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Und woher kommen Sie denn? – Queer als transkulturelle Kategorie

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Vera Mackie bei ihrem Vortrag. Foto: Vu Thuy Doan Huynh

In unserer Serie von studentischen Beiträgen zur Konferenz „Queerying Japan“ (6.–7. Juli 2018) ging es bisher um Märkte und Konsum sowie um die „Ehe für alle“. Heute schließt Matthias Düking die Reihe mit einem Beitrag über das Konzept der sexuellen Bürgerschaft ab. Er berichtet vor allem von dem Vortrag von Vera Mackie und nimmt Stellung zu ihren Thesen.

Nun gibt es in Deutschland Politiker, die Grenzen öffnen und andere, die Grenzen schließen wollen. Im letztgenannten Lager schwellen Tendenzen in verschiedene Richtungen an, um eine Form der Grenzziehung zu finden. Verhandelt wird dabei nicht nur die geografische Grenzhaltung, sondern auch die Grenzen vom Begriff der vermeintlichen einen  Kultur.
Die entbrannten Diskurse über Werte und Kultur in Deutschland suchen nach Bedeutung und haben unter anderem die Freiheit als wichtige Säule ausgemacht. In Deutschland werden Diskurse geführt, die sich, um Kultur zu machen, mit kultureller Pluralität und Gender auseinandersetzen. In diesem Zusammenhang habe ich die Vorträge des Symposiums „Queering Japan“ am Nachmittag des 6. Juli in Düsseldorf besucht und gehört.

Als zentraler Angelpunkt der Präsentationen steht der Begriff queer. Der Ausdruck ist vor allem im Hinblick auf die kulturelle Theorie der Queer Studies prominent, welche die Verhältnisse in der Triade zwischen den Begriffen des biologischen Geschlechts, Gender und Begehren untersucht. Queer soll hier als ein Sammelsurium von Identitätskonzepten verstanden werden, die zwar nicht der (hetero)normativen Gesellschaft entsprechen, aber dennoch eine lustvolle Existenz erzeugen können. In den verschiedenen Programmpunkten des Symposiums wurden  Reibungen beleuchtet, die unter diesen Gesichtspunkten zwischen Individuum und Gesellschaft entstehen können. Dabei kamen den Phänomenen in Japan natürlich besonderes Interesse zu, beschränkten sich jedoch nicht nur auf diese.

So hat Vera Mackie in ihrem Vortrag das Konzept der sexuellen Bürgerschaft vorgestellt und hinterfragt, was einen legalen Status in einem Staat ausmacht. Teilhabe an Staatsgeschehen oder an dessen gesellschaftliche Entwicklung kann über verschiedene Formen von Interventionen und an verschiedenen Orten erfolgen. Dafür müssen allerdings zunächst Rechte erlassen werden, welche Menschen die Freiheit an Teilhabe erst ermöglichen kann. So berichtet Mackie, dass in Australien zum Beispiel Frauen 1901 in den Genuss eines neuen Rechts kommen konnten, durch welches sie im Parlament sitzen und sie somit politische Akteurinnen werden konnten. So gesehen kann Freiheit als ein vom Staat gegebenes Recht verstanden werden, dass sich in der Gesellschaft entfalten muss. Weiterlesen

20. Gender-Workshop

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Flickr cc, CanadianAEh

Von 21. bis 22. November 2013 findet in Berlin der 20. Gender-Workshop Geschlechterforschung zu Japan statt. Tema ist: „Gender und andere Differenzen: neue Ungleichheiten oder neue Chancen in der Differenzgesellschaft (kakusa-shakai)?“ (Programm siehe unten). Wer an dem Workshop teilnehmen möchte kann sich mit diesem Formular registrieren (die Teilnahme ist unabhängig von der Teilnahme an der VSJF-Jahrestagung). Es wird ein kleiner Unkostenbeitrag von 10 Euro erhoben.  Weiterlesen

Populärkultur-Workshop

Unser Institut veranstaltet am Freitag, 18. Juni, einen Workshop zum Thema „Zwischen Transkulturalität und Japanizität – Repräsentationen kultureller Differenzen und Diversität in der gegenwärtigen japanischen Populärkultur“. Treffpunkt ist um 13 Uhr im Heinrich-Heine-Saal unserer Universität. Eingeladen sind hochkarätige Referentinnen und Referenten aus ganz Deutschland. Wer teilnehmen möchte, muss sich wegen der begrenzten Platzanzahl bei Stephanie Klasen anmelden.

(c) adrian, acediscovery (Flickr cc)

Hier das Programm:

13:00 Uhr  Begrüßung durch Prof. Dr. Michiko Mae

13:15 Uhr  Hilaria Gössmann: „Japanisch“ versus „asiatisch“ – Repräsentationen kultureller Differenzen in japanischen Fernsehdramen seit den 90er Jahren

14:15 Uhr Stephan Köhn: Miyazaki reloaded – einige paradigmatische Überlegungen zur „Transkulturalität“ eines Mediums

15:15 Uhr Kaffepause

16:00 Uhr Steffi Richter: Zwischen „cool“ und „beautiful“: Trans/Nationalisierung von J-Culture

17:00 Uhr Marco Pellitteri: Japanese pop culture in Italy through anime and manga: features of a successful encounter

18:00 Uhr Abschlussdiskussion

Zum Hintergrund des Workshops:

Die Interpretation Japans als eine national-­‐kulturell und sozial homogene Gesellschaft bestimmte lange den wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs. Seit einigen Jahren wird jedoch infolge tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen auch in Japan zunehmend anerkannt, dass die japanische Gesellschaft und Kultur durch Diversität und Heterogenität geprägt sind. Diese Entwicklung bildet den Hintergrund für ein Forschungsprojekt, das wir zurzeit an unserem Institut vorbereiten: „Neue Differenzen und Diversität im gegenwärtigen Japan: Die Kontroverse um Kultur, soziale Schicht und Gender“.

Unser Workshop konzentriert sich auf die Repräsentation kultureller Differenz und Diversität in der japanischen Populärkultur. Wie wird in unterschiedlichen populärkulturellen Medienprodukten, aber auch allgemein in den so genannten J-Pop-Diskursen, das ‚Japanische’ konstruiert? Was wird in diesen Produkten und Diskursen imaginiert und behauptet, um das ‚Japanische’ zu konstruieren? Wie zeigt sich das ‚Japanische’ und wo tritt das Transkulturelle hervor, d.h. Elemente, die über das ‚Japanische’ hinausgehen? Diesen Fragen möchten wir im Workshop sowohl auf der inhaltlichen, narrativen Ebene wie auch auf der formal-stilistischen Ebene und auf der Metaebene des Diskurses nachgehen.

Dabei interessieren wir uns besonders für neue methodische Analyseansätze. Zum Einen könnte thematisiert werden, inwieweit die Herangehensweise, Medienanalyse als Diskursanalyse zu betreiben, kombinierbar mit anderen medienwissenschaftlichen Zugängen ist. Zum Anderen sollte bei der Analyse einzelner Fallbeispiele aus den Bereichen Manga, Anime, dorama, Film etc. besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, von welchen ‚traditionell’ genrespezifischen Konventionen die Repräsentationen kultureller Differenzen und Diversität möglicherweise überlagert werden und welche darüber hinausgehenden, transkulturellen Gestaltungselemente und Techniken angewendet werden.

Wir freuen uns auf anregende Referatsbeiträge und eine konstruktive Diskussion!