Schlagwort-Archiv: Japonismus

Projektseminar mit Theateraufführung

Im Sommersemester bieten Christian Tagsold und Elisabeth Scherer ein besonderes Projektseminar an: „Japan in der westlichen Populärkultur um 1900“. Das besonderes dabei ist, dass wir gemeinsam ein Papiertheater bauen, ein Stück einstudieren und im Oktober öffentlich vorführen. Termin für das Seminar ist mittwochs um 16.30 Uhr, es wird aber auch Blocktermine am 1. und 2. Juni geben. Das Seminar gehört zum kulturwissenschaftlichen Themenmodul (KTM), kann aber auch im Wahlpflichtbereich (BA und MA) angerechnet werden, wenn sich die betreffende Person als Schauspieler/in oder Musiker/in in das Stück einbringt. Grundsätzlich sind alle kreativen Vorschläge sehr willkommen!
Die Anmeldung erfolgt über das LSF.

Zum Seminarinhalt

Japan nimmt seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen prominenten Platz in der Imagination des Westens zum Fremden und Exotischen ein. Das schlägt sich  in der Populärkultur der Zeit deutlich nieder. Operetten wie „Madame Butterly”, Romane wie „Madame Chrysanthème” des französischen Autors Pierre Loti oder die Begeisterung für ukiyoe in der Kunst verleihen der Begeisterung Form. Eine wichtige Rolle für die Verbreitung von Japan im Westen sind dabei die Weltausstellungen, die in dieser Zeit die Massen anziehen und begeistern. Das Seminar wird diese Themen aufgreifen und mit einem konkreten Projekt verbinden, das die imaginäre Exotik greifbar werden lässt.

Um 1900 war Papiertheater in Europa ein beliebtes Spielzeug für Kinder. Diverse Hersteller produzierten alles, was man brauchte, um eigene Aufführungen zum Erfolg zu führen: Vordrucke für Figuren, Szenen und kleine Theaterbauten ebenso wie die passenden Stücke. Wir werden im Seminar ein japanisches Stück inszenieren und die passenden Charaktere und Bühnenhintergründe dazu mit Hilfe von Reproduktionen der Zeit herstellen. Das Stück wird am Ende von uns öffentlich aufgeführt werden.

Ringvorlesung: (Un)Cool Japan? Architektur, Gärten, Kunst

AK IGA 1963 Hamburg ST

Im Sommersemester geht es bei uns um das vermeintlich „uncoole“ Japan. Prof. Christian Tagsold veranstaltet zusammen mit dem Institut für Kunstgeschichte die Ringvorlesung „(Un)Cool Japan? Architektur, Gärten, Kunst“. Geboten werden vom 2.5.–11.7.2017 im Haus der Universität vier spannende Vorträge von Kunst- und Architektur-Expertinnen.

Zum Thema
Popkulturelle Elemente und Produkte sind seit einigen Jahren fester Bestandteil der japanischen Kulturdiplomatie. Manga und Anime, die japanische Form von Comics und Zeichentrickfilmen, erfreuen sich weltweiter Beliebtheit und überstrahlen unser bisheriges Japanbild zunehmend. Bedeutet das aber, dass ältere kulturelle Praktiken heutzutage uncool sind? Haben japanische Architektur, Gärten und Kunst ihre Bedeutung für uns eingebüßt? Oder müssen wir den Blick noch einmal neu justieren?
Ein Punkt darf dabei nicht unterschlagen werden: Die Positionen von West und Ost waren lange nicht symmetrisch und gleichberechtigt, sondern durch imperialistische Machtverhältnisse bestimmt. Die Verhandlungen über Architektur, Gärten oder Kunst knüpften sich in diesem Kontext an westliche Vorstellungen von der Authentizität des Fremden und Exotischen. Die Ringvorlesung wird das (un)coole Japan in dieser Hinsicht vorstellen und neu bewerten.

Die einzelnen Vorträge der Ringvorlesung: Weiterlesen

Anfang Juni: Volles Programm in Frankfurt!

NC15_postcard_web_jpAnfang Juni ist in Frankfurt so einiges geboten – vor allem an Film Interessierte kommen auf ihre Kosten!

Die Veranstaltung „Schrift & Film und Film & Schrift“ widmet sich unter anderem dem großen japanischen Regisseur Ozu Yasujirô. Am 1. Juni 2015 gibt es verschiedene Vorträge zum Kino an der Uni Frankfurt, Campus Westend. Abends wird Ozus Film Sanma no aji (An Autumn Afternoon) im Pupille-Kino gezeigt. Am 2. Juni wird die Veranstaltung fortgesetzt mit Performance und Workshop im Klingspor-Museum in Offenbach. Das gesamte Programm ist hier zu finden.

