Impressionen aus dem Übersetzungsprojekt „Diebesbande 39“

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Nach der großen Resonanz, die das Übersetzungs- und Untertitelungsprojekt im Sommersemester 2013 fand, wurde unter Leitung von Mai Umezaki und Adam Jambor auch in diesem Semester ein Übersetzungsprojekt angeboten, das von den Studierenden sehr positiv aufgenommen wurde.

Die Aufführung der Untertitel zur Komödie „Diebesbande 39“ (jap. 39 settôdan) in Hörsaal 6 E war ein voller Erfolg und der Hörsaal mit seinen etwas über 60 Plätzen bis auf den letzten Platz gefüllt. Nachdem letztes Semester durch den Lehrförderfonds der HHU zur Förderung innovativer Lehrkonzepte eine Dokumention zur nach wie vor aktuellen Thematik „Erdbeben und Tsunami im Nordwesten Japans“ übersetzt und untertitelt wurde, stand im Zentrum des aktuellen Projekts eine Komödie, die sich mit der Situation geistig Behinderter in Japan beschäftigte.

Zwar stand auch bei diesem Übersetzungsprojekt das Übersetzen anhand eines Films im Vordergrund, jedoch ergab eine Befragung unter den Studierenden zu Beginn des Seminars, dass auch andere Interessen neben der Untertitelung des Japanischen bestanden. Die Kursleiter versuchten auf die Wünsche der Studierenden einzugehen, indem nach der Übersetzung und gemeinsamen Korrektur der Untertitel die wissenschaftliche Beschäftigung mit einem Film im Vordergrund stand. Vor dieser Phase konnten der Kurs noch Japanisch üben. Jeder Kursteilnehmer sollte seine Eindrücke des Films mit drei Fragen an die Schauspieler bzw. den Regisseur als Japanisch-Hausaufgabe erledigen. Die Texte mit den Fragen wurden an den Regisseur und die Schauspieler weitergeleitet und wurden bereits beantwortet.

Mai Umezaki hielt im weiteren  Verlauf des Semesters einen Vortrag, in dem sie Übersetzungstheorien vorstellte. Hierbei konnten Studierende eigene Erfahrung aus der Übersetzung des Films aufgreifen. So stellte Frau Umezaki dar, dass ein Übersetzungsprozess auch immer eine Entscheidung darstellt, die im Hinblick auf das skopos (Ziel der Übersetzung) zu treffen ist und dass es DIE Übersetzung nicht geben kann. Insbesondere die Übersetzung vom Japanischen ins Deutsche erfordert es mitunter kulturelle Besonderheiten, die dem allgemeinen deutschen Publikum nicht geläufig sind, auszulassen. Der Übersetzer entscheidet also auch, ob er kulturelle Besonderheiten einfach so übernimmt (foreignization) oder in die Zielsprache bzw. Zielkultur überträgt (domestication). Anhand von übersetzten Beispielen aus dem Film „Diebesbande 39“ wurde die Komplexität der Übersetzungstheorie auch für die Studenten greifbar und leicht verständlich.

Ein weiterer Wunsch der Studenten bestand darin, dass das Werkzeug der „Filmanalyse“ erklärt wird. Adam Jambor stellt daraufhin die „Einführung in die Filmanalyse“ von Faulstich vor. Eingegangen wurde auf die unterschiedlichen Blickwinkel einer Filmanalyse: Handlungsanalyse, Figurenanalyse und Stilmittelanalyse. Nach den Erläuterungen wurde diskutiert, welche Beispiele die Studenten für eine Analyse im Kopf haben und auch konkret auf den Film „Diebesbande 39“ eingegangen. Im Anschluss wurden Aufgaben verteilt, denn die Studenten sollten in der folgenden Woche Poster erstellen.

In der letzten Kurssitzung wurde noch auf das Problem der „Sozialen Exklusion“ von Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung eingegangen und diskutiert, wie die Erkenntnisse eines deutschsprachigen, sozialwissenschaftlichen Textes auf das Filmbeispiel übertragbar sind. Auch hier erleichterte die Verbindung mit einem konkreten Beispiel die Diskussion ungemein. Dem Übersetzungskurs fehlte zwar die Tiefe, die ein Seminar zu einem bestimmten Thema vermitteln kann, jedoch war dies auch nicht das Ziel. Die Studenten konnten jedoch lernen, welche Denkprozesse hinter einer Übersetzung stehen und bekamen anhand des Filmbeispiels auch viele Denkanstöße für die spätere Auseinandersetzung mit dem Medium Film. Auch wenn die Studenten und die Kursleiter sehr viel Spaß bei der gemeinsamen Übersetzungsarbeit hatten, wird es vorerst das letzte Mal sein, dass ein Untertitelungsprojekt angeboten werden kann, da die Kursleiter Mai Umezaki (Bochum) und Adam Jambor (Okinawa) ab April den Fachbereich Modernes Japan verlassen.

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