Sind Lehrer auch nur Menschen?

Für die BA-Plus Studentin Melanie Kopf beginnt im kommenden Wintersemester eine zweite Schulzeit in Japan. Ihr Forschungsprojekt führt sie an eine japanische Schule auf Okinawa, wo sie dem Lehrerideal auf den Zahn fühlen wird.

BA-Plus 5 Questions

(1) BA+: Zunächst, wie war für Sie die Zeit hinter der Schulbank – in Deutschland?

Ich mochte die Schulbank, besonders wenn sie nah am Fenster stand, sodass ich meine Gedanken ein wenig schweifen lassen konnte.

(2) BA+: …

Im Ernst, ich bin sehr gerne – und stets aufmerksam – in die Schule gegangen, besagte Bank stand immerhin in der zweiten Reihe auf der Seite des Lehrerpults. Dass ich etwas gelernt hatte, zeigte ich gerne; ich war eigentlich immer froh, wenn tatsächlich Leistungen von mir verlangt wurden, und natürlich noch glücklicher, wenn ich dafür Anerkennung erhielt. Die Schule war eine tolle Zeit für mich!

(3) BA+: Sie schreiben in Ihrer Projektbeschreibung, Ihre damalige Klassenlehrerin habe gesagt „um ein (guter) Lehrer zu sein, müsse man auch immer Idealist sein“. Wäre das Ihre Zielsetzung, dieser Art von Idealisten in Japan nachzuspüren?

Ja, solche Lehrer werden wohl im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen. Bei der Ausarbeitung des Projekts hatte ich natürlich erst einmal mein eigenes Lehrerbild im Kopf und das ist ohne Zweifel sehr nachhaltig geprägt worden durch Lehrer wie die erwähnte Klassenlehrerin, die eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ideal auch im Unterricht thematisiert hat.

(4) BA+: Sehen sie denn das „Ideal eines Lehrers“ nur einseitig, d.h. wie sich die Lehrpersonen selber verstehen, oder würden sie auch das Ideal wie es rezipiert wird, also wie sie gesehen werden, in ihre Forschung mit einbringen wollen? Anders gefragt: Ist es nicht eine idealisierte Sichtweise, den Lehrer als „kami-sama“ zu betiteln?

Solche gesellschaftlichen Zuschreibungen sehe ich durchaus als eine weitere Ebene der Thematik die für meine Forschung relevant ist. Während meines Japanaufenthalts möchte ich mich deshalb auch verstärkt mit dem öffentlichen Diskurs beschäftigen. Ich denke da besonders an die auffallend große Anzahl an terebi-doramas, bei denen die Hauptfigur Lehrer ist und die sich mit dem Thema Schule auseinandersetzen, aber auch an andere mediale Erscheinungsformen.

(5) BA+: Auf welche Bereiche soll sich ihre Forschung in Japan erstrecken? Dürfen wir, im Rahmen der Auswertung Ihrer Feldforschung, mit einer Symbiose aus Medienanalyse und qualitativer Sozialforschung rechnen?

Für die Forschung werde ich mich in der Tat in diesen beiden Feldern bewegen. Was die Auswertung betrifft, würde ich diese Kombination [Medienanalyse und qual. Sozialforschung] auch wagen wollen, wenn es sich aus der Forschung so ergibt. Allerdings muss ich doch damit rechnen, dass das den Umfang einer Arbeit im Rahmen des Bachelor bei weitem überschreiten würde. In dem Fall würde ich die Auswertung also auf mehrere aufeinander aufbauende Arbeiten verteilen, aus denen sich dann erst später ein mehrschichtiges Bild zusammensetzen lässt, die aber per se auch einzeln betrachtet werden können.

BA+: Frau Kopf, wir freuen uns auf das, was Sie für sich und uns „zusammensetzen“ werden, und vielleicht geben Sie uns die Möglichkeit mit Ihnen die Schulbank zu drücken, sofern Sie einmal die Zeit für einen Zwischenbericht aus Japan finden.

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