Federica Marzi
Dissertation: „Scritture in movimento“: italienische migrationsbedingte Literaturen im deutschsprachigen Raum zwischen Multikulturalität und Transkulturation.
Italienische migrationsbedingte Literaturen im deutschsprachigen Raum (1955 bis in die heutigen Tage hinein) machen nun einen herausfordernden Korpus aus, der durch die höchste Heterogenität gekennzeichnet ist. Deswegen muss es noch erstaunlicher sein, dass, abgesehen vom einem gewissen in den Achtziger Jahren erweckten Interesse, nur geringe Aufmerksamkeit seitens der deutschsprachigen und fast keine seitens der italienischen Sekundärliteratur diesem Phänomen geschenkt worden ist.
Ausgangspunkt dieser Projektvorstellung wäre hingegen auf den engen Zusammenhang zwischen Literatur und Migration einzugehen, um die ästhetischen Bedeutungsformen zu hinterfragen, die in den verschiedenen literarischen Schriften zum Ausdruck kommen. Hier wird beabsichtigt, Migrationsprozesse als kulturstiftende Prozesse zu analysieren: was in dieser Literatur erzeugt wird, ist eine spezifische Form von Reisekultur, die auf der Reise ist, in einen Grenzraum zwischen nationalen, lokalen und globalen Diskursen zu situieren ist und eine ganze Menge Narrationen, Texte, Darstellungen, Rhetoriken und Praktiken produziert. Darüber hinaus soll der Blick auf eine Literatur der Fremde und in der Fremde gerichtet werden, die zum Schwerpunkt die Entstehung kultureller Kontaktzonen hat. Die Fragestellung ist also nach den vielen Antwortarten auf die entstehenden Kontaktzonen, und zwar nach den Prozessen und Verfahren einer Kultur des „Dazwischen“. Insbesondere werden die verschiedenen Bewegungen und Positionierungen, die vielen Gattungen, Handlungssituationen und Schreibweisen bzw. -strategien untersucht werden, und dies nicht ohne gewisse ausdifferenzierende Faktoren wie Klasse, Geschlecht, Milieu, Weltanschaung, Migrationsart usw. miteinzubeziehen.
Diskutiert werden also verschiedene kulturelle Paradigmen, die schon vorhanden oder in Entstehung oder noch zu denken sind, und die in den Texten durch verschiedene Denkfiguren (Übersetzung, Intermedialität, Gedächtnis, Rhizom, Allegorie etc.) zum Ausdruck gebracht werden. Damit wird man durch die Phasen der Multikulturalität, der Interkulturalität, der Transkulturalität, der „poétique du divers“ und der ethnopoetischen Schreibweisen hindurchgehen können.
Auszeichnung
Frau Dr. Federica Marzi wurde mit ihrer im Rahmen des binationalen Promotionsprogramms "Interkulturalität und Kommunikation" mit der Universität Triest verfaßten Dissertation "Scrivere in 'una lingua familiarmente estranea' " als eine der 5 besten Studien im Rahmen des 8. nationalen Preises Pietro Conti für "Saggi e Ricerche" mit dem Thema "Scrivere la migrazione" gewählt. Dieser Preis erfaßte wissenschaftliche Studien aus den Jahren 2010-2011 und wurde national und international ausgeschrieben.
Lebenslauf
Federica Marzi, 04/12/1974 in Triest – Italien geboren, Hochschulstudium der Germanistik und Anglistik an der Universität Triest, an der Universität für Bildungswissenschaften Klagenfurt (Alpen Adria Stipendiatin, 2. Sem.) und an der Universität Wien (ÖAD Stipendiatin, 1. Mon. Forschungsaufenthalt): 2000 Abschluss M.A. im Fach zeitgenössische österreichische Literatur. Zweijährige Fortbildung zur Lehrerin für Fremdsprachen: 2005 Lehrbefähigungsprüfung für den Unterricht der deutschen Sprache in der Sekundärstufe. 2008 Promovierende im Fach Romanistik an der Universität Triest und an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf mit dem Schwerpunkt Interkulturalität und Kommunikation. Seit 1998 Lehrerin im Bereich Italienisch und Deutsch als Fremdsprachen bei verschiedenen Einrichtungen (in Italien, Österreich und Spanien). 2001-2003: im Feld Migration und Flüchtlingsschutz tätig.
Publikationen:
“Maschile e femminile nella lirica di Ingeborg Bachmann”. In Prospero, Rivista di culture anglo-germaniche, Dipartimento di Letterature e Civiltà Anglo-Germaniche, Università di Trieste, IX 2002, S. 119-141; Übersetzung aus dem Deutschen: “Austria: ‘un’idea superiore al servizio dell’umanità’. I collage intertestuali di Carolus Cergoly” von Renate Lunzer, in “Quaderni Giuliani di Storia”, lu.-dic. 2005, S. 255-283.
Vorträge:
Januar 2008: „La letteratura dell’emigrazione italiana in Germania: il caso Carmine Abate“, Jahrestagung des deutsch-italienischen Promotionsprogramm, Università degli Studi di Trieste;
Oktober 2008: “Erfahrungen des Fremden in der italienischen Migrationsliteratur in Deutschland”– Jahrestagung des deutsch-italienischen Promotionsprogramm, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf.
