Schlagwort-Archiv: Politik

Vortrag über politische Schulfeiern in Japan

Am Dienstag, 5. Dezember, ist Ami Kobayashi vom Institut für Erziehungswissenschaften der Humbold-Universität Berlin mit einem spannenden Vortrag bei uns zu Gast. Ihr Thema lautet: „Der Gang als politische Choreographie – Politische Schulfeiern und die Konsolidierung des Nationalstaats in Deutschland und Japan (1873–1945)“. Termin des Vortrags ist von 10.30 bis 12 Uhr im Raum 23.03.01.61. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Zum Vortragsthema
Im Kontext der Entstehung moderner Nationalstaaten wurde u.a. durch Einführung der Schulpflicht und des Militärdienstes der normierte Gang zum Gegenstand der pädagogischen Praxis. In meinem Vortrag zeige ich, mit welchen Mitteln moderne Staaten den unterschiedlichen individuellen Gang ihrer Staatsbürger zu vereinheitlichen und politisch zu „choreographieren“ versuchten. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem in Turnstunden choreographierten Gang, dessen Zweck die erfolgreiche Aufführung (schön und stolz aufmarschieren) bei politischen Veranstaltungen war. Bei politischen Schulfeiern war der Doppelcharakter des Gangs, nämlich zugleich individuelle Bewegung und Element einheitlicher Nationalstaatlichkeit zu sein, besonders sichtbar.
In meinen Untersuchungen werden Marschübungen und politische Schulfeiern in deutschen Gymnasien und japanischen Sekundarschulen (jap. Kyūsei-Chūgakkō) verglichen, da Japan seit Beginn seiner Modernisierung mit Deutschland in oftmals nachahmendem Kontakt stand. Angesichts der Heterogenität innerhalb des jeweiligen Landes wird in dem Projekt auf die beiden Hauptstädte (Tokio, Berlin) fokussiert, welche das jeweilige Kaiserreich repräsentierten und als Zentren politischer Feierlichkeiten fungierten. Der Untersuchungszeitraum beginnt mit dem Jahr 1873, als in Preußen unter Kaiser Wilhelm I. staatliche Feiern mit festlichen Schülerumzügen verbunden wurden, und erstreckt sich bis zum Jahr 1945, als mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Leibeserziehung und politische Zeremonien in Deutschland und Japan einen Umbruch und eine Umdeutung erfuhren.

Vortrag: Das Land der „strahlenden Frauen“? Japanische Modernisierung und die heutige Genderpolitik

Am 9. Januar um 18:30 wird Frau Prof. Michiko Mae im Rahmen der Ringvorlesung „Genderchange: Geschlechterforschung zwischen Innovation und Backlash“ im Haus der Universität einen Vortrag über die Gleichstellungspolitik des japanischen Premiers Abe halten.

Die Regierung des Ministerpräsidenten Abe hat die Frauenförderpolitik zu einem ihrer wichtigsten Ziele erklärt; sie steht unter dem Motto: „Bildung einer Gesellschaft, in der alle Frauen strahlen“. Was ist mit „strahlenden Frauen“ gemeint und werden mit diesem Programm tatsächlich wirksame frauenfördernde Maßnahmen eingeleitet? Wie sind die Erfolgschancen dieser Politik? In dem Vortrag wird analysiert, worauf genau die Regierungspolitik abzielt und welche Wirkungen bisher hervorgerufen wurden. Gleichzeitig wird die gegenwärtige Situation der Frauen in Japan untersucht, welche Arbeits- und Lebensbedingungen und welche Chancen und Möglichkeiten sie haben, aber auch mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Darüber hinaus wird in diesem Kontext eine Strukturanalyse der japanischen Modernisierung bis heute unternommen und die heutige Genderpolitik darin verortet. Es wird aber auch die Frage gestellt, worin die Entstehungsbedingungen und strukturellen Grundlagen der heutigen Genderordnung und der spezifischen Genderverhältnisse in der japanischen Gesellschaft liegen. Kann unter diesen Umständen die Regierung mit ihrem neuen Konzept Erfolg haben? In welche Richtung sollte man denken, um in der japanischen Gesellschaft eine wirkliche Erneuerung ermöglichen zu können?

