INSTITUT FÜR PHILOSOPHIE

Univ.-Prof. Dr. Simone Dietz

Univ.-Prof. Dr. Simone Dietz

Stilisiertes Gebäude Gebäude 23.32, Ebene 01, Raum 31
Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf

Tel:Tel: +49 211 81-12921

Fax:Fax: +49 211 81-11750

 

Sprechstunde (Vorlesungszeit): Mi 16:30-17:30 Uhr
Sprechstunde (Vorlesungsfreie Zeit): siehe 'Aktuelles'

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2011

Vorlesung: Öffentlichkeit und Massenmedien Link zum HIS-LSF
Montags 10.30-12.00 Uhr, Geb. 23.01 / 3C
Beginn am 4. April

Öffentlichkeit ist eines jener merkwürdigen Phänomene, deren genaue Bestimmung schwer fällt, obwohl wir täglich damit umgehen. Öffentlichkeit bezeichnet Orte, die allgemein zugänglich sind, Orte der flüchtigen Begegnung von Fremden, der künstlerischen oder sportlichen Darbietung, der politischen Debatte und Entscheidung. Diese Orte verlieren mit der Nutzung technischer Massenmedien zunehmend die Form physisch-räumlicher Präsenz und nehmen die virtuelle Gestalt kommunikativer Orte räumlich voneinander entfernter Teilnehmer an. Die jeweilige Struktur der Massenmedien und die Form der Kommunikation, die durch ihre technischen Bedingungen gefördert wird, prägt die sozialen Beziehungen der Akteure und kann schließlich zur identitätsbildenden Signatur einer Gesellschaft werden.  In diesem Sinn ist Öffentlichkeit ein zentrales Thema für Theorien der modernen Gesellschaft. Öffentlichkeit ist aber nicht nur ein virtueller oder realer Ort, sie fungiert auch als normatives Prinzip, das die Verfügbarkeit von Informationen und Wissen, die Beteiligung an Entscheidungen oder die Berücksichtigung des Gemeinwohls verlangt. In dieser Hinsicht bildet Öffentlichkeit ein wesentliches Element Politischer Theorie.

Die Vorlesung gibt einen historischen Überblick über verschiedene Modelle der Öffentlichkeit in der politischen Theorie der Neuzeit und Moderne, wobei auch verschiedene Varianten der These vom Verfall der Öffentlichkeit diskutiert werden. In systematischer Hinsicht soll die Bedeutung der Massenmedien für die Idee der Öffentlichkeit thematisiert werden.  Insbesondere soll dabei der Wechsel des Leitmediums von der Presse über den Rundfunk zum Internet reflektiert werden.

Die Vorlesung richtet sich sowohl an Anfänger als auch fortgeschrittene Studierende, die Teilnahme ist auch im Rahmen des Fächerübergreifenden Wahlpflichtbereichs und des Studiums Universale möglich. Die Folien der Vorlesung werden den Teilnehmern wöchentlich als Download bereitgestellt. Für einen Beteiligungsnachweis ist eine schriftliche Hausaufgabe von ca. 3 Seiten erforderlich, wahlweise eine Beantwortung von Fragen zum Vorlesungsstoff oder ein Essay zum Themenbereich der Vorlesung. Die schriftliche Leistung für den BN muss bis Vorlesungsende (15.7.11) abgegeben werden! Eine benotete Abschlussprüfung kann durch Klausur (Termin 11.7.11) oder mündlich (Termin nach Vereinbarung) abgelegt werden.

Literatur zur Einführung:

  • Öffentlichkeit - Geschichte eines kritischen Begriffs. Hg. Von Uwe Hohendahl unter Mitarbeit von Russell A. Berman, Karen Kenkel u. Arthur Strum. Stuttgart (Metzler Verlag) 2000.


Aufbauseminar: Moderne politische Theorie Link zum HIS-LSF
Mittwoch 10:30 bis 12 Uhr, Geb. 23.21, Raum 02.22
Beginn erst in der 2. Vorlesungswoche am 13.04.

Als Kooperationsveranstaltung der Kunstakademie und der HHU wird das Seminar gemeinsam geleitet von Prof. Dr. Ludger Schwarte und Prof. Dr. Simone Dietz.

Was macht den Kern des Politischen aus? Ist es die Verständigung über die gemeinsamen Angelegenheiten oder eher der Kampf um Macht? Oder ist die Frage nach einem ‚Wesen' des Politischen bereits falsch gestellt? Worin besteht die Aufgabe politischer Theorie? Geht es um die Begründung von Normen, nach denen Politik beurteilt werden kann oder um die Analyse von Herrschaftsstrukturen? Zur Beantwortung dieser Fragen werden Texte von Jürgen Habermas, Iris Marion Young, Michel Foucault, Alain Badiou, Giorgio Agamben, Antonio Negri u.a. gelesen und diskutiert. Die Texte werden den Teilnehmenden als Download-Dateien bereit gestellt.

Studierende der HHU können das Seminar mit einem BN (Referat oder schriftliche Textzusammenfassung mit Abgabe zur entsprechenden Seminarsitzung!) oder einer benoteten Abschlussprüfung (mündliche Prüfung mit Termin nach Vereinbarung, Studien- oder Hausarbeit mit Abgabe bis Ende September) abschließen.

Basisseminar: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit Link zum HIS-LSF
Dienstags 10.30-12.00 Uhr, Geb. 23.21, Raum 02.26
Beginn am 5. April

Walter Benjamins Aufsatz über „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" von 1939 gilt zu Recht als grundlegender Text nicht nur der Kunsttheorie, sondern vor allem auch der Medientheorie und Medienästhetik. Benjamins Begriff der Aura eines Kunstwerks und seine These vom Verfall der Aura unter den geänderten technischen Bedingungen der Moderne ist in der gegenwärtigen Diskussion über die Bedeutung neuer Medien vielfach aufgegriffen und variiert worden. Welche Auswirkungen haben Medien auf unsere Wahrnehmung und unser Weltverhältnis? Welche Verluste und Chancen eröffnen sich durch mediale Veränderung für ihre Nutzer? Das Seminar wird sich zunächst einer eingehenden Lektüre des „Kunstwerk-Aufsatzes" sowie ergänzender Textausschnitte Benjamins widmen. Darüber hinaus sollen gegenwärtige Interpretationen und Variationen der These vom Verfall der Aura diskutiert werden.

Für einen Beteiligungsnachweis ist neben der regelmäßigen Teilnahme eine kleinere mündliche oder schriftliche Leistung (Kurzreferat, ergänzende Themenrecherche, seminarbegleitende schriftliche Beantwortung von Fragen zum Text) erforderlich. Eine benotete Abschlussprüfung kann in schriftlicher Form als Studien- oder Hausarbeit oder in mündlicher Form (Termin nach Absprache) abgelegt werden.

Literatur zur Einführung in das Thema:

  • Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Suhrkamp Studienbibliothek (mit einem Kommentar von Detlev Schöttker). Frankfurt Main 2007.
  • Christian Schulte (Hg.): Walter Benjamins Medientheorie. UVK Verlag Konstanz 2005.

