SoSoft09

Kollaborative Arbeit, Kommunikation und Wissensmanagement in Theorie und Praxis

Interdisziplinärer Workshop der Heinrich-Heine-Universität
Abteilung für Informationswissenschaft & Abteilung für Englische Sprachwissenschaft
Organisatoren: Isabella Peters, Cornelius Puschmann, Violeta Trkulja, Katrin Weller
Schloss Mickeln, Düsseldorf, 28. und 29. September 2009


Mit freundlicher Unterstützung von

Elsevier Institut für Internationale Kommunikation

Abstracts

Mit "People Tagging" zum kollaborativen Kompetenzmanagement

Simone Braun, Forschungszentrum Informatik Karlsruhe

Heutige Kompetenzmanagementansätze bieten vielversprechende Instrumente für Personaleinsatz und -entwicklung, Wissensmanagement und Lernunterstützung insbesondere in größeren Unternehmen. Bisher konnten solche Ansätze jedoch insbesondere auf der Ebene der einzelnen Mitarbeiter keinen nachhaltigen Erfolg zeigen. Pilotanwendungen zum Suchen und Finden von Experten kämpfen auf die Dauer neben sozialen und organisationalen Barrieren immer wieder mit unvollständigen und veralteten Datensätzen. Dies beeinträchtigt sowohl die Kompetenzprofile der einzelnen Mitarbeiter als auch die Kompetenzkataloge, die als Vokabular für die Profile verwendet werden.

Traditionell werden Kompetenzmanagementansätze als Top-Down-Instrumente betrachtet. Das bedeutet, dass in der Regel eine kleine Expertengruppe solche Kompetenzkataloge in unregelmäßigen Zeitabständen (für gewöhnlich >1 Jahr) oder gar als einmalige Aktivität ohne weitere geplante Aktualisierung modelliert. Bei der Anwendung des Kompetenzkatalogs stoßen die Mitarbeiter häufig auf das Problem, dass sie die Bedeutung der Kompetenzbegriffe nicht verstehen können (da sie nicht in den Modellierungsprozess eingebunden waren) und sie nicht die für sie relevanten Themen finden (was insbesondere für neu aufkommende Themen zutrifft).

Neben der Erstellung und Pflege des Kompetenzkatalogs ist auch die Erstellung und Pflege der individuellen Kompetenzprofile oft problematisch. Zur Erstellung von Kompetenzprofilen werden meist Ansätze zur Selbstbewertung oder zur Fremdbewertung durch Vorgesetzte oder formale Bewertungsverfahren angewandt. Wohingegen letztere sehr teuer und mühselig ist, scheitert der Ansatz der Selbstbewertung häufig an mangelnder Motivation, die auf den fehlenden unmittelbaren Nutzen für den Mitarbeiter zurückgeführt werden kann. Zum Beispiel sind die Systeme kaum in die alltäglichen Arbeitsaktivitäten eingebettet und haben dort ihre Nützlichkeit bewiesen. So enthalten diese Kompetenzprofile oft nicht die Informationen, die für andere Kollegen relevant sind. Und sehr neue oder spezialisierte Themen können nicht verwendet werden, da sie im Kompetenzkatalog aufgrund der großen Intervalle zwischen den Aktualisierungen nicht enthalten sind.

Zur Überwindung dieser Probleme präsentieren wir einen Ansatz zum kollaborativen Kompetenzmanagement, der alle Mitarbeiter einbindet und teilnehmen lässt. In diesem Ansatz kombinieren wir Web 2.0 ähnliche Bottom-Up-Prozesse mit organisationalen Top-Down-Prozessen. Die Basis hierfür bildet das sog. "People Tagging", d.h. jeder Mitarbeiter kann die Expertise und Interessen seiner Kollegen mit Schlüsselwörtern auf einfache Art und Weise annotieren ("taggen") und beschreiben. Dies wird durch Methoden der Community-gestützen Ontologieentwicklung ergänzt, mit denen Mitarbeiter den Kompetenzkatalog ständig weiterentwickeln und ihren Bedürfnissen anpassen können.

Die Kernidee unseres Ansatzes ist, dass Kompetenzmanagement nicht vollständig ohne ein vereinbartes Vokabular (oder Ontologie), d.h. dem Kompetenzkatalog auskommt. Aber dass dieser Katalog kooperativ und eingebettet in die tatsächliche Nutzung entwickelt werden muss (z.B. während dem Tagging anderer Mitarbeiter). Gleichzeitig betrachten wir Kompetenzprofile nicht nur als Selbstbeschreibung, sondern vielmehr als Ergebnis kollektiver Beurteilung anderer.


