Bericht: „Ethnographie interkulturellen Handelns in deutschen und amerikanischen Unternehmen in Japan“

Am 27.06.2013 hielt Prof. Dr. Alois Moosmüller (LMU München) im Rahmen des Bachelor Plus Programmes einen spannenden und informativen Vortrag zum Thema „Ethnographie interkulturellen Handelns in deutschen und amerikanischen Unternehmen in Japan“. Für alle, die den Termin leider nicht wahrnehmen konnten, gibt es nun eine kleine Zusammenfassung:

Vortrag Prof. Dr. Moosmüller

Prof. Dr. Moosmüller ist Ethnologe und Professor für Interkulturelle Kommunikation an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat insgesamt fünf Jahre in Tōkyō gelebt und während dieses Aufenthaltes Feldforschung in multinationalen Unternehmen in Japan durchgeführt. Neben seinem Untersuchungsgegenstand waren vor allem seine Erfahrungen aus der Feldforschung, besonders Methodik sowie wissenschaftliche Ethik Gegenstand des Vortrages.

Ziel seiner Arbeit war es, Sinnkonstruktionen von in multinationalen Firmen in Japan angestellten deutschen und amerikanischen Expatriates, die Teil der  sogenannten „Business-Diaspora“ waren, aufzudecken. Hierbei arbeitete er sowohl kontrastiv (also deutsch-japanische und amerikanisch-japanische Interaktionsprobleme) als auch komparativ (Vergleich der deutsch-amerikanischen Unterschiede im Umgang mit diesen Interaktionsproblemen). In seiner Forschung orientierte er sich stark an Clifford Geertz‘ Methode der „dichten Beschreibung“. Neben teilnehmender Beobachtung führte er insgesamt 80 Interviews durch. Darüber hinaus betonte Prof. Dr. Moosmüller die vielen informellen Gespräche, die ihm als Informationsquelle dienten. Er selbst bezeichnete sich als „24-Stunden-Ethnologe“: Tag und Nacht beschäftigte er sich (natürlich gerne!) mit seiner Forschung und das Feldtagebuch war sein ständiger Begleiter, um jede noch so kleine Information festzuhalten – auch seine eigenen Emotionen, da diese zum Verständnis von Handlungen des Gegenüber beitragen können. Das Sammeln von Daten eingeschlossen, diente ihm das Feldtagebuch darüber hinaus der Selbstreflexion. So wurde die große Bedeutung des Feldtagebuchs für die empirische Forschung deutlich.

Nachdem er den Zuhörern Begriffe wie multinationale Unternehmen (MNU) und globalintegrierte Unternehmen (GIU) anhand einiger Tafelbilder erklärt hatte, ging Prof. Moosmüller auf die Diaspora-Erfahrung der Deutschen in Japan ein, die einige seiner Informanten mit dem Leben auf einer kleinen „Insel der Seligen“ bezeichnet hatten. Anschließend führte er einige spannende Erlebnisse aus seiner Feldforschung an. So erzählte er von Gesprächen mit Deutschen, die sich über das Englisch der japanischen Kollegen beschwerten. Seinem Bericht zufolge spielte er dabei gerne den Wolf, der mit dem Rudel heult – ergo sich den Meinungen der Deutschen anschloss – um die gewünschten Informationen aus den Gesprächen zu erhalten. Dies würde er heute jedoch nicht mehr so machen, da er mittlerweile davon überzeugt sei, dass bei der Feldforschung ein Geben und Nehmen stets ausgeglichen sein sollte und es für die Forschenden wichtig sei, sich an wissenschaftlicher Ethik zu orientieren und die an der Forschung Teilnehmenden nicht hinters Licht zu führen und zu manipulieren.

Neben vielen weiteren anschaulichen und lebendig erzählten Fallbeispielen, einigen Buchtipps für unsere Studenten und Berichten von alltäglichen Problemen der Feldforschung betonte er vor allem auch die Freude, die er stets beim Forschen empfand. Zum Abschluss hatte er noch einen wichtigen Ratschlag für unsere Bachelor Plus Studierenden: Den 24-Stunden Ethnologen ab und zu auch einmal zu Hause zu lassen und die Zeit in Japan zu genießen.

 

Jacqueline Spisa und Ludgera Lewerich

 

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