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2010/2011

Vorlesung: Ethik Link zum HIS-LSF
Montag 11-13, Geb. 23.01, HS 3C

Muss man ein Versprechen unter allen Umständen halten? Warum soll man für Not leidende Menschen in Krisengebieten Geld spenden? Dürfen wir Fleisch essen? Welche Lügen sind erlaubt? So oder ähnlich stellen sich im Alltag Fragen nach dem richtigen Handeln. Diese Fragen werden in der Ethik auf eine grundsätzliche Weise aufgenommen: An welchen Normen und Werten sollen wir uns orientieren und wie lassen sie sich begründen? Die Vorlesung gibt einen einführenden Überblick über das Gebiet der Ethik, bei dem die wichtigsten Grundbegriffe, Konzepte der normativen Ethik sowie Themen der angewandten Ethik erläutert werden. Begleitend zur Vorlesung wird ein Tutorium angeboten, das sich der gemeinsamen Lektüre kurzer moralphilosophischer Texte widmet. Das Tutorium dient der Vertiefung des Vorlesungsstoffs und der Vorbereitung der Klausur, es wird allen Teilnehmenden der Vorlesung empfohlen.

Ein Beteiligungsnachweis kann durch schriftliche Beantwortung von Fragen (als Hausaufgabe im Anschluss an die Vorlesung) erworben werden. Die Modulabschlussprüfung wird mit einer Klausur abgelegt, für die allen Teilnehmern zwei Termine zur Auswahl stehen (31.1. oder 21.2.2011). Zur Nachbereitung der Vorlesung und zur Vorbereitung der Klausur werden die Folien der Vorlesung als Download zur Verfügung gestellt.

Literatur zur Einführung:

  • Detlev Horster: Ethik. Grundwissen Philosophie (2009).
  • Johann S. Ach, Kurt Bayertz, Ludwig Siep (Hg.): Grundkurs Ethik (2008).
  • Kolleg Praktische Philosophie Bd. 2: Grundpositionen und Anwendungsprobleme der Ethik. Hg. von V. Steenblock (2008).
  • Ernst Tugendhat: Vorlesungen über Ethik (1993).
  • Otfried Höffe (Hg.): Einführung in die utilitaristische Ethik (1992).
  • Otfried Höffe: Lexikon der Ethik (1992).
  • Dieter Birnbacher: Einführung in die Analytische Ethik (2003).
  • Michael Quante: Einführung in die allgemeine Ethik (2003).


Aufbauseminar: Empathie und Autonomie
Link zum HIS-LSF
Dienstag 9-11, Geb. 23.21, Raum 02.21
Beginn erst in der 2. Vorlesungswoche am 19.10.

In der klassischen Moralphilosophie und Anthropologie - insbesondere kantischer Prägung -werden Vernunft und Gefühl als strikte Gegensätze aufgefasst: Vernunft gilt als Instanz der Freiheit und Selbstbestimmung, die den Menschen zu einem höheren bzw. moralischen Wesen macht. Das Gefühl und die Einfühlung in andere empfindende Wesen hingegen gilt als Instanz der natürlichen, körperlichen Seite des Menschen, die im Gewand des Mitleids und der Fürsorge zwar moralisch erwünschte Verhaltensweisen zeigen, jedoch nicht frei bestimmt werden kann. In der gegenwärtigen Diskussion der Moralphilosophie und der Philosophie des Geistes wird diese Entgegensetzung von Vernunft und Gefühl, Autonomie und Empathie vielfach verworfen. Empathie erscheint nun als eine grundlegende Fähigkeit des Menschen, die nicht als Gegensatz sondern als Ergänzung oder Teil der Rationalität zu verstehen ist. Das Seminar wird sich mit den verschiedenen Konzepten des Verhältnisses von Vernunft und Gefühl, Autonomie und Empathie beschäftigen und mit deren Konsequenzen für die Moralphilosophie.

Literatur:

  • D. Perler / M. Wild (Hg.): Der Geist der Tiere. Frankfurt Main 2005.
  • H. W. Ingensiep / H. Baranzke: Das Tier (Grundwissen Philosophie). Stuttgart 2008.
  • H.-P. Schütt (Hg.): Die Vernunft der Tiere. Frankfurt Main 1990.


Blockseminar: Globale Gerechtigkeit und Armut. Ein Planspiel.
| Link zum HIS-LSF
In Zusammenarbeit mit Hannes Foth
Termine und Räume siehe HIS-LSF

Warum ist die eklatante Not vieler Menschen, die in Armut leben, für den anderen Teil der Weltbevölkerung, der über mehr oder weniger großen Reichtum verfügt, so gut erträglich, dass sie allenfalls zu gelegentlichen Geldspenden Anlass gibt? Handelt es sich hier um ein moraltheoretisch zwar eindeutiges, praktisch aber höchst kompliziertes Problem? Ist die Schwierigkeit der praktischen Umsetzung ein Einwand gegen die Moral- oder Gerechtigkeitstheorie, gegen den moralischen Alarmismus bezüglich des weltweit hohen Anteils existenzbedrohlicher Armut oder gegen halbherzigen bis falsche Maßnahmen zur Beseitigung der Armut?
Die TeilnehmerInnen der Blockveranstaltung werden sich das Gebiet der Moral- und Gerechtigkeitstheorien nicht allein durch Textarbeit, sondern im Durchspielen eines konkreten Falls erarbeiten. In der Form eines Planspiels sollen Arbeitsgruppen verschiedene Parteien in einem globalen Konfliktszenario vertreten, Lösungen erarbeiten, präsentieren, diskutieren und beurteilen. Als nationale und internationale, staatliche und nicht-staatliche, libertäre und egalitäre Akteure sind die Studierenden aufgefordert, zu einem konkreten Fallbeispiel Position zu beziehen. Eine erste verbindliche Seminarsitzung am 20.11. dient der gemeinsamen Erarbeitung der gerechtigkeitstheoretischen Grundlagen, der Vorstellung des Fallbeispiels und der Einteilung der Gruppen. In der Arbeitsphase von Ende November bis Ende Januar werden die Arbeitsgruppen ihre Positionen und Strategien ausarbeiten und dabei nach Bedarf unterstützt und betreut. In der Zeit vom 14.-17. 2. erhalten alle Gruppen Gelegenheit zur Präsentation ihrer Vorschläge und Forderungen, zur Diskussion der verschiedenen Positionen und zu einer abschließenden Entscheidungsfindung.
Voraussetzung ist die Teilnahme an den o.g. Terminen und die aktive semesterbegleitende Mitarbeit in einer der Arbeitsgruppen. Ein späterer Einstieg in das Seminar zum Beginn der Blockveranstaltung im Februar ist nicht mehr möglich!
Mit den TeilnehmerInnen, die im Rahmen des Seminars eine Modulabschlussprüfung ablegen wollen, werden im Anschluss an die Blockveranstaltung Einzelgespräche geführt, für die bei guter Mitarbeit keine zusätzliche Vorbereitung mehr erforderlich ist.

Literatur zur Einführung in das Thema:

  • Barbara Bleisch / Peter Schaber (Hg.): Weltarmut und Ethik, (2. Aufl.) 2009.
  • Atlas der Globalisierung, Hg. von Le Monde diplomatique, (2. Aufl.) 2010.


