Erzählkunst vom Feinsten

Vor etwas mehr als einer Woche gastierten die beiden Rakugo-ka San’yûtei Kenkô und Hayashiya Hiroki bei uns an der Uni und sorgten dafür, dass der ganze Hörsaal 2c Tränen lachte. Unser Student Stefan Brock fasst für uns hier noch einmal die Highlights zusammen:

Es herrscht großes Gelächter im Hörsaal der Heinrich-Heine-Universität. Dies lässt darauf schließen, dass viele intelligente Personen anwesend sind. Zu dieser Kenntnis würde man zumindest gelangen, wenn das, was San’yûtei Kenkô über Rakugo sagt, stimmt. Er beschreibt diese Kunst des Geschichtenerzählens als eine der am schwersten zu verstehenden Theaterformen, bei der nur die schlauen Leute lachen.

Die Gelegenheit, Rakugo außerhalb Japans selbst einmal erleben zu können, bot sich den Besuchern nun. Auf Einladung des Instituts für Modernes Japan führten San’yûtei Kenkô und Hayashiya Hiroki das deutsche Publikum in diese Erzählkunst ein. Die beiden Japaner sind in ihrer Heimat bekannte Rakugo-Künstler. Doch auch in Deutschland schaffen die beiden es, die Zuschauer zu begeistern. Die Vorstellung gaben die beiden zwar, wie es sich gehört, komplett auf Japanisch, aber dank der Übertitel konnte man auch ohne Japanischkenntnisse ohne Probleme dem Verlauf der Vorstellung folgen. Dies liegt zudem auch daran, dass beim Rakugo ein Großteil der Geschichte über Mimik und Gestik des Künstlers erzählt wird.

Was für den europäischen Betrachter womöglich im ersten Moment etwas ungewöhnlich sein mag, ist, dass nicht etwa beide Darsteller gleichzeitig die Bühne betreten und gemeinsam ein Stück vorführen. Nur einer Person gehört die Bühne und somit die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer. Ein Bühnenbild, wie wir es vom Theater gewohnt sind, gibt es auch nicht. Lediglich ein Kissen, auf welchem der Akteur kniet, befindet sich in der Mitte der Bühne. Als Requisiten haben die beiden ausschließlich einen Fächer sowie ein Tuch. Mehr benötigen sie aber auch nicht. San’yûtei Kenkô beweist dies eindrucksvoll in der Einführung. So funktioniert er seinen Fächer mal eben zum Essstäbchen um und zeigt, dass er alleine über seine Schlürfgeräusche dem Betrachter vermitteln kann, welches Gericht er gerade zu sich nimmt. Aus dem Tuch wird kurzerhand eine Banane, welche er schält und anschließend genüsslich verzehrt. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Selbst die berühmte Kampfszene aus Star Wars, in der Luke gegen Darth Vader kämpft, lässt sich mit dem Fächer, als Laserschwert umfunktioniert, darstellen. Der Rakugokünstler schlüpft hierbei in beide Rollen gleichzeitig und fügt die Effekte über seine Stimme hinzu. Allein durch die Blickrichtung und die Stimme wird vermittelt, welche Person gerade dargestellt wird. Bei zwei Personen mag dies noch einfach zu durchschauen sein, jedoch sind hier nach oben keine Grenzen gesetzt. Erstaunlicherweise kann man sich allerdings sehr schnell in die Geschichten einfinden und dem Erzählverlauf gut folgen.

Neben der Einführung in Rakugo sowie den zwei Geschichten “Im Zoo” (Hayashiya Hiroki) und “Der Vater, sein Sohn und der Alkohol” (San’yûtei Kenkô) wurde dem Zuschauer auch gezeigt, wie ein Kimono angezogen wird. Außerdem begeisterte Hayashiya Hiroki durch sein Talent, auf dem Saiteninstrument Shamisen zu spielen. Hierbei zeigte er zudem, dass sich hierauf nicht ausschließlich traditionelle japanische Lieder spielen lassen. Selbst Stücke wie „Smoke on the water“ oder „Ode an die Freude“ lassen sich mit dem Instrument ohne Probleme wiedergeben. Die Lieder erhalten dadurch auch einen neuen sehr interessanten Klang.

Anschließend an die Vorführung bot sich zudem die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Über die Darbietung an sich lässt sich eigentlich nur sagen, dass die beiden ihr Handwerk sehr gut beherrschen und dies mit großer Begeisterung darbieten. Diese Begeisterung überträgt sich sofort auch auf den Zuschauer. Die Performance machte große Lust auf mehr. Leider muss man, um einen der beiden auf der Bühne zu sehen, nach Japan reisen, oder darauf hoffen, dass sie bald wieder eine Deutschlandreise planen. Ob nun das große Gelächter der Zuschauer Rückschlüsse auf deren Intelligenz zulässt, sei mal dahingestellt. Es zeigt jedenfalls, dass die Künstler eine wirklich beeindruckende Vorstellung abgeliefert haben, die vielen sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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