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Für „Being Academic“ und den Wahlpflichtbereich: Projekt mit Studierenden der Waseda-Uni

Unser Institut bietet Master-Studierenden Anfang September eine Möglichkeit, ein Projekt im Rahmen des Moduls „Being Academic“ umzusetzen (auch eine Anrechnung im Wahlpflichtbereich ist möglich, siehe unten). Es handelt sich um drei Tage, in denen gemeinsam mit 22 japanischen Studierenden der Waseda-Universität verschiedene Stationen in Düsseldorf besucht werden. Unsere MA-Studierenden stehen den japanischen Studierenden für Fragen zur Vefügung und tauschen sich mit ihnen in Diskussionen aus.

Auf dem Programm stehen konkret:

  • 4. und 5. September: Besuch eines Demenzheimes, Besuch eines Waldkindergartens, Stadtbesichtigung Düsseldorf, Besuch der Japanischklasse des Cecilien-Gymnasiums
  • 6. September: gemeinsames Seminar auf Japanisch

Auch Studierende, die das Modul „Being Academic“ schon haben oder BA-Studierende mit fortgeschrittenen Japanischkenntnissen kann das Projekt im Wahlpflichtbereich angerechnet werden (2 CP).

Anmeldungen nimmt Maria Neumann, Maria.Neumann[at]uni-duesseldorf.de, entgegen. Wer das Projekt für „Being Academic“ anrechnen möchte, meldet sich parallel bei Elisabeth Scherer, scherer[at]phil.hhu.de

Bachelor Plus 5 Questions

Unsere Studierenden des inzwischen dritten Bachelor Plus Jahrgangs sind aus Japan zurück und starten jetzt ins Wintersemester in Düsseldorf. Während eines einjährigen Japanaufenthaltes haben Theresa Behle, Cédric Klein, Carolin Maibach, Gerrit Neumann und Evelyn Szawerski an einer der Partneruniversitäten des Instituts studiert und spannende Feldforschungsprojekte zu selbstgewählten Themen bearbeitet. Nach einem Willkommen-zurück-Treffen, bei dem sich alle TeilnehmerInnen des BA+ und das BA+ Projektteam wiedersehen und über die in Japan gemachten Erfahrungen austauschen konnten, wollen wir jetzt natürlich genauer wissen, wie es unseren Studierenden in Japan ergangen ist und wie sie ihre Forschungsprojekte geplant und durchgeführt haben. Wie auch bereits bei den vorangegangenen BA+ Jahrgängen (erster Jahrgang und zweiter Jahrgang) haben wir die Studierenden daher zum Interview gebeten und werden diese in den nächsten Wochen hier auf dem Blog veröffentlichen.

Als erste in unserer Reihe berichtet uns Theresa Behle von ihrer Forschung zu „Demenz im familiären Kontext: Die Situation Angehöriger am Beispiel des Pflegeheims Yoriai. Frau Behle war an der Nanzan Daigaku und hat nach dem Abschluss ihres Studienprogramms mehrere Wochen in der Pflegeeinrichtung Yoriai geforscht und als Volunteer mitgeholfen. Zu diesem Pflegeheim in Fukuoka besteht über Prof. Shimada eine langjährige Verbindung unseres Instituts.

Altersdemenz und Pflege: Feldforschung im Yoriai

Angesichts des demographischen Wandels und der zunehmenden Alterung der Gesellschaft ist auch das Thema Demenz immer stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Unsere Studierende Theresa Behle hat sich mit ihrem Forschungsprojekt eines Themas angenommen, das insbesondere für Japan von aktueller gesamtgesellschaftlicher Relevanz ist. Dabei interessiert sie besonders, wie die Angehörigen dementer Menschen mit der Situation umgehen. Wie betrachten und empfinden Angehörige von Dementen die Erkrankung ihrer Verwandten? Wird man als demente Person unweigerlich zu einer Last für seine Familie und sein Umfeld? Wie kann die Pflege im familiären Kontext organisiert werden, gibt es auch Alternativen und wie sehen diese aus? Diesen und anderen Fragen ist sie anhand des Beispiels der Pflegeeinrichtung Yoriai in Fukuoka nachgegangen.  

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Basar von Yoriai

BA+: Frau Behle, was ist das Besondere an Yoriai im Vergleich zu anderen Pflegeeinrichtungen in Japan?

Yoriai unterscheidet sich von anderen Pflegeeinrichtungen in Japan durch sein ungewöhnliches Konzept. Yoriai ist nicht nur ein einzelnes Demenzpflegeheim, sondern umfasst drei einzelne Pflegeheime – Yoriai 1 bis 3 – und ein wachsendes Netzwerk, zu dem auch ein Café, ein sehr beliebter Basar, eine sehr große Medienpräsenz und eine starke Einbindung in die lokale Gemeinde gehören. Es gibt zwar in Japan andere kleine Einrichtungen, die Yoriai ähneln, trotzdem ist Yoriai mit seinem großen Netzwerk einzigartig und war tatsächlich auch das erste Pflegeheim dieser Art in Japan.