Aufbauseminar: Konzeptionen der Modernen im interkulturellen Vergleich
Linke zum HIS-LSF
In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michiko Mae

Dienstag 11-13, Geb. 23.02, Raum 02.81

Für Max Weber war die Moderne eine gleichermaßen europäische wie universell bedeutende Entwicklung. Nur der Westen habe durch Rationalisierung in Wissenschaft und Kunst, Verwaltung, Staat und Ökonomie eine Ordnung hervorgebracht, die im klaren Gegensatz zur mystisch- religiösen, traditionalen Ordnung stehe. Trotz ihres unübersehbaren Eurozentrismus hatte Webers Konzeption der Moderne großen Einfluss auf die Gesellschaftstheorien des 20. Jahrhunderts von Parsons bis Habermas. Die Gleichsetzung von Moderne, Rationalisierung und Individualisierung hat sich dabei ebenso verfestigt, wie die Vorurteile gegenüber der traditionalen östlichen Kultur. Im Kontext der Debatte um Postkolonialismus, Globalisierung und Interkulturalität wurden jedoch auch alternative Konzeptionen von Modernität entwickelt, die auf kulturelle Offenheit und Vielfalt zielen. Prominent in diesem Zusammenhang sind die Arbeiten von S.N. Eisenstadt, die auch die Besonderheiten der japanischen Kultur thematisieren.
Das Seminar wird sich mit verschiedenen Theoriekonzepten der Moderne befassen, sowie mit der jeweiligen kulturellen Bedeutung von Modernität in konkreten Praxisfeldern wie Familie, Politik, Religion, Geschlechterordnung. Das Aufbauseminar ist auf 40 Teilnehmer begrenzt, 20 fortgeschrittene Studierende des Modernen Japan, 20 fortgeschrittene Studierende der Philosophie.

Aufbauseminar: Medienethik Link zum HIS-LSF
Mittwoch 11-13 Uhr, Geb. 23.03 Raum 01.63

Die Entwicklung der elektronischen Massenmedien Fernsehen und Internet hat nicht nur den Berufsalltag von Journalisten verändert, sondern auch die gesellschaftliche Öffentlichkeit und die persönliche Lebenswelt der einzelnen Nutzer. Die Schnelligkeit der Kommunikation, ihre lokale Ungebundenheit und die jederzeitige Verfügbarkeit von Informationen prägen das soziale Leben ebenso wie die Verflechtung von Information und Unterhaltung, von Öffentlichem und Privatem oder die Allgegenwart von Bildern. Das Seminar wird sich unter ethischen Aspekten mit den Gefahren und Chancen dieser Entwicklung beschäftigen. Welche moralischen Regeln gelten in der öffentlichen Kommunikation, welche Verantwortung kommt Medien-Produzenten und -Nutzern jeweils zu, welche Rolle spielen die verschiedenen Massenmedien für die Gesellschaft und welche Institutionen und Kontrollmechanismen können die Einhaltung moralischer Normen in diesem Bereich überhaupt garantieren?

Literatur:

  • M. Karmasin (Hg.): Medien und Ethik, 2002.
  • M. Jäckel/M.Mai (Hg.): Medienmacht und Gesellschaft. Zum Wandel öffentlicher Kommunikation, 2008.
  • S. Münker: Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0, 2009.

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2010

 

Vorlesung: Philosophische Anthropologie | Link zum HIS-LSF
Montag 11-13, Geb. 23.01, HS 3C

Was unterscheidet Menschen von anderen Tieren? Ist es das besondere Vermögen der Vernunft, das den Menschen auszeichnet, oder ist es eher der Mangel an Instinkten und Einbindung in die natürliche Umwelt? Sind die Sprache und die Möglichkeit, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Perspektive einzunehmen, menschliche Monopole oder bestehen hier nur graduelle Unterschiede gegenüber anderen komplexen Lebewesen? Hat vor allem die Fähigkeit, voneinander zu lernen, Wissen gezielt weiterzugeben und so Kultur zu entwickeln, uns einen entscheidenden evolutionären Vorsprung gegenüber anderen Tieren verschafft?

Die anthropologische Frage zielt auf die Bestimmung der besonderen menschlichen Eigenheiten und die Stellung des Menschen in der Welt. Im Unterschied zu den empirischen Humanwissenschaften ist für die philosophische Anthropologie zentral, dass der Mensch selbst es ist, der hier über sich nachdenkt. In der Frage: Was ist der Mensch? ist immer auch die Frage enthalten: Wer sind wir als Menschen? Indem die anthropologische Frage sich auf unser Selbstverständnis als Menschen richtet, hat sie neben der beschreibenden und erklärenden immer auch eine normative Dimension: Wer wollen wir als Menschen sein?

Die Vorlesung gibt einen Überblick über Grundbegriffe, Grundpositionen und Kontroversen der Philosophischen Anthropologie. Begleitend dazu wird ein Tutorium angeboten, in dem klassische und zeitgenössische Texte besprochen werden. Das Tutorium dient der Vertiefung des Vorlesungsstoffs und wird allen Teilnehmenden der Vorlesung empfohlen.
Der Beteiligungsnachweis kann durch regelmäßige Teilnahme und die schriftliche Beantwortung von Fragen (als Hausaufgabe) im Anschluss an die Vorlesung erworben werden. Die Modulabschlussprüfung wird mit einer Klausur in der vorletzten Vorlesungswoche (12.7.) abgelegt. Zur Nachbereitung der Vorlesungen und Vorbereitung der Klausur werden Folien als Download zur Verfügung gestellt.

Literatur zur Einführung:

  • Christian Thies: Einführung in die philosophische Anthropologie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2004.
  • Gerald Hartung: Philosophische Anthropologie. Stuttgart 2008.
  • Heinz Paetzold: Der Mensch. In: E. Martens/H.Schnädelbach (Hg.): Philosophie. Ein Grundkurs, Bd. 2. Rowohlt 1998, 427-466.
  • Kuno Lorenz: Artikel ‚Anthropologie, philosophische' in: H.J. Sandkühler (Hg.), Philosophische Enzyklopädie, Hamburg 1999, Bd. 2, S. 1022-1031.
  • Ernst Tugendhat: Anthropologie statt Metaphysik. München 2007.

Aufbauseminar: Der Geist der Tiere | Link zum HIS-LSF
Dienstag 11-13, Geb. 23.21, Raum U1.69

„Menschlich zu sein ist schön. Tierisch zu sein, dazu sind nur Säufer und Sexualmörder imstande. Es ist für Menschen verboten, Tier zu sein." (Lars Gustafsson)

Die Charakterisierung des Menschen als animal rationale diente immer auch der Abgrenzung gegen die vernunftlosen Tiere. Doch die grobe Gegenüberstellung kann heute nicht mehr überzeugen. Dass (zumindest einige) Tiere lernfähig sind, sich untereinander verständigen können und als Gemeinschaftswesen gewisse kulturelle Eigenheiten ausprägen, ist in vielen empirischen Untersuchungen ebenso nachgewiesen worden wie die vergleichsweise geringen genetischen Unterschiede zwischen Menschen und manchen anderen Säugetieren. Kaum jemand würde heute noch Descartes' Auffassung der Tiere als seelenloser Automaten zustimmen. Die Frage, ob und wie Tiere denken können, ist damit jedoch nicht beantwortet. Eine differenziertere Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten von Tieren erfordert nicht nur ein genaues Vokabular, sondern auch Scharfsinnigkeit bezüglich der Frage, welches Verhalten Rückschlüsse auf welche Fähigkeiten zulässt.

Das Seminar beschäftigt sich mit Grundpositionen der aktuellen Diskussion zum ‚Geist der Tiere', wobei der von Perler und Wild herausgegebene Sammelband gleichen Titels eine wesentliche Textgrundlage sein wird. Der Beteiligungsnachweis kann durch regelmäßige Teilnahme und ein mündliches Kurzreferat oder einen schriftlichen Essay erworben werden. Die Modulabschlussprüfung kann mit einer Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung abgelegt werden.

Literatur:

  • D. Perler / M. Wild (Hg.): Der Geist der Tiere. Frankfurt Main 2005.
  • H. W. Ingensiep / H. Baranzke: Das Tier (Grundwissen Philosophie). Stuttgart 2008.
  • H.-P. Schütt (Hg.): Die Vernunft der Tiere. Frankfurt Main 1990.