Mitarbeiterweblogs im globalen Großunternehmen als Baustein eines zeitgemäßen Wissensmanagements

Karsten Ehms, Siemens AG

Der Vortrag setzt sich mit der Einführung von Mitarbeiter-Weblogs in der Siemens AG auseinander.Â&xnbsp; Gut drei Jahre nach der globalen Bereitstellung dieses Angebots werden Design-Prinzipien, Herausforderungen und Erfahrungen reflektiert. Im Mittelpunkt stehen dabei Herausforderungen für ein zeitgemäßes Wissensmanagement, wie sie aus dem firmeninternen Einsatz vonÂ&xnbsp; Social-Software einerseits und dem Phänomen Web 2.0 andererseits entstehen. Die Aspekte 'Verwendungsvielfalt der Softwarewerkzeuge' und 'Konsequenzen für die Steuerungsphilosophie' werden besonders hervorgehoben.

Dipl.-Psych. Karsten Ehms beschäftigt sich seit 1995 mit dem Thema organisationales Lernen und Wissen. Seit dem Jahr 2000 unterstützt er in der Siemens AG die geschäftsführenden Einheiten bei der Einführung von Wissensmanagement-Lösungen. Karsten Ehms ist Experte für 'Light-weight Ontologies' und Social Software. Seit 2006 ist er ausserdem Projektleiter für die technischen Realisierung der Siemens-internen Weblog-Plattform.


Analyse jenseits des Forschungslabors: Wie untersucht ein Chemiekonzern den Meinungs- und Diskussionscocktail im Social Web?

Andreas Fitger, BASF SE

Ein weltweit operierender Chemiekonzern wie die BASF SE mit einem großen Produktportfolio, vielfältigen Kundenbranchen und Zielmärkten in verschiedenen Kulturkreisen, unterschiedlichen Stakeholdergruppen, Reputationsrisiken und Innovationsfeldern benötigt viele Augen und Ohren, um in der Außenwelt neue Entwicklungen und Chancen zu erkennen und Risiken rechtzeitig zu entdecken.

Durch das Vordringen des Internets und die rasche Verbreitung der Mitmachmedien im Web 2.0 bzw. der so genannten Social Media hat sich die Oberfläche des Unternehmens zur Außenwelt noch einmal immens vergrößert, während die Reaktionszeiten bei aufkommenden Krisen und Konflikten dramatisch geschrumpft sind. Die klassischen Medien verlieren zunehmend an Bedeutung, weshalb eine traditionelle Medienanalyse längst nicht mehr ausreicht, um alle wichtigen Impulse aus dem Unternehmensumfeld zu registrieren. Die Herausforderungen sind also in den vergangenen Jahren gestiegen, doch die verfügbaren Ressourcen für die Beobachtung dieser neuen Form der Öffentlichkeit bleiben begrenzt.

Ein kleines Team innerhalb der Abteilung Corporate Communications and Government Relations der BASF Gruppe hat 2006 damit begonnen, geeignete Methoden, Prozesse und Instrumente zu ermitteln bzw. zu entwickeln, um sich für die neuen Anforderungen beim Medien- und Issues-Monitoring zu wappnen.

Dabei stellte sich eine ganze Reihe von Fragen.

Welche Quellen, Akteure und Themen sind relevant bzw. könnten relevant werden? Welche Meinungen und Meinungsbildungsprozesse sind wichtig oder könnten es werden? Wie findet und beurteilt man die neuen Quellengattungen im Web? Wie kann man das dynamische Geschehen in Social Media sinnvoll und systematisch beobachten? Ist geeignetes methodisches Rüstzeug verfügbar? Welche Beurteilungs- bzw. Qualitätskriterien kann man anwenden? Welche Potenziale entfalten sich mit Blick auf die Unternehmensreputation und die Geschäftsaktivitäten? Wie wird BASF als Unternehmen, als Arbeitgeber und als Akteur in der politischen Arena wahrgenommen? An welchen Unternehmensaktivitäten wird Kritik geübt? Wie "verarbeitet" man die gewonnenen Außenimpulse und verbreitet sie adäquat und zielgruppengerecht im Unternehmen? Wie überzeugt man skeptische Kollegen von der Bedeutung der Fundstücke aus dem Social-Media-Bereich? Welche neuen Kommunikationschancen und -risiken ergeben sich für das Unternehmen?

Wie bewältigt man eine solch komplexe Aufgabenstellung mit chronisch knappen Personal- und Zeitressourcen? Welche Beurteilungskompetenz braucht man bzw. muss man aufbauen, um ggf. qualifizierte Dienstleister ermitteln und steuern zu können?

Erste Antworten auf all diese Fragen liegen vor, doch dem Team steht offenbar noch ein längerer Lernprozesses bevor.


Social Software im Unternehmen: Paradigmenwechsel in Wissensmanagement und Weiterbildung

Matthias Görtz, Universität Hildesheim

Mit der Wandlung des primär informativen Internet hin zu einem partizipativen Web 2.0 nehmen sogenannte Social Software Anwendungen eine immer größer werdende Rolle im privaten und professionellen Informationsverhalten von Mitarbeitern ein. Die genauen Verhaltensmuster im Umgang mit solchen Anwendungen und deren Auswirkungen auf Arbeits- und Informationssuchverhalten gilt es dabei noch genauer zu verstehen. Dennoch werden die aus dem partizipativen Charakter dieser Applikation entstehenden Phänomene, wie z.B. digitale soziale Netze und User Generated Content,bereits als vielversprechende Katalysatoren betrieblichen Wissensmanagements oder auch organisationaler sowie individueller Kompetenzentwicklung am Arbeitsplatz gehandelt. Eine Vielzahl an innerbetrieblichen Initiativen beschäftigt sich daher bereits mit Einsatzmöglichkeiten von Social Software im Unternehmen und preist es unter anderem als Universallösung für den kollegialen Wissensaustausch oder Weiterentwicklung bisheriger Trainingskonzepte. Doch die traditionellen Ansätze dieser Anwendungsbereiche stoßen bei der Einführung von den Social Software inhärenten Bottom-Up Prinzipien auf ihre Grenzen. Es bedarf daher eines neuen Paradigmas in Wissensmanagement und Weiterbildung.

Ziel dieses Beitrags ist es diesen Paradigmenwechsel von akademischer sowie praktischer Perspektive zu beleuchten. Einerseits werden die klassischen Ansätze und aktuellen Entwicklungen aus den wissenschaftlichen Disziplinen Wissensmanagement und eLearning / Technology-Enhanced Learning dargestellt. Andererseits wird ein Anwendungsfall des Einsatzes von Social Software bei einem globalen Managementberatungs- Technologie- und Outsourcing-Dienstleister vorgestellt,Â&xnbsp; um aus praktischer Perspektive die geforderte Neuorientierung zweier ursprünglich paralleler Ansätze bzw. meist auch getrennter organisatorischer Einheiten zu unterstreichen und um schließlich auf Erfolgsfaktoren bei der Implementierung von Social Software am Arbeitsplatz hinzuweisen.


Scholarly Reputation Management Online: The challenges and opportunities of social media

Michael Habib, Elsevier B.V.

Social media provides scholars with unprecedented opportunities to promote their accomplishments and expertise. Conversely, social media creates more identity information to for scholars to manage. Different facets of scholar identity online will be introduced. Within this framework, new types of identity content produced by social software and the challenges this creates will be discussed. Lastly, opportunities for using social software to manage scholarly reputation will be explored.


Neue Muster der Wissenskommunikation auf Grundlage von Social-Networking-Diensten - Jenseits von Organisation und Community?

Lambert Heller, TiB Hannover

Ethnographisch orientierte Untersuchungen haben dem Wissensmanagement in den Neunziger Jahren eine überraschende neue Erkenntnis eingebracht: Das Kommunizieren und Generieren von Wissen lässt sich demzufolge kaum planen und führen, da ein besonders lebendiger und dynamischer Austausch typischerweise in Communities of Practice (CoP) stattfindet. Unter CoPs werden Grüppchen von Personen verstanden, die mit ähnlichen Ressourcen und Praktiken arbeiten, aber weder formell noch aus anderen Gründen dazu angehalten sind, sich auszutauschen - sie tun es einfach von sich aus. Die Erkenntnis des Phänoms CoP erhellt die grundsätzlichen Probleme mancher technokratischer Vision von "Expertensystemen", aber auch von "kollaborations-unterstützenden" Systemen, in denen TeilnehmerInnen von vornherein feste Rollen und Aufgaben zugewiesen worden waren (und zum Teil noch bis heute wird). Mit Social Software wie Blogs und Wikis schien auf den ersten Blick eine Generation von Software gekommen zu sein, mit der die Community-Fremdheit der Informationssysteme überkommen war. Unternehmen müssen nun allerdings lernen, daß ihr Anspruch auf das Definieren und Planen der Rollen und Aufgaben im Wissensaustausch (innerhalb der Organisation und nach außen) das Problem ihres alten Ansatzes war - und das eine neue Technik dieses Problem nicht von allein zum Verschwinden bringt. Communities lassen sich gelegentlich unterstützen und nähren, aber nicht beschließen oder inszenieren. Noch während dieses Lernprozesses zeichnet sich bereits die nächste große Herausforderung ab: Eine neue Generation von Social Software-Diensten fokussiert mit überwältigendem Erfolg auf das Abbilden und Benutzen "sozialer Netzwerke". Aus der Sicht der Social Software-Enthusiastin tritt an die Stelle einiger weniger Communities mit relativ festen Grenzen und "Mitgliedschaften" ein tendenziell grenzenloses, komplexes Netzwerk zwischen Einzelpersonen und Informations-Atomen, quer über diverse Plattformen verstreut. Aus der Sicht der Organisation verschärft sich damit eine alte Gretchenfrage des organisatorischen Wissensmanagements im Internetzeitalter: Darf und soll jede meiner MitarbeiterInnen Knoten eines entgrenzten Informationsnetzes sein? - Ich will versuchen, die neue Herausforderung Social Networking modellhaft anhand einiger Plattformen und darin beobachteter Praktiken zu skizzieren. Mich beschäftigt dabei insbesondere die Fragen, 1. ob und wie neben den Social-Networking-typischen Dauer-Baustellen des Identitäts- und Beziehungsmanagements überhaupt noch ein substantieller Austausch von Wissen stattfindet, und 2. was dabei mit den Grenzen der Organisation und der CoP geschieht.


Mit Theodolit und GPS unterwegs in Social Media? Kennzahlen und Forschungsansätze für die Erfolgs- und Einflussmessung in nutzergenerierten Medien

Benedikt Köhler, AG Social Media/Ethority

Ziel des Referates ist es, einen breiten Überblick über vorhandene Forschungsansätze und Messverfahren für die unterschiedlichen Social-Media-Plattformen (Blogs, Foren, Networks, Twitter etc.) zu geben.

Anschließend wird anhand praktischer Beispiele gezeigt, wie sich diese Maße für die Erfolgsmessung von Kampagnen bzw. die Einflussmessung von Nutzern und ihren Social Graphs nutzen lassen. Damit verbunden ist auch eine Kurzdarstellung der Arbeitsgemeinschaft Social Media e.V. sowie aktueller Forschungsprojekte zur Wirkungsforschung in Social Media.


Unternehmen in der Blogosphäre

Nils König, Daimler AG

In den letzten Jahren ist die Blogosphäre weltweit zu einem bedeutenden Meinungsmacher geworden. Als alternative Informationsquelle für Verbraucher, Lobbymedium und wichtigstes Kommunikationsmittel des "Bürgerjournalismus" ist auch der der wirtschaftliche Einfluss enorm gestiegen. Unternehmen haben das Potenzial von Blogs längst erkannt. Passives "Blog-Monitoring" ist inzwischen ein wichtiges Element moderner Marktforschung, nachhaltiger Qualitätssicherung und vorausschauendem Krisenmanagements geworden. Die hohe Flexibilität und einfache Handhabe von Blogs ermöglichen aber auch aktives Engagement und eine Bandbreite von Einsatzmöglichkeiten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg - von Anwendungen im internen Projektmanagement bis zur öffentlichen Serviceplattform.

Im Gegensatz zur Blogosphäre haben Corporate Blogs aus wissenschaftlicher Sicht nur wenig Aufmerksamkeit erhalten. Doch gerade für Firmen ist es relevant herauszufinden, welche Faktoren die Reichweite und Vernetzung von Blogs beeinflussen, und wie sich diese positiv beeinflussen lassen. Dabei sind die Gesetze skalenfreier Netze genauso zu beachten wie kulturspezifische Eigenheiten der Zielgruppen. Ein aktuelles Forschungsprojekt der Daimler AG und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg beschäftigt sich daher momentan mit interkulturellen Unterschieden bei Betreibern und Lesern von Unternehmensblogs. Der Vortrag wird eine Einführung in mögliche Blogstrategien von Großunternehmen geben, das Daimler-Blog als Praxisbeispiel vorstellen und anschließend grundlegende Unterschieden zwischen der deutsch-, englisch- und russischsprachigen Blogosphäre aufzeigen, um daraus beispielhaft Handlungsempfehlungen für in der Blogosphäre engagierte Unternehmen abzuleiten.


Wie Web 2.0 und Suche zusammenwachsen

Dirk Lewandowski, Hamburg University of Applied Sciences

Suchmaschinen verlassen sich seit jeher auf die Mitarbeit ihrer Nutzer: Das Zählen und Bewerten von Links beruht letztlich auf der kleinteiligen Mitarbeit einer bestimmten Nutzergruppe, nämlich derjenigen, die selbst Webseiten erstellen. Durch das Aufkommen von Blogs und anderen Diensten des Web 2.0 verlagert sich diese Tätigkeit auf eine breitere Nutzerschaft, auch wenn sich lange nicht alle Nutzer beteiligen.

