Dissertationsvorhaben
Petra Arenberg: Soziographische Merkmale als Determinanten von Präferenzstrukturen und Zahlungsbereitschaften für berufliche Weiterbildungsveranstaltungen
Ausgangslage und Problemstellung
Berufliche Weiterbildung besitzt eine hohe Bedeutung für Individuen in Hinblick auf Lebenschancen und die damit verbundene Konstruktion des Lebenslaufs. Überdurchschnittliche Einkommen, Status und Zufriedenheit mit Arbeitsinhalten sind determiniert durch Bildungsabschlüsse und Arbeitsqualifikationen. Weiterbildung ist somit ein integraler Bestandteil der Erwerbsbiographie.
Trotzdem ist die Teilnahmeintensität von sozialen Gruppen stark unterschiedlich und es besteht eine soziale Weiterbildungsungleichheit. Daraus ergeben sich bildungssoziologische Fragestellungen im Hinblick auf die Einflussfaktoren der individuellen Weiterbildungsentscheidungen. Neben soziographischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Erwerbsstatus zeigen sich insbesondere auch finanzielle Faktoren als Bildungsbarrieren.
Entscheidungen für oder gegen eine Teilnahme an beruflicher Weiterbildung werden von den Akteuren in einer Kosten-Nutzen-Abwägung getroffen. Präferenzen werden subjektiven Begrenzungen gegenübergestellt und die zielnaheste Alternative realisiert. Zur Klärung der Bestimmungsfaktoren und Ausgestaltungen monetärer Weiterbildungsbeteiligungen verbindet diese Arbeit die bildungssoziologische Betrachtungsweise mit einer anwendungs- und praxisbezogenen Perspektive, den betriebswirtschaftlichen Anforderungen von Weiterbildungsanbietern.
Athanasios Charisiadis: Das Curriculum der Schule der Zweiten Chance
Ausgangslage und Problemstellung
Während der zwei letzten Jahrzehnte sehen sich die Mitgliedstaaten mit hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert, insbesondere unter Jugendlichen mit geringer Schulbildung. Vor diesem Hintergrund und im Rahmen des Weißbuches “Lehren und Lernen – Auf dem Weg zur Kognitiven Gesellschaft“ hat die Kommission sich an der Bekämpfung der sozialen und wirtschaftlichen Ausgrenzung orientiert und die Einrichtung von Schulen der zweiten Chance vorgeschlagen und anschließend durchgeführt
Das Netz der SZC hat sich in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet und dieses Bildungsprogramm findet nun in mehr als 10 Mitgliedstaaten Anwendung. Folglich und trotz des gemeinsamen Rahmens der konzeptionellen Entwicklung der SZC, gibt es sowohl signifikante Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern hinsichtlich Interpretation und Anwendung der Grundsätze und des Curriculums dieses Bildungskonzepts. Die Gründe dafür sind die unterschiedliche Bildungspolitik und gesellschaftlichen Gegebenheiten der europäischen Länder sowie die Rolle und der Stand der Erwachsenenbildung jedes Mitgliedstaates. Das Projekt beschäftigt sich zum einem mit der Darstellung und mit dem Vergleich der Curricula der SZC zweier unterschiedlicher Länder und zum anderen mit dem Umgang der Studierenden mit diesem Bildungskonzept.
Carmen Eschner: Elterliche Erziehungsstile im historischen Wandel - eine Inhaltsanalyse von Erziehungsratgebern
Ausgangslage und Problemstellung
Populärwissenschaftliche Elternratgeber leisten einen Beitrag zur Familienerziehung in massenmedialer Form. Obwohl die tatsächliche Wirkung auf das Erziehungshandeln - unter Zugrundelegung der klassischen drei Gütekriterien empirischer Forschung - nur schwer nachgewiesen werden kann, stellen sie dennoch eine wichtige Quelle für die historische Erziehungs- oder Familienforschung dar, um Hinweise auf das jeweilige zeitgenössische Erziehungsdenken zu erhalten.
Timo van Treeck: Educational Beliefs von Hochschullehrenden
Ausgangslage und Problemstellung
Zahlreiche Untersuchungen im anglo-amerikanischen Raum konstatieren eine große Bedeutung von so genannten Educational Beliefs für die Qualität der Hochschullehre. In der deutschen Hochschullandschaft werden Verbesserungen der Lehre jedoch vorwiegend in strukturellen Maßnahmen gesucht.
In hochschuldidaktische Weiterbildungsmaßnahmen hingegen werden häufig auch die Grundeinstellungen zur Lehre, Vorstellung über Studierende etc., also Educational Beliefs, behandelt - allerdings ohne dass passende Grundlagenforschung zu diesem Bereich vorhanden wäre.
Die Arbeit untersucht Educational Beliefs bei Lehrenden und Entscheidern an der Hochschule. Auf der Grundlage von qualitativen Interviews sollen Typologien gebildet werden und Fragen zu Bezügen der Beliefs zu innovativer Lehre (u.a. eLearning), zu Fortbildungsteilnahmen und Rahmenbedingungen der Lehre beantwortet werden.
Abgeschlossene Dissertationen
Brigitte Eickhorn: Weiterbildung und neue Medien in Räumen unterschiedlicher Siedlungsstruktur
Auf dem Hintergrund vorhandener theoretischer und methodischer Ansätze in der Bildungsgeographie und Erwachsenenbildungsforschung wird die Kern-Hypothese aufgestellt, dass sich das Weiterbildungsverhalten im ländlichen und städtischen Raum unterscheidet und spezifische endogene und exogene Faktoren das Weiterbildungsverhalten bestimmen.
