Workshop: »Feldforschung in Japan«: Erfahrungen aus erster Hand

Eigene Forschung in Japan zu planen steht zu Beginn jeder Bewerbung für Austauschplätze oder Stipendien. Aber wie kann erfolgsversprechende Forschungsarbeit in Japan aussehen? Welche Hürden erwarten Studierende, die in Japan Interviews führen, in Archiven und Bibliotheken recherchieren oder teilnehmend beobachten möchten? Wie können diese Hürden schon in Deutschland oder später in Japan angegangen werden?

Antworten und Auseinandersetzungen mit Forschung lieferte der Workshop »Feldforschung in Japan – Berichte aus der Praxis« im Rahmen des Studiengangs »Bachelor Plus: Kultur- und Sozialwissenschaftliche Japanforschung« am 11.06.2011. Die drei Vortragenden Dr. des. Cosima Wagner, Michiko Uike-Bormann und Celia Spoden veranschaulichten anhand ihrer eigenen Feldforschung in Japan vor, wie sie entsprechende Vorhaben konzipiert und realisiert haben. Dabei diskutierten sie theoretische wie praktische Forschungsfragen für Interviewplanung und –durchführung, Transkription, teilnehmender Beobachtung sowie Aufnahmetechnik, Zeitmanagement oder Kontaktpflege, sodass ein reger Dialog mit den anwesenden Studierenden entstand.

Prof. Dr. Shingo Shimada begrüßte die Gäste und führte in den Workshop ein, der die Zielsetzung des neuen Studiengangs »Bachelor Plus: Kultur- und Sozialwissenschaftliche Japanforschung« unterstützt. Innerhalb des Bachelor Plus-Programms stellt studentische Forschung ein zentrales Element dar. Während des Aufenthalts in Japan führen die Studierenden ein eigenes Forschungsprojekt durch und tauschen sich online vernetzt mit den Betreuern in Düsseldorf über Fortschritte und Ergebnisse  aus.

Auf eine Reise in japanologisches Neuland führte Dr. des. Cosima Wagner (Universität Frankfurt) zu Beginn des Workshops: In ihrer Dissertation untersuchte sie die gesellschaftliche Akzeptanz von Robotern in Japan und präsentierte hier einen Auszug zur „Feldforschung in Seniorenheimen in Japan – Fallstudien zur Roboter-Therapie (robotto serapii)“. Dazu interviewte sie Ingenieure, Beamte des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) wie auch Fachkräfte in der Pflege und ergänzte diese Perspektiven mit teilnehmender Beobachtung von Sitzungen der robotto serapii. An zwei Fallstudien zeichnete sie ihren Weg von Vorbereitung bis hin zur konkreten Interviewsituation nach und gab viele praktische Tipps zur Planung und Durchführung von studentischer Forschung.

Interviews und teilnehmende Beobachtung spielten eine entscheidende Rolle für Michiko Uike-Bormann, M.A. (Universität Freiburg) und ihre „Ethnologische Feldforschung in japanischen Themen- und Kulturparks“. Am Beispiel des Holland-Themenpark “Huis Ten Bosch” in Nagasaki zeigte sie, wie sie einen Zugang zum Feld vorbereitete, den Kontakt mit InterviewpartnerInnen aufbaute, Interviews führte und wie die spätere Datenverarbeitung ablief. Ihr praxisorientierter Vortrag zeigte sehr anschaulich Herausforderungen und Vorteile der Grounded Theory und die Bedeutung von Flexibilität im Forschungsalltag.

Feldforschung als einen Prozess, der mitunter zu überraschenden, aber sehr produktiven Ergebnissen führen kann, verdeutlichte Celia Spoden, M.A. (Universität Düsseldorf) in ihrem Vortrag „Planen mit dem Unplanbaren: Von der Projektidee zum Interview“. Ausgehend von Forschung zu “Patientenverfügungen in Japan” veränderte und erweiterte sich ihr Forschungsthema durch die Ergebnisse der Feldforschung. Sie ermutigte zu Eigeninitiative bei der Kontaktaufnahme zu möglichen InterviewpartnerInnen und zu anpassungsfähiger Zeitplanung im Feld.

Wir bedanken uns bei allen Vortragenden und besonders den teilnehmenden Studierenden für einen vielseitigen und sehr ertragreichen Workshop, dessen Ergebnisse im kommenden Semester über die Düsseldorfer Japanstudien (DJAS) veröffentlicht werden sollen.

 

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