Aufbauseminar: Kant, Zum ewigen Frieden | Link zum HIS-LSF
Mittwoch 14-16, Geb. 23.02, Raum U1.23

Lange bevor ‚Globalisierung' und ‚Weltinnenpolitik' zu Schlagworten wurden, hat Kant in seiner Schrift ‚Zum ewigen Frieden' (1795) die institutionellen Bedingungen einer friedlichen Weltordnung und das Für und Wider einer möglichen Weltregierung diskutiert. Seine Konzeption des Weltbürgerrechts und der freiwilligen Föderation demokratischer Staaten sind bis heute zentrale Bezugspunkte in der Diskussion über die Lösung globaler und internationaler Probleme wie ökologische Bedrohungen, weltweiter Hunger und Armut, Kriege und internationaler Terrorismus.

Ergänzend zur Schrift ‚Zum ewigen Frieden' werden im Seminar weitere politische Schriften Kants sowie Texte aus der Gegenwartsdebatte herangezogen. Der Beteiligungsnachweis kann durch regelmäßige Teilnahme und ein mündliches Kurzreferat oder einen schriftlichen Essay erworben werden. Die Modulabschlussprüfung kann mit einer Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung abgelegt werden.

Literatur:

  • I. Kant: Zum ewigen Frieden und andere Schriften. Fischer Taschenbuch, Frankfurt Main 2008.
  • I. Kant: Die Metaphysik der Sitten. Rechtslehre, II. Teil, 2. u. 3. Abschnitt.
  • O. Höffe (Hg.): Zum ewigen Frieden (Reihe Klassiker auslegen), Berlin 1995.
  • R. Merkel / R. Wittmann (Hg.): „Zum ewigen Frieden" Grundlagen, Aktualität und Aussichten einer Idee von Immanuel Kant. Frankfurt Main 1996.

Aufbauseminar: Menschenwürde | Link zum HIS-LSF
Mittwoch 11-13, Geb. 23.02, Raum U1.21

‚Menschenwürde' ist ein normativer Grundbegriff, aus dem die zentralen Menschenrechte auf Unversehrtheit und Achtung vor der Freiheit des Einzelnen abgeleitet werden. Demnach ist Menschenwürde selbst weder ein Recht noch ein empirischer Befund, sondern das Fundament für die Begründung moralischer Rechte. Nach einem anderen Verständnis ist Menschenwürde ein Ideal, das im individuellen Streben nach einem gelungenen Leben mehr oder weniger realisiert werden kann. Die Versuche, den Begriff der Menschenwürde zu erklären oder zu begründen, weisen ein breites Spektrum auf, das von der jüdisch-christlichen Auffassung der Gottesebenbildlichkeit und der Zurückführung auf Vernunft, Freiheit oder Moralität über historisch-kulturelle Re- und Dekonstruktionen bis zur Ablehnung des Begriffs als Verlegenheits- und Leerformel reicht. Ein Verzicht auf den Begriff der Menschenwürde scheint jedoch existentiellen Erfahrungen der Entwürdigung und Demütigung nicht angemessen begegnen zu können. Im Zusammenhang mit Völkermord, Folter, politischer Diskriminierung oder biopolitischen Entscheidungen wird Menschenwürde von den einen als absoluter Wert beschworen und von den anderen als beliebig besetzbarer Kampfbegriff abgelehnt.

Das Seminar wird sich auf der Basis von Texten klassischer Autoren und gegenwärtiger Diskussionen mit den moralischen, rechtlichen, politischen und ethischen Dimensionen des Begriffs der Menschenwürde beschäftigen. Der Beteiligungsnachweis kann durch regelmäßige Teilnahme und ein mündliches Kurzreferat oder einen schriftlichen Essay erworben werden. Die Modulabschlussprüfung kann mit einer Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung abgelegt werden.

Literatur:

  • C. Thies (Hg.): Der Wert der Menschenwürde. Paderborn 2009
  • A. Margalit: Politik der Würde. Über Achtung und Verachtung. Frankfurt Main 1999.
  • E.-W. Böckenförde / R. Spaemann (Hg.): Menschenrecht und Menschenwürde. Stuttgart 1987.

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2009/2010

 

Vorlesung: Ethik | Link zum HIS-LSF
Montag 11-13, Geb. 23.01, HS 3C

Muss ich mein Versprechen halten? Soll ich für Not leidende Menschen in Krisengebieten Geld spenden? Darf ich Fleisch essen? Welche Lügen sind erlaubt? So oder ähnlich stellen sich uns allen im Alltag Fragen nach dem richtigen Handeln. Diese Fragen werden in der Ethik auf eine grundsätzliche Weise aufgenommen: Welche fundamentalen Normen und Werte können uns bei der Suche nach konkreter Handlungsorientierung leiten? Wie lassen sich diese fundamentalen Normen und Werte begründen? Welche Grundbegriffe sind dafür zentral? Die Vorlesung gibt einen einführenden Überblick über das Gebiet der Ethik, bei dem die wichtigsten Grundbegriffe, Konzepte der normativen Ethik und Themen der angewandten Ethik erläutert werden.

Begleitend zur Vorlesung wird ein Tutorium angeboten, bei dem Ausschnitte klassischer moralphilosophischer Texte besprochen werden. Das Tutorium dient der Vertiefung des Vorlesungsstoffs und wird allen Teilnehmenden der Vorlesung empfohlen.

Der Beteiligungsnachweis kann durch regelmäßige Teilnahme und die schriftliche Beantwortung von Fragen (als Hausaufgabe) im Anschluss an die Vorlesung erworben werden. Die Modulabschlussprüfung wird mit einer Klausur in der letzten Vorlesungswoche abgelegt. Zur Nachbereitung der Vorlesung und Vorbereitung der Klausur werden die Folien der Vorlesung als Download zur Verfügung gestellt.

Literatur zur Einführung:

  • Detlev Horster: Ethik. Grundwissen Philosophie (2009).
  • Johann S. Ach, Kurt Bayertz, Ludwig Siep (Hg.): Grundkurs Ethik. Bd. 1: Grundlagen. (2008).
  • Kolleg Praktische Philosophie Bd. 2: Grundpositionen und Anwendungsprobleme der Ethik. Hg. von V. Steenblock (2008).
  • Ernst Tugendhat: Vorlesungen über Ethik (1993).
  • Otfried Höffe (Hg.): Einführung in die utilitaristische Ethik (1992).
  • Otfried Höffe: Lexikon der Ethik (1992).
  • Dieter Birnbacher: Einführung in die Analytische Ethik (2003).
  • Michael Quante: Einführung in die allgemeine Ethik (2003).

Einführung: Einführungsveranstaltung für Erstsemester | Link zum HIS-LSF
Montag 9-11, 23.21, HS 3E

Basisseminar: Die Moralphilosophie von Hume und Kant | Link zum HIS-LSF
Dienstag 9-11, Geb. 23.02, Raum U1.21

Nach der Auffassung von Kant wird das Moralische durch Pflicht und Vernunft bestimmt: moralisch handelt, wer aus Pflicht handelt, und worin unsere Pflicht besteht, darüber belehrt uns unsere Vernunft. Dieser Auffassung zufolge ist eine rational beherrschte Einstellung gegenüber anderen Menschen der Inbegriff des Moralischen. Im Gegensatz dazu stehen in der Moralphilosophie Humes die Gefühle der Sympathie und des Wohlwollens im Vordergrund. Dies kommt unserem intuitiven Verständnis von moralischem Handeln in einer wichtigen Hinsicht näher als die Auffassung Kants. Aber die zentrale Rolle der Gefühle für die Moralität bringt auch Probleme mit sich: Kann man Sympathie und Wohlwollen fordern, oder sind sie etwas, auf deren Vorhandensein wir als Handelnde wenig Einfluss haben? 

