine Funktion, die zu jeder  möglichen Welt das  Designat des Ausdrucks in dieser Welt und dem gegebenen Kontext ergibt. Nach dieser Definition ist die  Extension einer Intension der Wert, den die Intension in einer gegebenen Welt ergibt. Die Intension von Pferd ergibt in jeder möglichen Welt die Menge der dort unter den Begriff "Pferd" fallenden Gegenstände. Insofern decken sich die beiden Begriffe von Intension und von Extension, wenn man Begriffswörter mit Begriffen identifiziert. Der Intensionsbegriff der Mögliche-Welten-Semantik ist allgemeiner, da er auch für Sätze, Individuenbezeichnungen und alle anderen Arten von Ausdrücken definiert ist. Die Intension eines Satzes ist seine Proposition .


Interpretation, semantische (semantic interpretation ). Ergebnis oder Vorgang der Bestimmung der Bedeutung von Ausdrücken, meistens jedoch Äußerungen, in einem gegebenen  Kontext , siehe  Bedeutung: Bedeutungsebenen.


Koindizierung (co-indexing). Verwendung gleicher Indizes in syntaktischen oder semantischen Repräsentationen, um anzuzeigen, dass verschiedene Ausdrücke denselben Referenten haben ( Koreferenz ). Zum Beispiel erhält der Satz Jeder i glaubt, eri sei der beste durch die Koindizierung von jeder und er die Lesart, nach der sich jeder selbst für den besten hält, während die Verwendung verschiedener Indizes die Lesart ergäbe, nach der alle denselben Dritten für den Besten halten.


Kompatibilität (compatibility). siehe Bedeutungsbeziehungen, logische .


komplementär (complementary). siehe OppositionenBedeutungsbeziehungen, logische .


Komponentialanalyse, semantische (componential analysis of meaning ). Zerlegung der Wortbedeutung in semantische Merkmale, siehe  Semantik, linguistische: Wortsemantik.


kompositional (compositional), Gegenteil von (semantisch) opak. Ein lexikalisch oder syntaktisch zusammengesetzter Ausdruck ist kompositional, wenn sich seine Bedeutung regulär aus der Bedeutung seiner Bestandteile ableitet ( Kompositionalitätsprinzip ).


Kompositionalitätsprinzip (principle of compositionality ), auch: Frege-Prinzip, siehe  Semantik, linguistische .


Konnotation (connotation). siehe Bedeutung: Kernbedeutung und periphere Bedeutung .


Kontext (context). In der Linguistik Zusammenhang, in dem eine Äußerung steht. Man unterscheidet den sprachlichen und den außersprachlichen Kontext. Sprachlicher Kontext, auch Ko-Text, ist der Text, der einen Ausdruck als Teil enthält: die Konstruktion, in die ein einzelner Ausdruck in einem Satz eingebettet ist, der Text, der einem einzelnen Satz vorangeht und folgt. Auf den sprachlichen Kontext verweisen kohäsive sprachliche Mittel (z.B. Verknüpfungen wie und , danach , deshalb , jedoch oder auch die Stichwortverweise in Wörterbuchartikeln;  Kohäsion). Den Kern des außersprachlichen Kontext bildet die Äußerungssituation: wer spricht wann wo zu wem worüber. Unmittelbaren Bezug darauf nehmen deiktische Ausdrucksmittel ( Deixis ). Im weiteren Sinne gehören auch der thematische, interaktionale, institutionelle und kulturelle Rahmen zum außersprachlichen Kontext - In dem Ebenen-Modell der Bedeutung ergibt sich die Bedeutung einer Äußerung und ihr kommunikativer Sinn aus dem Kontext auf der Basis der Ausdrucksbedeutung (siehe  Bedeutung: Bedeutungsebenen ). Siehe auch  Mögliche-Welten-Semantik wird unter Kontext der Bedeutungsparameter verstanden, von dem der aktuelle Wert von Pronomen und Variablen abhängt.


kontradiktorisch (contradictory). siehe Bedeutungsbeziehungen, logische .


konträr (contrary). siehe Bedeutungsbeziehungen, logische .


konvers (converse). siehe  Oppositionen .


Konversationsimplikaturen (conversational implicatures ). Ein von Paul Grice eingeführtes Schwerpunktthema der Pragmatik : Pragmatische Schlüsse, die sich aus der Annahme rationalen, kooperativen Kommunikationsverhaltens ableiten, das durch die Einhaltung von  Konversationsmaximen definiert ist. Nach diesen Maximen müssen Gesprächsbeiträge in dem gegebenen  Kontext relevant und durch hinreichende Evidenz abgesichert sein, sie müssen einen angemessenen Grad von Informativität, Deutlichkeit und Kürze haben. Gesprächsteilnehmer unterstellen, dass diese Maximen eingehalten werden oder, wenn, dann offen verletzt werden und leiten auf dieser Basis aus dem Gesagten Schlüsse (K.) ab. Konversationsimplikaturen können von Produzent und Rezipient gleichermaßen beansprucht werden und stellen dadurch über das wörtlich Gesagte hinaus systematisch Mitgemeintes und Mitverstandenes dar. Wenn z.B. A auf Bs Bemerkung, dass sie Lust auf einen Kaffee habe, sagt: Hier hast du eine Mark , wird B dies aufgrund der Annahme, dass sich A an die Relevanzmaxime hält, als eine Antwort auf ihre Bemerkung interpretieren und schließen, dass A meint, dass sie sich mit dieser Mark einen Kaffee kaufen soll (und dass es folglich die Möglichkeit geben muss, für eine Mark einen Kaffee zu bekommen) und A muss davon ausgehen, dass B seine Äußerung so versteht. Auch offene Verletzung von Maximen führt zu Konversationsimplikaturen Z.B. wird bei ironischen Äußerungen offen gegen die Maxime der Ernsthaftigkeit verstoßen, woraus der andere schließen darf (und weiß, dass er schließen darf), dass das Gesagte so nicht gemeint ist.


Konversationsmaximen, -postulate (conversation maximes, c. postulates). siehe  Konversationsimplikaturen .


Koreferenz (coreference).  Referenz verschiedener Ausdrücke auf denselben Referenten; wichtiges Mittel zur Herstellung von Textzusammenhang ( Kohärenz). In der syntaktischen oder semantischen Beschreibung wird Koreferenz oft durch die Verwendung gleicher Indizes angedeutet ( Koindizierung ).


