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Zielsetzung und Arbeitsfelder

Das ÖTV-Projekt






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Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Lehrstuhl Politikwissenschaft II

Projekt FIVE

Universitätsstraße 1

40225 Düsseldorf

Telefon: 0211/81-12083

Fax: 0211/81-14075

e-mail: Birgit.Frey@phil-fak.uni-duesseldorf.de






MitarbeiterInnen




Leitung

Prof. Dr. Ulrich von Alemann




Wissenschaftliche Angestellte

Birgit Frey

Dipl. Soz.-Wiss.
Anschrift: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf
Telefon: 0211/81-12083
Fax: 0211/81-14075

e-mail: Birgit.Frey@phil-fak.uni-duesseldorf.de



Kurz-Vita

  • geb. 1966 in Moers/NRW
  • Studium: Diplom-Sozialwissenschaft bis 1995 an der Ruhr-Universität, Bochum
  • seit 1995 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Allgemeine Politikwissenschaft, seit Januar 1997 im Forschungsprojekt five




Arbeitsfelder




Veröffentlichungen

  • Zwischen Markt- und Staatsversagen. Ein Überblick über die Dritte Sektor- Forschung, in: Verbände zwischen Markt und Staat. Drei Beiträge aus der Forschungs-Initiative Verbände. polis Nr. 40/1998. hrsg. vom Institut für Politikwissenschaft der FernUniversität - Gesamthochschule - Hagen 1998.
  • Organisierte Interessen und neues Steuerungsmodel, in: Jörg Bogumil und Leo Kißler (Hrsg.), Verwaltungsmodernisierung und lokale Demokratie: Chancen und Risiken des neuen Steuerungsmodells, Baden-Baden (Nomos) 1997, S. 47-72, zusammen mit Ralf Kleinfeld.
  • Nordrhein-Westfalen, in: Jürgen Hartmann (Hrsg.), Handbuch der deutschen Bundesländer, Frankfurt a.M. (Campus) 1997, S. 383-432, zusammen mit Dagmar Biegler und Ralf Kleinfeld.
  • Verlaufsmuster und Etappen im Prozeß der Reform, in: Ulrich von Alemann und Josef Schmid (Hrsg.), Die ÖTV Strukturen und Reformen einer politischen Großorganisation, Baden-Baden (Nomos), i.E.
  • Strukturen und Herausforderungen der Gewerkschaftsorganisation, in: Ulrich von Alemann und Josef Schmid (Hrsg.), Die ÖTV Strukturen und Reformen einer politischen Großorganisation, Baden-Baden (Nomos), i.E.
  • Theorie des Dritten Sektors, in: Ulli Arnold und Bernd Maelicke (Hrsg.), Lehrbuch der Sozialwirtschaft, i.E.



Zielsetzung und Arbeitsfelder


Nahezu jeder zweite Bundesbürger ist Mitglied eines Verbandes oder Vereins. Organisierte Interessen zählen zu denjenigen Sozialgebilden, die jedermann kennt. Die politikwissenschaftliche Verbändeforschung hat sich in diesem Zusammenhang vor allem mit der Einflußnahme von Verbänden auf die Politik als Form des Lobbyismus oder mit der Vernetzung von staatlichen Institutionen und Verbänden als korporatistische Erscheinungsformen beschäftigt und erst in jüngster Zeit das "Innenleben" der Verbände als Untersuchungsperspektive entdeckt. Dennoch gibt es in der Verbändeforschung auch weiterhin sog. "blinde Flecken". Einer davon ist das fehlende Wissen über Erscheinungsformen und Wirkungsweisen organisierter Interessen auf der Landesebene und deren Beziehungen zu Politik und Gesellschaft. Hier fehlt es weiterhin an gesicherten empirischen Basisdaten ebenso wie an systematischen politikfeldbezogenen Analysen.

Vor diesem Hintergrund wurde five im November 1993 als Forschungsstelle des Lehrgebietes Politikwissenschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich von Alemann und Dr. Ralf Kleinfeld ins Leben gerufen. five wird aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung des Landes NRW gefördert und von der FernUniversität Hagen unterstützt. Seit Januar 1997 knmmert sich Frau Birgit Frey um die Organisation und Koordination der Projektarbeit.