Das Seminar widmet sich der eingehenden Lektüre von zwei grundlegenden klassischen Texten der Moralphilosophie, nämlich Humes Text ‚Über Moral' (der das dritte Buch des umfassenderen ‚Traktat über die menschliche Natur' bildet), und Kants ‚Grundlegung zur Metaphysik der Sitten'. Ergänzt wird das Seminarprogramm durch Aufsätze, die sich mit der Bedeutung von Hume und Kant für die gegenwärtige Diskussion der Moralphilosophie befassen.

Zur Vorbereitung der Seminarsitzungen werden schriftliche Fragen zu den jeweiligen Textabschnitten ausgegeben, deren schriftliche Beantwortung (in einem begrenzten Umfang) zusammen mit der regelmäßigen Teilnahme am Seminar die Grundlage für den Beteiligungsnachweis bildet.

Seminartexte (Zur Anschaffung empfohlen):

  • David Hume: Über Moral. Mit einem Kommentar von Herlinde Pauer-Studer. Studienbibliothek Suhrkamp, Frankfurt Main 2007.
  • Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Stuttgart (Reclam).

Ebenfalls gut geeignet ist die von Horn, Mieth, Scarano kommentierte Ausgabe der Studienbibliothek Suhrkamp von Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.

Aufbauseminar: Massenmediale Öffentlichkeit | Link zum HIS-LSF
Mittwoch 11-13, Geb. 23.03, Raum 01.61

Mit der Entwicklung der elektronischen Massenmedien Fernsehen und Internet und ihrer zentralen Bedeutung für die Massenkommunikation hat sich nicht nur die gesellschaftliche Öffentlichkeit, sondern damit auch die Lebenswelt der Individuen tiefgreifend verändert. Dabei spielen die Schnelligkeit, allgemeine Verbreitung und Zugänglichkeit sowie die Interaktionsstruktur der Massenkommunikation ebenso eine Rolle wie die zunehmende Bedeutung des Visuellen, Bildlichen gegenüber der gesprochenen und geschriebenen Sprache, und die Verflechtungen von Informations- und Unterhaltungsfunktionen. Die Schlagworte des ‚Infotainment', ‚Massenvoyeurismus' und der symbolischen Politik stehen für eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung. Um diese Auseinandersetzung differenziert führen zu können, wird sich das Seminar zunächst mit den Funktionen und Strukturen der Öffentlichkeit moderner Demokratien befassen (B. Peters). Der Einfluss der Massenmedien auf die Öffentlichkeit soll dann unter den zwei Themenschwerpunkten ‚Realität oder Realitätsverlust' und ‚Kampf um Anerkennung' betrachtet werden.

Eine Abschlussprüfung kann mit einer Hausarbeit oder mündlichen Prüfung abgelegt werden. Voraussetzung ist die Übernahme eines Kurzreferats.

Literatur:

  • Andreas Dörner: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Ffm 2001.
  • Georg Franck: Ökonomie der Aufmerksamkeit. Wien 1998.
  • Jürgen Habermas: Zur Vernunft der Öffentlichkeit. In: Ders., Ach Europa. Ffm 2008, S. 131-191.
  • Angela Keppler: Mediale Gegenwart. Frankfurt Main 2006.
  • Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien. Wiesbaden 2004.
  • Bernhard Peters: Der Sinn von Öffentlichkeit. Ffm 2007.
  • Roger Silverstone: Anatomie der Massenmedien. Ein Manifest. Ffm 2007.
  • Michael Walzer: Anerkennung. In: Ders., Sphären der Gerechtigkeit, Kap. 11. Ffm 1992.

Aufbauseminar: Sprache und Moral | Link zum HIS-LSF
Dienstag 11-13, Geb. 23.02, Raum 01.21

Sind Vertrauen und Respekt notwendige Bedingungen sprachlicher Kommunikation? Sind Lügen und Beleidigungen Beispiele für einen Missbrauch der Sprache? Warum muss man Versprechen halten? Anhand von Fragen wie diesen wird das Seminar das Verhältnis zwischen Sprache und Moral untersuchen. Es soll also nicht um die Sprache der Moral (moralspezifische Begriffe oder Formen des Urteils) gehen, sondern um die Moral der Sprache: um die Frage, ob sprachliche Kommunikation selbst einen moralischen Gehalt hat. Diese Frage wird anhand von drei Beispielen eines moralisch relevanten Sprachgebrauchs diskutiert, nämlich am Beispiel des Lügens, des Versprechens und des Beleidigens. Ausgehend von zwei klassischen Texten, nämlich Kants Schrift „Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen" und Humes Ausführungen über „Die Verbindlichkeit von Versprechen" werden Positionen einer moralisch-normativen und einer nicht-normativen Sprachauffassung diskutiert. Im letzten Themenabschnitt befasst sich das Seminar mit Judith Butlers Ausführungen zu Beleidigungen als verletzenden Sprechakten.

Literatur:

  • Immanuel Kant: Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen. Werkausgabe (Hg. W. Weischedel) Bd. VIII, Frankfurt Main 1978.
  • David Hume: Die Verbindlichkeit von Versprechen. In: Traktat über die menschliche Natur, Buch III: Über Moral, 2. Teil, 5. Abschnitt.
  • John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Kap. 6, Abschnitt 52. Frankfurt Main 1975, 378-386..
  • J. L. Austin: How to do things with words. Dt.: Zur Theorie der Sprechakte. Vorlesung 1-4. Stuttgart 1978.
  • J. L. Austin: Performative Äußerungen. In: Gesammelte philosophische Aufsätze. Stuttgart 1986, 305-327.
  • John R. Searle: Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay. Kap. 2-3. Frankfurt Main 1971.
  • K. O. Apel: Sprechakttheorie und transzendentale Sprachpragmatik zur Frage ethischer Normen. In: Ders. (Hg.): Sprachpragmatik und Philosophie. Frankfurt Main 1982, S. 97-134.
  • Pierre Bourdieu: Was heißt sprechen? Die Ökonomie des sprachlichen Tauschs. Wien 1990.
  • J. Nida-Rümelin: Strukturelle Rationalität, Abschnitte 5 und 6: Kooperation, Kommunikation. Stuttgart 2001.
  • Judith Butler: Excitable Speech. Dt.: Hass spricht. Zur Politik des Performativen. Berlin 1978.
  • H. Kuch, S. K. Herrmann, S. Krämer (Hg.): Verletzende Worte. Die Grammatik sprachlicher Missachtung. Bielefeld 2007.
  • Norbert Anwander: Versprechen und Verpflichten. Paderborn 2008.
  • Simone Dietz: Die Kunst des Lügens. Eine sprachliche Fähigkeit und ihr moralischer Wert. Reinbek 2003.

Blockseminar: Begründungen von Eigentum - Planspiele zur Lösung von Eigentumskonflikten | Link zum HIS-LSF
16.02.2010 bis 19.02.2010, in 23.21/00.46A (Forschungszentrum)

Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die Teilnahme am gemeinsamen Vorbereitungsgespräch am 28.10. und die aktive semesterbegleitende Mitarbeit in einer der Arbeitsgruppen. Ein späterer Einstieg in das Seminar zum Beginn der Blockveranstaltung im Februar ist nicht mehr möglich! Mit den TeilnehmerInnen, die im Rahmen des Seminars eine Modulabschlussprüfung ablegen wollen, werden im Anschluss an die Blockveranstaltung Einzelgespräche geführt, für die aber keine zusätzliche Vorbereitung mehr erforderlich ist.