Lesart (reading). siehe  Ambiguität .


Metapher (metaphor). In der Rhetorik: Übertragung einer Ausdrucksweise auf Fälle in einem anderen begrifflichen Bereich, wobei eine Analogie oder Parallelität hergestellt wird, z.B. die Flinte ins Korn werfen für aufgeben. Bei metaphorischer Verwendung einer Ausdrucksweise ist die wörtliche Bedeutung teilweise außer Kraft gesetzt. In der kognitiven  Semantik : Übertragung ganzer kognitiver Strukturen in einen anderen kognitiven Bereich. Z.B. zeigt (nach Lakoff) die Existenz einer großen Anzahl von Ausdrucksweisen wie jemanden auf die Palme bringen im kognitiven Bereich "Ärger", dass dieser emotionalen Kategorie ein Modell zugrunde liegt, dass systematisch auf Übertragungen aus anderen, konkreteren Modellen fußt.

Lit. Lakoff, G. (1987). Women, fire, and dangerous things. Chicago & London: The University of Chicago Press.


Metonymie (metonymy). Verwendung einer Ausdrucksweise für andere als die eigentlichen Anwendungsfälle, wobei im Gegensatz zur  Metapher die anderen Fälle demselben begrifflichen Bereich angehören. Der Referent ( Referenz ) des metonymisch verwendeten Ausdrucks steht in einer konkreten Beziehung zu dem Referenten des Ausdrucks in seiner eigentlichen, wörtlichen Bedeutung. Typische Beispiele sind Gleichsetzung eines Teils mit dem Ganzen, z.B. Dummkopf als Bezeichnung für die ganze Person, aus dem Haus gehen für eine Handlung, die das Verlassen des Hauses, die Abwesenheit und die Rückkehr umfasst. Andere einschlägige Fälle sind Bierwischs konzeptuelle Verschiebungen (siehe  AmbiguitätenSemantik, Kognitive ): z.B. in Bonn beschließt eine Erhöhung der Umsatzsteuer die Verwendung des Städtenamens für die dort ansässige Regierung.


mögliche Welt (possible world). In der Mögliche-Welten-Semantik Gesamtheit der für den  Wahrheitswert eines Satzes in einem gegebenen Kontext möglicherweise relevanten Fakten.


Mögliche-Welten-Semantik (possible-world semantics ). Standardrahmen der Modelltheoretischen  Semantik innerhalb der Formalen Semantik ( Semantik, linguistische: Satzsemantik ). Der Wahrheitswert eines natürlichsprachlichen Satzes wie Ich habe ihn angerufen hängt wegen der  Referenz der Pronomina ich und ihn vom  Kontext ab, außerdem vom Zeitpunkt, bei anderen Sätzen auch vom Äußerungsort, und der dann und dort gegebenen Faktenkonstellation. Die Faktoren Zeit, Ort und Faktenkonstellation werden in der Mögliche-Welten-Semantik unter dem Begriff  mögliche Welt (mW) zusammengefasst, die für den Bezug von Intension in diesem Kontext: eine Funktion, die zu jeder möglichen Welt das aktuelle Designat ergibt (die Proposition in dem Kontext, z.B. dass A B angerufen hat, falls der obige Satz von A über B gesagt wurde. Propositionen sind also in diesem Ansatz Funktionen, die zu jeder mW einen Wahrheitswert ergeben, oder äquivalent dazu: Mengen von möglichen Welten. Sätze sind daher, in einem gegebenen Kontext, Prädikate über mögliche Welten. Ein Modell ( Semantik, Modelltheoretische ) ist in einem solchen Rahmen durch die Festlegung eines Kontexts und einer möglichen Welt gegeben. Montague ( Semantik, linguistische: Satzsemantik ), der als erster eine Mögliche-Welten-Semantik für natürliche Sprachen konzipierte, nannte diese Rahmen Fregesche Interpretationen, da sie Freges Unterscheidung zwischen Sinn (Intension ) und Bedeutung (Extension ,  Designat ) nachzeichnen und Freges Auffassung umsetzen, dass für Sätze deren Wahrheitswert als Designat anzusetzen ist.


Montague-Grammatik (Montague grammar). System zur formalen syntaktischen und semantischen Beschreibung einer formalen oder natürlichen Sprache, bestehend aus einer Syntaxkomponente und einer Semantikkomponente, die den syntaktisch erzeugten Ausdrücken unter strenger Einhaltung des Kompositionalitätsprinzips Bedeutungen zuordnet. Siehe Semantik, linguistische: Satzsemantik .


Montague-Semantik (Montague semantics). Variante der Modelltheoretischen Semantik, siehe  Semantik, linguistische: Satzsemantik .


Opakheit, referentielle (referential opacity), "Undurchsichtigkeit", Gegenteil von Transparenz. Semantisches Phänomen, dass Ausdrücke in bestimmte Konstruktionen, sog. opake Kontexte (im Sinne von Ko-Texten,  Kontext ), eingebettet, nicht so referieren, wie sie ohne diese Einbettung referieren würden (Referenz). Eine Konstruktion ist transparent, d.h. nicht opak, wenn der eingebettete Ausdruck durch jeden anderen Ausdruck, der zufällig den gleichen Referenten hat, ersetzt werden kann, ohne dass sich der Wahrheitswert des Satzes dadurch ändern kann; andernfalls ist die Konstruktion opak. Wenn wir annehmen, dass in dem gegebenen Äußerungskontext die Ausdrücke sein Nachbar und Ruths Freund dieselbe Person bezeichnen, dann ist der Kontext "...zieht aus" nach diesem Kriterium transparent: die Sätze sein Nachbar zieht aus und Ruths Freund zieht aus haben denselben Wahrheitswert. Beispiele für opake Kontexte sind Verben, die für eines ihrer  Komplemente eine mögliche Änderung von dessen Referent beinhalten, z.B. wechseln -  unter den genannten Umständen folgt aus sein Nachbar wechselt nicht Ruths Freund wechselt - oder Nebensatzkonstruktionen mit Verben der propositionalen Einstellung ( Propositionalismus ) wie wissen , glauben: aus er weiß, dass Erich sein Nachbar ist folgt nicht er weiß, dass Erich Ruths Freund ist, obwohl (ohne diese Einbettung) unter denselben Umständen aus Erich ist sein Nachbar folgt Erich ist Ruths Freund .


