ROMANISTIK II

Einleitung

Die Sprachen Europas und die kulturelle Vielfalt der Mitgliedstaaten sind integraler Bestandteil eines zukünftigen "Europas der Bürger" und Grundstock der Identität der Europäischen Union. Entsprechend eng ist die Sprachpolitik der Europäischen Union verknüpft mit generellen regional-, national-, wirtschafts- und bildungspolitischen Überlegungen. Die Rechte der einzelnen Sprachen sind in verschiedenen Verträgen festgelegt. Die damit verbundene Stärkung von Minderheiten-, Regional-, bzw. allgemein lokal begrenzter Sprachen birgt einigen Konfliktstoff in sich, da sie zu einer Schwächung der großen Nationalsprachen mit überregionaler und transnationaler Verbreitung führen könnte. Deren Status wird durch die Ansprüche im subnationalen Bereich ebenso tangiert wie durch die globale Ausbreitung des Englischen im supranationalen Bereich. Die sich hier abzeichnenden Veränderungen der Funktionsprofile einzelner Sprachen betrifft alle öffentlichen Bereiche, in denen Sprache eine wichtige Rolle spielt.

Wenig bekannt ist, daß die Sprachendiskussion in den letzten Jahren vornehmlich auch im Internet geführt wird. Aufgrund der leichten Verfügbarkeit dieses Mediums haben vor allem regionale Minderheiten, die bisher nur sehr marginal in öffentlichen Bereich und in den Printmedien vertreten waren, ein neues und für jeden erschwingliches Forum entdeckt. Darauf haben mit einiger Verzögerung auch nationalsprachliche Institutionen und die Europäische Union reagiert und entsprechend netzbasierte Verbreitungswege für ihre sprachpolitischen Ziele geschaffen. Auf europäischer Ebene wurden eine Reihe von sprachpolitischen Institutionen, Organisationen und Projekten begründet, die sich vornehmlich über das Internet artikulieren und mit den Bürgern kommunizieren.

Die europäische Sprachpolitik ist eingebettet in die neue "Informationsgesellschaft", die sich über die netzbasierten Informationstechnologien zu etablieren beginnt. Bestes Beispiel dafür ist das Programm der Generaldirektion XIII der EU-Kommission Multilingual Information Society (MLIS), das im November 1996 startete.

Die Abgrenzung und Zuordnung der unterschiedlichen Institutionen, Organisationen und ihrer Aktionen auf europäischer Ebene ist jedoch schwierig. Neben den offiziellen EU-Institutionen existiert eine Vielzahl von NGOs, halbstaatlichen Organisationen und privaten Gruppen, die mit unterschiedlichen Zielsetzungen Sprachpolitik im Intenet betreiben. Die kleine Website soll den ersten Einstieg in diesen stark fluktierenden Bereich erleichtern.