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Bericht zum Symposium: „Japanische Populärkultur: Neue Potenziale – neue Perspektiven?“

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Die Teilnehmer/innen der Podiumsdiskussion

Unser diesjähriges Symposium am 20.05.2016 im Haus der Universität beschäftigte sich mit der Frage, welches Potenzial die japanischen Populärkultur in Deutschland hat und welche neuen Perspektiven sich aus ihrem anhaltenden Boom eröffnen. Gleichzeitig mit dem Symposium wurde das gerade neu erschienene Buch „Japanische Populärkultur und Gender“, herausgegeben von Michiko Mae, Elisabeth Scherer und Katharina Hülsmann, vorgestellt. Am Schluss der Veranstaltung wurden die wissenschaftlichen Vorträge durch eine Podiumsdiskussion zwischen Expert/innen, die in verschiedenen Bereichen der japanischen Populärkultur tätig sind, in die Praxis erweitert. Hier finden Sie nun einen kleinen Bericht von Anna-Lena von Garnier zu den Vorträgen und Diskussionen des Tages. Weiterlesen

Symposium: „Japanische Populärkultur: Neue Potenziale – Neue Perspektiven?“

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Im Rahmenprogramm des Japan-Tages veranstaltet unser Institut am Freitag, 20. Mai 2016, wieder ein Symposium:

„Japanische Populärkultur: Neue Potenziale – Neue Perspektiven?“.

Es findet im Haus der Universität, Schadowplatz 14, statt. Eintritt frei – alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

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„Zwischen Transkulturalität und Japanizität“

Hip-Hop-Nationalisten in Baggypants, phantastische Anime-Welten und „Spaghetti-Manga“ – ein Workshop unseres Instituts am Freitag, 18. Juni, im Heinrich-Heine-Saal verdeutlichte, innerhalb welch großen Spektrums „zwischen Transkulturalität und Japanizität“ japanische Populärkultur angesiedelt sein kann. Studierende und Gäste aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen diskutierten gemeinsam mit vier ReferentInnen über aktuelle Tendenzen sowohl in den populärkulturellen Medien als auch in deren Rezeption im Ausland.

Spannende Vorträge gab es von: Hilaria Gössmann, Stephan Köhn, Steffi Richter und Marco Pellitteri

 

An Hilaria Gössmann kommt niemand vorbei, der sich wissenschaftlich mit japanischen Fernsehserien (terebi dorama) beschäftigen möchte. Die Japanologie-Professorin aus Trier hat zahlreiche Publikationen auf diesem Gebiet veröffentlicht und kann als die Expertin im gesamten westlichsprachigen Raum gelten. Ihr Vortrag widmete sich Repräsentationen kultureller Differenzen in japanischen Fernsehdramen seit den 1990er Jahren und lieferte damit einen Überblick über die dramaturgische Funktion, die Figuren aus anderen asiatischen Ländern (v.a. China, Korea, Vietnam) in terebi dorama einnehmen können. In der Serie Doku (Fuji TV, 1996) zum Beispiel dient die vietnamesische Hauptfigur als eine Art „Retter“ für die japanische Protagonistin Yuki, die ein lethargisches Leben als Büroangestellte führt. Insgesamt lässt sich laut Gössmann feststellen, dass Japan in den dorama eher für Modernität, Individualismus und Orientierungslosigkeit steht, während andere asiatische Länder Traditionalität, Familienorientierung und Tatkraft repräsentieren.

Inzwischen ließen sich aber auch schon Ansätze zu einer Überwindung dieser Dichotomie zwischen Japan und Asien finden, erläuterte Gössmann. Ein Beispiel ist die Serie Smile (TBS, 2009), in der die (sehr unterschiedlichen) Diskriminierungserfahrungen von drei Hauptfiguren geschildert werden. Ob man bei den Veränderungen der Darstellung von asiatischen Figuren im terebi dorama seit 1990 tatsächlich von einer „Entwicklung“ sprechen kann, wurde von den TeilnehmerInnen des Workshops kontrovers diskutiert.

 

Zum rege diskutierenden Publikum gehörten Studierende, HHU-Kollegen und auswärtige Wissenschaftler(innen), die sich mit Japan, Populärkultur und Transkulturalität beschäftigen.

 

 

Stephan Köhn von der Universität Erlangen, der derzeit eine Vertretungsprofessur an der Japanologie Tübingen innehat, kennen die Düsseldorfer Studierenden vor allem über seine Arbeiten zu Manga und Traditionen visuellen Erzählens in Japan. In seinem Vortrag beschäftigte er sich mit der „Transkulturalität“ der Animationsfilme Miyazaki Hayaos und machte sich dafür auf eine „Spurensuche“ in der Rezeption des Werkes Sen to Chihiro no kamikakushi in der westlichen Presse. Wie Köhn herausstellte, setzten sich bei der Rezeption automatische kulturelle Zuschreibungsverfahren in Gang, die das Werk mit der Nationalität des Regisseurs in Zusammenhang brachten. Während in Japan aufgrund der hohen Bekanntheit des Regisseurs und ausgiebig vorhandener „Sekundärtexte“ in Form von PR-Kampagnen ziemlich klar gewesen sei, wie Sen to Chihiro zu verstehen ist, sei die westliche Rezeption sehr divers ausgefallen.

Hierbei spielte auch eine große Rolle, dass Animationsfilme im Westen einen völlig anderen kulturellen Stellenwert einnehmen als in Japan, wo das Medium nicht auf eine bestimmte Zielgruppe beschränkt ist und von Erwachsenen ebenso konsumiert wird wie von Kindern. Stephan Köhn plädiert daher dafür, bei der Untersuchung von Phänomenen wie Sen to Chihiro no kamikakushi immer die kulturelle Verortung des Mediums/Genres und die Produktionsabsichten zu berücksichtigen.
In der Diskussion wies Stephan Köhn außerdem darauf hin, dass in der Wissenschaft mit Begriffen wie „Transkulturalität“ oder „Hybridität“ in letzter Zeit sehr inflationär umgegangen werde.

Steffi Richter, Professorin der Japanologie an der Universität Leipzig, begegnet allen, die sich mit japanischer Populärkultur auseinandersetzen, insbesondere über zwei Werke, die sie gemeinsam mit Jaqueline Berndt herausgegeben hat: Reading Manga und das Japan-Lesebuch zum Thema J-Culture.

In J-Culture schreibt Steffi Richter in ihrem gleichnamigen Aufsatz über die Verwobenheit des zurzeit vielzitierten „Cool Japan“-Kampagne mit nationalkonservativen Diskursen, zu denen zum Beispiel Abe Shinzôs Buch und Kampagne Utsukushii kuni e („Unterwegs in ein schönes Land“) gehört. Sie zeigt auf, dass japanische Populärkultur, deren weltweiten Erfolg zum Beispiel Iwabuchi Kôichi damit erklärt, dass sie „kulturell geruchlos“ sei, durchaus auch zum Instrument einer nationalistisch ausgerichteten Kulturpolitik werden kann.

Diese Tendenz war auch Thema ihres Vortrages unter dem Titel „Zwischen ,cool‘ und ,beautiful‘: Trans/Nationalisierung von J-Culture“. Anhand der Hip-Hop-Gruppe Arei Raise, die in enger Verbindung zum Yasukuni-Schrein steht, zeigte Richter auf, dass eindeutige Allianzen zwischen Herrschaftsdiskursen und populärkulturellen Akteuren bestehen können. Bei der Analyse von Phänomenen wie Arei Raise, aber auch Anime, Film, dorama usw. sei es wichtig, nicht nur eine reine Inhaltsanalyse vorzunehmen, sondern auch die performative Seite zu berücksichtigen. Bei Arei Raise bedeute das konkret, neben den Liedtexten z.B. auch die medialen Besonderheiten des Musikvideos, das Outfit der Rapper und deren sozialen Hintergrund zu berücksichtigen. Wichtig war es Steffi Richter in der anschließenden Diskussion auch zu betonen, dass für die wissenschaftliche Beschäftigung mit japanischer Populärkultur ein transnationaler Erklärungsansatz nötig sei. Die Japanologie-Studierenden lebten das als „Pop-Cosmopolitans“ vor.

Von Marco Pelliteri, Soziologe aus Italien, ist gerade ein sehr ausführliches Werk zur Rolle japanischer Populärkultur im europäischen Kontext erschienen: The Dragon and the Dazzle. Models, Strategies, and Identities of Japanese Imagination. Beim Workshop berichtete er darüber, wie Anime und Manga in Italien historisch und gegenwärtig rezipiert werden – ein interessantes Thema, wenn man bedenkt, dass in Italien schon früher ein umfassendes Angebot an japanischer Populärkultur verfügbar war als in Deutschland. Matsumoto Reijis Galaxy Express 999 zum Beispiel wurde von 1978 bis 1981 in Japan produziert und erschien schon 1982 im italienischen Fernsehen, während es deutsche Fernsehzuschauer niemals zu sehen bekamen.