Opakheit, semantische  (semantic opacity), Gegenteil von Kompositionalität/ Transparenz ( kompositional ). Ein syntaktisch oder lexikalisch zusammengesetzter Ausdruck ist opak, wenn sich seine Bedeutung nicht regulär aus der Bedeutung seiner Teile ableitet, z.B. die  Wortbildung unheimlich, oder die  idiomatische Wendung das Handtuch werfen (im übertragenen Sinne).


Oppositionen (oppositions) sind paradigmatische Bedeutungsbeziehungen zwischen zwei oder mehr Ausdrücken, und zwar Gegenteilbeziehungen der verschiedensten Art. Antonymie : zwei Ausdrücke sind antonym, wenn sie entgegengesetzte Extreme auf einer Skala von Möglichkeiten ausdrücken mit einem möglichen Weder-Noch zwischen den Extremen: dick/dünn , Krieg /Frieden, lieben/hassen. Komplementär sind zwei Ausdrücke, wenn sie einen Bereich vollständig in zwei Alternativen aufteilen (Entweder-Oder-Beziehung): weiblich / männlich (Geschlecht), gerade/ungerade (von natürlichen Zahlen). Von    Argumenten erforderlich sind: größer als/ ( A ist größer als B drückt denselben Sachverhalt aus wie B ist kleiner als A ), kaufen/ verkaufen , vor/hinter.


Paraphrase (paraphrase). Umschreibung: gleichbedeutender Ausdruck ( Synonymie ).


Polaritätsprinzip (principle of polarity). Bereits von Aristoteles formuliertes Grundprinzip der  Logik, in der  Wahrheitsbedingungssemantik übernommen. Danach sind Aussagesätze sind entweder wahr oder falsch: kein Satz kann zugleich wahr und falsch sein (Prinzip vom Widerspruch), kein Satz kann etwas anderes als wahr oder falsch sein (Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten, lat. "tertium non datur").


Polysemie (polysemy). siehe Ambiguität .


Prädikat (predicate) In der traditionellen Grammatik besteht der Satz im wesentlichen aus seinem Subjekt (das, worüber etwas gesagt wird) und einem Prädikat (das, was darüber gesagt wird). So ist in Rom ist die Hauptstadt des Reiches Rom das Subjekt und ist die Hauptstadt des Reiches das Prädikat. In der Prädikatenlogik, und auf dieser fußend, in der Formalen  Semantik , ist ein Prädikat(sausdruck) ein Ausdruck, der ergänzt mit der passenden Anzahl von Argument(ausdrück)en eine einfache Aussage ergibt; einstellige Prädikate (mit einem Argument) drücken eine Eigenschaft aus, mehrstellige eine Beziehung zwischen ihren Argumenten. Aus dieser Sicht stellen die meisten Nomen und Adjektive einstellige Prädikate dar, Verben je nach ihrer Wertigkeit ein- oder mehrstellige Prädikate. Nach dem Ansatz der  Kasusgrammatik unterscheiden sich die verschiedenen Argumente eines mehrstelligen Prädikats (insbesondere Verbs) durch ihre semantische  Rolle. Die semantisch möglichen Besetzungen der Argumentstellen sind durch  Selektionsbeschränkungen eingeschränkt. - In der  LFG ist "Prädikat" das Attribut, dessen Werte die lexikalischen Bedeutungen sind.


Pragmatik (pragmatics). Theorie der Verwendung von Sprache, in Abgrenzung von der linguistischen  Semantik . Thematische Schwerpunkte der Pragmatik sind Referenz ; das mit konkreten Äußerungen stillschweigend Unterstellte ( Präsuppositionen ); das systematisch Mitgemeinte und Mitverstandene ( Wahrheitsbedingungssemantik an. Umgekehrt bedarf jede semantische Theorie jedoch einer pragmatischen Begründung, da alle semantische Evidenz letztlich dem tatsächlichen Sprachgebrauch entstammt. - Einen autonomen Ansatz, der auch der Pragmatik zugeordnet wird, stellt dagegen die ethnomethodologische Konversationsanalyse dar, in der weitgehend unabhängig von anderen Theorien in der Linguistik mit den mikrosoziologischen Methoden der Ethnomethodologie im Detail die Gesprächstechniken (Methoden) untersucht werden, mit denen Alltagsgespräche interaktiv bewerkstelligt werden.

Lit. Levinson, S.C. (1983). Pragmatics. Cambridge: Cambridge University Press.


Präsuppositionen (presuppositions). Phänomen aus dem Überlappungsbereich von linguistischer Semantik und Pragmatik . Dem Begriff der semantischen Präsuppositionen liegt die Auffassung zugrunde, dass Sätzen oft nur unter bestimmten Vorbedingungen (Präsuppositionen) ein Wahrheitswert zugeordnet werden kann. Damit z.B. der Satz Der König von Frankreich hat eine Glatze wahr oder falsch sein kann, muss Frankreich in dem gegebenen Kontext einen (und nur einen) König haben. Allgemein lösen alle referentiell verwendeten ( Referenz ) definiten Nominalphrasen ( Definitheit ) die Präsuppositionen aus, dass sie einen Referenten besitzen. Andere "Präsuppositionsauslöser" sind u.a. Verben des Zustandswechsels (öffnen in Öffne die Tür! präsupponiert, dass die Tür vorher zu ist) oder bestimmte Satzkonstruktionen (z.B. W-Fragen: Wann geht sie? präsupponiert, dass sie geht). Semantische Präsuppositionen sind fest mit der Ausdrucksbedeutung verknüpft und bleiben im Gegensatz zu  Modus) erhalten. Z.B. haben die Sätze Der Zug kommt an / Der Zug kommt nicht an / Kommt der Zug an? / Der Zug soll ankommen usw. alle die gleichen Präsuppositionen: dass es einen bestimmten Zug gibt, der unterwegs ist. Die Implikation, dass der Zug z.B. nach seiner Ankunft da ist, ergibt sich nur aus dem nicht negierten Aussagesatz. Da die Annahme von semantischen Präsuppositionen dem  Polaritätsprinzip widerspricht und daher zu einer Komplizierung des aus der Logik adaptierten Beschreibungsrahmens zwingt, stellt sie ein grundsätzliches Problem für den Kontext , Kontextwissen).


