Kategorie-Archiv: Bachelor Plus

Neues vom Bachelor Plus: Dritter Jahrgang

Der neue Jahrgang der Bachelor Plus Studierenden steht fest: Mit Theresa Behle, Cedric Klein, Carolin Maibach, Gerrit Neumann und Evelyn Szawerski wird zum Wintersemester 2013/2014 bereits der dritte Bachelor Plus Jahrgang nach Japan gehen.

Momentan studiert der zweite Jahrgang, bestehend aus Thilo Böwer, Ute Blazejak, Moritz Lettgen, Ulrike Miglo und Stephanie Segener an den japanischen Partneruniversitäten und steckt mitten in der Durchführung der jeweiligen Forschungsprojekte. Die Themen der Forschungsvorhaben sind sehr vielfältig und reichen von Karate über Erziehung (alternative Schulformen, Arbeitsweisen eines Kinderheims, Geschlechterrollen in Kindergärten) bis zur häuslichen Arbeitsteilung in der japanischen Doppelverdienerfamilie. Wir sind gespannt auf erste Ergebnisse dieser Forschungsprojekte und freuen uns auf die Vorhaben des nächsten Jahrgangs, die mindestens ebenso spannend und abwechslungsreich zu werden versprechen…

Für die neuen BA+ Studierenden gab es dann am Donnerstag bereits ein erstes Kennenlerntreffen mit Prof. Shimada (BA+ Projektleitung) und Michiko Uike-Bormann (BA+ Projektkoordination). Bei Onigiri und grünem Tee konnten die Studierenden Fragen zum Bachelor Plus Programm stellen und die Projekte der anderen TeilnehmerInnen kennenlernen. Nach den Semesterferien starten alle dann mit dem Seminar “Einführung in die empirische Japanforschung” mit den Vorbereitungen für die Feldforschung in Japan.

Der dritte BA+ Jahrgang mit Prof. Shimada und Michiko Uike-Bormann

 

 

Studienaufenthalt in Japan 2013-2014 und Bewerbungen Bachelor Plus

Im Rahmen des Bewerbungsverfahrens für die Austauschprogramme mit japanischen Partneruniversitäten für einen einjährigen Studienaufenthalt in Japan vom September/Oktober 2013 bis August/September 2014 sind auch Bewerbungen für das vom DAAD mit einem Teilstipendium geförderte BA Plus Programm „Kultur- und Sozialwissenschaftliche Japanforschung“ (fünf Studienplätze) möglich!

Geben Sie bei Ihrer Bewerbungen für einen Studienplatz in Japan Ihr Interesse am BA+ Programm mit an.

Der forschungsorientierte Bachelor Plus erweitert den bisherigen Bachelorstudiengang „Modernes Japan“ zu einem vierjährigen Studium mit integriertem einjährigen Auslandsaufenthalt. Während Ihres Japanaufenthaltes führen Sie ein eigenes kultur- bzw. sozialwissenschaftliches Feldforschungsprojekt durch und werden während des anrechenbaren Studiums an einer der Partneruniversitäten in eLearning-Veranstaltungen von Düsseldorf aus intensiv betreut. Wir begleiten Sie bei der Projektplanung, -durchführung und anschließenden Auswertung in Ihrer Abschlussarbeit.

Sie erhalten ein Teilstipendium des DAAD, das Reisekosten, einen Zuschuss zur Krankenversicherung und monatlich 500 Euro beinhaltet. Es ist mit anderen Stipendien oder Auslandsbafög kombinierbar, in dem Falle reduziert sich der Betrag allerdings.

Infos auch auf der Institutshomepage:

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/modernes-japan/studium/bachelor-plus-japanforschung/

und bei Michiko Uike-Bormann: muike@phil.uni-duesseldorf.de

Feldforschung in Japan: Ein Interview mit Hülya Güler

Fünf ereignisreiche Wochen liegen hinter Hülya Güler.

