Ökodiktatur oder Ökonation? Ursachen für den Hostile-Media-Effekt am Beispiel Windkraftanlagen

Philipp Henn | Shoshana Schnippenkoetter | Friederike von Vincke

Als Hostile-Media-Effekt (HME) wird die Tendenz von Anhängern einer bestimmten Position bezeichnet, bei gesellschaftlich kontrovers diskutierten Themen die Medienberichterstattung als zu Ungunsten ihrer eigenen Meinung verzerrt wahrzunehmen. Am Beispiel der Diskussion um den Bau von Windkraftanlagen wurde in dieser Studie untersucht, ob 1. ein HME festgestellt werden kann, und 2. welche Faktoren das Entstehen des HME begünstigen. Es wurde eine Online-Befragung mit 648 ausgewiesenen Gegnern und Befürwortern von Windkraftanlagen durchgeführt. Die Befragten mussten dabei einen Stimulus-Zeitungsartikel über das Thema Windkraftanlagen lesen. Ein relativer HME konnte nachgewiesen werden: Windkraft-Gegner nahmen den Artikel als stärker in Richtung einer Pro-Windkraftanlagen-Position verzerrt wahr als Windkraft-Befürworter. Die wahrgenommene Qualität des Medienangebots, die vermutete Wirkung auf andere Leser, sowie tendenziell das allgemeine Vertrauen in Medien konnten als erklärende Faktoren identifiziert werden.