Im Mittelpunkt von five steht die Erfassung und Analyse der Verbändelandschaft in Nordrhein-Westfalen. Die "Verbändeperspektive" schließt vertikale Bezüge zur Kommune sowie zu Bund und Europa mit ein. Dahinter steht das grundsätzliche Ziel, die interdisziplinäre Verbändeforschung zu aktivieren und zu unterstützen. So wurde u.a. ein Forschungsverbund "Verbände" aufgebaut, um den fachlichen Austausch zwischen VerbändeforscherInnen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und den Transfer von Forschungsergebnissen in Lehre und Praxis zu intensivieren und zu verstetigen. Diesem Ziel dienen die vier Aufgabenfelder (1) Dokumentation, (2) Forschung, (3) Koordination/Kooperation und (4) Transfer.


1. Arbeitsfeld Dokumentation

Um einen empirisch gesicherten Überblick über das Gesamtspektrum der Verbände in Nordrhein-Westfalen zu gewinnen, ist es eine zentrale Aufgabe von five, alle zugänglichen Informationen. Dies schließt die auch die systematische Erfassung von Veröffentlichungen und Forschungsliteratur mit NRW-Bezug ein.


2. Arbeitsfeld Forschung

Zu den Aufgaben von five gehört auch, regelmäßig empirische Forschungsberichte über Verbände in Nordrhein-Westfalen herauszugeben, die in der polis-Reihe des Instituts für Politikwissenschaft erscheinen. Die bisher erschienenen Forschungsberichte befassen sich mit den Themen Frauenverbände und


3. Arbeitsfeld Koordination/Kooperation

Das Arbeitsfeld Koordination/Kooperation umfaßt drei Schwerpunkte.


4. Arbeitsfeld Transfer

five fördert den Dialog zwischen Wissenschaftlern und Verbändepraktikern und beteiligt sich am Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis sowie in das Lehrprogramm der FernUniversität.






Das ÖTV-Projekt


five initiierte das Forschungsprojekt "Organisationsstrukturen und Organisationsreform der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr", das von September 1994 bis Dezember 1996 unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich von Alemann (FernUniversität Hagen) und Prof. Dr. Josef Schmid (jetzt Universität Osnabrück) durchgeführt wurde. Als Projektmitarbeiter wurden Dipl. Pol. Kurt Arndt, Dipl. Soz.-Wiss. Birgit Frey, Dipl. Soz.-Wiss. Melanie Graf sowie Sabina Schoefer, M.A. engagiert. Die Projektförderung erfolgte durch die Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit der Gewerkschaft ÖTV. Das Projekt war an der FernUniversität Hagen angesiedelt.

Zentrales Anliegen des Forschungsprojektes war es, auf der Grundlage einer umfassenden Organisationsstrukturanalyse, Möglichkeiten und Grenzen der von der ÖTV bereits 1988 initiierten Organisationsreform zu untersuchen und zu bewerten. Die nachfolgenden Gliederungspunkte sollen einen Überblick über die Vorgehensweise sowie die zentralen Ergebnisse der Projektarbeit geben.


  • Prämissen und Leitfragen
  • Ziele und Inhalte
  • Zentrale Ergebnisse
  • Publikationen




  • Prämissen und Leitfragen



    Drei Prämissen waren fnr die Projektarbeit forschungsleitend:


    1. Die Transformationsprämisse: Gewerkschaften stehen von ihrer Rolle in der Wirtschaftsordnung her grundsätzlich in der Defensive. Die Situation ist für sie also keineswegs neu. Druck von seiten der anderen Tarifpartei ist normal; Appelle an ihre gesamtwirtschaftliche Verantwortung durch den Staat sind sie gewohnt; auch Perioden von Mitgliederverlusten hat es früher schon gegeben. Man sollte deshalb die Probleme nüchtern angehen und Organisationsdefizite kühl analysieren, statt in allgemeine Untergangsstimmung und sterile Aufgeregtheit zu verfallen. Nicht Erosion und Untergang drohen den Gewerkschaften in Deutschland, sondern Transformation ist notwendig, um mit dem Wirtschafts- und Gesellschaftswandel, also der Modernisierung Schritt halten zu können. Es handelt sich um ernste, aber durchaus normale Probleme einer politischen Großorganisation und nicht um die finale Erosion der Gewerkschaften in der Risikogesellschaft.


