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Rakugo im Eko-Haus

Einige kennen ihn noch vom letzten Jahr, als er bei uns im Hörsaal 2C gastierte: Der Rakugo-Erzählkünstler Sanyûtei Kenkô kommt wieder nach Düsseldorf, diesmal ins Eko-Haus. Am Freitag, 14. Dezember, tritt er um 19.30 Uhr dort gemeinsam mit Onda Eri, einer Shamisen-Meisterin, auf. Die Vorstellung ist in japanischer Sprache, wird aber deutsch übertitelt.

Rakugo ist die traditionelle Kunst des japanischen Geschichtenerzählens. Auf den ersten Blick erscheint Rakugo unspektakulär: Der Meister sitzt im Kimono auf einem Kissen und gibt alte und neue, witzige und bewegende Geschichten zum Besten. Ihm stehen dafür lediglich Fächer, Tuch und seine Schauspielkunst zur Verfügung. Wenige Requisiten bedeuten aber nicht, dass Rakugo langweilig ist – von einer Sekunde zur nächsten, nur durch eine kleine Handbewegung markiert, kann sich ein Rakugo–Meister von einem Betrunkenen in eine verführerische Frau verwandeln. Er isst, nur durch seine Gestik und Mimik ausgedrückt, auf der Bühne eine Nudelsuppe, und der Zuschauer bekommt großen Hunger … – Begleitet wird Meister Kenkô von der Shamisen–Meisterin Eri, die die Yosebayashi, die Musik des Rakugo, erklären wird.

Tickets können unter kuhl(at)eko-haus.de bestellt werden und kosten 10 Euro, für Studierende 8 Euro.

Erzählkunst vom Feinsten

Vor etwas mehr als einer Woche gastierten die beiden Rakugo-ka San’yûtei Kenkô und Hayashiya Hiroki bei uns an der Uni und sorgten dafür, dass der ganze Hörsaal 2c Tränen lachte. Unser Student Stefan Brock fasst für uns hier noch einmal die Highlights zusammen:

Es herrscht großes Gelächter im Hörsaal der Heinrich-Heine-Universität. Dies lässt darauf schließen, dass viele intelligente Personen anwesend sind. Zu dieser Kenntnis würde man zumindest gelangen, wenn das, was San’yûtei Kenkô über Rakugo sagt, stimmt. Er beschreibt diese Kunst des Geschichtenerzählens als eine der am schwersten zu verstehenden Theaterformen, bei der nur die schlauen Leute lachen.

Die Gelegenheit, Rakugo außerhalb Japans selbst einmal erleben zu können, bot sich den Besuchern nun. Auf Einladung des Instituts für Modernes Japan führten San’yûtei Kenkô und Hayashiya Hiroki das deutsche Publikum in diese Erzählkunst ein. Die beiden Japaner sind in ihrer Heimat bekannte Rakugo-Künstler. Doch auch in Deutschland schaffen die beiden es, die Zuschauer zu begeistern. Die Vorstellung gaben die beiden zwar, wie es sich gehört, komplett auf Japanisch, aber dank der Übertitel konnte man auch ohne Japanischkenntnisse ohne Probleme dem Verlauf der Vorstellung folgen. Dies liegt zudem auch daran, dass beim Rakugo ein Großteil der Geschichte über Mimik und Gestik des Künstlers erzählt wird.

Was für den europäischen Betrachter womöglich im ersten Moment etwas ungewöhnlich sein mag, ist, dass nicht etwa beide Darsteller gleichzeitig die Bühne betreten und gemeinsam ein Stück vorführen. Nur einer Person gehört die Bühne und somit die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer. Ein Bühnenbild, wie wir es vom Theater gewohnt sind, gibt es auch nicht. Lediglich ein Kissen, auf welchem der Akteur kniet, befindet sich in der Mitte der Bühne. Als Requisiten haben die beiden ausschließlich einen Fächer sowie ein Tuch. Mehr benötigen sie aber auch nicht. San’yûtei Kenkô beweist dies eindrucksvoll in der Einführung. So funktioniert er seinen Fächer mal eben zum Essstäbchen um und zeigt, dass er alleine über seine Schlürfgeräusche dem Betrachter vermitteln kann, welches Gericht er gerade zu sich nimmt. Aus dem Tuch wird kurzerhand eine Banane, welche er schält und anschließend genüsslich verzehrt. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Selbst die berühmte Kampfszene aus Star Wars, in der Luke gegen Darth Vader kämpft, lässt sich mit dem Fächer, als Laserschwert umfunktioniert, darstellen. Der Rakugokünstler schlüpft hierbei in beide Rollen gleichzeitig und fügt die Effekte über seine Stimme hinzu. Allein durch die Blickrichtung und die Stimme wird vermittelt, welche Person gerade dargestellt wird. Bei zwei Personen mag dies noch einfach zu durchschauen sein, jedoch sind hier nach oben keine Grenzen gesetzt. Erstaunlicherweise kann man sich allerdings sehr schnell in die Geschichten einfinden und dem Erzählverlauf gut folgen.