Ziel der Arbeit ist es, am Beispiel des ausgewählten Fachbereichs EDV an Volkshochschulen das Weiterbildungsverhalten in unterschiedlich strukturierten Räumen zu untersuchen.
Brigitte Eickhorn (2009): Weiterbildung und neue Medien in Räumen unterschiedlicher Siedlungsstruktur - Untersuchungen zum Weiterbildungsverhalten an Volkshochschulen im Fachbereich EDV.
Piret Jürgenson: Jugend im soziokulturellen Wandel – eine explorative Studie zur Lebenswelt der jungen Generation in Estland
Ausgangslage und Problemstellung
Am 1. Mai 2004 wurden zehn neue Länder in die Europäische Union aufgenommen, darunter auch Estland. Eine Reihe der Mitgliedsstaaten sieht sich mit den Problemen steigender Arbeitslosigkeit, dem Abbau sozialer Leistungen sowie einem tief greifenden demographischen Wandel konfrontiert. In der europäischen Staatengemeinschaft werden an das Zusammenleben von unterschiedlichen Nationen und Kulturen verschärfte Herausforderungen gestellt. Das Projekt beschäftigt sich zum einen mit der Bewältigung des gesellschaftlichen Wandels und zum anderen mit dem Umgang mit diesen neuen gesellschaftlichen Anforderungen. Im Zentrum der Forschung steht die Jugend Estlands.
Sylva Liebenwein: Erziehung und soziale Milieus. Elterliche Erziehungsstile in milieuspezifischer Differenzierung
Die Arbeit erfasst Erziehungserfahrungen und Erziehungsstile von Angehörigen aller sozialen Milieus auf Basis von qualitativen, problemzentrierten Interviews mit Müttern und Vätern von Kindern im Vorschulalter. Nach einem Blick auf Begrifflichkeiten und aktuelle Erkenntnisse der Erziehungsstilforschung hinsichtlich der Genese und der Auswirkungen von Erziehungsstilen widmet sich Sylva Liebenwein im empirischen Teil der Darstellung, Diskussion und Interpretation der milieuspezifischen Ergebnisse vor dem Hintergrund bereits vorliegender Befunde.
Sylvia Liebenwein (2008): Erziehung und soziale Milieus. Elterliche Erziehungsstile in milieuspezifischer Differenzierung. Vs Verlag, Wiesbaden. (bei amazon)
Tabea Raidt: Bildungsreformen nach PISA. Paradigmenwechsel und Wertewandel
Vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wertewandels und der nachhallenden Bildungsexpansion der 1960er Jahre hat die PISA-Studie in Deutschland einen Paradigmenwechsel ausgelöst. Dieser hat Auswirkungen auf die Bildungspolitik, die Bildungssteuerung, die Bildungsbeteiligten und nicht zuletzt auf den Bildungsbegriff selbst. Dabei lassen sich Veränderungen von regional spezifischer zu internationaler Bildung, von Schulentwicklung zur Systemsteuerung, von Chancengleichzeit zur Ausschöpfung von Begabungsreserven und von Allgemeinbildung zur Qualifikation feststellen.
Tabea Raidt (2010): Bildungsreformen nach PISA. Paradigmenwechsel und Wertewandel. Tredition, Hamburg. (bei amazon)
Sabine Schomäcker: Langeweile von Jugendlichen in der Erlebnisgesellschaft und die Konsequenzen für die Schule
Ausgangslage und Problemstellung
Zwar legt der Begriff der Erlebnisgesellschaft unter dem Stichwort Reizüberflutung die Verbindung zur Überforderung und zum Stress Jugendlicher nahe, dennoch:
Langeweile ist unter Jugendlichen zum Maßstab für die Beurteilung von Dingen und Situationen avanciert. Angesichts einer mehr oder weniger rastlosen Gesellschaft und deren Daseinsimperativ „Erlebe dein Leben – so lange du kannst und so schnell du kannst“ ist das Gegenbild, das unter allen Umständen zu Vermeidende, das Ausbleiben von Erlebnissen, die Öde, die Langeweile.
Bernd Wiesen: Praktische Philosophie: Entstehung und Wirkungen des neuen Schulfaches in NRW
Die vorliegende Studie stellt Entstehung und Wirkungen des neuen Schulfaches Praktische Philosophie in NRW vor dem Hintergrund der zwölfjährigen Entstehungsgeschichte des Faches dar. Dabei kommt sie zu dem Schluss, dass die nachhaltige Akzeptanz des Faches bestätigt wird und die positiven Erfahrungen mit dem neuen Fach Praktische Philosophie noch gesteigert werden konnten. Die erstmals durchgeführte Wirksamkeitsstudie belegt eindrucksvoll, dass Schülerinnen und Schüler im Fach Praktische Philosophie ihre Methoden- und Sozialkompetenzen verbessern konnten. Der Untersuchung liegt eine breit angelegte Erfahrungs- und Wirksamkeitsstudie zugrunde.
Bernd Wiesen (2009): Praktische Philosophie: Entstehung und Wirkungen des neuen Schulfaches in Nordrhein-Westfalen. LIT Verlag, Berlin-Münster-Wien-Zürich-London. (bei amazon)
Nützliche Links
Prof. Ulrich von Alemann (derzeit Prorektor für Lehre und Studienqualität an der HHU) stellt ausführlich begründete Ratschläge für Exposés zusammen (vor allem auf den Seiten S. 5-15, PDF):
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/politik/Mitarbeiter/Alemann/aufsatz/01_expose2001.pdf
Sammlung von eventuell nützlichen Links:
http://www.gavagai.de/schule/HHA03.htm
(Achtung: Juristische Dissertationen sind nicht unbedingt verbindlich beispielgebend für sozial- oder erziehungswissenschaftliche Promotionen)
