Tagungsbericht: Religion in Japan

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Um Bräute, schmerzende Beine und Bestattungstrends ging es bei der studentischen Abschlusstagung am Samstag, 12. Juli, im Haus der Universität. Unter dem Titel “Neue Rituale, suchende Geister – Religiöse Trends in Japan und japanische Religionen in Düsseldorf” präsentierten die Studierenden die Ergebnisse ihrer Forschungsprojekte, die sie über das Semester verfolgt hatten.

Die Tagung bildete den Abschluss des Seminars „Religion im gegenwärtigen Japan“ (Elisabeth Scherer), in dem die Studierenden teilnehmende Beobachtungen in Düsseldorf machten oder Webseiten japanischer Institutionen untersuchten.

Im ersten Teil der Tagung ging es um die Entwicklung von Ritualen im gegenwärtigen Japan. Hier zeigten sich in den Analysen der Studierenden deutliche Einflüsse des demographischen Wandels und der Marketing-Strategien, die von religiösen und kommerziellen Anbietern verfolgt werden. So verdeutlichte eine Gruppe, wie Tempel für ihre Angebote von Mizuko kuyô – einem Ritual für abgetriebene Föten und totgeborene Kinder – mit dem schlechten Gewissen der Eltern arbeiten. Ein Marketing-Instrument sind dabei auf der Tempel-Webseite veröffentlichte Briefe, die vermeintlich von Eltern an ihre nie geborenen Kinder gerichtet sind.

In der Hochzeitsindustrie wird, wie eine andere Gruppe aufzeigte, sehr stark mit dem Wunsch nach Individualität gearbeitet. Auf der Webseite des Anbieters Riviera Tokyo werden so eine Vielzahl an Wahlmöglichkeiten vorgestellt, die von der „Chrystal Chapel“ bis zur „Mc-Donald’s-Hochzeit“ reichen. Auch bei den Bestattungen diversifizieren sich die Wünsche, wie im letzten Vortrag zum Thema Ritual deutlich wurde. Bestattungsunternehmen bieten Rituale für alle größeren religiösen Richtungen an, und Zusatzoptionen sollen dafür sorgen, dass die Bestattung der Persönlichkeit der/des Verstorbenen gerecht wird. Darüber hinaus lässt sich deutlich ein neues Kostenbewusstsein erkennen.

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Glücks-Zettel bei der Statue des Shôtoku Taishi am Eko-Haus

Der zweite Teil der Tagung widmete sich dem japanisch geprägten religiösen Leben in Düsseldorf. Das Eko-Haus ist als Tempel der buddhistischen Jôdo-Shinshû ein wichtiges Zentrum japanischer Religiösität in Düsseldorf. Wie die Studierenden bei einer Beobachtung vor Ort feststellen konnten, sind jedoch nicht Japaner das Hauptpublikum des Eko-Hauses, sondern es finden sich hier Menschen mit den unterschiedlichsten Motivationen – vom Zen-Anhänger bis zum Fan der japanischen Kultur. Auch erobert sich vor Ort eine „nicht offizielle“ Religiösität Raum, wie kleine Glückszettel zeigen, die die Besucher aus einer Eigenmotivation heraus bei der Statue des Shôtoku Taishi aufhängen.

Eine offene Atmosphäre fanden auch zwei Studentinnen vor, die eine Zen-Gruppe in Düsseldorf besuchten und am Zazen teilnahmen. „Wenn ich hart zu mir bin, komme ich auch nicht zur Erleuchtung“, erläuterte der Zen-Lehrer – und widerlegte damit das Klischee vom zwingend strengen, eisernen Zen. Darüber hinaus wurde deutlich, dass Zen von den Betreibenden nicht unbedingt als etwas Japanisches wahrgenommen wird und Unterschiede zum Zen in Japan durchaus bewusst sind. Auf eine überraschende Meinungsvielfalt stießen auch vier Studenten, die bei einem Gruppentreffen der japanischen neuen Religion Sôka Gakkai in Düsseldorf teilnahmen. Die Mitglieder kommen mit den unterschiedlichsten Motivationen in die Gruppe, die von einer Prägung durch das Elternhaus bis zur Suche nach einem Lebenssinn reichen. Auch zeigten sich im Gespräch mit den deutschen und japanischen Mitgliedern unterschiedliche Einstellungen zur Öffentlichkeitsarbeit der Sôka Gakkai und zum Präsidenten der Sôka Gakkai International, Ikeda Daisaku.

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