Schüler an reformpädagogischen Schulen
Eine empirische Studie zu Lernerfolg, Werten, Gesundheit und kultureller Bildung

Die Studie
Die Studie will die Waldorf- und Montessoripädagogik an ihren jeweiligen Intentionen und Ansprüchen messen. Geprüft wird, inwiefern sich die besonderen Prinzipien und Methoden im Erleben und im Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler spürbar wiederspiegeln. Die Studie setzt damit die in den letzten Jahren erfolgte Annäherung von erziehungswissenschaftlicher Forschung und reformpädagogischer Praxis fort. Für die Anbieter von alternativen Schulmodellen jenseits der Regelschule wird die Frage an Dringlichkeit zunehmen, ob konzeptionelle Versprechen, Wirkungsprognosen und Erfolgsbehauptungen nachvollziehbar belegt werden können.
Nachdem die Befragung ehemaliger Waldorfschüler (Barz/Randoll: Absolventen von Waldorfschulen, Wiesbaden 2007; vgl. www.waldorf-absolventen.de) nicht nur die lebensbegleitende Tragfähigkeit des waldorfpädagogischen Konzepts nachzeichnen konnte sondern auch Herausforderungen benannte, zielt die neue Studie auf eine Analyse der Stärken und Schwächen im heutigen Betrieb zweier prominenter Reformentwürfe aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.
Die Studie wird finanziert von der Software AG Stiftung, Darmstadt, und der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen, Stuttgart.
Die Ergebnisse sollen in zwei Bänden (Band 1: Waldorfschulen / Band 2: Montessorischulen) voraussichtlich im Herbst 2011 im Verlag für Sozialwissenschaften (VS-Verlag Wiesbaden) publiziert werden.
Projektintention
Beabsichtigt ist die Rekonstruktion der konkreten Wirkungen des Waldorf- bzw. Montessorischulbesuchs aus Schüler- und Elternsicht. Konkrete Erkenntnisse über die Schul- und Unterrichtswahrnehmung sowie über grundlegende Einstellungsdimensionen von Schülern an Montessori- und Waldorfschulen werden erwartet. Die gewonnenen Befunde werden im Vergleich mit entsprechenden Daten aus Befragungen von Schülern staatlicher Regelschulen ausgewertet und interpretiert. Die Studie ist bewusst nicht als Leistungsvergleichstest konzipiert. Sie ist vielmehr einem nachhaltigen Lern- und Kompetenzbegriff verpflichtet. Es wird nicht die Beherrschung von Wissen oder Verfahrensweisen abgeprüft. Vielmehr steht die Verankerung von Lernmotivation und von Selbstwirksamkeitsüberzeugungen unter Einbeziehung von sozialen, ökologischen und kulturellen Dimensionen im Zentrum.
Forschungsfragen
Die zentralen Fragestellungen der Studie lassen sich vier Dimensionen zuordnen, wobei die erste (Lernen und Unterricht) den größten Raum einnimmt:
(1) Wahrnehmung und Bewertung von Lehr-, Lern- und Unterrichtspraxis
- Wie bewerten Schüler/innen aus Waldorf- und Montessorischulen ihre Lern- und Schulerfahrungen im Vergleich zu Schüler/innen aus Regelschulen?
- Welche Gründe spielten für Eltern und Schüler/innen eine Rolle bei der Schulwahl? Werden ihre Erwartungen erfüllt?
- Wie gestaltet sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis?
- Wie beurteilen Schülerinnen und Schüler die besonderen Lernmethoden (z.B. Epochenunterricht in der Waldorfschule, Freiarbeit in der Montessoripädagogik) und auf welche Art lernen sie am häufigsten bzw. am besten?
- Welche Bedeutung hat Leistung an Waldorf- und Montessorischulen? Welche Bedeutung hat Nachhilfe?
- Welche Defizite nehmen Schülerinnen und Schüler wahr?
(2) Werthaltungen und Grundorientierungen
- Unterscheiden sich die grundlegenden Werthaltungen von Waldorf- und Montessorischüler/innen im Vergleich zu Schüler/innen aus Regelschulen?
- Finden sich stärkere soziale oder ökologische und weniger materialistische oder angepasste Orientierungen?
(3) Gesundheitsverhalten und -einstellungen
- Unterscheiden sich Montessori- und Waldorfschüler von Regelschülern hinsichtlich Drogen-, Medikamenten- oder Alkoholkonsum?
- Sind Risikofaktoren wie Schulangst, Prüfungsstress (z.B. Schlafstörungen vor Prüfungen) weniger häufig im Vergleich zu staatlichen Regelschüler/innen?
(4) Kulturelle Bildung und Aktivitäten
- Sind Montessori- und Waldorfschüler/innen stärker kulturell interessiert und aktiv als Schüler/innen aus Regelschulen, z.B. beim Spielen von Musikinstrumenten oder der aktiven Beschäftigung mit Bildender Kunst, Tanz, Schauspiel, Architektur oder Literatur?
Forschungsdesign
Die Studie integriert qualitative und quantitative Zugänge. Durchgeführt wurden 97 qualitative Interviews mit Schülerinnen und Schülern sowie Eltern aus Waldorf- und Montessorischulen. An schriftlichen Fragebogenerhebungen nahmen 1.470 Schülerinnen und Schüler, darunter 827 Waldorfschüler/innen und 643 Montessorischüler/innen teil.
Die Erhebungen an den vergleichsweise ähnlich aufgestellten Waldorfschulen erstreckten sich auf das gesamte Bundesgebiet unter Einbeziehung auch von Schulen aus Berlin und den Neuen Bundesländern. Für die Montessorischulen ist von äußerst heterogenen Schultypen auszugehen. Hier gibt es große Unterschiede in der bundesländerspezifischen Schullandschaft, aber auch von Schule zu Schule (privat vs. öffentlich; Hauptschulen vs. Gesamtschulen vs. Gymnasien; Montessori-Schulen vs. Montessori-Zweige) Die Erhebung wurde deshalb auf Empfehlung des Projektbeirats exemplarisch für die Bundesländer NRW, Bayern und Hessen durchgeführt.
Personen
Das Forschungsteam
Prof. Dr. Heiner Barz | Prof. Dr. Dirk Randoll | Dr. Sylva Liebenwein |
Sozialwissenschaftliches Institut | Fachbereich Bildungswissenschaft der Alanus Hochschule | Sozialwissenschaftliches Institut |
Heinrich-Heine-Universität | Alanus Hochschule | Heinrich-Heine-Universität |
Der Projektbeirat
Waldorfpädagogik | Montessoripädagogik |
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Ergebnisse
Erste Ergebnisse hier (Link)
Radiobeitrag - Große Pädagog_innen: Rudolf Steiner
Unter der Mitwirkung von Prof. Barz ist in der Reihe "Große Pädagogen" des Deutschlandradios ein Portrait über Rudolf Steiner: Begründer der Anthroposophie entstanden.
Sendetermin: 10.06.2010, 15.20 Uhr