In diesem Kontext ist zu untersuchen, welche Möglichkeiten sich für Suchmaschinen ergeben, Daten aus Social Software zur Verbesserung der Suche zu verwenden. Im Vortrag werden diese Möglichkeiten systematisiert und auf ihre Tauglichkeit untersucht. Dabei wird das Umfeld der Suche unter zwei Blickwinkeln betrachtet: Von Seiten der "klassischen" Suchmaschinen einerseits, von Seiten der Web 2.0 Dienste, die grundsätzlich für die Suche tauglich scheinen, andererseits.


Paperoo: Web 2.0-Konzepte für die Wissenschaft

Felix Rieseberg und Pawel Sirotkin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Die grundlegendsten Konzepte des Web 2.0 haben bis heute viele Bereiche des Alltags und des Mediensystems verändert, in manchen Teilen sogar revolutioniert. Nur minimal betroffen zeigt sich jedoch die "Scientific Community", welche bei der Erarbeitung, Veröffentlichung und Rezeption von Wissenschaft in starren Strukturen verharrt. Nur eine kleine Gruppe glaubt religionsgleich an das Prinzip "Open Science", der Großteil der "res publica literaria" hat noch Berührungsängste mit dem Medium, das so viele andere Bereiche des Lebens ökonomisieren und vereinfachen konnte.

Welche Angebote stehen Wissenschaftlern heute schon zur Verfügung - und warum sind diese mangelhaft? Welchen - überraschend liberalen - Standpunkt hat man bei Journals wie Nature? Wir möchten kurz das Projekt "Paperoo" vorstellen, welches die Kompetenz der Gemeinschaft vernetzt, um den Prozess der Veröffentlichung dynamischer zu gestalten. So werden das eigentlich Konzept sowie die Überlegungen zur Qualitätssicherung präsentiert, anschließend soll eine kurze, offene Diskussionsrunde mit Q&A Möglichkeit Kritik, Hinweise und ungesehene Aspekte hervorbringen.


Auf virtuellem Kurs aus der Krise: das Themenblog "TopicTrack"

Michael Scheuermann, BASF SE

Die gegenwärtige, krisengetriebene Suche nach Innovationen und stark netzaffine Geschäftseinheiten im globalen Unternehmensverbund setzen die Suche nach den Potenzialen "virtueller Kommunikation" innerhalb der Unternehmen neu auf die Tagesordnung: Ergänzend zu den klassischen Informations- und Kommunikationskanälen sollen brachliegende Wissensressourcen in unterschiedlichen Organisationseinheiten ausgeschöpft und nutzbar gemacht werden.

Innerhalb der Abteilung Corporate Communications and Government Relations der BASF Gruppe wurde mit dem Themenblog "Topic Track" ein Instrument geschaffen, das helfen soll, virtuelle, themenzentrierte Kommunikation im Arbeitsalltag zu erproben und Wissensaufbauprozesse zu fördern. Über diese Plattform werden interessante Informationen aus außermedialen Quellen in redaktionell aufbereiteter Form bereitgestellt, um sie gemeinsam zu kommentieren, zu diskutieren und ggf. zubewerten.

Hinter der Entwicklung und dem Betrieb von Themen-Plattformen zum Wissensaufbau stehen komplexe Prozesse, die mit zahlreichen organisationsbedingten und mentalen Hürden zu kämpfen haben.

Als "Agenten des Übergangs" brauchen Nutzer und Betreiber des Themenblogs professionelles Standing, Kritikfähigkeit und die Bereitschaft zu unabhängigen Sichtweisen.

Themenorientierte Communities schaffen unternehmensintern "Märkte", die Einstellungen, persönliche Vorlieben, Meinungsbilder, Motive und subjektive Sichtweisen aufdecken und transparent machen. Damit weichen sie von den Workflows der traditionellen Arbeitsorganisation ab und fordern - im Zusammenspiel mit dem marktgetriebenen Veränderungsdruck - die traditionelle Unternehmens- und Kommunikationskultur konstruktiv heraus.

Das begünstigt die Entstehung und Reifung neuer Ideen sowie Sicht- und Handlungsweisen innerhalb der Organisation.

Die (potenziellen) Teilnehmer des Themenblog brachten sich zumindest zu Beginn nur zögerlich ein. Das virtuelle Kommunikationsinstrument wurde erst allmählich angenommen und dann vorwiegend rezeptiv genutzt. Bei Kommentaren und Rückmeldungen sind die Anwender noch ziemlich zurückhaltend. Mit dieser Scheu angemessen umzugehen ist eine der wesentlichen Herausforderungen für die Betreiber.