Unter welchen Bedingungen kann ein einzelner Mensch einen ganzen Wald besitzen? Mit welcher Begründung kann ein Staat Anspruch auf ein bestimmtes Territorium erheben? Gehört die Bachelorarbeit einer Studentin ihr selbst, der prüfenden Universität, der ‚scientific community’ oder handelt es sich dabei gar nicht um Eigentum?
Hier geht es jeweils um die Frage, was unter ‚Eigentum’ zu verstehen ist, wie und unter welchen Einschränkungen Eigentum gerechtfertigt werden und was überhaupt Gegenstand von Eigentumsansprüchen sein kann. Ob Eigentum vorrangig eine Beziehung zwischen Personen und Dingen oder eine sozial anerkannte Norm ist, ein Recht, das sich auf beliebige Gründe stützen kann oder nur auf ganz bestimmte wie z.B. den ersten Zugriff, die geleistete Arbeit oder die Förderung des allgemeinen Wohls, wird in der philosophischen Diskussion kontrovers beurteilt. Während bis ins 18. und 19. Jahrhundert die Frage des Eigentums unverzichtbarer Bestandteil jedes Gesellschaftsentwurfs war, schien sie in der Sozialphilosophie des 20. Jahrhundert keine zentrale Bedeutung mehr zu haben. Dies hat sich vor allem durch zwei Entwicklungen gründlich geändert: Die ökologische Diskussion über den Umgang mit knappen Ressourcen wirft neben Fragen der internationalen und intergenerationellen Gerechtigkeit auch die Frage auf, welche Eigentumsansprüche im Hinblick auf natürliche Ressourcen legitim sind. Mit der Diskussion über die Wissensgesellschaft im digitalen Zeitalter stellen sich speziell die Fragen des geistigen Eigentums, der Begründung und Begrenzung von Urheber- und Patentrechten. In einem ‚digitalen Dilemma’ stehen Visionen von einem Internet des freien Wissenszugangs und Softwaregebrauchs kommerziellen Geschäftsmodellen und Autorenansprüchen gegenüber.

Die TeilnehmerInnen der Blockveranstaltung werden sich das Gebiet der Eigentumstheorien nicht allein durch Textarbeit, sondern im Durchspielen eines konkreten Falls erarbeiten. In der Form eines Planspiels sollen für zwei unterschiedlich angelegte Konfliktszenarien (Territorialkonflikt / Konflikt um ‚geistiges Eigentum’) durch Arbeitsgruppen Lösungen erarbeitet, präsentiert, diskutiert und beurteilt werden. Eine erste verbindliche Seminarsitzung am 28.10. dient der Vorstellung der Fallbeispiele, des Arbeitsmaterials und der Einteilung der Gruppen, die in der Arbeitsphase von Anfang November bis Ende Januar durch einen Tutor unterstützt und betreut werden. Ende Januar sollen die Verhandlungsgrundlagen und Strategien im Wesentlichen ausgearbeitet sein, damit sie in den ersten beiden Tagen der Blockveranstaltung präsentiert werden können. Der dritte Tag widmet sich der Analyse und Diskussion von Texten zur Eigentumstheorie. Am vierten Tag werden die Fallbeispiele zu einer abschließenden Entscheidungsfindung noch einmal aufgenommen.

Literatur:

  • Helmut Rittstieg: Artikel ‚Eigentum/Besitz’ in: Enzyklopädie Philosophie, Hg. von J. Sandkühler, Hamburg 1999.
  • Andreas Eckl/Bernd Ludwig (Hg.): Was ist Eigentum. Philosophische Positionen von Platon bis Habermas. München 2005.
  • Jeanette Hofmann (Hg.): Wissen und Eigentum. Geschichte, Recht und Ökonomie stoffloser Güter. Bonn (Bundeszentrale für politische Bildung) 2006.
  • Silke Helfrich/Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.): Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. München u. Berlin 2009.

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2009

 

Vorlesung: Kulturphilosphie | Link zum HIS-LSF
Fr 9-11, Geb. 23.21, 3F

Durch Kultur unterscheiden sich Menschen von ‚bloßen’ Naturwesen aber auch voneinander. Sprache, Arbeitsteilung, körperliche Selbstdisziplin, technisches Können und Wissen, religiöser Glaube, künstlerischer Ausdruck, Formen der Höflichkeit, das alles sind Ergebnisse mühsamer Prozesse der Kulturentwicklung und -weitergabe. Was ist das gemeinsame Merkmal dieser verschiedenen Aspekte von Kultur – sind es Ausprägungen einer umfassenden Vernunft, verschiedene symbolische Formen oder Medien? Gibt es einen übergreifenden Sinn der Kulturentwicklung? Dient Kultur vor allem dem menschlichen Überleben oder dem Glück? Befreit Kultur vom dumpfen Dahinvegetieren und von roher Gewalt oder stumpft Kultur selbst die Menschen ab, ist sie selbst ein brutaler Prozess der Zurichtung, in dem nur die Erscheinungsformen der Gewalt sich verändern? Kann man zwischen besseren und schlechteren Kulturen unterscheiden oder kann jede Kultur nur an ihren eigenen Maßstäben gemessen werden?

Die Vorlesung gibt einen Überblick über verschiedene philosophische Deutungsmuster der Kulturentstehung und Kulturentwicklung, über Theorien des kulturellen Fortschritts und der Unterdrückung und Entfremdung durch Kultur. In einem zweiten Schwerpunkt werden Besonderheiten der modernen Kultur in den Blick genommen: die Bedeutung der Massen- bzw. Populärkultur; die Herausforderung der Kulturen durch das Faktum ihrer Pluralität und Verschiedenheit; die Veränderung von Kultur durch Prozesse der Inter- und Transkulturalität bzw. Hybridität.

Begleitend zur Vorlesung wird ein Tutorium angeboten, das neben der allgemeinen Vertiefung des Vorlesungsstoffes auch der Lektüre klassischer Texte der Kulturphilosophie dient. Die Teilnahme am Tutorium wird empfohlen, insbesondere für diejenigen, die in der Vorlesung eine Abschlussprüfung ablegen wollen, sie ist aber nicht verpflichtend. Eine Abschlussprüfung kann in Form einer Klausur oder mündlichen Prüfung abgelegt werden.

Literatur zur Einführung in das Thema:

  • R. Konersmann (Hg.): Kulturphilosophie. Leipzig 1996.
  • M. L. Hofmann, T. F. Korta, S. Niekisch (Hg.): Culture Club. Bd. 1 und 2, Frankfurt am Main 2004 und 2006.
  • S. Moebius, D. Quadflieg (Hg.): Kultur. Theorien der Gegenwart. Wiesbaden 2006.
  • V. Steenblock: Kultur oder Die Abenteuer der Vernunft im Zeitalter des Pop. Leipzig 2004.

 

Aufbau-Seminar: Karl Marx, Kritik der politischen Ökonomie | Link zum HIS-LSF
Dienstag 9-11, Geb. 23.21, Raum U1.69

„Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.“ (Karl Marx, Das Kapital, Bd. 3)

Das Werk von Karl Marx polarisiert bis heute: Viele halten Marx’ Schriften für überholt, auch diejenigen, die sie nie gelesen haben. Hat Marx nicht das Ende des Kapitalismus vorhergesagt, während sich der Kapitalismus historisch doch als siegreich erwiesen hat? Für andere hingegen gilt Marx’ Kapitalismuskritik nicht zuletzt wegen der Analyse krisenhafter Entwicklungen als Klassiker der Gesellschaftstheorie, auch wenn seine Thesen nicht uneingeschränkt zu verteidigen sind.