Primitive, semantische (semantic primes). Semantische Grundbausteine, aus denen sich die Bedeutung von  Lexemen zusammensetzen lässt, siehe  Semantik, linguistische: Wortsemantik.,  Merkmale.


Proposition (proposition). Inhalt eines Satzes, abzüglich seines  Modus (Schläfst du?, Du schläfst, Schlaf! haben dieselbe Proposition); deskriptive Bedeutung des Satzes ( Bedeutung: Bedeutungsspektrum ). In der  Mögliche-Welten-Semantik präzisiert als die Funktion, die in einem gegebenen Kontext zu jeder  möglichen Welt den Wahrheitswert des Satzes ergibt (oder äquivalent dazu: als die Menge der möglichen Welten, in denen der Satz wahr ist).


Prototypensemantik (prototype semantics) Semantischer Ansatz, der die Ergebnisse von Rosch unmittelbar auf die Konzeption und Untersuchung von Wortbedeutungen bezieht. Bedeutungen von Inhaltswörtern (Nomen, Adjektiven, Verben, Präpositionen) werden direkt mit kognitiven Kategorien identifiziert und weisen zwei wichtige Eigenschaften auf: Sie sind im wesentlichen durch Prototypen definiert und strukturiert (in zentrale und periphere Fälle) und sie bilden spezifische Hierarchien. Mit der Prototypenstruktur wird der unterschiedlichen Repräsentativität von Exemplaren einer Kategorie (gleichgesetzt mit Referenten eines Inhaltsworts), dem unterschiedlichen Status definierender Merkmale, dem Phänomen unscharfer Kategoriengrenzen und Polysemieerscheinungen (Ambiguität) Rechnung getragen. Die so strukturierten kognitiven Kategorien sind ihrerseits Elemente hierarchischer Systeme, natürlicher  Taxonomien, in denen die Ebene der Basiskategorien eine ausgezeichnete Rolle spielt. - Da sich die Prototypensemantik auf Aussagen zur Wortsemantik beschränkt, stellt sie weniger eine Alternative als eine Ergänzung zu dem in der linguistischen Semantik vorherrschenden Ansatz der formalen  Semantik dar, der sich schwerpunktmäßig mit der Satzbedeutung befasst ( Semantik, linguistische: Wortsemantik , Satzsemantik ).

Lit. Kleiber, G. (1993) Prototypensemantik. Eine Einführung. Übesetzt von M. Schreiber. Tübingen: Gunter Narr. (frz. Original 1990).

 
Quantifikation (quantification). In der Linguistik allgemein: Angabe einer Menge oder eines Maßes, z.B. durch ein Zahlwort. In der  Prädikatenlogik : bestimmte logische Operation, die in der Standardversion der Prädikatenlogik formal auf Aussagen angewendet wird, die eine Variable enthalten, semantisch aber eine Prädikation zweiter Stufe darstellt. So drückt die Aussage '∀x P(x)' aus, dass die Aussage 'P(x)' für jeden in dem gegebenen Modell möglichen Wert der Variablen 'x' wahr ist. (Die möglichen Werte sind die "Individuen" des "Universums".) Dies ist eine Aussage über das Prädikat 'P': es ist allgemein-zutreffend. In der Aussage '∀x P(x)' ist '∀x' ein  Quantor , in diesem Fall ein Allquantor, 'P(x)' ist sein Skopus (Anwendungs-, Geltungsbereich). Die Standardprädikatenlogik hat zwei Quantoren, den Allquantor (∀ x, "für jedes x") und den Existenzquantor (∃x, "für mindestens ein x"), der ausdrückt, dass die Prädikation im Skopus nicht allgemein-unzutreffend ist. Durch Verneinung der beiden Quantoren sind zwei weitere Quantifikationen möglich: "für nicht jedes x" und "für kein x". Bei jeder Quantifikation wird von einem klar definierten Quantifikationsbereich ( domain of quantification) ausgegangen: die Gesamtheit der möglichen Werte der quantifizierten Variablen, bzw. der Fälle, auf die die Prädikation im Skopus des Quantors anzuwenden ist. Die als Beispiel genannten Quantifikationen sind (formal) "unbeschränkte" Quantoren: ihr Quantifikationsbereich ist das gesamte Universum des ∀ Theorie der Verallgemeinerten Quantoren wird diese Idee für die Analyse natürlichsprachlicher  Nomen) und einer VP ( Verbalphrase) als Prädikat wird als Quantifikation aufgefasst. In zwei Männer schwanken ist die VP schwanken das quantifizierte Prädikat, die NP zwei Männer ein Quantor, wobei das Nomen Mann als Prädikat den Quantifikationsbereich kennzeichnet und der Determinator zwei die Art der Quantifikation determiniert: das quantifizierte Prädikat muss auf mindestens zwei Elemente des Quantifikationsbereichs zutreffen. In diesem Rahmen lassen sich mit einfachen algebraischen Begriffen Hypothesen formulieren, was für Quantoren in natürlichen Sprachen real vorkommen und welche Charakteristika sie aufweisen. Quantifikation ist in natürlicher Sprache auch in anderer Form als durch NPs möglich: durch  Adverbien wie meistens , überall, oder  Modalverben wie können (Pilze können giftig sein ).

Lit. Barwise, J./R. Cooper (1981). Generalized quantifiers and natural language. Linguistics and Philosophy 4: 159-218.


Quantoren, Verallgemeinerte (generalized quantifiers ). siehe  Quantifikation .


Referent (referentReferenz .


