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Fukushima-Filme zeigen Leben mit der Strahlung

Die Trauer um die Toten, der Verlust von Heimat, wirtschaftlicher Niedergang – die Katastrophe vom 11. März 2011 ist innerhalb kurzer Zeit im japanischen Film schon von vielen Seiten beleuchtet worden. Unter den japanischen Beiträgen bei der diesjährigen Berlinale beschäftigten sich die Spielfilme Kujira no machi, Tôkyô kazoku und Cold Bloom mit der Katastrophe. Die Atomkatastrophe und die verheerenden Folgen der austretenden Radioaktivität allerdings waren bisher nur im Bereich des Dokumentarfilms präsent (z.B. Nuclear Nation, Friends after 3.11, Radioactivists).

nipponDas hat sich jetzt geändert: Beim diesjährigen japanischen Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt gab es gleich zwei Spielfilme, die sich mit der unsichtbaren nuklearen Bedrohung auseinandersetzen. Kibô no kuni (“Land of Hope”) von Sono Sion spielt in einer Zukunft, in der in Japan erneut ein Reaktor zerstört wird. Durch die Protagonisten – ein altes Bauernpaar, ihren Sohn und dessen schwangere Frau – erlebt der Zuschauer Ausweglosigkeit und verzweifeltes Aufbäumen. Odayakana nichijô (int. Titel “Odayaka”) schildert in schlichten, alltagsnahen Bildern die Reaktionen der Menschen auf die Katastrophe irgendwo im Großraum Tokyo. Der Regisseur Uchida Nobutera konzentriert sich dabei auf zwei Frauenfiguren, die sich um die Gesundheit der Kinder sorgen, mit ihren Befürchtungen jedoch den Missmut ihres Umfeldes auf sich ziehen.

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“Gästezimmer” mit Performance und Film zu Fukushima

Die Düsseldorfer Hans-Peter-Zimmer-Stiftung veranstaltet am Samstag, 23. Juni, ab 20 Uhr ein “Gästezimmer”, das sich mit der Katastrophe in Japan und den Folgen auseinandersetzt.

Die Choreographin Chikako Kaido sucht in ihrem Performance-Solo Today I‘ve Had An Infusion nach Verarbeitungstrategien und bringt die Hilflosigkeit gegenüber dieser Dramatik auf eine sehr körperliche Art zum Ausdruck. Unterstützt wird die Künstlerin dabei von Antonio Stella und Shunsuke Oshio (Ai) begleitet die Aufführung musikalisch. Im Anschluss wird der Dokumentarfilm Radioactivists der beiden deutschen Filmemacherinnen Julia Leser und Clarissa Seidel gezeigt, der sich der Protestbewegung in Japan nach Fukushima widmet. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, mit den Filmemacherinnen über ihr Werk zu diskutieren.


Kontakt/Adresse: 

Hans Peter Zimmer Stiftung
Ronsdorfer Str. 77a im ehemaligen CON-SUM
D-40233 Düsseldorf
+49-211 733 81 36
info@hpz-stiftung.org


Kurzvorstellung des Films “Radioactivists”

Seit der Katastrophe am 11. März erlebt Japan gesellschaftspolitische Erschütterungen von historischer Bedeutung. Besonders in Tokio entfacht ein Protest, der sich vor allem  gegen die Regierung, Atomaufsichtsbehörde und den Energiekonzern TEPCO richtet. Straßenproteste galten hier bisher als seltener Anblick. Eine Protestkultur ist im Japan der „nuller“ Jahre quasi nicht existent. Eine Ausnahme bildet lediglich die Gruppe kreativer Aktivisten des Shirōto no ran, dem „Aufstand der Amateure“. In dem alternativen Viertel Kōenji treten sie für mehr Freiheit im öffentlichen Raum Tokios sowie eine einfallsreiche Do It Yourself-Kultur ein.

Die Aktivisten um Shirōto no ran organisierten am 10. April, knapp einen Monat nach der Katastrophe, die größte Demonstration in Japan seit den 1970er Jahren. Mehr als 15.000 Teilnehmer demonstrierten an diesem Tag gegen Atomkraft. Dabei geht es den meisten Aktivisten der japanischen Anti-Atom-Demos um mehr als den Atomausstieg. Sie wollen auch auf die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die fehlenden Freiräume für ihre persönliche Entfaltung aufmerksam machen.

Der Dokumentarfilm ‘Radioactivists – Protest in Japan seit Fukushima’ setzt an dieser Stelle an, begleitet die Protestbewegung, zeigt die Hintergünde auf und lässt die kritischen Stimmen zu Wort kommen, die – nicht nur in Japan – immer lauter werden.

Ein Fukushima-Film von Iwai Shunji: “Friends after 3.11″

“Friends after 3.11″ von dem bekannten Independent-Regisseur Iwai Shunji ist eigentlich kein Film für die große Leinwand. Hauptsächlich zeigt er “talking heads”, das heißt Menschen die Fragen stellen – in diesem Fall sind das der Regisseur selbst und die Schauspielerin Matsuda Miyuki – und Menschen, die darauf antworten. Weil sich “Friends after 3.11″ aber mit der Katastrophe in Japan beschäftigt und der Film damit eine große Aktualität und Brisanz besitzt, hat es die Dokumentation dennoch auf die Berlinale geschafft. In Japan wurde der Film in einer anderen Version im Fernsehen gezeigt, ab 10. März lauft er auch im Kino.

Es ist ein sehr breites Themenspektrum, das Iwai Shunji mit den Interviews anspricht, die er gemeinsam mit Matsuda Miyuki geführt hat, denn die Gesprächspartner könnten diverser nicht sein: Ein Teenie-Star in Schuluniform, der gegen Atomkraft protestiert, Professoren, den Vorsitzenen einer NGO, die sich gegen Selbstmord einsetzt, der Schauspieler Yamamoto Tarô, Journalisten und Regisseure. Viele sind enge Freunde des Regisseurs, der Film war Iwai ein großes Anliegen. Trotz dieser Vielfalt und Motivation bleibt der Ertrag jedoch leider oft dünn und bewegt sich im Bereich von Allgemeinplätzen.

Mitfühlen kann man immerhin mit Kitagawa Eriko, einer Drehbuchautorin, die ihre Sorgen als Mutter äußert und schildert, wie sie sich seit Fukushima fühlt, wenn sie Essen geht: “Ich überlege dann, wo die Zutaten wohl herkommen mögen. Wenn ich aber den ersten Bissen nehme, dann schmeckt es einfach nur lecker.” Genau diese Unsichtbarkeit der Gefahr, die von der atomaren Verseuchung ausgeht, ist immer wieder Thema der Gespräche. Alles sieht so normal aus.

Skurril wirkt der Auftritt von Professor Takeda Kunihiko, der dazu aufruft, mehr CO2 auszustoßen und eine baldige Eiszeit ankündigt. Immerhin spricht er, der bei Asahi Kasei für Forschung zur Urananreicherung zuständig war, sich mittlerweile klar gegen Atomkraft aus.  Ein anderer Professor, Koide Hiroaki (Universität Kyôto), entschuldigt sich, dass er nichts gegen die Katastrophe tun konnte. Seit langem forscht er im Bereich Nuklearenergie und ist mit wachsender Erkenntnis zu einem entschiedenen Gegner der Technik geworden. Viele verstünden den Ernst der Lage nicht: “Die Situation jetzt gerade ist schlimmer als Krieg”, ist sein Fazit zu Fukushima.

Einige aufschlussreiche Momente also hat der Film, was ihm aber im Vergleich zu dem bewegenden Dokument “Nuclear Nation” weitgehend fehlt ist Unmittelbarkeit und Emotionalität. Auch wenn einige Aufnahmen aus dem Katastrophengebiet eingestreut sind, es ist doch hauptsächlich ein “Sprechen über” und kein “Zeigen”, das in “Friends after 3.11″ geschieht. So beklagt die Regisseurin Kamanaka Hitomi, dass umliegende Gemeinden in der Vergangenheit von den Fukushima-Reaktoren profitierten und die Menschen dafür die Schönheit ihrer Dörfer opferten – und blendet dabei die Hintergründe ebenso aus wie die Tatsache, dass die Reaktoren vor allem für Tokyo und andere große Städte (und damit für alle) gebaut wurden.

