23. Gender-Workshop CfP: Genderräume und -mobilitäten

Auch in diesem Jahr findet wieder direkt vor der Jahrestagung der Vereinigung für sozialwissenschaftliche Japanforschung am 17. und 18. November 2016 der Gender-Workshop statt. Das Schwerpunktthema dieses Jahres ist: Genderräume und -mobilitäten. Die Abstracts werden bis zum 18. September 2016 erbeten.

Call for Papers

Im Zeitalter der Globalisierung rücken verstärkt Räumlichkeit und Mobilität in den Blickpunkt der Forschung. Es stellt sich die Frage, wer sich wie und warum bewegt und wie Räume erschlossen werden. Räume sind nicht einfach vorgegeben, sondern werden in interaktivem Handeln von Menschen geschaffen. Die Konstitution und Konstruktion von Räumen geschieht in sozialen Aushandlungsprozessen. Martina Löw hat dafür den Begriff „Spacing“ geprägt, den Prozess des Platzierens von sich selbst, von anderen, von sozialen und kulturellen Gütern etc. (Löw 2001: 158 ff.)[1]. Ausgehandelt wird auch die Kategorie Geschlecht; sie ist – ebenso wie die Kategorie Raum – struktur- und ordnungsstiftend.

Den Geschlechtern werden mit Verweis auf einen biologisch begründeten Dualismus festgelegte Rollen und Aufgaben zugewiesen, die mit bestimmten Räumen verbunden sind. Während in der Vormoderne auch gemischtgeschlechtliche Räume bestanden, die nach Stand und Region unterschieden wurden, wird in der nationalen Modernisierung die Raumkonstitution umfassend vergeschlechtlicht. So werden öffentliche Räume mit Männlichkeit verbunden, private Räume mit Weiblichkeit. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung geht also mit räumlicher Differenzierung einher. Homosexualität wird in der Modernisierung aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen und im privaten tabuisiert. Gegenwärtig wird der moderne Geschlechtsdualismus hinterfragt und die  Dichotomie beider Sphären löst sich allmählich auf. Deshalb wird die Untersuchung des Verhältnisses und der wechselseitig aufeinander bezogenen Konstruktion und Reproduktion von Raum und Geschlecht zu einer wesentlichen Forschungsfrage. Räume, die zuvor als homosozial charakterisiert waren, werden hybrid und zugleich werden queere Praktiken öffentlich. Durch die räumlichen Entgrenzungen können auch die bisherigen Geschlechternormen und -strukturen entgrenzt und überwunden werden.

Auf dem Gender Workshop 2016 sollen sowohl städtische Räume – in Anlehnung an das Thema der VSJF-Tagung „Mobility and the City of the Future“ – als auch ländliche Räume in Japan untersucht werden. Die Thematik Geschlecht und Raum soll auch auf weitere Räume bezogen diskutiert und untersucht werden und es sind ausdrücklich auch Beiträge erwünscht, die sich auf andere (ost-/südostasiatische) Länder, virtuelle Räume, subkulturelle Räume und dergleichen beziehen. Es stellt sich dabei z.B. die Frage, welche Geschlechterrepräsentationen in welchen Räumen vorgefunden werden. Wie werden sie dort reproduziert? Und wie reproduzieren sie Räume? Wer eignet sich welche Räume an? Welches Verhältnis zeigt sich zwischen der Erschließung virtueller Räume im Netz oder der visuellen Kultur und der Veränderung von Alltagsräumen? Wie können Geschlechter gleichermaßen an Räumen partizipieren und Räume schaffen? Und welche Strategien existieren, um diese Partizipation ständig neu zu verhandeln? Welche Potenziale werden erschlossen, wenn sowohl die Kategorie Raum als auch die Kategorie Geschlecht dekonstruiert und neu gedacht werden? Welche Formen des Widerstandes gegen institutionalisierte Raumkonstruktionen gibt es?

Für den Gender-Workshop wären also mögliche Themen die Verbindung von Geschlecht und Aneignung von Räumen, von Architektur und Raumplanung in der Genderperspektive, von Geschlecht in virtuellen Räumen, aber auch von geschlechtlichen Repräsentationen von Räumen und Dichotomien wie Globalität – Lokalität und Öffentlichkeit – Privatheit. Es stellt sich auch die Frage nach der Partizipation an Räumen, z.B. im Rahmen von Stadtplanung und Bürgerinitiativen. Interessant könnten auch Themen wie Räume für Kinder, Jugend und Subkulturen im städtischen Raum sowie subkulturelle Grenzüberschreitungen im Kontext der Globalität sein. Neben diesem Themenschwerpunkt wird der Workshop auch einen offenen Teil beinhalten, in dem wir dazu einladen Beiträge einzubringen, die Dissertationsvorhaben und Forschungsprojekte aus dem Bereich der auf Japan bezogenen Geschlechterforschung vorstellen.

Der Workshop wird wie immer vorgelagert zur Jahrestagung der Vereinigung für sozialwissenschaftliche Japanforschung (VSJF) am 17. und 18. November 2016 in Duisburg stattfinden. Interessierte aller Fachrichtungen sind herzlich willkommen. Wir würden uns freuen, wenn sich viele Interessierte mit einem Beitrag aus ihrem Forschungsbereich an unserem Workshop beteiligen. Damit wir ausreichend Zeit für Diskussionen und Gedankenaustausch haben können, sollte die Vortragsdauer 20 Minuten nicht überschreiten. Wir bitten alle, die ein Referat halten möchten, um ein kurzes Abstract (max. eine Seite) zu ihrem Thema. Bitte mailen Sie das Abstract bis zum 18.09.2016 an Julia Siep (siep@phil.hhu.de). Sie steht Ihnen auch bei Rückfragen gerne zur Verfügung.

Kontakt:
Dr. Julia Siep
Institut für Modernes Japan
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf

[1] Löw, Martina (2001): Raumsoziologie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

 

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