BILDUNGSFORSCHUNG UND BILDUNGSMANAGEMENT

Kernkurs: Erziehung zum Ungehorsam (Modul: I&G); Nina Göddertz / Sabine Reimann

„Erziehung zum Ungehorsam“ - Pädagogik im Kontext der 68er-Bewegung in der BRD
„Education to disobedience“ - Padagogy and the Movement of 1968 in Germany

„Gegen die bürgerliche Dressur" entwickelte die 68er Bewegung Ideen und Konzepte für eine anti-autoritäre Pädagogik, die Alternativen zu den bestehenden Erziehungs- und Bildungseinrichtungen bieten sollten. Ziel war die konkrete Umsetzung der politischen Forderungen, Ideen und Wertevorstellungen dieser Bewegung: Ein freiheitlicher, an sozialistischen Idealen orientierter Erziehungsstil sollte die Entwicklung der Kinder hin zum „neuen Menschen" fördern, frei von als bürgerlich verstandenen Zwängen. Maßgeblichen Anteil an der Entstehung alternativer Modelle zur Kinderbetreuung und Lebens- und Beziehungsformen jenseits der bürgerlichen Kleinfamilie hatte die sich in dieser Phase entwickelnde Zweite Frauenbewegung. Ihre Aktivistinnen sahen sich nicht nur seitens der als patriarchal definierten Gesellschaft, sondern auch seitens der männlichen „Genossen" in die Rolle der Hausfrau und Mutter gezwungen.
Das interdisziplinär konzipierte Seminar untersucht zum einen die Entwicklung antiautoritärer Erziehungskonzepte in ihrem zeithistorischen Kontext, dabei sollen deren pädagogischen Vorbilder aus der Weimarer Republik im Fokus stehen. Zum anderen soll die Entwicklung innerhalb der Frauen und Student_innenbewegung und deren Auseinandersetzungen um  die Bedeutung von  Geschlechterrollen und Familie näher beleuchtet werden. Exemplarisch untersucht das Seminar die Kinderladenbewegung, deren Aktivist_innen Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre zahlreiche alternative Betreuungsmodelle in der BRD gründeten. Zudem bietet das Seminar die Möglichkeit, nach wie vor aktuelle und brisante Kontroversen um den Erziehungsstil der „68er" zu diskutieren: Sind die Lehrerinnen und Lehrer aus der Riege der „Alt-68er" verantwortlich für die heutige Bildungsmisere? Haben die 68er ihre Kinder gefördert oder vielmehr vernachlässigt? Und wie ist der Umgang mit sexueller Freizügigkeit angesichts der aktuellen Diskussion um sexuellen Missbrauch zu verstehen?

Das Seminar ist ein Blockseminar:

Freitag 08.10.2010 10.00 - 14.00 Uhr
Freitag 05.11.2010 10.00 - 17.00 Uhr
Freitag 03.12.2010 10.00 - 17.00 Uhr
Freitag 14.01.2011 10.00 - 17.00 Uhr
Freitag 21.01.2011 10.00 - 14.00 Uhr

Literatur:

Meike Sophie Baader (Hrsg.'in): „Seid realistisch, verlangt das Unmögliche!" Wie 1968 die Pädagogik bewegte.Weinheim und Basel 2008.
Ingrid Gilcher-Holtey (Hrsg.'in): 1968. Vom Ereignis zum Mythos. Frankfurt a.M. 2008.
Thomas Schroedter: Antiautoritäre Pädagogik. Zur Geschichte und Wiederaneignung eines verfemten Begriffs. Stuttgart 2007.