Vom 2. bis 7. Juni bietet in Frankfurt das japanische Filmfestival „Nippon Connection“ wieder einen umfangreichen Einblick in das japanische Gegenwartskino. Rund 100 neue Produktionen aus allen Genres werden zu sehen sein, u.a. neue Filme von Miike Takashi und SABU sowie Psycho-Pass: The Movie. Darüber hinaus gibt es ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, japanisches Essen und der berühmte Schauspieler Asano Tadanobu ist zu Gast. Das Programm gibt es hier.

Zeitgleich mit Nippon Connection findet Freitag und Samstag, 5. und 6. Juni 2015, auch die Kinema Club Konferenz an der Uni Frankfurt statt, ein Treffen international rennomierter Filmwissenschaftler mit spannenden Vorträgen. Das Thema ist: „Film and Moving Images from Japan NOW – Film in the New Media Ecology“. Alle weiteren Informationen dazu finden Sie hier.

japoZudem bietet das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Samstag, 6. Juni, ein Symposium zum Thema „160 Jahre Japonismus“, bei dem spannende Vorträge zu Themen wie japanischer Farbholzschnitt, Japonismus in der Typographie und Murakami Takashi auf dem Programm stehen. Hierfür ist eine Anmeldung notwendig, die Informationen gibt es hier.

Ausflug zur Japonismus-Ausstellung am 11. November

Wie im Blog bereits berichtet wurde gibt es momentan im Museum Folkwang in Essen eine interessante Ausstellung zum Thema Japonismus mit Werken sehr bekannter und beliebter westlicher Künstler wie Monet, Gauguin und Van Gogh und japanischer Künstler wie Hiroshige und Hokusai, die diese inspirierten.

Am Dienstag den 11. November organisiere ich deshalb einen Ausflug inklusive einer Führung für Studierende des Fachs Modernes Japan und allgemein Interessierte.

Die Führung beginnt um 16 Uhr und dauert eine Stunde. (Die Abfahrtszeit ab der Haltestelle Universität Ost ist 14 Uhr. Eine individuelle Anfahrt ist natürlich auch möglich.)

Katsushika Hokusai, Die große Welle vor der Küste bei Kanagawa, 1830–1831, aus 36 Ansichten des Berges Fuji, Privatsammlung, © Foto: Museum Folkwang

Katsushika Hokusai, Die große Welle vor der Küste bei Kanagawa, 1830–1831, aus 36 Ansichten des Berges Fuji, Privatsammlung, © Foto: Museum Folkwang

Da die Ausstellung sehr beliebt ist, sind bereits viele Termine für private Führungen vergeben und die öffentlichen dementsprechend voll. Wer also Interesse hat, sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen.

Für Studierende kosten Eintritt und Führung zusammen 12 Euro, ohne Studierendenausweis kostet es 17 Euro.

Da es nur 20 Plätze gibt, bitte ich um eine verbindliche Anmeldung bis zum 07. November per Mail (klasens@phil.uni-duesseldorf.de) oder telefonisch (0211 81 10819).

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Japonismus-Ausstellung mit Beteiligung unseres Instituts

japonismus_essenIm Museum Folkwang in Essen läuft derzeit die Ausstellung „Monet, Gauguin, van Gogh… Inspiration Japan“, die den bedeutenden und spannenden Einfluss der japanischen Kunst auf die westliche Kunst zeigt. Frau Prof. Dr. Michiko Mae, war für diese Ausstellung beratend tätig, hat einen Katalogbeitrag verfasst und wird einen Vortrag halten. Weiterlesen

Soiree mit Buchpräsentation „Nipponspiration“

nipponspiration_V08_e1.inddAm Donnerstag, den 14. November 2013 wird im Haus der Universität in der Innenstadt das neue Buch „Nipponspiration. Japonismus und japanische Populärkultur im deutschsprachigen Raum“ vorgestellt. Dieses Buch wurde herausgegeben von Prof. Michiko Mae und Dr. Elisabeth Scherer von unserem Institut.

Das Buch beschäftigt sich mit verschiedenen Wellen der Inspiration zwischen Japan und dem deutschsprachigen Raum. Grob orientiert an den beiden Phänomenen des Japonismus zum auslaufenden 19. Jahrhundert und der wachsenden Beliebheit japanischer Populärkultur zum Ende des 20. Jahrhunderts, beschäftigen sich die einzelnen Artikel mit den verschiedensten Bereichen der kulturellen Inspiration, von den Künstlern des Jungen Rheinlandes, über die Wiener Moderne, bis hin zu Hello Kitty und Gothic Lolita in Deutschland. Weiterlesen

Spannendes zwischen „Japonismus und Japanimation“

Sei es Van Gogh, der mit dem Pinsel die Linienführung japanischer Holzschnitte übernahm und damit die Landschaft der Provence lebendig auf Papier bannte, seien es deutsche Mangaka, die heute im Stil japanischer Comics Fantasiegeschichten zeichnen – der kulturelle Austausch zwischen Japan und dem Westen ist seit dem 19. Jahrhundert sehr fruchtbar. Bei dem vom Instiut für Modernes Japan veranstalteten Symposium „Vom Japonismus zur Japanimation“ vergangenen Freitag im Goethe-Museum Düsseldorf wurde die Vielfalt dieser kulturellen Austauschprozesse in sechs Vorträgen aufgezeigt.

Der Cellist Thomas Beckmann, Initiatorin Michiko Mae, der Leiter des Goethe-Museums Volkmar Hansen und der Rektor der HHU, Hans Michael Piper; Foto: David Pham

Michiko Mae, die Initiatorin des Symposiums, stellte heraus, dass die Auseinandersetzung mit der japanischen Kunst für die europäischen Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts einen schöpferischen Prozess in Gang gebracht habe, der ihnen neue künstlerische Gestaltungsformen ermöglichte und einen wesentlichen Faktor für die Hervorbringung der Moderne darstellte. „Die japanische Kunst nahm damals die Rolle des Befreiers und des Helfers ein.“ Mae sieht auch in der gegenwärtigen weltweiten Beliebtheit japanischen Populärkultur wie Anime, Manga und Cosplay ein solches Potential zum „Katalysator“: „Diese Werke der Popkultur können eine subversive und emanzipatorische Wirkung entfalten.“

Dennoch zeige sich in der aktuellen Medienberichterstattung zur Dreifachkatastrophe in Japan, dass das deutsch-japanische Verhältnis immer noch von Topoi der Fremdheit bestimmt sei. So sei von den „stoischen Japanern“ die Rede und es kämen Erklärungsversuche auf, die vom Ehrenkodex der Samurai bis zu den Kamikaze-Fliegern reiche. „Das liegt daran, dass wir Kulturen immer noch als Nationen denken, als geschlossene Einheiten“, erklärte Mae. Die Professorin plädierte daher für ein Verständnis von Kultur als ein sich öffnender lebendiger Prozess, was unter dem Begriff der „Transkulturalität“ gefasst werden kann.

Susan Napier; Foto: David Pham

Susan Napier, die eigens von der Tufts University (Boston) angereist war, unternahm in ihrem Vortrag eine kritische Neuansicht des Orientalismus-Konzeptes von Edward Said. Ihrer Meinung nach reicht es nicht aus, die Beziehung zwischen Japan und dem Westen nur unter den Vorzeichen von Dominanz und Macht zu betrachten. Als Kategorien der Betrachtung schlägt sie vor: Power, Pleasure, Play, Liberation, Compensation und Critique. Die Vielfalt der Japan-Rezeption, die Napier in ihrem Vortrag sehr anschaulich darstellte, reichte von den französischen Impressionisten über den Film „Rising Sun“ (Philip Kaufman, 1993) bis zu den Einflüssen von Miyazakis Anime auf die Pixar-Filme.

Wie sich die Idee von dem „typisch japanischen Garten“ im Westen entwickelte, zeigte Christian Tagsold vom Institut für Modernes Japan auf. Die ersten japanischen Gärten Europas waren im 19. Jahrhundert auf den Weltausstellungen zu sehen. „Damals gab es noch keinen Wissenskanon zu japanischen Gärten“, erklärte Tagsold. So hätten beide Seiten – der Westen, aber auch Japan selbst – die Idee von einem japanischen Garten erst noch formulieren müssen.

Christian Tagsold; Foto: Larysa Harke-Demydenko

Eine Möglichkeit, vermeintliche Authentizität zu schaffen, war der Einsatz von japanischen Gartenbaumeistern. Als in Düsseldorf 1904 zur internationalen Kunst- und Gartenbauausstellung der erste japanische Garten Deutschlands auf dem heutigen Tonhallengelände angelegt wurde, war der Baumeister allerdings ein Deutscher, der Gartenarchitekt Reinhold Hoemann. Nach Eigenaussage der Macher entstand der Garten dennoch „streng nach japanischem Vorbild“: Eine Foto des Fukiage-Parks in Tokyo diente als Vorlage. Dies zeigt, welche große Bedeutung die Fotografie schon um die Jahrhundertwende für das Japan-Bild im Westen erlangt hatte.

