Ringvorlesung: (Un)Cool Japan? Architektur, Gärten, Kunst

AK IGA 1963 Hamburg ST

Im Sommersemester geht es bei uns um das vermeintlich „uncoole“ Japan. Prof. Christian Tagsold veranstaltet zusammen mit dem Institut für Kunstgeschichte die Ringvorlesung „(Un)Cool Japan? Architektur, Gärten, Kunst“. Geboten werden vom 2.5.–11.7.2017 im Haus der Universität vier spannende Vorträge von Kunst- und Architektur-Expertinnen.

Zum Thema
Popkulturelle Elemente und Produkte sind seit einigen Jahren fester Bestandteil der japanischen Kulturdiplomatie. Manga und Anime, die japanische Form von Comics und Zeichentrickfilmen, erfreuen sich weltweiter Beliebtheit und überstrahlen unser bisheriges Japanbild zunehmend. Bedeutet das aber, dass ältere kulturelle Praktiken heutzutage uncool sind? Haben japanische Architektur, Gärten und Kunst ihre Bedeutung für uns eingebüßt? Oder müssen wir den Blick noch einmal neu justieren?
Ein Punkt darf dabei nicht unterschlagen werden: Die Positionen von West und Ost waren lange nicht symmetrisch und gleichberechtigt, sondern durch imperialistische Machtverhältnisse bestimmt. Die Verhandlungen über Architektur, Gärten oder Kunst knüpften sich in diesem Kontext an westliche Vorstellungen von der Authentizität des Fremden und Exotischen. Die Ringvorlesung wird das (un)coole Japan in dieser Hinsicht vorstellen und neu bewerten.

Die einzelnen Vorträge der Ringvorlesung:

2.5.2017 / 19 Uhr HdU
Coole Waren, uncoole Malereien: Kunsthistorische und künstlerische Auseinandersetzungen zwischen Europa und Ostasien
Prof. Dr. Melanie Trede, Universität Heidelberg

Wie schätzten Künstler und Kunsthistoriker Europas die Malereien und Artefakte aus China und Japan vor dem späten 19. Jahrhundert ein? Und wie beurteilte man umgekehrt in Ostasien europäische Malereien oder Druckwerke? Worauf basieren die gegenseitigen Einschätzungen und welche Parameter stecken dahinter? In diesem Vortrag geht es sowohl um die formative Kraft von Objekten aus der jeweils anderen Kultur als auch um die unterschiedlichen Neurahmung, anhand deren sie erst in die räumlichen und Alltagsgepflogenheiten integriert werden konnten. Sehgewohnheiten und die Freude an exotischer Andersartigkeit, aber auch deren Verdammung sollen im Vortag thematisiert werden. Gleichzeitig spielt die Materialität von Malereien gegenüber derjenigen von dreidimensionalen Waren wie Lacke und Wandbespannungen eine Rolle. Ein durchlaufendes Thema wird die immer wiederkehrende Frage der Darstellung von Räumlichkeit auf einem zweidimensionalen Medium und dessen kulturelle Konnotation sein. Kann eine Auffassung von Perspektive nationalistisch oder gar kulturessentialistisch konnotiert sein? Der Vortrag behauptet: yes, she can!

23.05.2017 / 19 Uhr HdU
Isamu Noguchi (1904-1988): Die Beziehung der Dinge
Dominika Glogowski, artEC/Oindustry

Surrealistische Akzente, heliumgefüllte Ballons und pneumatische Strukturen definieren die metaphorische Mondlandschaft des amerikanisch-japanischen Bildhauers Isamu Noguchi von 1967. Entworfen für den US-Pavillon der ersten Weltausstellung in Japan 1970, spiegelt das nicht realisierte Projekt in der Ära der Mondlandung Noguchis ganzheitlichen Zugang zur Kunst, Architektur, Technologie, Wissenschaft und dem Menschen wider. Die (Welt)Gesellschaft, das Spiel und die Freizeit bilden die Schlüsselpunkte einer integrativen Sichtweise. Basierend auf Noguchis Artikeln, Texten und Tagebucheintragungen erörtert der Vortrag seine Denkweise in der Nachkriegszeit, in der Landschaftsarchitektur und Bildhauerei im Gegensatz zur Lesung als einen japanischen Identitätsausdrucks vielmehr einen humanisierten, globalen Raum vermitteln, der vom universellen Anspruch von Technologie und Wissenschaft schöpft.

20.06.2017 / 19 Uhr HdU
Rezeption der japanischen Kunst und des Japonismus in Dresden um 1900
Anett Goethe, Kunstconnect

Der japanische Farbholzschnitt, welcher seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute Faszination auf den Betrachter ausübt und immer wieder zur künstlerischen Auseinandersetzung anregt, hatte auch in Dresden deutliche Spuren hinterlassen hat. Aus der Fülle von historischen und künstlerischen Belegen, welche sich trotz der einschneidenden Ereignisse in der Dresdner Geschichte noch feststellen lassen, kann abgeleitet werden, dass der Japonismus in Dresden am Ende des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle im Kunstschaffen spielte. Die Auseinandersetzung mit japanischen und japonistischen Einflüssen war dabei auch instrumental für die Bereitung neuer Wege in der Dresdner Kunst- und Kulturlandschaft.

11.07.2017 / 19 Uhr HdU
Architektur in Japan: Verflechtungen, Diskurse und Positionen
Prof. i. V. Susanne Kohte, TH Köln

Die aktuelle Architektur in Japan stößt weltweit auf großes Interesse, sie wird heute verbunden mit der Vorstellung leichter, transparenter Architektur, Reduktion und mit Bildern von traditioneller Ästhetik und Tradition in Japan. Diese Vorstellungen sind nicht ganz neu, seit dem 19. Jahrhundert besteht im Westen ein Interesse an der Architektur in Japan. Die Vorstellungen im Westen von  japanischer Architektur, von ihrer Ästhetik und ihrer Tradition, hatten Einfluss auf die Architektur im Westen und gaben immer wieder Anstöße; die Bilder des Anderen  dienten mal als Inspiration, als Gegenentwurf oder als Vorbild. Doch die Realität der Architektur in Japan war immer vielfältiger als die Vorstellungen von ihr; sie ist geprägt durch den wechselseitigen Austausch mit dem Architekturgeschehen außerhalb des Landes – und sie ist eng verbunden mit Diskursen in Europa.

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