Bericht: Zeitzeugenvortrag im Zakk

Hideto Sotobayashi berichtete vergangene Woche bei seinem zweiten Vortrag im Zuge der 150 Jahre Deutsch – Japanischer Freundschaft im Zakk über seine Erlebnisse bei dem Atombombenabwurf auf Hiroshima im Jahr 1945. Ein Student des Instituts für Modernes Japan, Nicolas Nagel, dokumentiert hier die Veranstaltung.

Der Abend startete mit einer Performance von Tomoko Tezuka, Chikako Kaido und Shinsaku Yuasa. Der Auftritt begann damit, dass die Künstler mit Kreide auf den Fußboden malten. Im Hintergrund wurde Flöte gespielt und die drei Performer fingen an, ihre Körper langsam zu bewegen. Diese Bewegungen endeten in krampfartigen Zuckungen. Nach einer japanischen Begrüßung folgten weitere Tänze, unter anderem ein Sommertanz und ein  Krankentanz. Zwischendurch fielen Begriffe wie „Hiroshima“, „6. August“, „Arbeitsdienst“ oder „Militärregierung“. Am Ende dieser 15 minütigen Tanzeinlage brachen alle drei schreiend zusammen.

Hideto Sotobayashi stellte sich zu Beginn seines Vortrages kurz selbst vor: Demnach wurde er in Nagasaki geboren und ist in Hiroshima aufgewachsen. Später studierte er Chemie und arbeitete für das Berliner Max-Planck-Institut. Im Jahre 2007 hat er erstmalig öffentlich über seine Erlebnisse in Hiroshima berichtet. Sein Jahrzehnte langes Schweigen begründete er mit der Ächtung der Atombombenopfer innerhalb von Japan und auch von Deutschland. Es herrschte früher und auch noch heute die Angst, dass verstrahlte Überlebende ansteckend seien und somit eher gemieden werden sollen.

Sotobayashi beschrieb den Zuhörern den 6. August 1945, wie er ihn erlebt hat. Zur Zeit des Einschlags war er in der Schule, ca. 2 km entfernt vom Epizentrum. Den Einschlag beschrieb er als einen hellen Blitz, gefolgt von einem Donnern. Dabei stürzte die aus Holz gebaute Schule ein. Er blieb dabei wie durch ein Wunder unverletzt und half einem verletzen Freund aus den Trümmern. Sie machten sich auf dem Weg nach Hause durch die brennende und zerstörte Stadt. Dabei musste er durch einen Fluss schwimmen. Zuhause angekommen sah er, dass sein Vater das Haus schon gelöscht hatte, aber sie wussten nicht, was mit der Mutter passiert ist. Denn diese war während des Bombeneinschlags im Stadtzentrum. Also machte sich Sotobayashi auf den Weg, seine Mutter zu suchen.

Auf dem Weg zum nächstgelegensten Krankenhaus fand er die Leiche eines Bekannten. Während er durch die Stadt lief, hörte er viele Hilferufe und sah viele verbrannte Leichen. Beim Roten Kreuz Krankenhaus fand er schließlich seine Mutter. Sie war stark verletzt, aber lebte. Da das Krankenhaus aus Eisenbeton war, ist es nicht eingestürzt. Er brachte seine Mutter nach Hause, wo sie aber nach drei Tagen starb. Noch im selben Monat starben viele Menschen durch Verstrahlung. Sie zeigten die typischen Atombomben-Symptome: Das Ausfallen der Haare und blutendes Zahnfleisch.

Herr Sotobayashi zeigte bei seinem Vortrag etliche Bildaufnahmen sowohl aus Nagasaki als auch aus Hiroshima. Darunter war auch das berühmte Bild eines menschlichen Schattens auf einer Treppe. Der dazugehörige Mensch hatte sich wohl während der Explosion aufgelöst – nur sein Schatten blieb, sichtbar für die Nachwelt. Diese Bilder verdeutlichen noch mehr die Grausamkeit der Bombe, die von den Amerikanern am 6. August 1045 um 8:15 Uhr auf Hiroshima geworfen wurde.

Sotobayashi zeigte auch einen 35 minütigen Film, der mit Hilfe modernster digitaler Animationstechnik das Alltagsleben Hiroshimas rekonstruiert. Durch den Film bekommt man einen guten Eindruck von der zuvor so lebhaften Stadt: Krankenhäuser, Gemüseläden, spielende Kinder und Schulen.

Nach dem Film sprach Herr Sotobayashi noch einige Worte zu der Atomkatastrophe von  Fukushima. Er kritisierte dabei nicht das japanische Krisenmanagement, sondern die Menschheit allgemein, welche diese gefährliche Kraft erschaffen hat. Er findet es unverantwortlich, dass solche Energien benutzt werden, sowohl als Bombe, als auch als Stromenergie, da diese die ganze Welt zerstören. Er wollte dabei zum Nachdenken anregen und an die Moral der Menschen appellieren. Vor allen die Problematik des Atomabfalls findet er sehr problematisch, da dieser 1 Millionen Jahre lang strahlt und es noch keine wirkliche Lösung dafür gibt, was mit dem Müll geschehen soll.

Zum Schluss wurden noch einige Fragen gestellt, die vorwiegend auf seine Einstellung zur Atomkraft und Amerika zielten. Hierbei bekräftigte er nochmals seinen Appell an die Menschheit, dass eine solche Kraft unverantwortlich sei.

Nicolas Nagel

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