Japanischer Generalkonsul unterstützt Bürgerforum

immermannRege Diskussionen zum geplanten Deutsch-Japanischen Bürgerforum gab es am Mittwoch, 3. Juni 2015, bei einem Vortrag des japanischen Generalkonsuls Kaoru Shimazaki im Haus der Universität Düsseldorf. Das Bürgerforum soll dazu beitragen, den Austausch zwischen japanischen und deutschen Bürger/innen in Düsseldorf und Umgebung zu intensivieren. Unsere Studentinnen Bernadette Meyer und Marina Sammeck berichten über die von Prof. Michiko Mae initiierte Veranstaltung:

Der Generalkonsul sprach zunächst über seine persönlichen Erfahrungen, die er in Deutschland während seiner Ausbildung zum Diplomaten gemacht hat. Er berichtete auch davon, wie der deutsch-japanische Austausch und viele Begegnungen seinen Arbeitsalltag bis heute prägen. Seine Rede war voller Anekdoten und Witz, als er von sehr bereichernden, aber auch von schwierigen Erfahrungen erzählte. Diese schwierigen Erfahrungen bezeichnete er jedoch nicht als Hemmnisse für die interkulturelle Verständigung, sondern viel mehr als Herausforderungen, die es für ihn zu meistern galt, um die deutsch-japanische Freundschaft noch mehr zu vertiefen. Er zeichnete also ein positives und ermutigendes Bild von den deutsch-japanischen Beziehungen.

Hindernisse für den Austausch

Besonders in Bezug auf Düsseldorf lobte Kaoru Shimazaki die offene Atmosphäre, die die Stadt und zahlreiche Initiativen für japanische Familien bieten. Dennoch mahnte er, dass diese Freundschaft nur durch tatkräftiges Engagement weiterhin so erfolgreich bestehen und sich weiterentwickeln könne. Herr Shimazaki zeigte einige Entwicklungen in der japanischen Gemeinde auf, die sich negativ auf die gegenseitige Verständigung auswirken könnten. Die japanischen Geschäftsleute sind durch ihre intensive Arbeit und vielen Geschäftsreisen zu beschäftigt, um Deutsch zu lernen. Er wies darauf hin, dass viele Japaner nur wenige Möglichkeiten bzw. kaum die Notwendigkeit haben, ihre erlernten Deutsch-Kenntnisse im Alltagsleben anzuwenden. Denn es gibt in Düsseldorf eine gut entwickelte Infrastruktur mit japanischen Geschäften, Ärzten, Friseuren etc., so dass die Japaner nicht gezwungen sind, auf Deutsch zu interagieren. In vielen Fällen weiß die Familie, dass sie nur für wenige Jahre in Deutschland bleiben wird und ist deshalb in ihrer Lebensweise an Japan orientiert, weil sie z. B. an die Vorbereitung für die Aufnahmeprüfungen der Kinder für weiterführende Schulen nach der Rückkehr denken muss. Da es so nur wenig Gelegenheit zum Austausch gibt, sehen die Japaner oft nicht so viel Sinn im mühsamen Erlernen der deutschen Sprache.

Mehr Kontaktmöglichkeiten schaffen

So gibt es – obwohl Düsseldorf die drittgrößte Anzahl an Japanern in Europa hat – zwischen japanischen Familien und Deutschen nur schwach ausgeprägte Beziehungen. Sowohl Kaoru Shimazaki und Michiko Mae als auch die Zuhörer empfanden es als wünschenswert, die Kontakte zu verstärken. Angeregt und moderiert durch Mae entwickelte sich rasch eine Diskussion, wie man durch Initiativen in Düsseldorf vor Ort die Japaner besser ins deutsche Leben integrieren könnte. Es wurden verschiedene Vorschläge gemacht, wie man mehr Kontaktmöglichkeiten schaffen und den gegenseitigen Austausch fördern kann. Die Zielgruppe sollen vor allem japanische Ehefrauen und Deutsche Studierende des Studiengangs „Modernes Japan“ sein.

Ehefrauen sollen angesprochen werden

Besonders einige Mitglieder der Organisation TAKENOKAI berichteten, wie sie bereits kleine Projekte zum kulturellen Austausch, insbesondere mit japanischen Senioren, durchführen. Sie wünschen sich sehr die Mitarbeit von Studierenden und boten Hilfe bei der Planung neuer Projekte an.

Viele oft mit ihren Kindern allein gelassenen Ehefrauen in der japanischen Gemeinde führen ein von der deutschen Gesellschaft sehr isoliertes Leben, obwohl gerade sie Zeit hätten, sich mit der deutschen Kultur auseinanderzusetzen. Diskutiert wurde daher, ein Forum zu schaffen, das diese Frauen in Düsseldorf willkommen heißt und ihnen bei der Integration durch verschiedene mit Düsseldorfern gemeinsam durchgeführten Aktivitäten wie z. B. Kochen oder Sport hilft.
Weitere gemeinsame kulturelle Unternehmungen wie z. B. Stadtrundgänge durch Düsseldorf wurden vorgeschlagen. Es wurde allerdings der Einwand geäußert, dass dies für Japaner interessant sein könnte, aber dass diese Art von gemeinsamen Unternehmungen bei den Studierenden vielleicht nicht so viel Anklang finden könnte.

Ein Grillfest für fröhlichen Austausch

Auf sehr viel Begeisterung traf deshalb der Vorschlag einer Studentin, ein gemeinsames Grillen zu veranstalten, bei dem man ungezwungen ins Gespräch kommen könne, um so möglichst viele Interessengruppen anzusprechen. Die Geschäftsführerin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft am Niederrhein, Pia-Tomoko Meid, erklärte sich bereit, bei der Organisation und Bekanntmachung zu helfen (z. B. über die Webseite der DJG), sobald genügend Personen einen konkreten Vorschlag mit Datum machen und die Planung übernehmen. Denn bereits in der Vergangenheit hat die DJG ähnliche Initiativen erfolgreich unterstützt – so ist z.B. die DoKomi mit 19.000 Besuchern in diesem Jahr aus der Anregung zweier Studenten hervorgegangen. Dennoch appellierte Meid an die Studierenden, dass sie deren Bereitschaft, sich zu engagieren und zu vorheriger Planung erwarte.

Nächste Schritte

Die Studierenden wollen ihre Idee für ein Grillfest nun im Sommer in die Tat umsetzen. Dazu muss u. a. ein Platz, auf dem das Grillen erlaubt ist gefunden und ein größerer Grill organisiert werden. Falls sich kein Grillplatz finden sollte, wäre alternativ auch ein Picknick möglich. Verpflegung und Getränke sollte jeder am besten selber mitbringen. Um die Veranstaltung bekannt zu machen, könnten Plakate erstellt und aufgehängt werden.
Auch an die Erstellung und Verwaltung einer eigenen Website für den deutsch-japanischen Austausch wurde gedacht. So könnten Informationen und Bekanntmachungen verbreitet werden und sie könnte zu einer Plattform für vielfältige Initiativen und Interaktion werden.
Abschließend zeigte sich Michiko Mae sehr erfreut über die rege Beteiligung und sagte zu, sich auch persönlich dafür einzusetzen, dass die Vorschläge weiterverfolgt werden.

Bernadette Meyer und Marina Sammeck

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