Als emotionaler Höhe- und Schlusspunkt mit Musikuntermalung muss schließlich herhalten, wie Fujinami Kokoro, das Teenie-Sternchen, beim Besuch in den vom Tsunami zerstörten Gebieten in Tränen ausbricht. Iwai Shunji wollte in seinem Film viel zusammenbringen; es wäre wohl besser gewesen, sich zu beschränken.

Als Film mag “Friends after 3.11″ mehr oder weniger gescheitert sein, als Projekt hat Iwai Shunjis Engagement aber jetzt schon einen großen Erfolg zu verzeichnen. “Friends after 3.11″ zeigt, dass es in Japan viele Intellektuelle, Stars und auch Sternchen gibt, die sich sehr kritisch äußern und ihre Bekanntheit nutzen, um auf Ihr Anliegen – einen anderen Umgang mit der Katastrophe und den Ausstieg aus der Atomkraft – aufmerksam zu machen.

Teile von “Friends after 3.11″ können auf der Webseite von Shunji Iwai angesehen werden. Gemeinsam mit Matsuda Miyuki und anderen veranstaltet Iwai die sogenannten ロックの会, die dem Austausch zu Katastrophe und Kernenergie dienen. Informationen dazu gibt es auf einer Webseite und bei facebook.

Fukushima-Filme auf der Berlinale: “Nuclear Nation”

Etwas weniger japanische Filme sind dieses Jahr bei der Berlinale vertreten, dafür aber um so wichtigere: Gleich drei Dokumentationen beschäftigen sich mit der Katastrophe vom 11. März.
Auch wenn manch einer das Gefühl haben mag, übersättigt zu sein vom Bildmaterial, das viele Monate die Medien überflutete – verwüstete Landschaften, wirr aufeinandergestapelte Überreste von Häusern, verzweifelte Menschen – auch wenn kritisiert wurde, dass “jeder, der eine Kamera halten kann” versucht hat, in Nordjapan zu drehen: Filme wie “Nuclear Nation” haben einen großen Wert, sie können ganz andere Einblicke gewähren als Nachrichtenbilder oder Online-Bildergalerien mit den spektakulärsten Aufnahmen der Verheerung.

Und es ist eben nicht die bloße Verheerung, die der Regisseur Funahashi Atsushi in den Mittelpunkt seines Films stellen will, sondern es ist das Leben der Menschen, die am schwersten von der Katastrophe betroffen sind, und das Warten dieser Menschen. “Deshalb musste der Film auch so lang werden”, erklärt er dem Berlinale-Publikum, “ich wollte damit auch zeigen, wie sich das anfühlt, dieses Warten”. Über 145 Minuten (leider nicht sehr virtuos geschnitten) sehen die Berlinale-Zuschauer, wie die Bewohner des Ortes Futaba auf ihr neues Leben warten. Und sie erfahren, dass auch jetzt noch, während der Berlinale, eine große Anzahl der Menschen aus Futaba in einer Schule in Saitama, ganz in der Nähe von Tokyo, auf engstem Raum wohnt.

Futaba ist ein Ort, der einmal etwas über 7000 Einwohner hatte und direkt neben den Atomanlagen von Fukushima liegt. Über 40 Jahre hat der Ort profitiert von der Atomenergie, sie sorgte für Arbeitsplätze, brachte eine schöne Bibliothek ein, einen Sportplatz … jetzt gibt es keine Menschenseele mehr in Futaba, und in den nächsten fünf Jahren wird dort nur Atommüll aus dem havarierten Kraftwerk eine neue Wohnstatt finden. Auch ob danach wieder Menschen dort leben können, weiß man nicht. Futaba existiert nicht mehr an einem festen Ort, es wandert. 1400 Bewohner wurden zusammen evakuiert, wurden von Halle zu Halle umgesiedelt, bis sie schließlich in der Schule in Saitama landeten.