Anschließend wird es wie immer eine Diskussionsrunde mit Publikumsbeteiligung geben. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Filmvorführung: 不思議なクニの憲法

fushigiEine besondere Gelegenheit: Am Dienstag, 30. August 2016, wird der Dokumentarfilm Fushigi na kuni no kenpô 不思議なクニの憲法 (2016) kostenlos im Düsseldorfer Kino Black Box, Schulstraße 4, gezeigt. Die Regisseurin Matsui Hisako wird persönlich anwesend sein und mit dem Publikum über den Film diskutieren! Hier gibt es einen Text, in dem Matsui ihre Motivation und den Inhalt des Films vorstellt.

Der Film schließt an die aktuelle Debatte um die von der Regierung Abe geplante Änderung der japanischen Verfassung an. Der Film hat das Ziel, über die japanische Verfassung und deren historischen Hintergrund zu informieren, die Debatte um die japanische Verfassung ins Volk zu tragen und das Bewusstsein für die Problematik zu stärken. Ein sehr aktuelles und hoch brisantes Thema!

Einlass ins Kino ist um 18 Uhr, die Vorführung startet um 18.30 Uhr. Englische Untertitel zu dem Film sind derzeit noch in Arbeit und werden wahrscheinlich rechtzeitig zur Vorführung fertiggestellt. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Matsui Hisako ist eine gesellschaftspolitisch sehr engagierte Regisseurin, die sich u.a. als eine der ersten mit den Themen Alter(n) und Demenz auseinandergesetzt hat (in den Filmen Yukie, 1998 und Oriume, 2002) und die in Nani o osoreru („What are you afraid of?“, 2015) Vorreiterinnen der japanischen Frauenbewebung portraitiert.

Hier der Trailer zu dem Film:

 

Vortrag: Religion und Politik in Japan

Axel Klein vom DIJ Tokyo besucht am Mittwoch, 15. Juni, unser Institut und hält einen sehr interessanten Vortrag: Religion und Politik in Japan – Der Fall der „Wissenschaft vom Glück“. Die „Wissenschaft vom Glück“ (Kōfuku no kagaku) ist eine sogenannte „Neue Religion“, die in Japan politschen Einfluss sucht und auch in Düsseldorf eine Niederlassung hat. Treffpunkt zum Vortrag ist um 18.30 Uhr im Raum 81. Wir hoffen, dass viele diese tolle Gelegenheit wahrnehmen!

Abstract des Vortrages:

Tempel der WvG in Tokyo; Foto: Flickr cc, sarmoung

Das Verhältnis von Religion und Politik hat beginnend mit der islamischen Revolu­tion im Iran 1979 weltweit an Aufmerksamkeit gewonnen. Seither sind zahlreiche Staaten und Regionen Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen geworden, doch dem Fall Japan wurde bis heute vergleichsweise wenig Beachtung zuteil. Dabei treten hier einige religiöse Organisationen als einflussreiche Akteure im politi­schen System in Erscheinung. Es handelt sich dabei nicht in erster Linie um repräsentative oder gar eine Mehrheit der Bevölkerung einschließende Institutionen des Buddhismus oder Schintoismus. Vielmehr sind es meist so genannte „Neue Religionen“ (shinshūkyō) bzw. ihre noch jüngeren Artgenossen der „Neuen Neuen Religionen“ (shin shinshūkyō), die beispielsweise einzelne politische Forderungen aus ihrer Lehre entwickelten und damit an Regierung und Parteien herantraten. In wenigen Fällen entwarfen diese Glaubensgemeinschaften aber auch eine umfangreiche politische Agenda und schufen darauf aufbauend eine politische Partei. Der bisher letzte Versuch, eine religiöse Partei im japanischen Parteiensystem zu etablieren, erfolgte 2009 durch die Kōfuku no kagaku („Die Wissenschaft vom Glück“, kurz: WvG) und ist Gegenstand dieses Vortrags.