Experimentelle Klänge mit traditioneller Note

Kobayashi_Circle

Foto: Annika Raue

Die Modernes Japan-Studentin Annika Raue berichtet von der  „Langen Nacht der Neuen Musik“ am 27. Mai, die ganz im Zeichen einer klanglichen Reise stand – von Tokyo nach Düsseldorf und zurück.

Eine lange Nacht mit „Neuer Musik“ fand am 27. Mai in der Robert-Schumann Hochschule statt. Von 18 Uhr bis nach Mitternacht gab es bereits zum dritten Mal an vier verschiedenen Veranstaltungsorten innerhalb der Hochschule neue Klänge sowohl von bekannten Komponisten als auch den Kompositionsklassen des vergangenen Semesters zu hören. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Vorstellung von Werken zeitgenössischer japanischer Komponisten.

Das „Ensemble für Neue Musik“ der Robert Schumann-Hochschule unter der Leitung von Prof. Rüdiger Bohn und Studierenden der Dirigierklasse startete gegen 22:30 Uhr mit dem ersten japanischen Musikblock.
Zu Beginn wurde ein Werk der in Düsseldorf lebenden und auch anwesenden Komponistin Yamaguchi Yasuko gespielt, die in Japan und Deutschland bereits zahlreiche Auszeichnungen und eine Nominierung für den Akutagawa-Kompositionspreis erhalten hat. Ihr Stück „Parabel“, eine Komposition für ein kleineres Ensemble mit Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Schlagzeug überraschte neben seinem Spiel mit Stille, Dynamik und japanisch anmutenden percussiven Elementen vor allem mit dem Einsatz von kleinen, an den Notenständern befestigten Luftballons, welche die Musiker als eigenen percussiven Beitrag zu gegebenen Zeitpunkt platzen ließen.

Weiter ging es mit „Renga II“, einem Stück von Kaneko Hitomi, einer ebenfalls sehr bekannten japanischen Komponistin, deren Stücke von Ensambles weltweit, unter anderem in den USA, Frankreich vielen anderen Ländern Europas, aufgeführt wurden.  Das Werk, bei dem das Ensemble durch Klavier erweitert wurde, fiel durch seinen starken Kontrast zwischen anfänglicher Stille und sich immer weiter aufbauender Dynamik auf. Dabei wurden erneut teils sehr unterschiedliche percussive Akzente und minimale Klangelemente wie das Ertönen der Querflöte in stillen Passagen in den Vordergrund gerückt.

Das Solo „Requiem“ für die Querflöte von Fukushima Kazuo weckte die wohl stärksten Assoziationen mit japanischer traditioneller Musik. Die Spielweise der Querflöte erinnerte sehr an den Klang japanischer Shakuhachi-Flötenstücke  und schien für einen Moment aus dem Programm der Neuen Musik auszubrechen. Fukushima, der die Flöte als Instrument bevorzugt, ist dafür bekannt, zeitgenössische westliche Strömungen mit japanischen Traditionen wie dem Nô-Theater zu verbinden.

Im zweiten Konzertblock, der ab etwa 0:30 Uhr begann, gab es unter anderem zwei Werke von Akemi Kobayashi und Toshio Hosokawa zu hören.
Mit Kobayashi Akemis Werk „Circle“ wurde das Ensemble nochmals um einige Instrumente, darunter auch Oboe, Fagott und Viola, auf ein großes Ensemble erweitert. Auch hier gab es wieder außergewöhnliche Klangtechniken zu hören: Als einleitendes Klangelement für das Stück diente der hohe, schwingende Klang eines geriebenen Glasrandes.

Hosokawa Toshio, der zu den wichtigsten und bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Japans gehört und dessen Kompositionen neben Orchestermusik auch Opern und Filmmusik umfassen, war mit seinem Stück „Voyage“ vertreten. Mit dem größten, 20-köpfigen Ensemble bildete er wohl den Höhepunkt des Abends. Sein dynamisches, eher düsteres Werk wurde von der bekannten japanischen Akkordeonistin Mie Miki begleitet, die seit 2003 an der Folkwang Universität der Künste in Essen als Professorin beschäftigt ist.

Inmitten der sehr experimentellen, dynamischen und oft sehr lauten Klangtechniken, welche für die Neue Musik charakteristisch sind, waren bei den Werken japanischer Komponisten sehr oft typische Elemente japanischer traditioneller Musik herauszuhören. Am meisten machte sich dies am Einsatz des Schlagzeuges bemerkbar, dessen teils rasche oder auch stark akzentuierte Schlagfolgen an Taiko- oder Nô-Trommeln erinnerten. Auch die bereits erwähnte Ähnlichkeit der klassischen Querflöte zur Shakuhachi-Flöte machte sich in den Stücken oft bemerkbar. Ebenfalls auffällig war die im Vergleich allgemein größere Betonung der Stille, um Akzente wie z.B. die der Querflöte oder Trommeln stärker hervorzuheben.

Parallel zu den sehr gut besuchten Hauptveranstaltungen im Praktika- und Kammermusik-Saal gab es in einem Unterrichtsraum und im Mensagebäude noch kleinere Nebenveranstaltungen. In der Mensa gab es während der ganzen Veranstaltung Catering und ab 22 Uhr konnte man sich dort Filmvorführungen, Performances und kleinere Aufführungen ansehen, bevor die lange Nacht der Neuen Musik mit einer abschließenden Party ab 2 Uhr mit DJ und Jam-Session nochmals in die Verlängerung ging.

Annika Raue

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