Referenz (reference). Grundbegriff der linguistischen  Semantik und  Pragmatik : der konkrete Bezug sprachlicher Ausdrücke auf Gegenstände, Ereignisse, Zeiten, Orte usw. Wenn A B mitteilt: Sie hat gestern ihr Fahrrad einer Bekannten geliehen , referiert A mit den  Nominalphrasen sie, ihr Fahrrad, einer Bekannten auf drei Gegenstände (zwei Personen, ein Fahrrad), mit dem Verb geliehen auf ein Ereignis, mit der Form hat plus Partizip des Verbs auf einen Zeitraum, der vor dem Zeitpunkt der Äußerung liegt, genauer: innerhalb des vorangegangenen Tages, auf den A mit dem Adverb gestern referiert. Das, worauf sich ein Ausdruck konkret bezieht, ist sein  Referent. Referenz ist prinzipiell abhängig vom  Kontext : im allgemeinen kann ein Ausdruck in verschiedenen Kontexten auf verschiedene Referenten referieren. Zu verschiedenen Arten der Referenz siehe  DeixisDefinitheitIndefinitheit . Als Aspekt der Äußerungsbedeutung ( Bedeutung: B.ebenen) und damit der Sprachverwendung gehört Referenz in den Bereich der Pragmatik . Das Referenzpotential jedoch, die in der Bedeutung eines Ausdrucks angelegten Möglichkeiten der konkreten Bezugnahme, ist ein zentraler Bestandteil der Bedeutung und daher Gegenstand der Semantik, insbesondere der  Nomens, ist seine  Nominalphrasen können referentiell oder nicht-referentiell verwendet werden. In den folgenden Beispielen ist jeweils die erste NP referentiell, die zweite, mein Nachbar, nicht-referentiell, nämlich prädikativ verwendet: Er ist mein Nachbar / Charly, mein Nachbar, will ausziehen . - Siehe auch  KoreferenzOpakheit .


Referenzsemantik (referential semantics) Da die deskriptive  Bedeutung eines Wortes festlegt, worauf man damit referieren kann, erlaubt die reale Referenz Rückschlüsse auf die Bedeutung. In der Referenzsemantik wird Bedeutung mit Referenzpotential ( Referenz ) gleichgesetzt. Für einen Satz besteht es darin, auf welche Sachverhalte er bezogen werden kann ("Wann kann man sagen, dass ...?"), und damit in seinen Wahrheitsbedingungen. Die Standardvariante der Referenzsemantik ist daher die  Bedeutung: Bedeutungsebenen ) und (b) nicht die (deskriptive) Bedeutung selbst, sondern nur einen Effekt davon beschreiben. In ihrem objektivistischen Versuch, Bedeutung an den ausgedrückten Fakten festzumachen, wird die Referenzsemantik nicht der Tatsache gerecht, dass sprachlicher Ausdruck immer Darstellung ist und dass grundsätzlich verschiedene Darstellungen desselben objektiven Sachverhalts möglich sind (z.B. Der Teller ist schon halb leer / Der Teller ist noch halb voll ). In der Referenzsemantik können die Bedeutungsunterschiede solcher Sätze nicht erklärt werden. Statt die Bedeutung mit dem Referenzpotential gleichzusetzen, müsste eine adäquate, z.B. kognitive Semantik eine Bedeutungsbeschreibung liefern, aus der sich das Referenzpotential ableiten lässt.


Selektionsbeschränkungen (selectional restrictions ) sind kombinatorische Bedeutungsbeziehungen zwischen Prädikatsausdrücken ( Prädikat ) wie Verben, Adjektiven, Nomen und ihren  Argumenten. Solche Ausdrücke können als Prädikate nur auf bestimmte Sorten von Gegenständen angewendet werden, z.B. können nur mindestens zweidimensionale Objekte "breit" sein, nur Personen und Tiere können "trinken". Prädikatsausdrücke wie breit oder trinken erfordern daher die Kombination mit anderen Ausdrücken, deren deskriptive  Bedeutung spezifischen Beschränkungen unterliegt. Die Tatsache, dass Prädikate hinsichtlich ihrer möglichen Argumente beschränkt sein können (vgl. z.B. a. Das Kind ist krank vs. b. Der Stein ist krank ), wurde in der Aspects-Version der generativen Grammatik als ein syntaktisches Phänomen betrachtet: Sätze wie b. sollten durch S. anhand von Merkmalen wie [ ±belebt], [±menschlich] ausgeschlossen werden. Heute wird das Phänomen als semantisch (type-crossing) oder als konzeptuell (Prädikabilität) aufgefasst.


Semantik, Formale (formal semantics), auch Logische Semantik. Dominierende Richtung der linguistischen Semantik, siehe Semantik, linguistische: Satzsematik .


Semantik, kognitive (cognitive semantics). Kognitionswissenschaftlich orientierte linguistische  Semantik . Bedeutungen werden als kognitive Einheiten aufgefasst und mit den Mitteln der Kognitionswissenschaft untersucht. Schwarz unterscheidet holistische und Modulare Ansätze ( Holismus,  Modularität). Nach holistischen Ansätzen ist Sprache, insbesondere die Bedeutungskomponente, integrierter Teil des allgemeinen kognitiven Systems. Bedeutungen werden mit kognitiven Kategorien identifiziert. Befunde zur Struktur und Organisation kognitiver Kategorien werden als unmittelbar relevant für die Beschaffenheit sprachlicher Bedeutungen betrachtet. So werden Roschs Forschungen zu Prototypen und Basiskategorien ( Prototypensemantik ) als Evidenz gegen die traditionelle Kategorienauffassung (nach der eine Kategorie durch eine Menge von gleichberechtigten notwendigen und hinreichenden Merkmale ihrer Mitglieder definiert ist) und die darauf aufbauenden semantischen Ansätze, z.B. der Merkmalsemantik (   Semantik, linguistische: Wortsemantik , Merkmale) gewertet. Umgekehrt werden semantische Befunde als Evidenz für die Beschaffenheit kognitiver Kategorien herangezogen. So geht Lakoff davon aus, dass sprachliche Erscheinungen wie systematische  Metapher ) in exemplarisch untersuchten Bedeutungsbereichen die Struktur der zugrundeliegenden kognitiven Kategorien und Modelle widerspiegeln.

In den modularen Ansätzen, z.B. von Bierwisch, wird davon ausgegangen, dass Sprache innerhalb des kognitiven Systems ein eigenständiges Subsystem aus mehreren relativ autonomen Modulen darstellt. Die Semantik ist eines der sprachlichen Subsysteme, dass aus der lexikalischen und grammatischen Information Bedeutungsrepräsentationen erstellt ( Semantik, linguistische: Kompositionalitätsprinzip ). Von den sprachlichen Ebenen zu unterscheiden ist das allgemeine konzeptuelle System, in dem alle Erfahrungen des Menschen organisiert sind. Nach Bierwischs Ansatz der Zwei-Stufen-Semantik erhält ein in einem konkreten Kontext geäußerter Satz zunächst durch die sprachinterne semantische Komponente eine (abstrakte) semantische Repräsentation, seine Ausdrucksbedeutung, zugeordnet. In einem zweiten Schritt wird daraus unter Heranziehung des sprachunabhängigen konzeptuellen Systems eine konzeptuelle Repräsentation, die Äußerungsbedeutung, erzeugt ( Bedeutung: Bedeutungsebenen ). Dabei bewirken Prozesse wie konzeptuelle Verschiebung und konzeptuelle Differenzierung ( Ambiguität ) eine Konkretisierung der abstrakten Ausdrucksbedeutung.