    2. Die Organisationsperspektive: Eine zweite Prämisse liegt im Begriff Großorganisation. Wir behandeln unseren Untersuchungsgegenstand vorrangig als Organisation mit Methoden, Konzepten, Theorien und Perspektiven der Organisationsforschung die allerdings wiederum ein recht weitläufiges und unübersichtliches Forschungsfeld ist und nicht so sehr als Gewerkschaft mit autonomen Methoden und Perspektiven einer eigenständigen Gewerkschaftsforschung. Wir bestreiten nämlich den Sinn einer Abtrennung der Gewerkschaftsforschung von der übrigen Organisations- und Verbändeforschung. Die altlinke Illusion einer besonderen Mission der Gewerkschaften nicht nur als Gegenmacht zum Kapital, sondern auch zum Kapitalismus erscheint uns im Rahmen unserer Fragestellung obsolet. Daß die Gewerkschaften einem gesamtgesellschaftlichen Reformauftrag verpflichtet sind und sein sollen, entspricht allerdings nach wie vor unserer Überzeugung.


    3. Organisation ist auch Politik: Gewerkschaften und damit die ÖTV sind politische Großorganisationen. Damit handelt es sich um einen besonderen Fall unter den Organisationen. Die Organisationsforschung beschäftigte sich in der Vergangenheit vorzugsweise mit den Unternehmen als wirtschaftlicher Grundorganisation oder mit ämtern und Verwaltungen von Ministerien, Stadtverwaltungen bis zu Schulen, Krankenhäusern oder Gefängnissen und nur am Rande mit freiwilligen Verbänden als politische Großorganisationen, ob es sich um Parteien, Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Unternehmerverbände oder eben Gewerkschaften handelt. Diese sind als organisierte Interessen in einem viel größeren Maße politisch nach außen aktiv als die übrigen Organisationen. Wichtiger noch bestimmen bei ihnen nach innen politische Kriterien die Binnenorganisation.


    Gewerkschaften sind deshalb wie Parteien und andere Großverbände politische Großorganisationen, für deren Binnenstruktur es deshalb noch stärker als in der neuen Organisationsforschung gilt, daß Machtspiele, Mikropolitik und informelle Netzwerke die Entscheidungsstruktur mitbestimmen - aber dennoch immer auch und immer wieder formale Satzungen. Sie tragen das Skelett der Organisation, ohne sie blieben innere Organe, Blutbahnen, Nerven- und Muskelstränge der Organisation eine haltlose Masse.


    Folgende Leitfragen lagen der Projektarbeit zugrunde:




    Ziele und Inhalte



    Im Zentrum der Analyse stand der Gewerkschaftstag von 1994, auf dem die wesentlichen Beschlüsse zur Umsetzung der Organisationsreform getroffen wurden. Bei der Analyse verfolgte das Projekt einen organisationsstrukturellen Ansatz mit doppelter Zielsetzung. Zum einen ging es um eine Bestandsaufnahme der Organisationsstrukturen der ÖTV, wobei insbesondere auch regionale Aspekte berncksichtigt wurden. Den zweiten Schwerpunkt der Forschungsarbeit bildete die Analyse der Organisationsreform selbst. Als normative Bewertungsgrundlage für Erfolg oder Scheitern der Reform diente dabei u.a. das "magische Dreieck" aus Effizienz, Offenheit und Partizipation. In Anlehnung an die formulierten Leitfragen zielte die Analyse der ÖTV und ihrer Reform auf



    Die Konkretisierung der Konzeption sah eine Aufteilung der Forschungsarbeit vor,

    1. zum einen die Rahmenbedingungen, den zentralen Prozeß der Reformbeschlüsse und die Entscheidungsstrukturen in der ÖTV-Hauptverwaltung in Stuttgart,

    2. in einem weiteren Schritt die Rolle der Bezirke als zentrales Scharnier und die föderalistische Arbeitsteilung sowie deren Beitrag zum Reformprozeß sowie

    3. drittens die Bedeutung und Aufgabe der Kreisverwaltungen der ÖTV als Basisorganisation der Gewerkschaften und damit als unmittelbarer Ansprechpartner für die Mitglieder und als hauptverantwortlich fnr die Organisation der gewerkschaftlichen Betriebsarbeit zu analysieren.


