Berlinale-Nachlese: „Vampire“ von Iwai Shunji

Einer fehlt noch: Mit einiger Verspätung folgt hier die Besprechung des Berlinale-Films „Vampire“ – ein japanischer Film und doch auch wieder nicht. Iwai Shunji ist der bekannteste japanische Regisseur, der in diesem Jahr auf der Berlinale zu Gast war. Filme wie „Swallowtail Butterfly“ (1996) oder „All about Lily Chou-Chou“ (2001) sind auch hierzulande vielen Cineasten bekannt. Mit seinem neuen Werk „Vampire“ betritt Iwai dahingehend Neuland, dass er den Film komplett in Kanada gedreht und produziert hat.

Die Arbeit im Ausland mit englischsprachigen Schauspielern war für Iwai nichts völlig Neues, schon in seiner Anfangszeit als Regisseur kam Iwai nach Europa und in die USA, um Musikvideos zu drehen. Mit dem Episodenfilm „New York, I Love You“, an dem sich u.a. auch Fatih Akin beteiligte, hat Iwai 2009 erstmals die große Bühne des internationalen Filmgeschäftes betreten.

 

„Vampire“ ist nun ein neuer Schritt in Iwais Karriere, was allerdings nicht heißt, dass der Film kein typischer Iwai-Film ist, im Gegenteil. Wie in früheren Werken widmet sich Iwai mit großer Aufmerksamkeit solchen Menschen, die ihren Platz in der Gesellschaft nicht finden können oder wollen. Im Mittelpunkt des Films steht Simon, ein attraktiver Biologielehrer, der seinen Alltag mit großer Präzision organisiert und in einer beklemmenden Atmosphäre mit seiner dementen Mutter zusammenlebt. Simon hat eine Obsession: Menschliches Blut – aber er hat auch Prinzipien und würde niemals jemanden einfach nur töten, um an dessen Blut zu gelangen. Einen Ausweg bieten ihm solche Menschen, die sowieso vorhaben, sich das Leben zu nehmen. Simon geht mit diesen Menschen, die er über das Internet kennenlernt, eine seltsame Schicksalsgemeinschaft ein, die den Zuschauer zugleich befremden und faszinieren muss.

Trotz einiger weniger nicht ganz leicht verdaulicher Szenen ist „Vampire“ kein Horrorfilm, wie der Titel vermuten lassen könnte. Es geht vielmehr um menschliche Beziehungen, die Flucht in virtuelle Welten und die Bedeutung des Lebens und des Sterbens selbst. Iwai gelingt es allerdings nicht immer, diese Themen wirklich tief zu ergründen: Er setzt viele Symbole ein, und man hat das Gefühl, dass er manchmal zu sehr in diese verliebt ist, an ihnen haften bleibt.

Autogramm von Iwai Shunji

Was an „Vampire“ wirklich fasziniert, sind die Produktionsumstände: Iwai hat den Film komplett auf einer Canon 5D, das heißt einer Spiegelreflexkamera gedreht. Er hat das Drehbuch geschrieben, den Film produziert, Regie geführt, die Kamera selbst gehalten, den Film selbst geschnitten und sogar die Musik zum Film noch selbst komponiert. Das hat ihn, wie er bei der Berlinale berichtete, teilweise vor ziemliche Schwierigkeiten gestellt. So musste er die Schauspieler führen und gleichzeitig bei der Kamera die Schärfe ziehen. Eine interessante Erfahrung, auf die Iwai in Zukunft aber wohl verzichten wird: „honestly I don’t want to do it anymore“, lautete sein Fazit.

 

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