In Anlehnung an Kiyomitsu Yuki unterteilt Pelliteri die Aufnahme von Anime und Manga in Italien in vier (sich teilweise überschneidende) Phasen: 1975 bis 1990 wurden sehr viele TV-Anime-Serien gesendet und es entwickelte sich – auch wenn dies von den japanischen Produzenten so niemals beabsichtigt gewesen war – bei den italienischen Zuschauern ein gewisser „ästhetischer Sinn“ für diese Produkte. 1978 bis 1986 wurden außerdem Manga „entdeckt“ und vor allem Jugendliche machten sich mit diesem Medium vertraut. Von 1989 bis 1999 macht Pellitteri eine Phase der systematischen Publikation von Manga aus, in der das Anime-Publikum sowohl zu Manga-Lesern als auch zu Manga-Herausgebern wurde. Seit 2000 erkennt der Soziologe eine Phase der „interiorization“ und „hybridization“, was sich in Italien unter anderem im Erscheinen sogenannter „Spaghetti-Manga“ – Comics im Manga-Stil von italienischen Zeichnern – zeige.

Die rege Abschlussdiskussion wurde von den TeilnehmerInnen des Workshops auch beim gemeinsamen Abendessen fortgeführt und es herrschte ein allgemeiner Konsens darüber, dass solche Gelegenheiten zu fruchtbarem Austausch häufiger sein sollten. Michiko Mae und Annette Schad-Seifert planen daher eine regelmäßige Fortführung dieser Arbeitstreffen zur japanischen Populärkultur.

Populärkultur-Workshop

Unser Institut veranstaltet am Freitag, 18. Juni, einen Workshop zum Thema „Zwischen Transkulturalität und Japanizität – Repräsentationen kultureller Differenzen und Diversität in der gegenwärtigen japanischen Populärkultur“. Treffpunkt ist um 13 Uhr im Heinrich-Heine-Saal unserer Universität. Eingeladen sind hochkarätige Referentinnen und Referenten aus ganz Deutschland. Wer teilnehmen möchte, muss sich wegen der begrenzten Platzanzahl bei Stephanie Klasen anmelden.

(c) adrian, acediscovery (Flickr cc)

Hier das Programm:

13:00 Uhr  Begrüßung durch Prof. Dr. Michiko Mae

13:15 Uhr  Hilaria Gössmann: „Japanisch“ versus „asiatisch“ – Repräsentationen kultureller Differenzen in japanischen Fernsehdramen seit den 90er Jahren

14:15 Uhr Stephan Köhn: Miyazaki reloaded – einige paradigmatische Überlegungen zur „Transkulturalität“ eines Mediums

15:15 Uhr Kaffepause

16:00 Uhr Steffi Richter: Zwischen „cool“ und „beautiful“: Trans/Nationalisierung von J-Culture

17:00 Uhr Marco Pellitteri: Japanese pop culture in Italy through anime and manga: features of a successful encounter

18:00 Uhr Abschlussdiskussion

Zum Hintergrund des Workshops:

Die Interpretation Japans als eine national-­‐kulturell und sozial homogene Gesellschaft bestimmte lange den wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs. Seit einigen Jahren wird jedoch infolge tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen auch in Japan zunehmend anerkannt, dass die japanische Gesellschaft und Kultur durch Diversität und Heterogenität geprägt sind. Diese Entwicklung bildet den Hintergrund für ein Forschungsprojekt, das wir zurzeit an unserem Institut vorbereiten: „Neue Differenzen und Diversität im gegenwärtigen Japan: Die Kontroverse um Kultur, soziale Schicht und Gender“.

Unser Workshop konzentriert sich auf die Repräsentation kultureller Differenz und Diversität in der japanischen Populärkultur. Wie wird in unterschiedlichen populärkulturellen Medienprodukten, aber auch allgemein in den so genannten J-Pop-Diskursen, das ‚Japanische’ konstruiert? Was wird in diesen Produkten und Diskursen imaginiert und behauptet, um das ‚Japanische’ zu konstruieren? Wie zeigt sich das ‚Japanische’ und wo tritt das Transkulturelle hervor, d.h. Elemente, die über das ‚Japanische’ hinausgehen? Diesen Fragen möchten wir im Workshop sowohl auf der inhaltlichen, narrativen Ebene wie auch auf der formal-stilistischen Ebene und auf der Metaebene des Diskurses nachgehen.

Dabei interessieren wir uns besonders für neue methodische Analyseansätze. Zum Einen könnte thematisiert werden, inwieweit die Herangehensweise, Medienanalyse als Diskursanalyse zu betreiben, kombinierbar mit anderen medienwissenschaftlichen Zugängen ist. Zum Anderen sollte bei der Analyse einzelner Fallbeispiele aus den Bereichen Manga, Anime, dorama, Film etc. besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, von welchen ‚traditionell’ genrespezifischen Konventionen die Repräsentationen kultureller Differenzen und Diversität möglicherweise überlagert werden und welche darüber hinausgehenden, transkulturellen Gestaltungselemente und Techniken angewendet werden.