Über Erfolgsfaktoren des Einsatzes von Kooperativen Technologien

Christiane Schulzki-Haddouti

Kooperative Technologien, die sich im privaten Umfeld bewährt haben, können auch für professionelle Einsatzbereiche adaptiert werden. Dabei gilt es bei der Entwicklung von Einsatzszenarien sowie der konkreten Einsatzplanung verschiedene Akzeptanz- und Erfolgsfaktoren zu beachten. In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Innovations- und Technikanalyse (ITA) geförderten Analyse "Kooperative Technologien in Arbeit, Ausbildung und Zivilgesellschaft" ( http://www.innovationsanalysen.de/de/download/KoopTech.pdf) haben wir zur Überprüfung von fünf von uns entwickelten Einsatzszenarien ein Modell für die Erfolgsmessung entwickeln, das sieben Akzeptanz- und Erfolgsfaktoren umfasst. Dabei greifen wir die in der Studie "Technologies of Cooperation" von Andrea Saveri, Howard Rheingold sowie Vian Howard Vian, Kathi 2005 herausgearbeiteten Erfolgs- und Akzeptanzfaktoren auf. Basierend auf einer Literaturanalyse, den auf Basis einer Analyse von über 1000 Anwendungen erstellten Benchmarks sowie qualitativen Interviews mit 47 Experten haben wir diese Faktoren noch feiner aufgegliedert und inhaltlich teilweise erweitert. Es handelt sich im Einzelnen um die Unterstützung flexibler Strukturen, soziale Umgangsformen, die sensible Ressourcenerschließung und -nutzung, eine nachhaltige Verfügbarkeit von Ressourcen, die Unterstützung von Feedbackschleifen, die Unterstützung von identitätsbezogener Teilhabe sowie der Identifizierung von Barrieren. In Summe beziehen sich diese Faktoren auf ein breites Feld an technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen, die seit Jahren in bereits in der Fachliteratur diskutiert werden. Es ist offensichtlich, dass die Erfolgsfaktoren je nach Anwendung unterschiedlich ausgeprägt sind: So spielen beispielsweise die Selbstrepräsentation und die Vermittlung kommunikationsrelevanter Identitätsmerkmale bei Kontaktplattformen und Weblogs eine prominente Rolle. Der regelbasierte Umgang mit Inhalten hingegen ist entscheidend für die Akzeptanz und den Erfolg von Wissensplattformen, Wikis, Sozialen Bookmarkdiensten und Diensten für Shared Workspace.


Lehre ins Internet? eLearning Integration durch HeinEcomp an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der praktische Einsatz virtueller Klassenzimmer

Timo van Treeck, HeinEcomp

Die eLearning Situation an Hochschulen ist einerseits geprägt von politisch (und damit auch finanziell geförderten) Projekten zur Verbesserung der Lehre durch eLearning. Andererseits von einer (relativ) heterogenen Gruppe von Akteuren. Hierdurch ergeben sich mindestens zwei Herausforderungen, denen das Projekt HeinEcomp zur Integration von eLearning an der HHU begegnen will:

a) Das Problem der Nachhaltigkeit innovativer eLearning-Seminare, d.h. der Projektcharakter, der in reguläre, dauerhafte Lehrangebote überführt werden muss.

b) Die Schwierigkeit einerseits, die early-adopters und early majority der Innovationsträger weiterhin in ihren Aktivitäten zu unterstützen und andererseits darüber hinaus eLearning dort breit in die Lehre zu integrieren, wo es sinnvoll ist.

Aus diesem Grund nähert sich HeinEcomp diesen Aufgaben aus mehreren Perspektiven und Arbeitsfeldern, welche eng miteinander verzahnt sind. Hier soll jedoch der Schwerpunkt auf das Teilprojekt Kompetenztraining und Support gelegt werden. Gerade weil eine Durchdringung mit eLearning-Angeboten nur dann möglich ist, wenn die Lehrenden - die sich im Gegensatz zu Akteuren in der freien Wirtschaft überwiegend selbst als Autoren, Moderatoren und Lehrende ihrer Veranstaltungen begreifen und somit Betreuung und Inhaltsproduktion schwer aus der Hand geben - in die Lage versetzt werden, eLearning-Angebote selbst zu konzipieren, zu erstellen, durchzuführen und weiterzuentwickeln. Erst auf dieser Grundlage einer nachhaltigen Personalentwicklung können weitere Maßnahmen wie finanzielle Unterstützung von eLearning-Projekten greifen und technische Angebote effektiv genutzt werden.