Welche Kompositionsprinzipien deutsche Künstler aus der japanischen Kunst übernahmen erläuterte Claudia Delank, die in Köln eine Galerie unterhält und an der Kunstakademie Düsseldorfs als Lehrbeauftragte tätig ist. Sie konzentrierte sich dabei vor allem auf die Künstler des „Jungen Rheinlandes“, einer Künstlervereinigung, die 1919 in Düsseldorf gegründet wurde. Zu der Gruppe gehörte unter anderem August Macke, der schon 1905 Interesse an japanischer Kunst entwickelt hatte, zunächst Manga von Hokusai abzeichnete und dann Prinzipien wie die Betonung von Körperumrissen mit schwarzen Linien in sein eigenes künstlerisches Schaffen integrierte.

Claudia Delank; Foto: L. Harke-D.

Weitere Mitglieder der Vereinigung, die sich von Japan inspirieren ließen, waren Georg Oeder, Heinrich Nauen, Walter Ophey und Otto Pankok. „Die Maler des rheinischen Expressionismus gewannen durch die Anregungen aus der japanischen Kunst eine neue Sehweise“, erläuterte Delank. Es sei nicht mehr Ziel gewesen, ein illusionistisches Abbild zu schaffen, sondern stattdessen das Wesen der Dinge zu erkennen und in eine eigene Formensprache zu übersetzen.

Ausgangspunkt des Vortrages von Stephan Köhn von der Japanologie Erlangen war eine Verschärfung der Zensur populärkultureller Produkte, die letztes Jahr, unter anderem auf Initiative des Gouverneurs von Tokyo, Ishihara Shintarô, in Japan eingeführt wurde. Durch diese Zensurverschärfung, die vor allem auf mögliche kinderpornographische Elemente abzielt, könnte es massive Probleme zum Beispiel für Manga aus dem sogenannten „Boys‘-Love“-Genre geben, deren Thema homoerotische Beziehungen zwischen Knaben bzw. männlichen Jugendlichen sind. Boys‘-Love-Manga werden vor allem von Frauen konsumiert, die in der Partnerschaft zweier Jungen die ultimative Liebesbeziehung sehen.

Stephan Köhn; Foto: L. Harke-D.

Eine Politisierung japanischer Populärkultur findet aber nicht nur im Bereich der Zensur statt. Wie Stephan Köhn aufzeigte, stellen teilweise die gleichen Akteure Manga und Anime in den Dienst eines „Kulturnationalismus light“, der Japans „Pop-Power“ als wichtiges Exportgut sieht. Subkulturelle Gruppen wie die Otaku – Menschen, die sich durch extremen Konsum populärkultureller Medienprodukte auszeichnen – werden so einerseits als eine Art „Kulturbotschafter“ ins Licht der Öffentlichkeit gedrängt und staatlicherseits vereinnahmt, andererseits werdem die Produkte, die sie konsumieren, sehr kritisch beäugt und der Zensur anheimgestellt.

Steffi Richter; Foto: L. Harke-D.

„Nach cool Japan“ war das Thema von Steffi Richters Vortrag, der sich auch stark auf die aktuellen Ereignisse in Japan bezog und problematisierte, welche Auswirkungen die Dreifachkatastrophe haben wird – auf die Gesellschaft insgesamt, aber auch auf die Populärkultur. Unmittelbar spürbare kleine Indizien waren zum Beispiel, dass einige Computerspiele mit Katastrophen- oder Atomthemen, die in Japan kurz vor der Veröffentlichung standen, gestoppt wurden. Der Kulturkritiker Azuma Hiroki, der für seine Untersuchungen des Otaku-Phänomens bekannt ist und sonst keinesfalls nationalistische Tendenzen erkennen lässt, äußerte in der New York Times Bewunderung für den Zusammenhalt der japanischen Nation und nutzte dabei eine Popkultur-Vokabel: „the Japanese people seem to have completely transformed their kyara.“

Ôtsuka Eiji, ein Autor und Kulturkritiker, der sich ebenfalls sehr stark mit Popkultur auseinandersetzt und in einem seiner neuesten Werke die „Cool Japan“-Kampagne als „Irrläufer der Ökonomie in Krisenzeiten“ bezeichnet, hat sich bisher nicht zur Katastrophe in Japan geäußert. Steffi Richter stellte jedoch einen Text von ihm vor, in dem er sich bereits 1988 mit der Anti-Atombewegung in Japan auseinandersetzte. Ôtsuka betrachtete die Bewegung damals als Mode-Welle, der das Bewusstsein dafür fehlte, dass wir selbst den radiokativen Müll als Schmutz der Stadt hervorbringen. „Ôtsuka hat einen sehr scharfen Blick für Systemfragen“, stellte Richter fest. „Er zeigt hier ganz klar unser Involviertsein auf.“