A Student Goes Burger

BA-Plus 5 Questions

(1) BA+: Herr Herold, was gab es heute zu Mittag?

MH: Also, ich habe heute die Reste der gestern von meiner Freundin selbstgemachten Crêpes in der Mikrowelle aufgewärmt und dann mit Nutella garniert gegessen.

(2) BA+: Bei Mikrowelle und Nutella würden so manchem Neo-Gourmet dieser Tage die Haare zu Berge stehen. Wie fassen Sie den aktuellen Trend zum Freizeit-Gourmet und den Bio-Wahn in Deutschland auf?

MH: Ehrlich gesagt ist dieser Trend an mir vollkommen vorbeigezogen. Wenn es sich preislich nicht großartig unterscheidet, greife ich zwar auch ab und zu im Supermarkt zum Bio-Produkt, achte aber sonst nicht besonders darauf, mich hauptsächlich von Produkten aus ökologisch gesichertem Anbau zu ernähren und gehe deshalb auch nicht in Reformhäusern oder speziellen Bioläden einkaufen. Lust mich zu Hause lange in die Küche zu stellen und großartige Gourmetkreationen zu erschaffen habe ich auch eher selten. Dies mag zum einen am Zeitmangel, aber auch an fehlendem Können liegen. Ich muss leider zugeben, dass ich, seitdem ich nicht mehr bei meinen Eltern wohne, immer häufiger Fertigprodukte verwende.

Herr Herold ist BA+ Student der “ersten Generation”. Er plant durch eine qualitative vergleichende Analyse zu untersuchen, in wie weit sich der Konsum von Fast Food und Fertigprodukten zwischen ländlichen und urbanen Gegenden in Japan unterscheidet. Während seinem gleichzeitigen Austauschstudium an der Universität Chiba, wird Herr Herold zwei japanische Familien durch kulinarische Highlights und Untiefen begleiten; Zitat aus seinem Forschungsvorhaben:

„Auf Grund von Standortfaktoren, anderen Beschäftigungsverhältnissen, einer ungleichen historischen Entwicklung und anderen Faktoren vermute ich einen Unterschied zwischen dem Konsumverhalten von Fast Food auf dem Land und in städtischer Umgebung. Auch gilt es zu überprüfen, in wie weit Fertigprodukte Einzug in die Haushalte gehalten haben und welche Gründe es dafür gibt.“

(3) BA+: Fertigprodukte werden vielfach als Junk- bzw. Fastfood kategorisiert. Wie differenziert bewerten Sie diese Kategorien, bzw. welche Definition von Fastfood legen Sie Ihrer Forschung zu Grunde?

MH: Ich möchte in meiner Forschung wahrscheinlich zwischen Fertigprodukten, Fast Food und selbst hergestelltem Essen differenzieren. Den Unterschied zwischen Fast Food und Fertigprodukten definiere ich so: Fast Food wird komplett essfertig verkauft, während bei Fertigprodukten noch mindestens der Arbeitsschritt der Erwärmung hinzukommt. Allerdings sind dies noch vorläufige Überlegungen und ich beabsichtige noch Definitionen aus der Ernährungswissenschaft heranzuziehen.

(4) BA+: Bei Fast Food dürfte sich wohl die gängige Assoziation, zumindest bei Deutschen, auf Burger und Pommes belaufen. Haben Sie sich denn schon in der Welt des japanischen „schnellen Essens“ umgetan?

MH: Es ist natürlich klar, dass es in Japan viele Gerichte gibt, die schnell zubereitet und verzehrfertig verkauft werden, aber nicht in den gängigen deutschen Rahmen von Fast Food eingeordnet werden würden. In wie weit diese in eine europäische Definition von Fast Food hineinpassen und wie überhaupt eine Definition aus japanischer Sicht aussieht, wird spannend sein, herauszufinden

(5) BA+: Wird denn Ihre Forschung mit einem Selbsttestbeginnen? Und worauf würden Sie sich da am meisten freuen?

MH: Da ich sehr gerne Nudeln esse, freue ich mich besonders auf die verschiedenen Udon- und Sobagerichte. – Besonders in der Anfangszeit meines Aufenthaltes in Japan werde ich wohl viel auf fertiges Essen zurückgreifen und wenig selber kochen. Und da ich so gleichzeitig mein Feld besser kennen lernen kann, muss ich mir nicht mal eine Rechtfertigung dafür überlegen, geschweige denn ein schlechtes Gewissen haben.

BA+: Wir freuen uns auf allerhand bissfeste Einsichten und werden uns bemühen mit Ihren kulinarischen Erkundungen Schritt zu halten! Für das Interview bedankt sich, die Projektleitung Bachelor Plus „Kultur- und Sozialwissenschaftliche Japanforschung“.

— „A Student Goes Burger“ ist das erste Interview aus der Reihe „BA-Plus 5 Questions“. In den kommenden Wochen werden wir in diesem Format auch alle anderen BA-Plus Studenten des ersten Jahrgangs und ihre Forschungsvorhaben vorstellen. —


Ein Gedanke zu „A Student Goes Burger

  1. Pingback: Auf Jobsuche in Japan

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *