ROMANISTIK II

Programme zu Bildung und Kultur

Die EU-Kommission hat seit 1990 verschiedene Bildungs- und Kulturprogramme geschaffen, mit denen europaweit die Bildung gefördert, der kulturelle Austausch zwischen den EU-Staaten motiviert und gleichzeitig ein Bewußtsein für ein vereintes Europa gestärkt werden soll. Bei diesen allgemeinen Zielsetzungen spielt die Sprachenfrage eine große Rolle und es wird deutlich, daß eine Mehrsprachigkeit in Europa angestrebt wird, die durch verschiedene Programme bewußt gefördert werden soll. Seit der Ministerrat 2002 das Ziel gesetzt hat, dass jeder EU-Bürger seine Muttersprache und zwei andere Sprachen beherrschen soll, gibt es noch verstärkt Programme zur Förderung um dieses Ziel durchzusetzen. Es wurden Maßnahmen in drei verschiedenen Bereichen angesetzt:

-lebenslanger Fremdsprachenerwerb – von der Vorschule bis ins hohe Alter,

-die Verbesserung der Qualität des Fremdsprachenunterrichts

-Schaffung eines sprachenfreundlichen Umfelds

Sokrates

Das europäische Programm für allgemeine Bildung, Socrates, das zunächst für 5 Jahre angesetzt war, befindet sich seit dem Jahr 2000 in seiner zweiten Phase, die sich bis ins Jahr 2006 erstreckt und über einen Haushalt von 1 850 Millionen euro verfügt. SOKRATES besteht aus 8 Unteraktionen, die innerhalb des Bildungssektors unterschiedliche Bereiche abdecken und somit über verschiedene Schwerpunkte verfügen. Allerdings haben all diese Bildungsprogramme, die unter der Aufsicht der Generaldirektion für Bildung und Kultur stehen, folgende Zielsetzungen gemeinsam:

  • Förderung der Mehrsprachigkeit
  • Bewußtsein für ein vereintes Europa innerhalb einer multikulturellen Gesellschaft stärken, indem ein intensiver Sprach- und Kulturaustausch stattfindet und die europäische Dimension der Allgemeinbildung auf allen Ebenen ausgebaut wird
  • Die Chancengleichheit in allen Bildungsbereichen zu unterstützen
  • Anbindung Europas an die Informationsgesellschaft
  • Innovation soll Bildung motivieren; starke Anbindung an die neuen Technologien wird angestrebt.
  • Kooperation und Mobilität zwischen den teilnehmenden Nationen im Bereich Bildung und Arbeit fördern: daraus ergeben sich bessere Möglichkeiten für eine europäische Wirtschaft.


Das Socrates-Programm gliedert sich in folgende 8 Aktionen:

  1. Comenius: Schulbildung
  2. Erasmus: Hochschulbildung
  3. Grundtvig: Erwachsenenbildung und andere Bildungswege
  4. Lingua: Sprachunterricht und Spracherwerb (europäische Sprachen)
  5. Minverva: Informations- und Kommunikationstechnologien im Bildungswesen
  6. Beobachtung von Bildungssystemen, Bildungspolitiken und Innovation im Bildungsbereich
  7. Gemeinsame Aktionen mit anderen europäischen Programmen
  8. Flankierende Maßnahmen

 

Leonardo da Vinci

 

Aktionsprogramm zur Umsetzung der Berufsbildungspolitik der Europäischen Gemeinschaft, das die Aktionen der Mitgliedsstaaten unterstützt und ergänzt.

Die zentralen Ziele dieses Programms lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Durch die transnationale Zusammenarbeit, soll die Qualität erhöht, Innovation gefördert und die europäische Dimension der Berufsbildungssysteme und -methoden gestärkt werden.
  • Erleichterung der beruflichen Integration
  • Erhöhung der Qualität der beruflichen Bildung
  • Zugang zu dieser Bildung sowie Ausweitung des Beitrags der Berufsbildung zur Innovation


Dieses Programm gewährt Zuschüsse für multinationale Projekte zur Entwicklung neuer Methoden und Materialien für den Fremsprachenunterricht und für die Bewertung des Fremdsprachenbedarfs von Unternehmen.

Jugend

Mit diesem Programm sollen Jugendliche im Alter von 15-25 durch Kooperationsprogramme aktiv an der Gestaltung der EU, insbesondere in Bereichen, die die Jugend selbst betreffen, mitarbeiten.

Tempus

Europaweites Programm zur Zusammenarbeit im Hochschulbereich, das 1990 aufgelegt wurde. Als Teil der Programme, die Hilfe mit dem Ziel vorsehen, den Prozess der wirtschaftlichen und sozialen Reform in den Ländern Mittel- und Osteuropas und in den Republiken der ehemaligen Sowjetunion und in der Mongolei zu unterstützen, ist Tempus ein Gemeinschaftsprogramm, das bei der Umstrukturierung der Hochschulsysteme in den genannten Ländern behilflich sein soll, um diese an die Anforderungen der Markwirtschaft anzupassen. Es ist mittlerweile in der IV Version, angesetzt von 2007 bis 2013.

Culture 2000

Programm, das eine Laufzeit von 5 Jahren hat (2000-2004) und den kulturellen Austausch zwischen den Nationen fördert, um zur Entwicklung eines den Europäern gemeinsamen Kulturraums beizutragen, der sowohl durch ein gemeinsams Erbe als auch durch kulturelle und künstlerische Vielfalt gekennzeichnet ist.

Media Plus

 

Mit diesem Programm soll die europäische audiovisuelle Industrie gefördert werden, so daß ein Umfeld geschaffen wird, das einen Aufschwung der europäischen Kino-, audiovisuellen und Multimedia-Industrie günstig auswirkt. Zu den wichtigsten Zielen gehören folgende:

  • Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen audivisuellen Industrie auf dem europäischen und internationalen Markt
  • Bewahrung der europäischen sprachlichen und kulturellen Vielfalt

 

Europäisches Sprachensiegel

Das europäische Sprachensiegel ist eine Auszeichnung, die für originelle und kreative Initiativen im Bereich der Sprache verliehen wird. Dabei muss die Initiative für die Schulen und Schüler geeignet sein. Es gibt einige Kriterien für die Verleihung unter anderem, dass die Initiative übertragbar sein soll, da es für andere Länder eine Inspiration darstellen soll. Das Ziel soll jeweils sein, Schüler und Lehrer zu motivieren, Sprachen zu lernen. Außerdem sollen sie einen "europäischen Schwerpunkt" aufweisen, was man zum Beispiel über Ländergrenzen hinweg erreichen kann.

 

Fazit

Es ist anhand der formulierten Zielsetzungen zu erkennen, daß in den jeweiligen Programmen immer das Erlernen aller europäischen Sprachen gefördert werden soll, wobei aus den Programmbeschreibungen nicht erkennbar ist, wie die tatsächliche Förderung der einzelnen EU-Sprachen im Vergleich erfolgt. Somit stehen diese Maßnahmen der europäischen Kommission im Zeichen des Artikel 22 der Charta der Grundrechte der EU, in dem es heißt: "Die Union achtet die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen". Damit wird der Trend zur Mehrsprachigkeit und Multikulturalität in Europa gestärkt, da von offizieller Seite die sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas trotz der Bestrebung, bei den Bürgern auch ein Bewußtsein für eine europäische Gemeinschaft zu erzielen, nicht aufgegeben werden soll.