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Basar von Yoriai

BA+: Um Ihr Forschungsprojekt durchzuführen, haben Sie ja einen mehrwöchigen Feldforschungsaufenthalt in Fukuoka verbracht und im Yoriai als Volunteer mitgearbeitet. Welche Aufgaben haben Sie denn übernommen? Weiterlesen

Ein Roboter zum Kuscheln

Nicole Jonczyk und Janine Schulze berichten hier von dem Vortrag über die Pflege-Robbe PARO an unserem Institut und stellen fest, dass das niedliche „Wesen“ nicht nur Demenzkranke begeistern kann:

Bachhausen und die beiden „Gastrobben“

Letzte Woche Mittwoch konnte man aus dem Hörsaal 3C im Gegensatz zu sonst nicht nur die Stimme des jeweiligen Dozenten hören, sondern begeisterte „Ahs“ und „Ohs“, als die Roboterrobbe „Paro“ eingeschaltet wurde. Im Rahmen des Kurses „Zauber der Dinge“ hielt Tobias Bachhausen einen Vortrag zu den Einsatzmöglichkeiten der Roboterrobbe Paro, die mit ihrem süßen Aussehen direkt alle Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Tobias Bachhausen, „zertifizierter Paro-Betreuer“, kam auf Umwegen nach seinem Marketing-Studium durch eine Tätigkeit in der Verwaltung einer Pflegeeinrichtung und einen Demenzfall in seinem persönlichen Umfeld zur Seniorenbetreuung.

„Ich war anfangs sehr skeptisch“, erinnert sich Bachhausen, „ich hielt die Betreuung mit Hilfe eines künstlichen Tiers für unangemessen“. Er spricht damit direkt den bestehenden ethischen Konflikt an, den viele Leute im Einsatz eines Roboters sehen und der auch am diesen Abend zwischenzeitlich thematisiert wurde. Es gibt viele Gegner, die einem Einsatz von Robotern negativ gegenüberstehen und anführen, dass Technik eine menschliche Betreuung nicht ersetzen kann. Paro soll jedoch nicht als Ersatz für einen Menschen dienen, sondern vielmehr als „Schaltstelle“ fungieren, die den Kontakt zwischen Betreuer und Patient verbessern soll.

Paro durfte auch angefasst werden

Unter den Zuhörerinnen und Zuhörern überwog der positive Eindruck, spätestens dann, als eines der Plüschtiere von Bachhausen auf den Arm genommen, das Ladegerät in Form eines Schnullers entfernt wurde und sich jeder selbst davon überzeugen konnte, welche Vorzüge Paro besitzt. Die Robbe versteckt unter ihrem weichen Fell allerlei Technik, sodass sie auf Geräusche, Licht sowie auf Berührungen individuell reagieren kann.

Während die zwei anwesenden Robo-Modelle herumgereicht wurden und die Besucherinnen und Besucher stolz Fotos mit der Robbe im Arm machten, erklärte Tobias Bachhausen den genauen Zweck von „Paro“: Der Roboter soll dazu genutzt werden, wieder mehr Zugang zu Kranken zu gewinnen, um dadurch beispielsweise Motorik fördern zu können. „In Deutschland findet sich die Robbe bisher leider nur im Bereich der Betreuung von Demenzerkrankten, auch wenn es sicherlich mehr Einsatzmöglichkeiten gibt“, stellte Tobias Bachhausen fest.

Das Feedback der Studierenden fiel sehr positiv aus

Mit 3 kg, großen, schwarzen Kulleraugen und dem weißen Fell sieht Paro einer echten Robbe schon sehr ähnlich. Für die Robbenform hat man sich entschieden, weil Menschen kaum eine persönliche Erfahrung mit dieser Tierart in ihrem Leben machen, wie dies zum Beispiel bei Hunden und Katzen der Fall ist. Bachhausen erklärte dies so:  „Ein Hund kann Sie vielleicht schon einmal gebissen haben, sodass Sie schlechte Erfahrungen damit haben. Aber wer kann schon davon sprechen, in seinem Leben einmal eine echte Robbe getroffen zu haben? Dadurch haftet selten ein Vorurteil an dieser Tierart.“

Tobias Bachhausen stellte in den eineinhalb Stunden technische Infos, ethische Aspekte aber auch praktische Erfahrungen und Anekdoten aus seinen Einsätzen mit Paro dar und schaffte dadurch eine lockere Atmosphäre, in der alle Teilnehmer sich wohlfühlten. Ein Video, das am Ende abgespielt wurde, machte noch einmal mit seinen Bildern deutlich, wie besonders und auch erfolgreich der Einsatz von Paro in Seniorenheimen ist. Zuvor verschlossene Menschen erhalten auf einmal ein begeistertes, kindliches Glitzern in den Augen, wenn ihnen Paro auf den Schoß gelegt wird. Andere, die bis zu diesem Zeitpunkt kaum gesprochen haben, beginnen auf einmal, von ihrem Leben zu erzählen und streicheln die Robbe unentwegt.

Somit sind die Effekte, die Paro auf Demenzkranke hat, ganz klar zu erkennen und zeigen, dass die Förderung dieser Einsätze ein wichtiger Schritt sein kann, um angesichts der auch in Deutschland immer älter werdenen Bevölkerung das Betreuungsangebot zu verbessern.

Nicole Jonczyk und Janine Schulze

 

Mission erfüllt: Die beiden „Gastrobben“ im Auflademodus