Brennbar oder nicht brennbar, das ist hier die Frage – Mülltrennung in Japan

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Und wieder freuen wir uns über die Beiträge aus Japan – vom Kampf gegen Müllberge berichtet heute Maggie Truong (Ferris Universität, Yokohama) – vielen Dank für die Reportage mit den Bildern (allesamt von ihr geschossen) und viel Spaß beim Lesen!

Es ist natürlich nicht verwunderlich, dass Japan auch dem Öko-Wahnsinn verfallen ist. Dabei habe ich das Gefühl, dass vieles noch nicht ganz aufeinander abgestimmt ist und dieser Trend nur bis einige Bereiche durchgedrungen ist. Ich bin kein Spezialist, aber ich im Folgenden mal ein paar Dinge, die mir hier dazu aufgefallen sind.

Joghurtbecher recyclen - ganz einfach!?

Sogar bevor ich hier angekommen bin, bin ich mit dem unsäglich komplizierten Mülltrennsystem in Berührung gekommen. Ich bekam eine kleine Orientierungsbroschüre von der Uni, in der eben u.a. die Mülltrennung angesprochen wurde. Ein wenig zu kompliziert, das Ganze. In Japan angekommen, half mir nur der Blick auf den Merkzettel in der Küche bei der Müllsortierung.

Jede Kommune hier hat andere Trennvorschriften. In Yokohama gibt es neun Müllarten (Brennbar, Nicht-brennbar, Plastik [obwohl es auch brennbar ist!], Dosen/PET-Flaschen [ja, alles zusammen], kleine Metallgegenstände [wie Töpfe] etc.) mit 16 Vorschriften, in welcher Form alles zu entsorgen ist (z.B. Zeitungen und Zeitschriften getrennt stapeln und zusammenbinden…). Die Regeln sind so kleinlich, dass es extra eine 26-seitige Broschüre gibt, in der das süße Müllmaskottchen Yokohamas “Miio” (der übrigens ein Außerirdischer ist) die Müllsortierung erklärt.

Der größte Teil der Broschüre macht ein Register von あ-わ aus (von アイスピック- Eispickel: “Kleine Metallgegenstände”, Bemerkung: “den spitzen Abschnitt mit Zeitungspapier umhüllen” bis 割り箸の袋 (プラスチック製) – Plastikumschlag von Einmalstäbchen: “Plastikmüll”, Bemerkung: “Bitte auf das Plastikzeichen achten”).

Ein weiteres Beispiel für den Wahnsinn hier: Die PET-Flaschen. DSC01037Die Flasche ausgespült, das Plastiketikett abgemacht und die Kappe abgeschraubt, kommt alles in zwei verschiedene Müllsäcke: Flasche kommt zu den PET-Flaschen, Etikett und Kappe in den Plastikmüll. An der Uni werden die Kappen sogar seperat getrennt (ich sollte die Umweltgruppe der Uni ‚mal fragen, was das bringen soll).

Bei dem Aufwand denkt man sich ja, dass man hier umweltbewusst lebt… Geht man aber mal in einen Kombini und kauft sich eine (!) Dose Bier, bekommt man eine Plastiktüte dazu. Eh? Für eine Dose Bier? Oder im Supermarkt wird die eine Packung Brot direkt in eine Tüte gesteckt, während man noch nach den 105Yen kramt.

Und dann sind da noch die Omiyage-Verpackungen für die diversen regionalen Spezialitäten. Man legt hier viel Wert auf das Äußere, da ist die Verpackung eben das A und O. Nach einem schönen Papierumschlag kommt der Pappkarton, worin eine weitere Plastiktüte den Inhalt verschweißt: eine Plastikeinlage, in der die Spezialität, jedes einzeln in Plastik verpackt, angeordnet ist. Insgesamt also vier Lagen Verpackung bevor man endlich an den Inhalt kommt. Der Müllberg ist einfach nur un.fass.bar.

Ich denke, hier ist der Service-Gedanke und das Ästhetik-Gefühl um Meilen wichtiger als das Umweltbewusstsein; da kommt wieder die Paradoxie ans Licht, die ich hier jeden Tag erlebe. Es gibt natürlich einige Bemühungen, die Plastiknutzung zu verringern (Stofftaschen mit Modedrucken; desweiteren haben Supermärkte hier in der Gegend einen “Ökobonus”, bei dem jedem Kunden, der eine Plastiktüte ablehnt, einige Extrapunkte auf der Punktekarte gutgeschrieben werden), was sich bisher jedoch wenig durchgesetzt hat. Ich sehe nur hin und wieder Menschen, die Stofftaschen benutzen; alle anderen nehmen die Plastiktüten wie immer selbstverständlich entgegen.

Was tut man dagegen? Als Einzelne gibt es wohl herzlich wenig Dinge, die man tun kann, außer als bei sich selbst anzufangen und Aufklärungsarbeit zu betreiben. In dem Sinne: Bleibt sauber ; )

(Maggie Truong)

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