Bericht zu einer Forschung in Japan: Meine Reise nach Ihatôv

Landschaft

Szenerie der Erzählung: „Der Wolfswald, der Korbswald und der Diebswald“ (Original: 狼森と笊森、盗森 Oinomori to zarumori, nusutomori) in der Nähe des Landwirtschaftsbetriebs „Koiwai noujou“ 小岩井農場)

Für ihre Masterarbeit ist unsere Studentin Akemi Harada in ein sehr ländliches Gebiet Japans vorgedrungen: Auf den Spuren des Autors Miyazawa Kenji bereiste sie die Präfektur Iwate und berichtet hier von ihren Erfahrungen.

„Meine Geschichten hier, die habe ich alle in den Wäldern, auf den Feldern, an den Geleisen der Eisenbahn geschenkt bekommen vom Regenbogen und vom Mondschein.“ (zitiert aus der Vorrede zu „Das Gasthaus mit den vielen Aufträgen“ von Miyazawa Kenji, übersetzt von Johanna Fischer „Früchte des Ginkgo“ 1980, Günther Neske Verlag)

Diese Worte fielen mir direkt ein, als ich zum ersten Mal die Präfektur Iwate besuchte! In der Heimatpräfektur des Autors Miyazawa Kenji (1896–1933) sieht man auch heute noch viele der Dinge, von denen er in dem oben genannten Zitat spricht. Kein Wunder, denn viele der literarischen Schauplätze seiner zahlreichen Erzählungen liegen dort. Miyazawa nannte diesen Ort Ihatôv (Der Name ist eine Anlehnung an Iwate in Esperantosprache), ein Märchenland, in dem Tiere und Menschen mit der Natur zusammenleben. 

Wer war Miyazawa Kenji?

Heute zählt Miyazawa in Japan zu den berühmtesten Autoren des 20. Jahrhunderts. Jeder Japaner, ob jung oder alt, kennt ihn entweder noch vom Schulunterricht oder aus Manga, Anime oder Dorama. Zu seinen Hauptwerken zählen Erzählungen wie: Gingatetsudô no yoru 銀河鉄道の夜 (Die Nacht in der transgalaktischen Eisenbahn) oder Kaze no Matasaburô 風の又三郎 (Matasaburo of the Wind) sowie das Gedicht Ame nimo makezu 雨ニモマケズ (Dem Regen trotzen). Der mit 37 Jahren verstorbene Autor war jedoch zu Lebzeiten nicht für seine literarischen Werke bekannt. Er arbeitete als Lehrer an der Landwirtschaftlichen Schule in Hanamaki und später als Bauer. Durch die Gründung einer Vereinigung namens Rasu-Chijin-Kyôkai 羅須地人協会 verbrachte er die Zeit mit Bauern und Jugendlichen mit dem starken Wunsch, das Leben der lokalen Bevölkerung zu verbessern. Damit schaffte er einen Rahmen für die Menschen aus seiner Umgebung, agronomische Themen und Fragen zu behandeln. Gleichzeitig sollten diese Treffen aber auch dazu dienen, sich mit Kunst und Musik zu befassen.

kinenkan

Hauptsitz von Rasu-Chijin-Kyôkai in Hanamaki auf dem Grundstück der Landwirtschaftlichen Oberschule (県立花巻農業高等学校)

Ein Besuch im Miyazawa Kenji Kinenkan

Einer der wichtigsten Zielorte auf meiner Reise nach Iwate war der Miyazawa Kenji Kinenkan und das Ihatôv-Center. Beide Einrichtungen gehören zu den bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt Hanamaki. Diese Orte dienen dazu, den Besuchern das Leben und die Werke Miyazawas näherzubringen. Die Ausstellung innerhalb des Museums wird in vier verschiedene Themenbereiche unterteilt, nämlich in Kunst, Literatur, Religion und Agrarwirtschaft. Es war äußerst spannend, die Vielseitigkeit und die verschiedenen Facetten Miyazawas anhand der ausgestellten Werke zu erleben, wie z.B. durch das Cello, das er gerne spielte oder die Bilder der Sterne, Pflanzen und Steine, mit denen er sich intensiv beschäftigte.

Gleichzeitig werden an diesen Orten regelmäßig Tagungen abgehalten, zu denen sich Wissenschaftler und auch Mitglieder des Miyazawa-Kenji-Ihatôv-Centers versammeln, um über ihre Forschungen zu berichten und mit den Teilnehmern darüber zu diskutieren. Für mich war dies der perfekte Anlass, mit japanischen Wissenschaftlern Kontakt aufzunehmen und sie persönlich kennenzulernen. Bei all den Begegnungen mit den Professoren und Doktoranden wurde ich immer herzlich empfangen, sodass ich mit ihnen interessante Gespräche führen konnte. Auch heute noch habe ich Kontakt mit ihnen. Schöner hätte ich mir meinen Aufenthalt in Japan nicht vorstellen können!

 

Weiterführende Literatur auf Deutsch:

BAUS, Wolf; KLÖPSCH, Volker; SCHAMONI, Wolfgang; SCHNEIDER, Roland (Hg.) (1985): Hefte für ostasiatische Literatur, 4, München: Iudicium Verlag.

BAUS, Wolf; KLÖPSCH, Volker; PUTZ, Otto; SCHAMONI, Wolfgang (Hg.) (1993): Hefte für ostasiatische Literatur, 14, München: Iudicium Verlag.

FISCHER, Johanna (1980): Die Früchte des Ginkgo. Märchenhafte Erzählungen aus Nord-Japan. Pfullingen: Verlag Günther Neske.

HOFFMANN, Hans Peter;  KÜHNER, Hans; TRAULSEN, Thorsten; WUTHENOW, Asa-Bettina (Hg.) (2016): Hefte für ostasiatische Literatur, 61,  München: Iudicium Verlag.

Links:

Die Nacht in der transgalaktischen Eisenbahn (deutsche Übersetzung der berühmten Erzählung)
Unbeugsam im Regen (deutsche Übersetzung eines Gedichtes)

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