Das Ekô-Haus Düsseldorf – Zentrum buddhistischer Rituale

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Blick aus der Priesterwohnung am Ekô-Haus

Von Lisa-Marie Schönefeld und Viktorija Wirt

2012 gehörten laut offizieller Statistik ca. 85 Millionen Japaner/innen dem Buddhismus an. Damit ist er eine der am weitesten verbreiteten Religionen in Japan und hat großen Einfluss auf den Alltag der japanischen Bevölkerung. Um herauszufinden, wie er sowohl zu Hause als auch in einem buddhistischen Tempel praktiziert wird, sind wir am 22. Dezember im Rahmen unseres Seminars „Rituale in Japan“  ins Ekô-Haus in Düsseldorf-Niederkassel gefahren, um dort einen ausgebildeten Priester der buddhistischen Schule Jôdo Shinshû, Jan-Marc Nottelmann-Feil, zu treffen. Er führte uns durch verschiedene Räume des Ekô-Hauses, unter anderen die Wohnung eines Priesters und die Veranstaltungs- und die Haupthalle des Tempels, und gab uns dabei einen interessanten Einblick in die verschiedenen Bereiche der buddhistischen Rituale.

Wir waren sehr überrascht, als Nottelmann-Feil uns in die Wohnung des Hauptpriesters führte, weil sie mitten auf dem Gelände des Ekô-Hauses liegt. Er erklärte uns, dass der derzeitige Hauptpriester im Moment in einer weiter entfernten Wohnung wohnt – denn auf dem betriebsamen Gelände findet man nie so richtig Ruhe. Normalerweise sei es aber in Japan üblich, dass sich der Priester in einer Wohnung in unmittelbarer Nähe zum Tempel aufhält.

Uns fiel als erstes auf, dass die Wohnung sehr geräumig ist, mit einem offenen Ess-Bereich, einem gemütlichen Wohnraum und einem schönen Ausblick auf die japanisch angelegten Gärten hinter dem Haus (siehe Foto oben). Angrenzend zum Wohnzimmer befindet sich ein kleiner, mit Tatami-Matten ausgelegter Raum, der außer einem kleinen, schwarzen Schrank und einem flachen Tisch nicht viel weitere Einrichtung besitzt. Nottelmann-Feil erklärte uns, dass der schwarze Schrank ein Hausaltar sei, der üblicherweise das Herz der Wohnung darstellt.
Der Altar wird in einer Familie als einzigartiges Familiengut von Generation zu Generation weitervererbt und ist deswegen für die meisten Familien ihr wertvollster Besitz. Aufgebaut ist er wie ein Tempel in Miniatur-Form, und wichtig dabei, sowohl beim Hausaltar, als auch bei einem richtigen Tempel der Jôdo Shinshû ist, dass eine Abbildung des Amida-Buddha, oder das nembutsu, das Gebet zur Anrufung des Amida-Buddha, im Zentrum der Einrichtung steht. Die Grundidee des Hausaltars sei laut Nottelmann-Feil gewesen, dass die Japaner nicht mehr regelmäßig den Tempel besuchen mussten, sondern ihre Gebete von zu Hause verrichten konnten.

Der Priester demonstrierte uns auch, wie man sich vor dem Hausaltar verhält: Man kniet vor dem Altar und verbeugt sich kurz davor, bevor man ihn öffnet. Dabei erklärte er uns, dass der Altar morgens geöffnet wird, und vor dem Frühstück als eine Art Opfergabe eine Schale Reis in den Altar gelegt wird, der später unter der Familie als Frühstück verteilt wird. Abends vor dem Schlafengehen wird der Altar wieder geschlossen. In der Jôdo Shinshû, der „wahren Schule des reinen Landes“, ist es nicht üblich, Fotos von Verstorbenen oder Täfelchen mit buddhistischen Totennamen (ihai) auf dem Altar zu platzieren. Die Verehrung vor dem Altar gilt demnach nur dem Amida Buddha, nicht den Ahnen der Familie.
Erstaunlicherweise wird der Hausaltar wie wir erfuhren heutzutage immer öfter nur noch als Dekoration genutzt, und die Rituale werden seltener eingehalten. Auch die Regelung, dass man eigentlich keine Bilder seiner Ahnen in den Altar stellt, wird vor allem in den jüngeren Generationen häufiger gebrochen.

