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Basis einer starken und funktionsfähigen Demokratie ist die
Art der Einstellung der Bürger zur Politik sowie zu den praktizierten Formen der
politischen Beteiligung. Die klassischen Studien zur "politischen Kultur" der
BRD wurden im wesentlichen auf nationaler Ebene durchgeführt. So wurde
beispielsweise untersucht, ob nach der Wiedervereinigung womöglich von zwei
"getrennten deutschen Elektoraten" und somit auch zwei verschiedenen politischen
Kulturen im Land die Rede sein konnte. Weitgehend vernachlässigt wurde dagegen
die Frage, ob nicht bereits im eigentlichen und engeren Lebensbereich der
Menschen, den Wohnorten und Stadtteilen, unterschiedliche lokale Inseln
existieren und durch welche spezifischen Muster der politischen Beteiligung sie
sich auszeichnen.
Das "Projekt
Beteiligung in
Stadtteilen mit Problempotential"
(PROBiS) geht dieser wichtigen Frage nach. PROBiS ist ein interdisziplinär
angelegtes Forschungsvorhaben, das mit finanzieller Förderung des Ministeriums
für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW am
Sozialwissenschaftlichen Institut der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in
Kooperation der beiden Lehrstühle Soziologie II (Prof. Dr. Reuband) und
Politikwissenschaft II (Prof. Dr. v. Alemann, Dr. Strünck) durchgeführt wird.
PROBiS setzt sich zum Ziel, die Lücke der politischen Kulturforschung zu
schließen und die prägenden Faktoren möglicher lokaler Subkulturen in NRW
aufzuspüren: Welche Merkmale von Stadtteil und Wohngegend wirken sich auf
Einstellungsmuster sowie politisches Verhalten aus? Und inwiefern ist davon auch
die Bereitschaft zu politischer Beteiligung (in Vereinen und Verbänden) und
insbesondere zur Teilnahme an Wahlen - berührt?
Ein wichtiger Ausgangspunkt zur
Beantwortung der Fragen ist dabei der neuere Sozialkapital- und
Gruppen-Normen-Ansatz von Robert Putnam, der zur Zeit vor allem in den USA
angewandt wird. Sozialkapital meint die Gewinne und Vorteile, die der Demokratie
und Bürgergesellschaft daraus erwachsen, dass die Menschen sich in Netzwerken -
Parteien, Vereinen, Verbänden - engagieren und auf diese Weise regelmäßigen
Kontakt und politischen Austausch pflegen. Sozialkapital kann unter Umständen
einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, das politische Verantwortungsgefühl
und die Partizipationsbereitschaft der Bürger zu stimulieren und in wirksamer
Weise anzukurbeln.
Im Rahmen des Projekts werden unterschiedliche
Erklärungsansätze unter die Lupe genommen: Zum einen (Teilprojekt I) wird das
allgemeine Profil der Wähler und Nichtwähler untersucht : Einkommen, Bildung,
beruflicher Status, etc.. Es wird geklärt, in welchem Maße Wechselwirkungen
zwischen dem sozialstrukturellen Hintergrund und dem sozialen Milieu, also den
spezifischen Stadtteilstrukturen bestehen. Es sollen insbesondere die Muster der
politischen Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürger ermittelt werden. Zum
anderen (Teilprojekt II) wird danach gefragt, wie Gruppenbindungen und aktive
soziale Netzwerke sich auf die politische Beteiligung der Bürger auswirken.
Welchen Stellenwert haben gesellschaftliche Organisationen - Parteien, Vereine,
Verbände - für die politische Partizipation? Und welches Aktivierungspotential
kann man ihnen zuschreiben?
Als Untersuchungseinheiten stehen die in einem
städtebaulichen Förderprogramm des Landes NRW ausgewiesenen "Stadtteile mit
besonderem Erneuerungsbedarf" zur Verfügung. Für die Auswahl vorgesehen sind
vier Stadtteile aus unterschiedlichen Regierungsbezirken in Nordrhein-Westfalen.
Im Rahmen von Teilprojekt I werden in den Stadtteilen Bevölkerungsumfragen
durchgeführt, während Teilprojekt II sich auf Erhebungen innerhalb von
Organisationen - Parteien, Vereinen, Verbänden - konzentriert. Die Laufzeit von
PROBiS beträgt zwei Jahre. Der Endbericht soll Mitte 2002 vorliegen.
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