Sprachpolitische Zielsetzungen
Kommission / Generaldirektion (GD) Bildung und Kultur
Im Mittelpunkt der Politik der GD steht das Sprachenlernen und dessen praktische Vorteile für die berufliche Perspektive des einzelnen und den europäischen Binnenmarkt und den Weltmärkten generell. Hervorgehoben wird zudem der Identität stiftende Faktor von Sprache. Damit hat das Erlernen von Sprachen die soziale Komponente der Völkerverständigung, Kulturaustausch und der Widersetzung gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz.
Das Weißbuch zur allgemeinen und beruflichen Bildung: Lehren und Lernen - auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft (Nov. 1995) formuliert als allgemeines Ziel Nr. 4 formuliert: "Jeder (Bürger der EU) sollte drei Gemeinschaftssprachen beherrschen."
Der Sprachenerwerb wird dabei als unabdingbare Voraussetzung für die Nutzung der beruflichen und persönlichen Möglichkeiten im europäischen Binnenmarkt gesehen. Die Sprache sei außerdem notwendig für das Gefühl der Zugehörigkeit zu Europa mit seiner reichen kulturellen Vielfalt. Die Mehrsprachigkeit aller europäischen Bürger soll von Beginn an (Kindergarten) gefördert werden.
Kommission / GD Informationsgesellschaft
Die Generaldirektion (GD) Informationsgesellschaft der Europäischen Kommission hat zunächst die Aufgabe, zu gewährleisten, dass die Bürger, Regierungen und Unternehmen Europas weiterhin eine führende Rolle bei der Gestaltung und der Teilnahme an der globalen Informationsgesellschaft spielen.
Durch die Förderung und Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien und deren Öffnung für die europäischen Bürger, trägt die GD indirekt auch dem Mehrsprachigkeitsprinzip und der Verbreitung von Sprachen Rechnung, obwohl sie keine dezidierte Sprachpolitik verfolgt.
Der Bangemann-Report (1994) "Europa und die globale Informationsgesellschaft" verweist auf die positiven Effekte der Sprachenvielfalt in Kombination mit Technologien und Produkten der Informationsgesellschaft: "...once products can be easily accessible to consumers, there will be more opportunities for expression of the mutliplicity of cultures and languages in which Europe abounds."
Kernstück der aktuellen Politik der DG IS ist die eEurope-Initiative, die ein Bündel von Einzelaktionen umfasst und sich mit eContent auch der Herausforderung" Mehrsprachigkeit" stellt.
Mittlerweile wurde vom Europäischen Rat der Aktionsplan eEurope 2005 beschlossen. Bis 2010 soll Europa zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt werden.
Parlament und Rat
Parlament und Rat beschäftigen sich in der Regel nicht mit einzelnen sprachpolitischen Fragestellungen; dennoch gibt es durchaus Entscheidungen, die direkt die europäische Mehrsprachigkeit und ihre Förderung betreffen.
Durch den Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates der Europäischen Union fand z. B. im Jahr 2001 das Europäische Jahr der Sprachen als europaweite Kampagne für Sprachenvielfalt und Fremdsprachenlernen statt.
Die genaue Ausgestaltung der impliziten oder expliziten Sprachpolitik der EU bleibt jedoch der Kommission vorbehalten.