Dabei liegen die Erfolge der Qualifizierungsmaßnahmen folgenden fünf Bereichen begründet: Einbindung in vorhandene (und etablierte) Weiterbildungsangebote an der Hochschule, hier in die hochschuldidaktischen Fortbildungen Konzeption und Angebot von Schulungen auf Nachfrage aus den einzelnen Fachbereichen sowie für Gruppen von Antragsstellern Aufsuchende Initialberatung zur Feststellung und Realisierung von Lösungswegen für Lehr-Herausforderungen bei verschiedenen Zielgruppen Aufbaukurse, welche die Lehrenden bei der Konzeption und Umsetzung Ihrer eLearning-Ideen begleiten Erprobung neuer (elektronischer) Lehrformen und deren Vermittlung in Schulungen (Zielgruppe early adopters und early majority)

Ein Beispiel für die Erprobung (relativ) neuer Lehrformen ist der Einsatz virtueller Klassenzimmer bei der Durchführung internationaler Seminare. Hierzu werden Erfahrungen, Stolpersteine und Tipps vorgestellt, wie Methoden zur Unterstützung der Anwärmphase, Erhöhung der TeilnehmerInnenaktivität oder Umgang mit technischen Problemen.


Social und Realtime Search

Carlo Velten, Qitera

  • Herausforderungen und Limitationen traditioneller Suchansätze und -Technologien
  • Konzept der sozialen Suche
  • Vorteile durch höhere Relevanz und Kontext
  • Social Software - neue Datenquellen für die soziale Suche
  • Use Cases - Social Search in Collaboration, Wissensmanagement und Marketing

ImageNotion - Bildverwaltung mit Intelligenz

Andreas Walter, Forschungszentrum Informatik Karlsruhe

Das Bildverwaltungssystem ImageNotion ermöglicht die intelligente Bildverwaltung basierend auf drei grundlegenden technischen Verbesserungen gegenüber bestehenden Bildverwaltungssystemen. ImageNotion basiert auf semantischen Techniken, wodurch ein beschleunigter, kollaborativer Workflow zur Bildbeschriftung möglich wird, da das System selbst das Wissen darüber hat, was für Bilder es verwaltet und deren Inhalte versteht. ImageNotion kann automatisch und mit einer hohen Qualität die Beschriftung von Bildern durchführen. Hierzu werden die Ergebnisse von Bilderkennern wie Gesichtserkenner, Personen- und Objekterkenner kombiniert. So hilft ImageNotion, Zeit und Aufwand bei der Bildbeschriftung in einem Archiv zu sparen und vereinfacht die Verwaltung von umfangreichen Bildbeständen. ImageNotion erlaubt eine Reihe von innovativen und intelligenten Suchmöglichkeiten mittels Möglichkeiten zur Formulierung von semantischen Suchanfragen. Dadurch macht ImageNotion die Suche nach Bildern deutlich komfortabler als in herkömmlichen Bildverwaltungssystemen.

  • ImageNotion weiß, was auf den Bildern gezeigt wird
  • ImageNotion basiert auf einem neuartigen Verfahren zur Erstellung von semantischen Elementen und Hintergrundwissen. Die Nutzer können alle benötigten semantischen Elemente z.B. in einer Gruppe von Bildredakteuren, selbst erstellen und in der von ihnen gewünschten Art in Beziehung setzen. So entstehen die semantischen Elemente nach Bedarf während der Bildbeschriftung. Dies ist der Kern für eine erfolgreiche Integration von semantischen Technologien in ein Bildverwaltungssystem. Zur Bildbeschriftung wählt man in ImageNotion bereits bestehende semantische Elemente aus und verknüpft diese mit Bildteilen oder dem ganzen Bild, wodurch die Bilder mit semantischen Beschriftungen versehen werden. Statt also wie bei textuellen Verfahren für jedes Bild neue Beschriftungstexte schreiben zu müssen, spart die semantische Bildbeschriftung in ImageNotion Zeit durch die Wiederverwendung von bestehenden, semantischen Elementen.
  • ImageNotion ermöglicht weiterhin die flexible Integration von Bilderkennern zur Bildbeschriftung. So spart ImageNotion Zeit und Kosten durch die Erstellung von umfangreichen, automatischen Bildbeschriftungen.
  • ImageNotion macht die Bildsuche intelligent
  • ImageNotion ermöglicht die Navigation durch Bildteile. Auf einem Bild kann man direkt erkennen, wer oder was auf einem Bildteil abgebildet ist und mit einem Klick auf den Bildteil eine neue Suchanfrage starten. In ImageNotion sind intelligente Suchanfragen möglich, beispielsweise kann man mit einer abstrakten Anfrage "allen weiblichen Schauspielern" beginnen und diese verfeinern. ImageNotion schlägt dann, basierend auf den semantischen Bildbeschriftungen, mögliche Verfeinerungen der Suchanfrage vor, wie z.B. konkretere Anfragen nach der Schauspielerin "Scarlett Johansson", "glückliche Schauspielerinnen", "Schauspielerinnen aus den USA" oder Bilder von "Schauspielerinnen zusammen mit einem anderen Schauspieler, z.B. Harrison Ford"