Sie nutzte die vergangenen Semesterferien für eine besondere Japanreise. Von Ende August bis Anfang Oktober forschte unsere Studentin (aktuell im fünften Semester) in der Präfektur Nagano für ihre Bachelor-Abschlussarbeit. Ihr Thema: Das Zusammenleben von brasilianischen nikkei mit ihren japanischen Nachbarn, KollegInnen und Bekannten in den Städten Ina und Komagane.

Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein. Am Ende der fünfwöchigen Forschungsphase stehen ein öffentlicher Vortrag an der Nagano Nursing School und insgesamt 24 Interviews. Diese Daten versprechen spannende Ergebnisse darüber, wie und wo sich Kontakte ergeben, gepflegt oder auch verweigert werden und wie sich das Zusammenleben verändert hat. Mit den Interviews und teilnehmender Beobachtung konnte Frau Güler beide Perspektiven kennenlernen und erhielt viele Einblicke in das japanisch-brasilianische Miteinander. Wir haben mit Frau Güler gesprochen und Sie nach ihren Eindrücke, Erlebnisse und Ratschlägen für Feldforschung gefragt.

 

Was war in den fünf Wochen Feldforschung das beeindruckendste Erlebnis?

Eines meiner schönsten Forschungserlebnisse war das erste Kennenlernen mit den brasilianischen nikkeijin.

Ich wurde von Eduardo (einer meiner wichtigsten Kontaktpersonen, den ich durch Facebook kennengelernt habe) an einem Samstagabend um 20 Uhr vom Bahnhof (Ina) abgeholt. Eduardo ist 25 Jahre alt, wohnt mit seiner Freundin in Ina und arbeitet in einer Autofirma. Er machte sofort einen sehr sympathischen Eindruck mit seiner rundlichen Gestalt, seiner sportlichen Kleidung, seinem portugiesischen Akzent und seinen japanischen Augen.

Eduardo und ich stellten uns einander vor. Er sagte, dass er mit seinem Auto hier wäre und mir ein paar seiner Freunde vorstellen möchte. Unterwegs erklärte ich ihm meine Forschungspläne in Ina und wir unterhielten uns in japanischer und englischer Sprache (themengemäß) über Diskriminierung und ähnliche Dinge. Nach einer 15-minütigen Autofahrt durch die ländlich-hügelige Gegend kamen wir an einer Autowerkstatt am Stadtrand an.

Als ich aus dem Wagen stieg, durfte ich meine erste Überraschung erleben. Mir fiel sofort die alte, etwas chaotische Gestalt der Autowerkstatt auf, die mit Hilfe von vier großen Deckenlampen beleuchtet wurde, unterhalb der viele Motten, Fliegen und andere Insekten herumschwirrten. Danach sah ich die vielen Leute, die sich in der Werkstatt aufhielten. Zwei bis drei von ihnen waren damit beschäftigt, die Seitentüren eines Autos zu lackieren, und drei Leute saßen gemütlich in einer Ecke und tranken Bier. Eduardo konnte nicht sofort die Aufmerksamkeit seiner Freunde auf uns lenken. Jeder schien mit etwas anderem beschäftigt zu sein. Kurz darauf sahen mich sieben neugierige Augen an. Eduardo sagte etwas auf Portugiesisch. Danach stellte ich mich selbst noch einmal vor. Als Antwort erhielt ich weiterhin neugierige und skeptische Blicke, die mir sagten, dass sie nicht viel verstanden hatten von dem was ich erzählt hatte. Kurz darauf lockerte sich die Stimmung auf, man fing wieder an, zu plaudern, lud mich zu einem kalten Getränk ein und ich durfte die Runde beobachten und ein paar Fotos schießen. Im Gespräch mit Ricardo (rechts im Bild Nr. 3) merkte ich, wie gut er Japanisch spricht. Seine Freunde forderten ihn auf, sich zu einem Interview bereit zu erklären – wir machten gleich für den nächsten Morgen einen Termin fest. Man konnte die warme und enge freundschaftliche Beziehung der Anwesenden zueinander erkennen. Sie waren sehr offene und freundliche Menschen, die einem das Gefühl von Vertrautheit gaben

Viele Studierende, die Interviews führen wollen, machen sich darüber Gedanken, ob die Japanischkenntnisse ausreichen. Wie hat die Kommunikation auf Japanisch bei Ihnen geklappt?