Neben der Einführung in Rakugo sowie den zwei Geschichten “Im Zoo” (Hayashiya Hiroki) und “Der Vater, sein Sohn und der Alkohol” (San’yûtei Kenkô) wurde dem Zuschauer auch gezeigt, wie ein Kimono angezogen wird. Außerdem begeisterte Hayashiya Hiroki durch sein Talent, auf dem Saiteninstrument Shamisen zu spielen. Hierbei zeigte er zudem, dass sich hierauf nicht ausschließlich traditionelle japanische Lieder spielen lassen. Selbst Stücke wie „Smoke on the water“ oder „Ode an die Freude“ lassen sich mit dem Instrument ohne Probleme wiedergeben. Die Lieder erhalten dadurch auch einen neuen sehr interessanten Klang.

Anschließend an die Vorführung bot sich zudem die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Über die Darbietung an sich lässt sich eigentlich nur sagen, dass die beiden ihr Handwerk sehr gut beherrschen und dies mit großer Begeisterung darbieten. Diese Begeisterung überträgt sich sofort auch auf den Zuschauer. Die Performance machte große Lust auf mehr. Leider muss man, um einen der beiden auf der Bühne zu sehen, nach Japan reisen, oder darauf hoffen, dass sie bald wieder eine Deutschlandreise planen. Ob nun das große Gelächter der Zuschauer Rückschlüsse auf deren Intelligenz zulässt, sei mal dahingestellt. Es zeigt jedenfalls, dass die Künstler eine wirklich beeindruckende Vorstellung abgeliefert haben, die vielen sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Einführung in die Kunst des Rakugo

Die bekannten japanischen Erzählkünstler San’yûtei Kenkô und Hayashiya Hiroki gastieren nächste Woche Freitag, 8. Juli, bei uns am Institut und stellen die Kunst des Rakugo vor. Am Tag darauf, 9. Juli, gibt es außerdem zwei Vorstellungen des Künstlers im Hotel Nikkô.

Rakugo ist nicht das Geschichtenerzählen, das wir in Europa kennen – wo die Oma den Enkeln Grimms Märchen vorträgt. Rakugo-Geschichten werden in Theatern, Tempeln, Schreinen, Schulen, Gemeindezentren, sogar Restaurants dargeboten: Viele der Geschichten (hanashi) spielen in der Edo-Zeit, sind also mindestens 150 Jahre alt und werden teilweise seit hunderten von Jahren von Meister zu Lehrling weitergegeben.

Ein einziger Darsteller sitzt (kniet) auf einem Kissen und spielt eigenhändig ein komplettes Ensemble – von zwei bis zu über zehn Personen; vom Bettler über den Bauern zum Samurai, vom kleinen Mädchen über die Ehefrau zur Prostiuierten. Als Requisiten stehen ihm dafür lediglich ein Fächer und ein tenugui-Tuch zur Verfügung: Ein Rakugo-Künstler ist also nicht nur ein Geschichtenerzähler, er muss in erster Linie ein hervorragender Schauspieler sein.

Die Besucher der Rakugo-Einführung an der Uni Düsseldorf erwarten ein kurzer Vortrag zum Thema “Was ist Rakugo” sowie die Geschichten “Im Zoo” (Hayashiya Hiroki) und “Der Vater, sein Sohn und der Alkohol” (San’yûtei Kenkô).

Die Termine im Überblick:

Rakugo-Vorführung an der Uni Düsseldorf:
Termin: Freitag, 8. Juli
Beginn: 14:30 Uhr, Hörsaal 2C
Der Eintritt ist frei und die Erzählungen sind komplett mit deutschen Übertiteln versehen!

Rakugo Solo Show im Hotel Nikko:
Termin: Samstag, 9. Juli
Beginn: Erste Vorstellung (mit deutschen Übertiteln) 13 Uhr, zweite Vorstellung (rein Japanisch) 17 Uhr
Tickets: Im Vorverkauf 25 Euro, an der Tageskasse 30 Euro, VIP-Tickets 50 Euro. Kartenbestellung unter 0211-8342711 (Yamamoto)