In der Veranstaltungshalle des Ekô-Hauses hatten wir die Gelegenheit, uns kurz einen normalerweise verborgenen Altar anzusehen, der eher selten zum Einsatz kommt. Hier ist die Besonderheit, dass das Altarbild in der Mitte auf Knopfdruck je nach Anlass geändert werden kann.

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Der „wandelbare“ Altar in der Veranstaltungshalle

Anschließend führte uns der Priester in die Haupthalle des Ekô-Tempels, die in einen Zuschauerraum und den eigentlichen Altarraum aufgeteilt ist. Der Altarraum ist reich mit goldener Farbe verziert und mit dekorativen Blumen und Gegenständen ausgestattet .

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Der Innenraum des Tempels in der Haupthalle

Während wir den Raum in Ruhe betrachten konnten, erklärte Herr Nottelmann uns, dass der Tempel ein sakraler Raum ist, der nur für den Ritus geschaffen wurde, und dass jeder Tempel quasi das Grabmal des Buddha ersetzt. Dadurch wird die Wichtigkeit der Rituale noch einmal hervorgehoben, und zusätzlich durch die aufwendige und üppige Gestaltung der Tempel betont.

Anschließend zeigte er uns noch, wie eine typische buddhistische Andacht verläuft. Die Teilnehmer können dabei selbst Weihrauch darbringen: Dafür tritt man zuerst mit dem linken Fuß nach vorne, streut dann Weihrauch in ein Gefäß gefüllt mit glühenden Kohlen, verbeugt sich, spricht währenddessen das „namu amida butsu“ und tritt dann mit dem rechten Fuß wieder zurück. Interessant zu wissen ist, dass im Buddhismus die rechte Seite immer die „reine Seite“ ist, die der Erlösung zugewandt ist, und die linke Seite die Menschlichkeit darstellt. Dies wird auch während der Riten beachtet. Ein absolutes Tabu während einer buddhistischen Andacht ist es, dem Buddha den Rücken zuzudrehen, weil man dadurch den Buddha nicht mehr angemessen respektiert. Deshalb darf sich der Priester während der Messe auch nicht direkt in der Mitte des Raumes aufhalten, weil er dann den Buddha verdecken würde, der das Zentrum des Raumes darstellt.

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Das Shin-buddhistische Andachtsbuch in der japanischen Version

Zuletzt haben wir zusammen mit Jan-Marc Nottelmann-Feil aus dem Shin-buddhistischen Andachtsbuch rezitiert. Er erläuterte uns, dass die buddhistischen Priester einige der sino-japanischen Passagen auswendig können müssen. Es gibt sogar ein Handbuch für Priester zum Abhalten der Riten, das 法式規範 (hôshikikihan) Darin sind alle Details der buddhistischen Schule wie der richtige Ablauf von Zeremonien und die richtige Kleidung für die Priester erläutert. Für uns war es sehr interessant, einmal so ein buddhistisches Gebet mitzusprechen, und da die Andachten am Ekô-Haus öffentlich sind , denken wir, dass es sehr empfehlenswert ist, selbst einmal teilzunehmen.

Innerhalb der zwei Stunden, in denen Jan-Marc Nottelmann-Feil uns ausgiebig über buddhistische Rituale informierte und durch das Ekô-Haus führte, bekamen wir vielfältige Eindrücke vermittelt . Wir empfehlen daher, unbedingt selbst einmal das Ekô-Haus zu besuchen und sich die derzeitige Ausstellung über Kindheit in Japan anzusehen, oder sogar an einer der vielen vom Ekô-Haus angebotenen Veranstaltungen teilzunehmen, um sich selbst ein Bild von der ganzen Pracht der vielfältigen, aufregenden Kultur machen zu können.

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