Ich habe die meisten Interviews auf Japanisch durchgeführt, die in der Regel problemlos liefen. Die Teilnehmer sind immer freundlich und erklärten gerne das eine oder andere nicht verstandene Wort. Auch wenn man denkt, dass eine Zwischenfrage das Gespräch stocken würde, sollte man nicht zögern nachzufragen oder man sollte sich das Wort notieren und hinterher darauf eingehen.

In meinem  Fall fanden einige Gespräche auf Portugiesisch statt, wo dann immer eine Dolmetscherin (eine meiner ersten Interviewpartner, die mich mit vielen anderen ihrer Freunde bekannt machte) zur Seite stand und uns freundlich bei den Gesprächen unterstützte.

Wie haben Sie sich auf die Feldforschung vorbereitet?

Die ersten Vorbereitungen fanden in Deutschland statt. Ich schaffte mir eine Menge Literatur an, die das Thema „nikkei“, „Migration“ und Ähnliches behandelte und schrieb auch meine Hausarbeit im STM über das Thema „Migration und Integration japanischstämmiger Brasilianer in Japan“.  Eine klassische und sehr informative Literatur ist das Buch von Takeyuki Tsuda: „Strangers in the ethnic homeland“ (2003). Außerdem halfen mir die Arbeiten von Claudia Tamura („Arbeitsmigration“, 2004) und Hitomi Maeda („Japanese Brazilians in Japan“, 2007) dabei, die Arbeitsmigration und die Integrationsentwicklung in Japan besser zu verstehen.
Man sollte sich vorher überlegen, welche Art von Forschung man betreiben möchte. Ich entschied mich für das narrative Interview (was sich später zu einem Leitfrageninterview entwickelte) und bereitete die Interviewfragen in Deutschland vor.

Zuletzt: welche Tipps geben Sie anderen Studierenden, die in Japan forschen oder eigne Forschung planen?

Da sich einige Interviews bei mir spontan ergaben und ich unvorbereitet war, konnte ich auf einige Dinge nicht mehr eingehen oder nachhaken. Dies sollte man sofort am nächsten Tag nachholen und mit dem Interviewpartner noch einmal in Kontakt treten und freundlich einigen Punkte ansprechen. Es ist auch wichtig, zeitlich flexibel zu sein, da man nie weiß, wann und wie sich ein Interviewtermin ergibt.
Für die Nachbereitung der Interviews rate ich, nach jedem durchgeführten Interview, sich ein Ordner anzulegen mit Datum, Namen des Interviewten, Foto und Eindrücken zum Inhalt des Gesprächs für die spätere Gedächtnisstütze. Denn nach ein paar Wochen kann man die Gesichter und Namen schnell verwechseln. Auf diese Weise kann man den Überblick besser behalten.

Vielen Dank an Hülya Güler für das Interview – wir wünschen Ihr viel Erfolg bei der Auswertung und Transkription der Interviews!

Gerne veröffentlichen wir im Blog weitere Berichte aus der Feldforschung – bei Fragen ist Peter Bernardi ein Ansprechpartner.

Auf Jobsuche in Japan

Was machen Studierende, wenn sie in Japan sind?

Sie lernen nicht nur Japanisch, ihre Universität und Stadt kennen, sondern forschen auch schon sehr konkret. Der neu eingerichteten Bachelor-Plus-Studiengang (Vorstellung am 19. Oktober im Rahmen der Informationsveranstaltung Japanaufenthalt) fördert Studierende, die während ihres Auslandsaufenthalts an einem eigenen Forschungsprojekt arbeiten, mit einem DAAD-Stipendium. Die Forschungsprojekte, die wir bisher kurz vorgestellt haben, untersuchen dabei Themen von Fast Food, dem Lehrerideal, japanischen Frauenzeitschriften bis hin zu sozialen Netzwerken.

