W1/W2-PROFESSUR, ABTEILUNG IV, MÜNDLICHKEIT

Alexander Ziem - Arbeitskreis "Konstruktionsgrammatik des Deutschen"

Leitung: Alexander Ziem (Düsseldorf/Berkeley), Alexander Lasch (Kiel)

Der Arbeitskreis hat eine eigene Website, auf der alle aktuellen Informationen, Aktivitäten und Publikationen dokumentiert sind.


** NEWS:  Vom 31. August bis 1. September wird in Düsseldorf im Rahmen der Tagung "Konstruktionen als soziale Konventionen und kognitive Routinen. Gesprächsforschung, Text- und Diskurslinguistik im Fokus der Konstruktionsgrammatik" das dritte Treffen des Arbeitskreises stattfinden. Details finden sich im Call for Papers. (Die Frist für Vortragsvorschläge ist am 15. April abgelaufen.)

Der Arbeitskreis "Konstruktionsgrammatik des Deutschen" - von der konzeptionellen Schriftlichkeit zum mündlichen Sprachgebrauch

Obwohl die Konstruktionsgrammatik (kurz: KxG) im englischsprachigen Raum längst als gut etabliert und organisiert geltend darf, ist dies für den deutschsprachigen Raum – und hier insbesondere für jene konstruktionsgrammatische Forschung, die sich mit dem Deutschen als Zielsprache beschäftigt – keineswegs der Fall. Dem Vorbild der konstruktionsgrammatisch inspirierten Gesprochene-Sprache-Forschung folgend, versucht der Arbeitskreis „Konstruktionsgrammatik des Deutschen“ diesem Defizit zu begegnen. Gegründet wurde er von Alexander Ziem und Alexander Lasch auf der Tagung „Construction Grammar: New Perspectives in the Study of German and English“ im Februar 2010 und inzwischen hat er bereits mehr als 100 Mitglieder aus über zehn Ländern. Langfristiges Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Repertoire an Konstruktionen, das die deutsche Gegenwartssprache in den Bereichen Mündlichkeit und Schriftlichkeit ausmacht, empirisch zu ermitteln, zu beschreiben und mittels Einzelfallanalysen auszuweisen. Durch die Behandlung gemeinsamer Fragestellungen versucht der Arbeitskreis, konstruktionsgrammatisch orientierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Forschung auf die Gegenstandssprache Deutsch ausrichten, nachhaltig zu vernetzen und ins Gespräch zu bringen, um die notwendige Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit zu schaffen.

Der Arbeitskreis versteht sich als eine undogmatische Organisation von LinguistInnen mit ähnlichen Forschungsinteressen. So, wie sich die KxG als allgemeine und umfassende Theorie einer Sprache, ihrer Strukturen, ihres Wandels und ihrer Entstehung versteht, versucht auch der Arbeitskreis, ein möglichst breites Spektrum an Frage- und Problemstellungen abzudecken. Er ist offen für neue Anregungen und Themenfelder - und für alle Interessierte, die sich aktiv oder als ZuhörerInnern einbringen wollen. 

Ziele

Die inhaltlichen Zielsetzungen des Arbeitskreises betreffen insbesondere fünf Bereiche:

  • Diskussion zentraler Frage- und Problemstellungen: Trotz der verstärkten Rezeption der KxG in der germanistischen Linguistik sind die Bestrebungen, ein alternatives grammatisches Beschreibungsmodell einer breiteren Fachöffentlichkeit bekannt zu machen, noch in den Anfängen. Dies betrifft sowohl die Verständigung über die theoretische Basis und die methodischen Zugänge, die die KxG offeriert, als auch den Gegenstand, den es konstruktionsgrammatisch zu beschreiben gilt.
  • Identifizierung von Konstruktionen im Deutschen: Die Anzahl empirischer Fallstudien zur deutschen Gegenwartssprache ist bislang überschaubar gering; auch an kontrastiven Studien mangelt es. Die größten Fortschritte sind derzeit im Bereich der Gesprochene-Sprache-Forschung zu verzeichnen. Ziel ist es, auf allen Ebenen der Organisation sprachlicher Zeichen Konstruktionen auszumachen, um ein möglichst vollständiges Bild vom „Konstruktikon“ der deutschen Sprache und seiner Spezifik zu erhalten. 
  • Frame-Semantik als integraler Bestandteil einer KxG: Die Bedeutungsseite (grammatischer) Konstruktionen ist bislang nur sehr unzureichend und unvollständig beschrieben worden. Im Anschluss an Fillmores und Goldbergs Versuch der Integration frame-semantischer Aspekte soll im verstärkten Maße der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich Frames vollumfänglich zur Beschreibung und Ermittlung der Inhaltsseite von Konstruktionen einbinden lassen. 
  • Konstruktionen als Ergebnisse (gesprochen-)sprachlicher Praktiken. Trotz der Definition von Konstruktionen als konventionalisierte Form-Bedeutungspaare ist es bislang versäumt worden, die soziale Dimension von Konstruktionen zu beleuchten und in die Analyse einzubeziehen. Über die gängige konstruktionsgrammatische Theoriebildung hinaus ist deshalb eine Erweiterung des Analysefokus angestrebt. Die Interaktionslinguistik hat im deutschsprachigen Raum einige Vorschläge unterbreitet, welche Gestalt diese konkret annehmen kann.
  • Verhältnisbestimmungen zu anderen Ansätzen: Die KxG tritt mit dem Anspruch auf, eine allgemeine Theorie einer Sprache, ihrer Entstehung und ihres Wandels vorzulegen. Dabei greift sie durchaus auch auf Theoreme anderer Ansätze zurück. Es scheint unabdingbar, eine detaillierte Verhältnisbestimmung zu verwandten Theoriebildungen vorzunehmen, auch um (Un-)Möglichkeiten der Integration neuer Fragestellungen kritisch zu prüfen und zu diskutieren.

Veranstaltungen

Nach seiner Gründungsveranstaltung kam der Arbeitskreis zum zweiten Mal auf der vierten Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kognitive Linguistik in Bremen (5.-7. Oktober 2010) im Rahmen der Sektion „Constructions in German“ zusammen. Ein drittes Arbeitstreffen wird im Rahmen der Tagung „Konstruktionen als soziale Konventionen und kognitive Routinen“ (31. August - 1. September 2011, Universität Düsseldorf) stattfinden. Weitere regelmäßige Treffen sind geplant. 

Publikationen

Aus den vielen fruchtbaren Diskussionen auf den veranstalteten Arbeitstreffen ist bislang eine Reihe von wegweisenden Publikationen hervorgegangen, die als erste Bausteine einer Konstruktionsgrammatik des Deutschen zu bewerten sind. Zwei im Druck befindliche Sammelbände dokumentieren die Bandbreite möglicher Anwendungsbereiche (Lasch, Alexander/Ziem, Alexander (Hrsg.): Konstruktionsgrammatik III: Aktuelle Fragen und Lösungsansätze. Tübingen: Stauffenburg; Ziem, Alexander/Lasch, Alexander (Hrsg.): Grammatik als Inventar von Konstruktionen? Sprachwissen im Fokus in der Konstruktionsgrammatik. Berlin/New York: de Gruyter). Ebenfalls bei de Gruyter erscheint bald darüber hinaus das Einführungsbuch „Konstruktionsgrammatik des Deutschen: Theorie – Methode – Anwendungsbereiche“ (Alexander Ziem / Alexander Lasch).

Kontakt

Interessierte können sich gerne melden bei alexanderPUNKTziemATuni-duesseldorfPUNKTde.