Der „mobile Japaner“ in Düsseldorf – ein Besuch am Foodtruck Dontak

Am 14.12.2017 wagten wir uns vom Masterseminar „The Japanese foodscape in Dusseldorf – ein empirisches Projekt zu Lebensentwürfen im Ausland“ bei eisiger Kälte unter der Leitung von Dr. Nora Kottmann in die Roßstraße im Stadtteil Derendorf, um den japanischen Foodtruck Dontak zu besuchen.

Gruppenfoto vor dem Foodtruck

Gruppenfoto vor dem Foodtruck

Hier erlebten wir ein einzigartiges Konzept der japanischen Gastronomie, welches 2014 noch in den Kinderschuhen steckte und sich ganz anders entwickelte als die Gründer Herr und Frau Yoshida es zunächst geplant hatten. Die eher spontane Entscheidung einen Truck zu kaufen und eine mobile Küche nach Vorbild eines yatai (deut. „fahrbarer Verkaufsstand“) zu betreiben, bedarf sicherlich einiges an Kreativität und Zielstrebigkeit.  „Ich denke, wir haben auf jeden Fall Durchhaltevermögen bewiesen!“, erinnert sich Frau Yoshida zurück, als sie von den vielen Schwierigkeiten berichtet, den Wagen für Dontak entsprechend umzubauen und passende Anlässe wie Food-Messen an Wochenenden zu finden, um das Geschäft nach und nach bekannt zu machen.

Frau Yoshida, Gründerin des Foodrucks

Frau Yoshida, Gründerin des Foodrucks

Inzwischen haben sich die Arbeitszeiten von Dontak auf drei Werktage pro Woche verlagert und der Foodtruck ist nicht nur auf Food-Messen, sondern regelmäßig an wechselnden Standorten im Raum Düsseldorf vertreten. Der tagesaktuelle Verkaufsstandort wird vorher auf der eigenen Webseite mitgeteilt sowie die angebotenen Gerichte vorgestellt. Das Team im Foodtruck bestand bei unserem Besuch aus drei Leuten: Frau Yoshida als deutsche Geschäftsführerin und zwei japanische Mitarbeiter, die zusätzlich auch in anderen japanischen Restaurants tätig sind. Der Koch bereitet die Speisen in der kleinen Foodtruck-Küche zu und die zweite Mitarbeiterin bereitet die Zutaten vor und stellt die Bestellungen zusammen. Frau Yoshida nimmt die Bestellungen auf und hilft beim Anrichten. Auf die Frage, wo ihr Mann sich befinde, antwortete Frau Yoshida, dass er zu Hause auf die Kinder aufpasse und sie sich meistens abwechseln würden.

Curry-Reis mit Karaage (frittiertes Hähnchen)

Curry-Reis mit Karaage (frittiertes Hähnchen)

Wir waren natürlich auch neugierig, was hinter dem Namen Dontak steckt und erfuhren, dass er sich aus einer Kombination aus dem Wort donburi (deut. „Reisschüssel“) und dem Spitznamen des Gründers „Taku“ zusammensetzt. Das Angebot von Dontak ist aufgrund der kleinen Küche im Foodtruck überschaubar und auf leichten Transport ausgerichtet, hält aber etwas für jeden Geschmack bereit. Die Speisekarte besteht aus Gerichten wie gyōza (jap. Teigtaschen), donburi, kare (jap. Curry mit Reis) oder der vegetarischen Variante: Korokke (Kroketten auf Kartoffel-Basis). Auch Veganer werden bei Dontak fündig durch eine vegane Variante des Curry-Gerichtes. Die eher ungewöhnliche Kombination von gyōza auf Reis ist eine Eigenkreation von Dontak, die man so in Japan nicht finden wird. Insgesamt blieb die Speisekarte über die Jahre jedoch nahezu unverändert.

Ein Teil des Angebots in Bildern

Ein Teil des Angebots in Bildern

Als lockerer „Snack“ in der Mittagspause ist Dontak vor allem für Berufstätige attraktiv. Besucherzahlen von 70 bis 100 Gästen pro Tag sprechen für den Erfolg des Konzepts. Doch wie uns die Gründerin Frau Yoshida im Interview verriet, war Dontak ursprünglich ganz anders geplant. Der Foodtruck stellte vielmehr eine Art Übergangslösung dar, während aktuell die Vorbereitungen für die Eröffnung eines „richtigen“ Lokals im Stadtteil Flingern auf Hochtouren laufen.

Jedoch stellten wir uns die Frage, welche Vor- oder Nachteile gerade eine mobile Variante eines Lokals darstellt. In diesem Zusammenhang erwähnte Frau Yoshida vor allem die behördlichen und bürokratischen Hürden zu Beginn und die Schwierigkeiten bei der Findung passender Standorte. Allerdings sei der Austausch mit anderen Foodtruck-Inhabern sehr hilfreich gewesen und auch die japanische Gastronomielandschaft in Düsseldorf habe durchaus einen positiven Effekt auf Dontak gehabt. Hierzu äußerte Frau Yoshida: „Konkurrenz belebt das Geschäft“ und im Fall von Dontak erleichterte der Bekanntheitsgrad japanischen Essens, der in Düsseldorf schon vorherrschte, den Verkauf der eigenen Speisen. So bestehe beispielsweise kaum Erklärungsbedarf zum Angebot des Foodtrucks.

Ein Thema, das wir im Seminar bereits mehrfach diskutiert haben ist die Frage der „Authentizität“ und die Bedeutung derselben für ein erfolgreiches Restaurantkonzept. Diese erreicht ein Lokal unserer Meinung nach vor allem durch die Auswahl des Personals, das Angebot der Speisen, die Inneneinrichtung und die eigene Präsentation nach außen. Frau Yoshida gibt als einzige Deutsche im Team zu, dass sie selber nicht japanisch würzen könne und sich deshalb auf ihren Mann und ihren japanischen Koch verlassen würde, die die Gerichte original japanisch zubereiten können. Interessant war zudem, dass der japanische Koch für die junge Familie der Yoshidas zugleich ein Freund, Ansprechpartner und Berater geworden ist und in alltäglichen Fragen, wie z.B. über den japanischen Kindergarten, zur Seite steht.

Die Speisekarte und die Zutaten sind trotz neuer Kombinationen authentisch gehalten. Zur Inneneinrichtung lässt sich bei einem Foodtruck nicht viel sagen, lediglich die äußere Gestaltung gibt hier Freiraum zur Identifikation, die im Fall von Dontak einem alten japanischen Haus nachempfunden ist. Dies assoziierten wir zwar nicht direkt mit einem yatai, aber sowohl das Logo als auch die Webseite vermitteln ganz klar ein japanisches Bild.

Weiteren Spielraum für die Gestaltung bietet sicherlich das kommende Restaurant, auf das wir nach einem aufschlussreichen Nachmittag sehr gespannt sind und blicken somit gebannt auf die weitere Entwicklung von Dontak!

Von Irina Jahn und Dana Persch

 

 

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