Funahashi hat für “Nuclear Nation” nicht mal eben “die Kamera draufgehalten”. Er hat die Bewohner von Futaba über Monate begleitet und will es auch weiter tun, “bis sie einen Ort zum Leben gefunden haben”, wie er sagt. Die Aufnahmen von der Männerrunde, die im Kunstraum fröhlich ihren Sake trinkt, von dem jungen Mann, der um seine Mutter trauert und ihr Bild auf einem Smartphone zeigt, von der morgendlichen Gymnastik, von Konzerten – all das wurde nur möglich, weil Funahashi über Wochen immer wieder da war, zunächst ohne Kamera, um das Vertrauen der Menschen aus Futaba zu gewinnen.

Was würde man haben wollen, wenn man nur ganz wenige seiner Besitztümer retten könnte? Die Bewohner von Futaba durften für zwei Stunden zurück in ihr altes Leben, im Schutzanzug, um ein paar Habseligkeiten aus der verseuchten Heimat zu holen. Ein Mädchen will ihr Tagebuch, eine alte Frau ein Jackett mit Blumen und ihr Mann seine DVD-Sammlung: Mad Max 1 bis 3, Planet der Affen 1 bis 5, Dirty Harry. Die Aufnahmen aus der “Todeszone” gehören zu den beeindruckendsten des Films.

“Nuclear Nation” hat viele Helden: Den Bürgermeister von Futaba, der vor wenigen Jahren noch für den Bau von weiteren Reaktoren war und sich jetzt mit einer Videobotschaft an die Berlinale-Zuschauer wendet und sich gegen Atomkraft ausspricht. Den Bauern, der seine Kühe weiter versorgt, obwohl die Regierung will, dass sie getötet werden und sich Fleisch und Milch sowieso nicht mehr verkaufen lassen, denn die Tiere weiden 14 Kilometer nah an der Reaktoren-Leiche. Die Menschen aus Futaba, die in Tokyo auf die Straße gehen und protestieren.

“Nuclear Nation” ist natürlich auch ein politisches Statement, das verrät schon der Titel. Funahashi hat für seine Sache einen prominenten Unterstützer gefunden: Sakamoto Ryûichi, selbst Atomkraftgegner, hat sich mit einem Lied für den Abspann beteiligt und stand auch mit auf der Berlinale-Bühne. Vielleicht hilft die internationale Aufmerksamkeit Futaba ein wenig – denn bisher hat der Bürgermeister Idogawa noch gegen viele Widerstände zu kämpfen, wie der Film klar macht. Als er seine sehr emotionale Rede vor einem Atom-Ausschuss hält, ist der Minister schon gegangen. Wichtige Termine.

Morgen geht es weiter mit Iwai Shunjis Beitrag, “Friends after 3/11″, einem weiteren Blickwinkel auf das Thema.

 

Infos zu “Nuclear Nation” und Fotos gibt es auch auf der offziellen Webseite des Films und auf der Berlinale-Seite.

 

Berlinale-Nachlese: Sona – the Other Myself

Ein großer Pluspunkt der Berlinale ist es, durch Filme Einblicke in Länder und Gesellschaften zu bekommen, zu denen man normalerweise keinen Zugang hat. Schon allein deshalb ist der Dokumentarfilm Sona – the Other Myself (2009) ein lohnender Film. Wo sonst kann man ein Nordkorea abseits von Militärparaden und Propaganda erleben und am Leben einer ganz normalen Familie in Nordkorea teilhaben?

Zwar dringt das Politische auch in das gezeigte Privatleben ein, z.B. wenn die kleine Sona vor der Kamera Lieder über den „großen Führer Nordkoreas“ singt. Zudem ist Yangs Familie durch ihren engen Kontakt mit Japan auch nicht unbedingt typisch. Dennoch kann man ein Nordkorea erleben, das in der Berichterstattung der Medien sonst kaum einen Platz findet.

Sona – the Other Myself (ソナ、もうひとりの私) ist der zweite Dokumentarfilm der Japankoreanerin Yang Yong-hi, die sich schon in Dear Pyongyang (2005) mit ihrer Familiengeschichte zwischen Nordkorea und Japan auseinandergesetzt hat. Im Mittelpunkt von Dear Pyongyang stand Yangs Vater, der ein führendes Mitglied der nordkoreanisch affiliierten Organisation der koreanischen Minderheit in Japan war und in den 70er Jahren seine Söhne nach Nordkorea schickte, weil er in Japan keine Zukunft für sie sah und Nordkorea für die in Japan lebenden Koreaner als der sozialistische Himmel auf Erden dargestellt wurde. Yang, die ihren Vater dafür verantwortlich machte, dass ihre Familie auseinandergerissen wurde, versuchte durch ihren Film zu verstehen, warum ihr Vater dies tun konnte und besuchte ihre drei älteren Brüder und deren Familien in Pjöngjang.