Lit. Schwarz, M. (1992). Kognitive Semantiktheorie und neuropsychologische Realität. Tübingen: Niemeyer.


Semantik, linguistische (linguistic semantics). Theorie sprachlicher Bedeutung. Der Gegenstandsbereich der Semantik hängt von dem zugrundegelegten Bedeutungsbegriff ab ( Bedeutung: Bedeutungsbegriff ). Holistische Ansätze lehnen die Aufspaltung in verschiedene Bedeutungsebenen ( Bedeutung: Bedeutungsebenen ) ab und verstehen unter Semantik die Beschreibung der Bedeutung einschließlich des Funktions- und Verwendungsaspekts. Dagegen ist die Semantik nach dem vorherrschenden Drei-Ebenen-Modell der Bedeutung auf die Beschreibung der Ausdrucksbedeutung (Wortbedeutung und Satzbedeutung) beschränkt, während die Beschreibung von Äußerungsbedeutung und kommunikativem Sinn in den Bereich der  Pragmatik fällt.

Kompositionalitätsprinzip (auch: Frege-Prinzip),  Grundannahme der Standardansätze in der Semantik: "Die Bedeutung eines zusammengesetzten Ausdrucks ergibt sich aus der Bedeutung seiner Teile und der Art und Weise, wie sie miteinander kombiniert sind." Mit dem Prinzip wird vorausgesetzt, dass eine autonome Ebene der "Bedeutung von Ausdrücken" existiert. Die Komposition wird als strikter bottom-up-Prozeß aufgefasst: die Bedeutung des Ganzen lässt sich schrittweise ( Rekursion) aus der Bedeutung der lexikalischen Bestandteile errechnen. Das Ergebnis ist vollständig und eindeutig. Das Kompositionalitätsprinzip ergibt implizit eine Definition der Ausdrucksbedeutung und damit der Domäne der Semantik: Die Semantik beschreibt Bedeutung, soweit sie sich allein aus dem Wortlaut des Ausdrucks, also der darin enthaltenen lexikalischen und grammatischen Information, ergibt - ohne Heranziehung außersprachlicher Information aus dem Kontext der Äußerung oder allgemeinen Weltwissens. Die Semantik unterteilt sich grob in Wortsemantik (als Teilgebiet der Lexikologie) und Satzsemantik, in der die Regeln der Komposition untersucht werden.


Wortsemantik Den vorherrschenden wortsemantische Ansätzen ist gemeinsam, dass man versucht, die Bedeutung von Lexemen, genauer: Inhaltswörtern, auf elementarere Bausteine zurückzuführen. In der Merkmalsemantik (Merkmale), die auf den strukturalistischen Ansatz zurückgeht ( Strukturalismus) und inzwischen als weitgehend überholt gilt, werden Wortbedeutungen, durch binäre semantische Merkmale beschrieben, z.B. die Bedeutung von boy durch die Merkmale [+Person], [+männlich], [-erwachsen]. Die Gleichsetzung der Bedeutung mit derartigen Merkmalmengen erlaubt eine einfache Abbildung logischer  Bedeutungsbeziehungen wie Hyponymie, Komplementarität oder (einer schwachen Form von) Synonymie, wird aber den Anforderungen an eine vollständige Bedeutungsbeschreibung nicht gerecht. Die Merkmale selbst bleiben unanalysiert und können zudem nicht einheitlich interpretiert werden; zudem ist der Ansatz nur für wenige Wortarten möglich, vornehmlich für Nomen. Die Merkmals. ist dem traditionellen Aristotelischen Kategorienbegriff ( Kategorie) verpflichtet, nach dem ein Begriff durch eine Menge von charakteristischen Merkmalen definiert ist. Dieser Kategorienbegriff ist durch neuere Untersuchungen in der kognitiven Psychologie stark relativiert worden ( Begriff/Begriffsbildung ,  Merkmale). - Weniger simpel, aber z.T. ähnlichen Einwänden ausgesetzt, sind verschiedene unter dem Begriff  Dekomposition zusammengefasste Ansätze, die zunächst zur Beschreibung von Verbbedeutungen entwickelt wurden. Die im Verb enthaltene Prädikation wird mit prädikatenlogischen Formeln auf wenige elementarere Grundprädikate und -funktoren, sog. semantische  Primitive (semantic primes) zurückgeführt. Klassisches Beispiel ist die Analyse von kill(x,y) ("x tötet y") als 'CAUSE(x,BECOME(- ALIVE(y)))' ("x verursacht, dass der Zustand eintritt, dass y nicht lebendig ist"), mit den semantischen Primitiven CAUSE, BECOME, ALIVE. Dekompositionale Bedeutungsbeschreibung erlaubt die Darstellung komplexerer intuitiv gültiger Bedeutungsbeziehungen, z.B. der zwischen kill , die und dead , die Klassenbildung von Verben und die Erklärung ihres Kompositionsverhaltens. - In der kognitiven  Semantik werden Zusammenhänge zwischen Wortbedeutungen und kognitiven Strukturen untersucht. - Nachdem in den 70er und 80er Jahre die S. weitgehend durch die Satzsemantik dominiert wurde, hat in jüngerer Zeit das Interesse am Lexikon und damit auch an wortsemantischen Fragestellungen wieder zugenommen.