Wir freuen uns auf anregende Referatsbeiträge und eine konstruktive Diskussion!

Arbeitskreis dorama – Termine

Der Arbeitskreis japanische Populärkultur, der sich dieses Semester mit japanischen Fernsehserien (terebi dorama) beschäftigt, ist heute gestartet. Interessierte können noch jederzeit einsteigen!

Die Termine in diesem Semester sind:

26. April
10. Mai
31. Mai
14. Juni
5. Juli

Treffpunkt ist jeweils montags um 16 Uhr (s.t.) im Raum 81.

Über die dorama, die aktuell laufen, kann man sich zum Beispiel hier informieren.

Arbeitskreis Populärkultur – „dorama edition“

 

(c) jazzlah, Flickr creative commons

 

Liebe Studierende,

seit zwei Semestern gibt es an unserem Institut den Arbeitskreis japanische Populärkultur, für den sich einige von Ihnen sehr engagiert haben. Auch dieses Semester möchten wir wieder Ihre Kompetenzen nutzen und Sie direkt in die Forschung unseres Instituts einbeziehen.

Worum geht es?
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der gegenwärtigen japanischen Populärkultur ist ein wichtiger Schwerpunkt unseres Instituts. Mit unserer Forschung wollen wir zeigen, wie Entwicklungstendenzen innerhalb der japanischen Gesellschaft in Manga, Anime und Fernsehserien sichtbar werden. Durch den demographischen Wandel, die steigende Zahl von MigrantInnen und die stärkere Aufspaltung in Arm und Reich erhält die japanische Gesellschaft eine zunehmend heterogene Prägung. In einem großen neuen Forschungsprojekt unseres Instituts soll daher untersucht werden, wie sich kulturelle, ethnische und auch genderbezogene Differenzen in der japanischen Gesellschaft äußern und wie mit diesen umgegangen wird. Die Produkte der gegenwärtigen Populärkultur stellen dabei eine wichtige Quelle dar. Es soll untersucht werden, in welcher Weise die genannten Differenzen in den populärkulturellen Medien thematisiert werden und ob der dort zu beobachtende Umgang mit ihnen zu mehr Toleranz und letztlich auch zu ihrer Überwindung führen kann.

Was passiert dieses Semester im Arbeitskreis?
Der Fokus liegt dieses Mal auf der Analyse von Fernsehserien (terebi dorama). Ziel ist es, einen Gesamteindruck von der derzeitigen japanischen Serienlandschaft zu gewinnen und daraus abzuleiten, wie stark der gesellschaftliche Wandel in diesem Segment der Populärkultur präsent ist. Die TeilnehmerInnen des Arbeitskreises wählen sich je eine Serie aus der Frühlings-Saison 2010 (ca. April-Juni) und verfolgen diese über die gesamte Staffel hinweg. Nach bestimmten Kriterien wird für jede Folge erfasst, wie die Serie Differenzen innerhalb der japanischen Gesellschaft darstellt. Die Gruppe trifft sich ein- bis zweimal im Monat montags von 16-17.30 Uhr, um den aktuellen Stand in den jeweiligen Serien zu diskutieren (der Arbeitskreis findet im Rahmen von Prof. Michiko Maes Examenskolloquium statt). Am Ende sollen alle Untersuchungsergebnisse in einem gemeinsamen Aufsatz zusammengefasst werden.

Was haben Sie davon?
Sie erhalten interessante Einblicke in die Forschung unseres Institutes und beteiligen sich aktiv an der Projektarbeit. Durch das gemeinsame Arbeiten an konkreten Beispielen üben Sie sich in Fertigkeiten, die für das wissenschaftliche Arbeiten benötigt werden. Die im Arbeitskreis geleistete Arbeit kann so auch als Projektarbeit durchgeführt oder später zu einer BA-Arbeit entwickelt werden.

Der Arbeitskreis findet etwa zwei Mal im Monat im Rahmen des Examenskolloquiums von Prof. Michiko Mae, Montag zwischen 16 und 17:30 Uhr statt. Alle am Thema Interessierten sind herzlich eingeladen zur ersten Besprechung am Montag, 12. April, um 16 Uhr im Raum 81.

Für Informationen, Vorschläge und Anmeldung kontaktieren Sie bitte Elisabeth Scherer.