ROMANISTIK II

XXXIII. Deutscher Romanistentag (22.-25.09.2013, Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Thema: "Romanistik - Herausforderungen und Chancen")

 Zustandsveränderung

Sektionsleitung: Rolf Kailuweit (Freiburg) / Liane Stroebel (Düsseldorf)

 

Die Sektion beschäftigt sich mit der Herausforderung der Beschreibung von "Zustandsveränderungen". Zustandsveränderung kann sich vor allem auf physikalischer wie auch psychologischer Ebene abspielen. Aus physikalischer Sicht versteht man darunter Veränderungen im Bereich der Materialbeschaffenheit (fest, flüssig, gasförmig), der Dimensionen (groß, breit, hoch) und der damit verbundenen Prozesse, wie z.B. fr. s'assécher, élargir bzw. sp. endurecer, acortar. Aus psychologischer Sicht sind Veränderungen des Zustandes stark mit Emotionen verknüpft, vgl. fr. rougir, sp. entristecer.

Die Sektionsarbeit wird sich aus morphologischer, semantischer, syntaktischer und typologischer Sicht mit verschiedenen Arten von Zustandsveränderung beschäftigen, wobei neben der Antikausativität und Telizität vor allem auch die Gradualität und Skalarität von Zustandsveränderungsäußerungen eine entscheidende Rolle spielen wird (vgl. Aurnague 2008, Baker 2003, Beavers 2008, Cadiot et al. 2006, De Miguel & Fernández Lagunilla 2000, Demonte 1994, Hall & Keyser 2002, Heidinger 2010, Higginbotham 2000, Kailuweit 2010, Kearns 2007, Kennedy & Levin 2008, Lebas & Cadiot 2003, Mendikoetxea 2000, Piñon 2008, Rappaport Hovav 2008, Sanz & Laka 2002).

Aus morphologischer Sicht wird der Fokus vor allem auf Präfixen (fr. a-, en-, é-, ré- bzw. sp. a-, des-, en-, re-) und Suffixen (fr. -iser, -ifier bzw. sp. -ificar, -izar, -ecer) bzw. der Darstellung allgemeiner formaler Ableitungsrichtungen zwischen Bezeichnungen für Zustände und jenen für Zustandsveränderungen liegen (Embick 2009, Koontz-Garboden 2006, Megerdoomian 2002).

Aus semantischer Sicht scheint es wichtig zu klären, wie viele semantische Subklassen von Zustandsveränderung sich feststellen lassen (Verkuyl et al. 2005, Kennedy & Levin 2008, Levin & Rappaport Hovav 2005, Piñón 2008, Rothstein 2008) und wie groß die Anzahl von Verben ist die aspektuelle Unterspezifikation aufweisen (Caudal 2005, Caudal & Nicolas 2005, Kamp et al. 2005). Weiterhin sollen die sogenannten "intensionalen" Verwendungen von Zustandsveränderungsverben thematisiert werden, in denen wie in fr. Le prix / la température / la fièvre monte ein abstraktes Subjekt mit einem metaphorisch interpretierten Zustandsverb auftritt (Löbner 1979, Jackendoff 1979, Lasersohn 2005, Romero 2005). Darüber hinaus sind auch Beiträge willkommen, die bei deadjektivischen Verben die Beziehung der Adjektivsemantik des Zustands zur Verbsemantik der Zustandsveränderung zum Thema haben, vgl. fr. refroidir, échauffer vs. devenir plus froid / chaud.

Aus syntaktischer Sicht stehen die verschiedenen Realisierungsmöglichkeiten von Zustandsveränderungen in den romanischen Sprachen und die damit einhergehenden funktionellen Restriktionen im Vordergrund, wie z.B. die nominale und verbale Versprachlichung oder auch die Umschreibung durch Kopulavarianten (fr. devenir, (se) faire, (se) rendre, sp. se ha hecho / vuelto / puesto) und Adjektive. Hier kann ein wichtiger Beitrag in der Beschreibung, aber auch Erklärung übereinzelsprachlicher, wie auch einzelsprachlicher Lücken im V(erb)-N(omen)-A(djektiv) Paradigma bestehen, vgl. fr. *L’essence s’est (r)enchérie./L’essence est devenue plus chère. vs. dt. Das Benzin hat sich verteuert. Darüber hinaus werden kausative vs. antikausative bzw. telische vs. atelische Versprachlichungs-möglichkeiten von Zustandsveränderungen kontrastiert.

 

Keywords:

Zustand, Zustandsveränderung, Skalarität, Antikausativa, lexikalische Kategorien, Semantik, Morphologie, Syntax, Typologie

Bisherige Liste der Teilnehmer:

Geraldine Legendre (Johns Hopkins, Baltimore), Wilhelm Geuder (Düsseldorf / Tübingen), Steffen Heidinger (Graz), Felicia Lembeck (FU Berlin), Eva Staudinger (Freiburg), etc.