Satzsemantik Die theoretische Semantik ist seit den 70er Jahren durch die  Formale Semantik beherrscht. Nachdem eine präzise logische Analyse natürlicher Sprache bis dahin für unmöglich gehalten worden war, gelang es Richard Montague, einen dafür geeigneten Rahmen zu entwickeln ( Semantik, Modelltheoretische ). Voraussetzung dafür war die Schaffung einer für die Darstellung natürlichsprachlicher Bedeutungen ausreichend komplexen Logiksprache (Intensionale Logik) und eines Interpretationsrahmens ( Mögliche-Welten-Semantik ), in dem die Situations- und Kontextbezogenheit natürlicher Sätze erfasst werden kann. Ausgangspunkt der semantischen Beschreibung ist die Definition eines "Fragments" der untersuchten Sprache durch die Angabe eines begrenzten, exemplarischen Lexikons und syntaktischer Kombinationsregeln. Die so mit einer präzisen, ambiguitätsfreien syntaktischen Beschreibung versehenen komplexen Ausdrücke werden in eine geeignete formale Logiksprache "übersetzt" und erhalten damit eine semantische Repräsentation, für die in einem modelltheoretischen Rahmen präzise Wahrheitsbedingungen definiert werden. Die Übersetzung wird in strenger Anwendung des Kompositionalitätsprinzips rekursiv als  Homomorphismus definiert: zu jeder syntaktischen Kombinationsregel wird eine Übersetzungsregel angegeben, nach der sich einheitlich die Übersetzung (und damit die Bedeutung) eines zusammengesetzten Ausdrucks aus der Übersetzung seiner Komponenten ergibt. - Schwerpunkte der Formalen Semantik bildeten vor allem die Analyse von  Nominalphrasen und  Determinatoren,  Tempus und  Aspekt, Adjektive, opake Kontexte ( Opakheit, referentielle ), vor allem Verben der propositionalen Einstellung ( Propositionalismus ). Ein Fortentwicklung der Montagueschen Analyse von Nominalphrasen ist die Theorie der Verallgemeinerten Quantoren ( Quantifikation ). Wortbedeutungen werden in der klassischen Montague-Semantik als gegeben vorausgesetzt und nicht analysiert, mit Ausnahme solcher  Funktionswörter, die sich mithilfe logischer Konstanten ausdrücken lassen ( Determinatoren wie the , every, some, Konjunktionen wie and, die Negation not , oder das Verb be). Bedeutungsbeziehungen und -charakterisierungen lassen sich durch  Bedeutungspostulate formulieren. Eine dekompositionalen Beschreibung der lexikalischen Elemente ist ohne weiteres einbettbar. - Montagues Ansatz beschränkte sich auf die Analyse isolierter Sätze. In der  Diskursrepräsentationstheorie wurde dagegen, unter Beibehaltung des Montagueschen Grundmodells, ein Ansatz entwickelt, die Bedeutung von zusammenhängenden Texten (im Sinne von Satzfolgen) zu erfassen.

Lit. Montague, R. (1970). Universal Grammar. Theoria 36: 373-398. - A. v. Stechow/D. Wunderlich (Eds.) (1991). Semantik . Berlin: de Gruyter. Darin: G. Fanselow/P. Staudacher: Wortsemantik, S.53-70. Stechow: Syntax und Semantik, S.90-147.


Semantik, Modelltheoretische (model-theoretic semantics ), auch Tarski-S. Die Modelltheoretische Semantik stellt eine Anwendung modelltheoretischer Konzepte auf natürliche Sprachen dar. In der  Modelltheorie werden formale Logiksprachen "interpretiert", indem für die Aussagen der Sprache allgemeine  Wahrheitsbedingungen formuliert werden, die bei der Wahl eines konkreten "Modells" konkrete  Wahrheitswerte ergeben. Ein Modell in diesem Sinne ist die Summe aller Festlegungen, die zur Bestimmung der Wahrheitswerte notwendig sind. Jedes Modell legt ein "Universum" von Individuen fest, Referenten (Referenz ) für alle Individuenausdrücke und  Extensionen für Prädikatsausdrücke. Nach dem Standardansatz der Formalen Semantik ( Semantik, linguistische: Satzsemantik ) werden Sätze natürlicher Sprachen semantisch analysiert, indem man sie in Aussagen einer geeigneten Logiksprache "übersetzt". Die Übersetzungen werden dann, in einem zweiten Schritt, modelltheoretisch interpretiert, das heißt mit einer  Wahrheitsbedingungssemantik versehen. Modelle entsprechen daher konkreten  Kontexten : sie legen fest, worauf in einem Satz referiert wird und ob der ausgedrückte Sachverhalt besteht. Ein einzelnes Modell ergibt für einen Satz lediglich seinen Wahrheitswert. Um die Wahrheitsbedingungen allgemein zu erfassen, bedarf es eines Rahmens, der die Gesamtheit der möglichen Modelle definiert. Der Standardrahmen in der Formalen Semantik ist der der  Mögliche-Welten-Semantik.


Sinn, kommunikativer (communicative sense). siehe Bedeutung: Bedeutungsebenen .


Sinnrelationen (sense relations) svw. Bedeutungsbeziehungen .


Synonymie (Synonymy). Bedeutungsgleichheit ( Bedeutungsbeziehungen ). Je nach Bedeutungsbegriff mehr oder weniger strikte Übereinstimmung. Umfassende Synonymie (uneingeschränkte Austauschbarkeit) zwischen zwei Ausdrücken einer Sprache, die deskriptive und nicht-deskriptive Bedeutung, Kernbedeutung und periphere Bedeutung ( Bedeutung ) einschließt, dürfte es nicht geben. Partielle Synonymie, bedingte Austauschbarkeit, ist dagegen häufig, z.B. Übereinstimmung in der deskriptiven Bedeutung (arbeiten/malochen, Samstag / Sonnabend). Etwas schwächer als deskriptive Synonymie ist Äquivalenz , d.h. Gleichheit der  Wahrheitsbedingungen , was auch bei verschiedener deskriptiver Bedeutung möglich ist (vgl. Jedes Los gewinnt / Kein Los ist eine Niete ). Schwächste, oft kontextgebundene Synonyme sind jegliche Arten von  Paraphrasen .


Tarski-Semantik (Tarski semantics). siehe Semantik, Modelltheoretische .


Taxonomie (taxonomy). Besondere Art von natürlicher Begriffshierarchie ( Hierarchie, terminologische). In einer Taxonomie bezeichnen  Hyponyme eines Oberbegriffs Unterarten davon. Ko-Hyponyme unterscheiden sich maximal, jeweils durch ein ganzes Bündel von Merkmalen (z.B. Tier mit den Hyponymen Pferd , Hund , Schwein, Fisch ). Kognitive Untersuchungen haben ergeben, dass natürlichsprachliche Taxonomien drei bis fünf Ebenen aufweisen, wobei die mittlere Ebene der  Basiskategorien, von besonderer Bedeutung ist. Sie ist sprachlich dadurch ausgezeichnet, dass die Begriffe dieser Ebene einen optimalen Informativitätsgrad haben, in neutralen Kontexten am häufigsten verwendet werden, morphologisch einfach sind, als erste gelernt werden und bei Sprachstörungen als letzte verloren gehen.