Heute berichtet unsere Studentin Lisa Wäntig, zur Zeit an der Keiô-Universität in Tokio, von ihrem Forschungsprojekt »Die Zukunftsplanung japanischer Studierender im Prozess des shûshoku katsudô«. Dabei wird sie untersuchen, wie japanische Studierende ihre Suche nach dem Arbeitsplatz organisieren und welche Rolle NGOs wie SUPLI dabei spielen.

(1) BA+            Frau Wäntig, was war Ihr erster Berufswunsch?

Ich hatte in der Schule lange den Wunsch, Journalist zu werden. Das lag wahrscheinlich zum einen an der romantischen Vorstellung, dass der Beruf wahnsinnig aufregend sei und ich viel reisen und interessante Menschen kennenlernen würde. Zum Anderen macht mir sowohl das Schreiben als auch das Sammeln von Informationen Spaß. Neben der Schülerzeitung arbeitete ich etwa seit der neunten Klasse bei unserer Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung.

(2) BA+             Wie haben sich Ihre Berufsvorstellungen verändert?

Dass sich mein Berufswunsch geändert hat, liegt wohl an den Erfahrungen, die ich bei verschiedenen Praktika und Nebenjobs gesammelt habe. Im Endeffekt kann man vorher nie planen, wo man in 10 oder 20 Jahren arbeiten wird. Die Lektion, die ich bisher gelernt habe, ist, dass ich meinen Beruf nicht nach Bezahlung oder Prestige aussuchen sollte. Wichtig ist, dass mir meine Arbeit Freude bereitet und ich mit dem Ergebnis am Ende des Tages zufrieden bin.

(3) BA+            Auch in Ihrem Forschungsprojekt geht es um Vorstellungen und Wünsche beim Wechsel von Studium- zur Arbeitswelt. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen?

Das ist ganz einfach. Viele meiner Freunde an der Uni stehen im Moment an diesem Entscheidungspunkt: Was mache ich in Zukunft? Als was kann ich arbeiten? Als was will ich arbeiten? In letzter Zeit habe ich daher öfter mit Freunden sowohl in Japan als auch in Deutschland über die Arbeitssuche gesprochen und darüber, wie schön oder wie schwierig sie sich ihre Zukunft vorstellen. Da ich selbst nach dem Bachelorabschluss auch gern in Japan arbeiten möchte, hat der Unterschied im Beschäftigungssystem beider Länder mein Interesse geweckt.

(4) BA+            Welche Unterschiede gab es denn in den Gesprächen mit Japan und Deutschland?

Die Unterschiede waren sehr subtil, hingen aber größtenteils mit der unterschiedlichen Art der Arbeitssuche beider Länder zusammen. Bei meinen japanischen Freunden findet die Arbeitssuche, das shûshokukatsudô, schon sehr organisiert an der Universität statt. Sie gehen zu Informationsveranstaltungen und sagen direkt, “Ich bin gerade mitten in der Arbeitssuche!”, und jeder versteht sofort, dass damit nicht nur das reine Bewerbungen-Schreiben gemeint ist. Teilweise gibt es auch NGOs, die sich auf shûshokukatsudô spezialisiert haben.
Interessant finde ich auch, dass dabei dem Anschein nach das Studienfach nicht so wichtig zu sein scheint. Ein Wirtschaftsabsolvent kann genau so in einen jurabezogenen Beruf landen wie ein Soziologieabsolvent in der Wirtschaft. Womit das genau zusammenhängt, wie sich das auf Berufsberatung und die konkrete Arbeitssuche auswirkt, möchte ich noch genauer erforschen.

BA+            Und wo sehen Sie Bereiche für Ihr shûshokukatsudô nach dem Studium?