Dear Pyongyang wie auch Sona zeigt Videos von den seltenen Familienzusammenkünften in Nordkorea auf der einen Seite, und von Yang Yong-his Eltern in Ōsaka auf der anderen Seite; von riesigen Care-Paketen, Briefen und langen Ferngesprächen am Telefon. Zusammengehalten werden die Szenen durch den Audiokommentar Yangs, der auch teilweise als Untertitel eingeblendet wird.

In Sona – the Other Myself geht es um die Nichte Yang Yong-his, die in Nordkorea lebt. 1995 begegnet sie Sona zum ersten Mal. In einem Interview sagte Yang sie habe sofort einen Film über ihre Nichte drehen wollen, aber zunächst an ein Familienvideo gedacht, das schrittweise das Erwachsenwerden Sonas verfolgt und das sie dann auf der Hochzeit Sonas zeigen wollte. Fünf Jahre später, als Yang in New York Dokumentarfilm studierte, griff sie die Idee von einem Film über ihre Familie wieder auf, aber fokussierte diesen auf ihren Vater, auch um ihre Familie in Nordkorea zu schützen. Das Material von Sona stammt größtenteils aus der gleichen Zeit wie die Aufnahmen aus Dear Pyongyang mit einigen ergänzenden neueren Aufnahmen.

Yang erkennt sich selbst in Sona wieder. Auch wenn sie nicht so weit geht, Sona als ein Spiegelbild ihrer selbst zu sehen, sieht sie doch deutliche Parallelen. Beide sind das einzige Mädchen in einer Familie mit drei älteren Brüdern. Beide mussten früh erleben, wie ihre Familie auseinanderbricht: Yang Yong-hi durch die Trennung von ihren Brüdern und Sona durch die Scheidung ihrer Eltern und später den Tod ihrer Stiefmutter. Und beide stehen an der Grenze zwischen zwei Kulturen: Yang Yong-hi als Angehörige der koreanischen Minderheit in Japan und Sona, durch ihre Kontakte zu ihrer Familie in Japan. Im Audiokommentar zu Sona – the Other Myself sagt Yang sie hoffe, dass sich dieser Kontakt für Sona nicht zu einer Bürde entwickle. Abgesehen davon ist es natürlich für Yangs Familie in Pjöngjang auch nicht ungefährlich namentlich in den Dokumentationen genannt zu werden.

Auch wenn Yang betont, dass ihre Familie ausdrücklich die Erlaubnis für ihr Projekt gegeben habe, wurde ihr vorgeworfen ihre Familie zu verkaufen.

Durch die Verwendung der Familienvideos hat der Film einen sehr privaten und intimen Charakter, der in manchen Szenen mit dem tatsächlichen Medium, dem eines Dokumentarfilms im Widerspruch zu stehen scheint. Wenn Yang beispielsweise ihren von einem Schlaganfall gezeichneten Vater filmt, wirkt der Blick der Kamera beinahe zu voyeuristisch.

Auf der anderen Seite, wenn man die Geschichte des Erwachsenwerdens Sonas und damit verbunden die Geschichte der ganzen Familie Yangs über einen längeren Zeitraum dokumentiert, dann ist es nur natürlich und ehrlich auch die Dinge zu zeigen, die zwar schmerzhaft sind, aber trotzdem zum Leben dazugehören.

Dadurch, dass Yang ihre privaten Erinnerungen mit uns teilt, macht sie uns zum Teil ihrer Familie. Wir nehmen Teil an ihrer Freude und ihrem Leid. Letztendlich ist es das, was diesen Film so besonders macht.

Den Trailer zu Dear Pyongyang findet Ihr hier.

Verfasst von Stephanie Klasen