Das Seminar widmet sich der Lektüre grundlegender Schriften von Marx, sowie kritischer Interpretationen des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, ein grundlegendes Verständnis der Marx’schen Kapitalismuskritik zu gewinnen, das auch zu einer Beurteilung der heutigen Marx-Kritik befähigt.

Literatur zur Einführung:

  • J. Rohbeck: Marx. Stuttgart 2006.
  • O. K. Flechtheim/H.-M. Lohmann: Marx zur Einführung. Hamburg 2003.

 

Aufbau-Seminar: Theorien der Moderne | Link zum HIS-LSF
Dienstag 11-13, Geb. 23.21, Raum U1.69

Gerade in Krisenzeiten stellt sich verstärkt die Frage nach dem Selbstverständnis gegenwärtiger Gesellschaften: Gibt es eine Grundstruktur oder ein normatives Ideal, das die moderne Gesellschaft kennzeichnet? Lassen Krisen sich strukturell erklären?

Im Rahmen der Gesellschaftstheorie wird Modernisierung seit Max Weber als ambivalenter Prozess der Rationalisierung und Bürokratisierung der Gesellschaft analysiert. Das Seminar wird sich mit zwei prominenten gegenwärtigen Theorien befassen, die an das Konzept Max Webers anknüpfen und die Moderne als unabgeschlossenes Projekt begreifen: die Theorien von Jürgen Habermas und von Ulrich Beck. Beide Autoren wollen nicht nur die strukturellen Veränderungen, sondern auch die internen Spannungen und Krisen der gegenwärtigen Gesellschaft theoretisch erfassen. Habermas entwickelt ein zweistufiges Konzept der Gesellschaft als ‚Lebenswelt und System’ und will ihre Krisen mit der These der ‚Kolonialisierung der Lebenswelt’ auf den Begriff bringen. Beck unterscheidet zwischen einer ersten Moderne der Industrialisierung und einer zweiten reflexiven Moderne des Risikos, der Flexibilisierung und Individualisierung.

Literatur:

  • Max Weber: Vorbemerkung zu den Gesammelten Aufsätzen zur Religionssoziologie. (abgedruckt z.B. in: Max Weber, Schriften zur Soziologie, Hg. von M. Sukale, Stuttgart 1995, S. 315-332).
  • Jürgen Habermas: Die Theorie des kommunikativen Handelns, Bd. 1 und 2, Frankfurt M. 1981. (Kap. I.2 und VIII.1-2)
  • Jürgen Habermas: Die postnationale Konstellation. Politische Essays. Frankfurt M. 1998. (Kap. 3 und 4)
  • Axel Honneth/Hans Joas (Hg.): Kommunikatives Handeln. Frankfurt M. 1986.
  • Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt M. 1986.
  • Ulrich Beck, A. Giddens, S. Lash: Reflexive Modernisierung. Eine Kontroverse. Frankfurt M. 1996.
  • Ulrich Beck: Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter. Neue weltpolitische Ökonomie. Frankfurt M. 2002.

 

Basis-Seminar: Vertragstheorien | Link zum HIS-LSF
Mittwoch 11-13, Geb. 23.03, Raum 01.63

Der gemeinsame Bezugspunkt der politischen Philosophie von Hobbes, Locke, Rousseau und Kant ist der Gesellschaftsvertrag als Grundlage des Staates. Bei der genaueren Bestimmung des Vertrages und seiner Voraussetzungen aber gibt es bedeutende Differenzen: Wie sieht der Naturzustand aus, der mit dem Vertrag beendet wird? Wer schließt mit wem einen Vertrag? Was ist Zweck und Inhalt des Vertrags? Und welchen Status hat der Vertrag, ist er ein historisches Ereignis, eine notwendige Voraussetzung von Grundrechten, ein Gedankenexperiment oder eine Metapher?

Bis heute markieren die Konzeptionen von Hobbes, Locke, Rousseau und Kant die Grund- und Konfliktlinien der politischen Philosophie, sie dienen als eine Art Kürzel in der modernen Diskussion über die Legitimation des Staates. Auch der Vertragsgedanke spielt in einigen modernen Theorien noch immer eine wichtige und zugleich umstrittene Rolle: bei John Rawls wird er zur moralischen Begründung von Gerechtigkeitsprinzipien herangezogen, bei James Buchanan hingegen als Alternative zu einer moralischen Begründung staatlicher Institutionen eingesetzt.

Das Seminar widmet sich im Schwerpunkt der vergleichenden Lektüre der klassischen Texte von Hobbes, Locke, Rousseau und Kant, wird sich aber auch mit den Vertretern des modernen Kontraktualismus befassen.

Literatur:

  • Thomas Hobbes: Leviathan. Zweiter Teil: Vom Staat.John Locke: Zweite Abhandlung über die Regierung: Über den wahren Ursprung, die Reichweite und den Zweck der staatlichen Regierung.
  • Jean-Jacques Rousseau: Vom Gesellschaftsvertrag. Erstes und zweites Buch.
  • Immanuel Kant: Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis, Abschnitt II: Vom Verhältnis der Theorie zur Praxis im Staatsrecht. (Werkausgabe Bd. 11)
  • David Hume: Über den ursprünglichen Vertrag. In: Politische und ökonomische Essays, Bd. 2. Hamburg 1988.
  • John Rawls: Die Grundstruktur als Gegenstand. In: Ders., Die Idee des politischen Liberalismus. Frankfurt M. 1992, S. 45-79.
  • Robert Nozick: Anarchie, Staat, Utopia. München 2006.
  • James Buchanan: Die Grenzen der Freiheit zwischen Anarchie und Leviathan. Tübingen 1984.

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2008/2009

Vorlesung: Sozialphilosophie | Link zum HIS-LSF
Freitag 9-11, Hörsaal 3C, Geb. 23.01

Die Sozialphilosophie umfasst den Teil der praktischen Philosophie, der sich mit dem Zusammenleben und -handeln von Gemeinschaften befasst. Zentrale Fragen der Sozialphilosophie lauten: Wie ist soziales Handeln, wie ist das Zusammenleben einer Gemeinschaft möglich? Und: Welche Form des Zusammenlebens ist die beste? Dabei geht es sowohl um die Beziehungen der Individuen zueinander als auch um das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft.

Die Vorlesung orientiert sich zum einen an sozialphilosophischen Grundbegriffen wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Kooperation, Arbeit, Eigentum, Macht, Toleranz; zum anderen werden zentrale Themen der gesellschaftstheoretischen Diskussion des 20. und 21. Jahrhunderts vorgestellt wie die Verdinglichungskritik der kritischen Theorie, die Kontroverse zwischen Handlungs- und Systemtheorie, zwischen Liberalismus und Kommunitarismus, die Verteilungs- und Globalisierungsdiskussion.

Literatur:

  • Axel Honneth: Artikel ‚Sozialphilosophie’ in: Enzyklopädie Philosophie, Bd. 2, S. 1183-1198 (Stichwort Philosophie XVII), Hamburg 1999.
  • Detlef Horster: Sozialphilosophie. Stuttgart 2005.
  • Wolfgang Detel: Grundkurs Philosophie, Bd. 5: Philosophie des Sozialen. Stuttgart 2007.