Social Software @ Sun Microsystems

Rüdiger Weyrauch, Sun Microsystems GmbH

Seit dem Gründungsjahr 1982 hat sich Sun Microsystems Inc. (Nasdaq:JAVA) mit der einzigartigen Vision - The Network is The Computer - zu einem führenden Anbieter von Hardware, Software und Service für Network Computing entwickelt. Das Unternehmen ist heute in mehr als 100 Ländern und vertreten und beschäftigt weltweit über 30.000 Mitarbeiter.

Sun ist in vielerlei Hinsicht Pionier auf dem Gebiet der Entwicklung und des Einsatzes von Internettechnologien für Kunden, aber auch im eigenen Unternehmen. Schon früh wurden Portale, Collaboration Werkzeuge wie Instant Messaging oder Webconferencing oder auch Blogs zur internen wie externen Kommunikation genutzt. Einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte Jonathan Schwartz, heute CEO von Sun, durch seinen bereits 2004 (!) eingeführten Blog. Heute schreiben über 4500 Sun Mitarbeiter in über 5500 extern erreichbaren Blogs (http://blogs.sun.com) über aktuelle Technologien, Produkte und Marktentwicklungen.

Im Vortrag soll anhand der drei Beispiele SunSpace, Sun Learning Exchange und Sun Library gezeigt werden, wie mit modernsten Technologien die Herausforderungen weltweit verteilten Wissens und Zusammenarbeitens gelöst werden können. SunSpace ist ein wikibasiertes Social Network, in dem sich Mitarbeiter mit eigenen Webseiten präsentieren und hierüber ihr überwiegend technisches Know-How weiterreichen. In SunSpace werden Communities aufgebaut und gepflegt sowie mit OneStop ein "single point of entry" für alle Produkte angeboten. Sun Learning Exchange ist ein Videoportal, in dem Mitarbeiter Videos z.B. von Präsentationen oder Workshops ablegen können. Je nach Klassifikation sind diese Inhalte auch für autorisierte Partner erreichbar. Mit Sun Library schließlich haben alle Mitarbeiter virtuellen Zugriff auf Fachbücher, Fachzeitschriften und Videos, darunter so bekannte Publikationen wie O´Reilly, MIT Press, Harvard Business, Springer Link, IEEE, ACM, und viele mehr.


Erfolgsmessung von Corporate Weblogs am Fallbeispiel der der Daimler AG

Svenja Wilke, Universiteit van Amsterdam

Die Entstehung von Web 2.0 und die rapide Etablierung von Social Media auf allen Ebenen der gesellschaftlichen Kommunikation haben dazu geführt, dass Unternehmen heute veränderten Prozessen der öffentlichen Meinungsbildung gegenüber stehen. Sie müssen mit neuen, mitunter kurzlebigen Kommunikationsarenen umgehen, in denen Gatekeeper traditioneller Medien wie auch individuelle Meinungsmacher und Verbraucher gleichermaßen ihren Einfluss auf öffentliche Themen und deren Ton geltend machen. Längst haben Kommunikationsexperten und Public Relations Verantwortliche erkannt, dass interaktive Onlinekommunikation vielfältige Möglichkeiten bietet, um ein Unternehmen in der digitalen Welt des word-of-mouth zu repräsentieren und seine Außenwirkung direkt mitzubestimmen. Derzeit bilden Corporate Weblogs die Speerspitze der Social Software in Unternehmen als interne und/oder externe Kommunikationsmedien, um der neuen Öffentlichkeit gerecht zu werden und die neu entstehenden Chancen zu nutzen. Neben kurzen Kommunikationswegen und schnellen Reaktionsmöglichkeiten bieten sie die Möglichkeit dialogorientiert und personalisiert zu kommunizieren, um die Reputation und Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu stärken. Obwohl Corporate Weblogs zunehmend zum Einsatz kommen und das Interesse an ihnen stetig ansteigt, mangelt es bislang an verlässlichen Instrumenten, um ihre Effizienz und ihren Erfolg zu evaluieren. Der Vortrag präsentiert die Herangehensweise sowie die Ergebnisse einer aktuellen Fallstudie, die sich dieser Problematik am Beispiel des Daimler-Blogs wissenschaftlich annähert.