    Im Rahmen von zwei Workshops wurde zudem ein Austausch zwischen Vertretern aus Wissenschaft und gewerkschaftlicher Praxis organisiert. Während beim ersten Workshop die Reichweite von Reformstrategien und -maßnahmen mit Vertretern verschiedener Gewerkschaften diskutiert wurde, stand im zweiten Workshop der wechselseitige Zusammenhang zwischen der Modernisierung des öffentlichen Dienstes und der Organisationsreform der ÖTV im Vordergrund. Die Diskussionsergebnisse wurden in zwei Dokumentationen festgehalten.





    Zentrale Ergebnisse


    Die vorliegenden Ergebnisse aus dem Projekt bieten hoffentlich einigen Anregungen für die Wissenschaft und Praxis, die sich mit Fragen der Verbändeforschung, der Gewerkschaftsarbeit und der Organisationsforschung auseinandersetzen. Rückmeldungen jeglicher Art sind gerne willkommen.


    Aus dem Versuch heraus, die bisherige Gewerkschaftsforschung stärker mit demokratie- und verbändetheoretischen sowie organisationsökonomischen Ansätzen zu verzahnen, ist im Verlauf der Forschungsarbeit das Konzept der politischen Großorganisation entstanden. Daß Organisation vor allem auch Politik ist, erklärt einerseits, warum aus der umfassend angelegten Organisationsreform doch nur ein respektables Stnckwerk entstanden ist, und andererseits, warum auch weiterhin vieles beim alten geblieben ist. Die Umsetzung der Organisationsreform der ÖTV kann somit bereits zum jetzigen Zeitpunkt als das bezeichnet werden, was die neuere Organisationstheorie "erfolgreiches Scheitern" nennt. Das Ergebnis ist ambivalent: erfolgreich im Kleinen und im Symbolischen, ohne die großen Ziele erreicht zu haben.




    Publikationen


    Alemann, Ulrich von; Schmid, Josef: Partizipation, Offenheit und Effizienz. Eine Analyse der Organisationsreform der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Gutachten fnr den Hauptvorstand der ÖTV, polis-Heft Nr. 25, Hagen, 1993.

    Alemann, Ulrich von; Schmid, Josef: Die Organisation der Reform. Ein Werkstattbericht zum ÖTV-Projekt, polis-Heft Nr. 33, Hagen, 1995 (Workshop-Dokumentation).

    Alemann, Ulrich von; Schmid, Josef: Die Organisationsreform der ÖTV und die Modernisierung des öffentlichen Dienstes, polis-Heft Nr. 36, Hagen, 1996 (Workshop-Dokumentation).

    Alemann, Ulrich von; Schmid, Josef: "Und sie bewegt sich doch ...!" Die ÖTV: Innenansichten einer politischen Großorganisation (projekt: ötv-reform 1), Hagen, Januar 1997 (Abschlußbericht).

    Brandenburg, Patrick; Frey, Birgit; Kniwel, Thomas: Verbände zwischen Markt und Staat. Drei Beiträge aus der Forschungs-Initiative Verbände. polis Nr. 40/1998. hrsg. vom Institut für Politikwissenschaft der FernUniversität - Gesamthochschule - Hagen 1998.

    Frey, Birgit: Gesellschaftliche Entwicklung und der Verlauf der Organisationsreform. Offen für Veränderung? (projekt: ötv-reform 2), Hagen, Januar 1997 (Abschlußbericht).

    Schoefer, Sabina: Die ÖTV-Bezirke als Organisationsscharnier. Partizipation, Kommunikation und Transparenz (projekt: ötv-reform 3), Hagen, Januar 1997 (Abschlußbericht).

    Graf, Melanie: Die ÖTV-Kreisverwaltungen als operative Basis. Partizipation, Effizienz und Transparenz (projekt: ötv-reform 4), Hagen, Januar 1997 (Abschlußbericht).

    Zahlreiche weitere Zeitschriftenveröffentlichungen aus dem Projekt sind im Abschlußbericht projekt: ötv-reform 1 dokumentiert. Die angegebenen Projektberichte können bei five angefordert werden.