 

Aufbau-Seminar: Medienethik | Link zum HIS-LSF
Di 9-11, Raum 02.27, Geb. 23.21

Medienethik als Teil der angewandten Ethik beschäftigt sich mit Fragen des richtigen Handelns im Umgang mit Massenmedien. Dabei geht es sowohl um die Presse oder das „Leitmedium Fernsehen“, als auch um das Internet oder Computerspiele. Welche moralischen Regeln sollen in der öffentlichen Kommunikation gelten, welche Verantwortung kommt Medien-Produzenten und -Nutzern jeweils zu, welche Rolle spielen die verschiedenen Massenmedien für die Gesellschaft und welche Institutionen und Kontrollmechanismen können die Einhaltung moralischer Normen überhaupt garantieren?
Nach einer kurzen Einführung in Grundbegriffe und -positionen der allgemeinen und angewandten Ethik wird sich das Seminar im Rahmen von drei Themenschwerpunkten (Täuschung, Voyeurismus, Gewaltdarstellung) mit einzelnen Normen und Fallbeispielen beschäftigen.
Grundlage für einen Beteiligungsnachweis ist ein Kurzreferat oder ein Thesenpapier zu einem der Themenschwerpunkte; Abschlussprüfungen können durch eine Studien- bzw. Hausarbeit oder mündliche Prüfung abgelegt werden. Texte zum Seminar sowie eine ausführliche Literaturliste sind bereits im September über meine Homepage (Downloads) verfügbar.

Literatur:

  • Julian Nida-Rümelin: Theoretische und angewandte Ethik: Paradigmen, Begründungen, Bereiche, in Ders. (Hg.): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Stuttgart 2005, S. 2-87.
  • Will Teichert: Medienethik, in: Julian Nida-Rümelin (Hg.): Angewandte Ethik. Stuttgart 2005, S. 804-833.
  • Thomaschki, Kathrin: Medien. In: S. Hartung/S. Kadelbach (Hg.): Bürger, Recht, Staat. Handbuch des öffentlichen Lebens in Deutschland. Frankfurt/M. 1992, S. 163-178.
  • Jens Kertscher: Das ethische Inferno der Medienwelt. In: Arnswald/Kertscher. (Hg.): Herausforderungen der Angewandten Ethik. Paderborn 2002, 61-79.
  • Cass R. Sunstein: Das Fernsehen und die Öffentlichkeit. In: Wingert/Günther (Hg.): Die Öffentlichkeit der Vernunft und die Vernunft der Öffentlichkeit, Frankfurt am Main 2001, 678-701.
  • Rainer Leschke: Einführung in die Medienethik. München 2001.
  • Angela Keppler: Mediale Gegenwart. Eine Theorie des Fernsehens am Beispiel der Darstellung von Gewalt. Frankfurt Main 2006.
  • Andreas Dörner: Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt am Main 2001.
  • Ingrid Stapf: Medienselbstkontrolle. Ethik und Institutionalisierung. Konstanz 2006.

 

Aufbau-Seminar: Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen | Link zum HIS-LSF
Di 11-13, Raum 02.54, Geb. 23.21

Die „Philosophischen Untersuchungen“ zählen zu den der wichtigsten Texten Ludwig Wittgensteins; darüber hinaus sind sie ein zentrales Werk der Sprachphilosophie und der Philosophie des Geistes, ja der Philosophie des 20. Jahrhunderts insgesamt. Wittgensteins Untersuchungen beziehen sich auf den Begriff und das Funktionieren der Sprache, die Theorie der sprachlichen Bedeutung und der sprachlichen Praxis, das Regelfolgen und das Fremdpsychische. Mit den Begriffen des Sprachspiels, der Lebensform und der Familienähnlichkeit sind die „Philosophischen Untersuchungen“ außerdem zu einem wichtigen Anknüpfungspunkt der Kultur- und Sozialphilosophie geworden.
Das Seminar wird sich in erster Linie der Lektüre von Wittgensteins Text widmen, in zweiter Linie auch auf Kontroversen der Sekundärliteratur Bezug nehmen.
Grundlage für einen Beteiligungsnachweis ist die schriftliche Beantwortung von Fragen zum Text, Abschlussprüfungen können durch eine Studien- bzw. Hausarbeit oder eine mündliche Prüfung abgelegt werden.

Literatur:

  • Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen. Werkausgabe Bd. 1, Frankfurt am Main 1984.
  • Chris Bezzel: Wittgenstein. Grundwissen Philosophie. Stuttgart 2007.
  • Richard Raatzsch: Wittgenstein zur Einführung. Hamburg 2008.
  • Eike von Savigny: Die Philosophie der normalen Sprache. Neuausgabe 1993
  • Eike von Savigny: Wittgensteins Philosophische Untersuchungen. Ein Kommentar für Leser. Überarbeitete Neuausgabe 1994 und 1996.
  • Eike von Savigny (Hg.): Ludwig Wittgenstein Philosophische Untersuchungen. Berlin 1998 (Reihe Klassiker auslegen).
  • Anthony Kenny: Wittgenstein. Frankfurt am Main 1974.

 

Aufbau-Seminar: Verbrechen und Strafe | Link zum HIS-LSF
Mi 11-13, Raum U1.22, Geb. 23.02

„Man stelle sich eine Gesellschaft von Heiligen, ein vollkommenes und musterhaftes Kloster vor. Verbrechen im eigentlichen Sinne des Wortes werden hier freilich unbekannt sein; dagegen werden dem Durchschnittsmenschen verzeihlich erscheinende Vergehen dasselbe Ärgernis erregen wie sonst gewöhnliche Verbrechen in einem gewöhnlichen Gewissen. Befindet sich diese Gesellschaft im Besitze der richterlichen und Strafgewalt, so wird sie jene Handlungen als Verbrechen erklären und demgemäß behandeln. (…)
Ist das Verbrechen tatsächlich eine soziale Krankheit, so ist die Strafe das Heilmittel und kann nicht anders aufgefasst werden; alle Diskussionen, die sie hervorruft, beziehen sich auch wirklich auf die Erkenntnis ihrer Rolle als Heilmittel. Hat aber das Verbrechen nichts Krankhaftes an sich, so kann auch die Strafe nicht auf Heilung abzielen, und ihre Funktion muss anderswo gesucht werden.“ (Emile Durkheim, Die Regeln der soziologischen Methode)
Das Seminar wird sich aus historischer und systematischer Perspektive mit verschiedenen rechtsphilosophischen Begründungen der Strafe befassen (Vergeltung, Verhütung, Disziplinierung, Resozialisierung), mit verschiedenen Arten der Strafe (Ächtung, Gefängnis, Folter, Todesstrafe) mit Alternativen zur Strafe (z.B.Wahrheitskommissionen), wobei auch die besondere Perspektive der.Täter, der Opfer und der Gesellschaft zu berücksichtigen ist.
Grundlage für einen Beteiligungsnachweis ist ein Kurzreferat oder ein Thesenpapier zu einem der Seminartexte; Abschlussprüfungen können durch eine Studien- bzw. Hausarbeit oder mündliche Prüfung abgelegt werden. Texte zum Seminar sowie eine ausführliche Literaturliste sind bereits im September über meine Homepage (Downloads) verfügbar. Frühzeitige Übernahmen von Referatsthemen nach Rücksprache per e-mail oder in meiner Sprechstunde sind erwünscht.

Literaturhinweise:

  • Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 10, 208-261: Artikel ‚Strafe’; Bd. 11, 588-592: Artikel ‚Verbrechen’.
  • Winfried Hassemer: Einführung in die Grundlagen des Strafrechts. München 1990.
  • Jean-Claude Wolf: Verhütung oder Vergeltung. Einführung in ethische Straftheorien. Freiburg 1992.
  • Norbert Hoerster (Hg.): Recht und Moral. Texte zur Rechtsphilosophie, Kap. 4: Das Problem staatlichen Strafens. Stuttgart 1990.
  • Michel Foucault: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Ffm 1976.
  • Helmut C. Jacobs (Hg.): Gegen Folter und Todesstrafe. Aufklärerischer Diskurs und europäische Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Frankfurt M. 2007