Theorie der Verallgemeinerten Quantoren (generalized quantifier theory). siehe  Quantifikation.


Vagheit (vagueness). Form der Unbestimmtheit von Bedeutung . Der Satz Das Buch ist schwer hat eine vage Satzbedeutung ( Bedeutung: Bedeutungsebenen ), dadurch dass die Wörter schwer und Buch als Prädikatsausdrücke keine klar abgegrenzten  Wahrheitsbedingungen ergeben. Die Grenzen zwischen "Büchern", "Heften", "Zeitschriften" sind nicht klar abgesteckt, ab welchem Gewicht oder Schwierigkeitsgrad ein Buch als "schwer" zählt, ist dem jeweiligen Kontext überlassen. Für "Bücher" gibt es  prototypische Beispiele, denen ein gegebenes Objekt mehr oder weniger entsprechen kann, für die Prädizierung "schwer" sind Vergleichskriterien relevant, die von Fall zu Fall verschieden sein können. Von Vagheit zu unterscheiden sind Fälle von  Ambiguität . Das Nomen Buch und das Adjektiv schwer sind beide nicht nur vage, sondern obendrein ambig: Buch besitzt (unter anderm) die Bedeutungsvarianten "gebundener Band" und "umfangreicher selbständiger Text"; schwer kann "heavy" und "difficult" bedeuten. In beiden Bedeutungsvarianten sind die Wörter vage: die Abgrenzungsprobleme sind die gleichen. Vagheitsphänomene stellen ein grundlegendes Problem für die  Wahrheitsbedingungssemantik dar, die auf der Grundannahme beruht, dass jeder Satz in einer gegebenen Äußerungssituation entweder wahr oder falsch ist. Bei vagen Aussagen scheint eine klare Grenzziehung unmöglich.


Verschiebung, konzeptuelle (conceptual shift). siehe  Ambiguität .


Wahrheitsbedingungen (truth conditions). Bedingungen, unter denen ein Satz wahr ist, siehe  Wahrheitsbedingungssemantik .


Wahrheitsbedingungssemantik (truth-conditional semantics ). Standardform der  Referenzsemantik . Die Satzbedeutung wird mit den Wahrheitsbedingungen (WB) gleichgesetzt: "Einen Satz verstehen, heißt, wissen, was der Fall ist, wenn er wahr ist." (Wittgenstein, 1905, Tractatus logico-philosophicus). Nach diesem Ansatz besteht die primäre Funktion von Sprache in der Mitteilung von Sachverhalten; Sätze drücken Sachverhalte aus, und darin besteht ihre Bedeutung. Aus der so verstandenen Bedeutung ergibt sich, unter welchen Bedingungen ein Satz wahr ist. Diese Bedingungen sind seine WB. Der Ansatz der Wahrheitsbedingungssemantik besteht darin, die Wahrheitsbedingungen mit der Bedeutung überhaupt gleichzusetzen, was eine starke Einschränkung des Bedeutungsbegriffs bedeutet ( Referenzsemantik ). Der Ansatz ist nur auf Aussagesätze anwendbar und vermag nicht den Unterschied zwischen Sätzen mit identischen Wahrheitsbedingungen aber intuitiv verschiedenen Bedeutungen zu erfassen oder gar zu erklären, z.B. zwischen Heute ist Montag und Morgen ist Dienstag . Ein notorisches Problem für die Bedingungen stellen daher tautologische, aus rein semantischen Gründen wahre Aussagen dar (z.B. alle mathematischen Theoreme), die nach diesem Ansatz sämtlich bedeutungsgleich sind. Wesentlich für die Wahrheitsbedingungssemantik ist, dass Sprache unter der Perspektive des  Polaritätsprinzips betrachtet wird, nach dem jeder Satz (in einer konkreten Äußerungssituation) entweder wahr oder falsch ist, unter Ausschluss einer dritten Möglichkeit. Unter dieser Perspektive lassen sich Begrifflichkeiten der Logik auf natürliche Sprache anwenden: logische Operationen wie  Quantifikation und logische Bedeutungsbeziehungen wie Implikation, Äquivalenz oder Kontrarität. Ein Problem für diese Herangehensweise stellt das Phänomen der  Präsuppositionen dar. Den meisten Sätze ist nicht in jeder beliebigen Situation ein Wahrheitswert, sei es Wahr oder Falsch, zuordnen, sondern nur wenn bestimmte Vorbedingungen, Präsuppositionen, erfüllt sind. - Wahrheitsbedingungssemantik in Form von Modelltheoretischer  Semantik ist das derzeit vorherrschende Modell in der linguistischen Semantik ( Semantik, linguistische: Satzsemantik ). Eine Alternative zur Wahrheitsbedingungssemantik stellt die ebenfalls referenzsemantische Situationssemantik dar (   Situationstheorie), in der Sätzen nicht Wahrheitswerte, sondern "Situationen" als Referenten zugeordnet werden.


Welt, mögliche (possible world). siehe mögliche Welt .


Wortfeldanalyse (lexical oder semantic field analysis ). In der strukturalistischen Semantik ( Strukturalismus) versteht man unter einem Wortfeld eine Menge von  Lexemen, die gemeinsam einen Bedeutungsbereich abdecken und deren Bedeutungen sich in diesem Bereich gegenseitig abgrenzen (z.B. Verwandtschaftsbezeichnungen, Farbwörter). Die Wortfeldanalys kann neben der Ermittlung von  Bedeutungsbeziehungen Aufschluss über historische Verschiebungen innerhalb von Wortfeldern (z.B. innerhalb des Farbwortfeldes durch das Hinzutreten neuer Farbwörter) oder über den Grad der Verschiedenheit der Wortfeldstrukturen verschiedener Sprachen ergeben. Kognitive Untersuchungen zu Farbwortsystemen und natürlichen  Taxonomien widerlegen weitgehend die These des Relativismus, dass die Struktur der Wortfelder verschiedener Sprachen in demselben Bedeutungsbereich jeweils autonom und arbiträr sei.