Ich hege schon seit langem den Wunsch, nach meinem Abschluss in Japan zu arbeiten. Anfang diesen Jahres durfte ich Erfahrungen im Bereich Tourismus sammeln, das wäre ein denkbarer Weg, der mir Spaß machen würde. Aber bis zu meinem Abschluss dauert schließlich es noch ein Bisschen. In der Zwischenzeit möchte ich so viele Eindrücke und Chancen mitnehmen, und vielleicht von meinen Interviewpartnern sowie alten und neuen Bekanntschaften in Japan und Deutschland lernen, um letztendlich den passenden Lebensweg für mich zu finden.

 

In ihrem Forschungsprojekt untersucht Lisa Wäntig besonders die Rolle von nicht-kommerziellen Organisationen, die Studierende bei der Arbeitssuche unterstützen. Ein Thema wird dabei die NGO SUPLI sein. Wir sind gespannt auf Nachrichten aus der Welt des “job hunting” und wünschen Lisa Wäntig gute Jagd.

„美的“な留学?

„Biteki“ na Ryûgaku?

BA-Plus 5 Questions

Es wird geschminkt, gefeilt und sich schick gemacht. Unsere BA-Plus Studentin spürt am eigenen Leib der Konstruktion ethno-kultureller Stereotype in japanischen Frauenzeitschriften nach. Hierbei richtet sich ihr Hauptaugenmerk auf die (Prestige-)Funktion von Sprache, d.h. europäischer Sprachen. Frau Haukes Forschungsvorhaben führt somit quer durch die japanische Medienlandschaft und den Mode- und Lifestylealltag berufstätiger japanischer Frauen und mündet hoffentlich in einer angemessen aufsehenerregenden Bachelorarbeit.

(1+2) BA+: Frau Hauke, nun kommen gleich zwei Fragen auf Sie zu. Was sind ethno- kulturelle Stereotype, und wo treffe ich diese an?

Birte Hauke: Ethnokulturelle Stereotype sind bestimmte Vorstellungen einer fremden Kultur, die man nahezu überall antrifft. Inner-halb meines Projektes möchte ich anhand der in japanischen Frauenzeitschriften verwendeten Sprache herausfinden welche Kultur mit welchen Stereotypen assoziiert wird, wie die Sprache wirkt und welche Aussagen daher über die Rezipienten gemacht werden können. Während die französische Sprache zum Beispiel mit Stil und Eleganz verbunden wird, steht das Englische eher für eine gewisse Coolness und ein modernes Auftreten. Es geht einfacher gesagt um sprachliche Klischees.

(3) BA+: „Business Smart auf englische Art“ also, oder der „Pariser Chic“? Mit welchem Label werden „wir Deutschen“ denn, gemäß dieser Stereotype, versehen? Gibt es einen deutschen Styleguide für japanische Frauen?

Nein, den gibt es in dieser Form nicht. Viele Titel sind englisch, französisch oder italienisch, zum Beispiel “More” oder “Oggi”. Englisch steht für ein modernes und cooles Outfit, Französisch ist etwas verspielter und hinter italienischen Titeln versteckt sich eher stilvollere Businessmode. Im Bereich der Modezeitschriften spielt die deutsche Sprache fast keine Rolle. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass das Bild eines europäischen Landes im allgemeinen wirkungsvoller ist, als die Attribute, die dem damit verknüpften Land zugeschrieben werden. Und da klingt die italienische Sprache eben modischer als die deutsche. Wie sich das genau gestaltet, kann ich aber noch nicht verraten.

(4) BA+: Allerdings habe ich fast den Eindruck hinter dem Begriff „Modezeit-schriften“ würden sich eigentlich Lifestyle Konzepte verbergen. Geht es denn in den Zeitschriften auch darum welche Art von Wohnung für die „more“-Frau die richtige wäre oder zu welchem Friseur man als „oggi“ gehen muss?

Ja, dieser Eindruck ist schon richtig. Natürlich steht im Vordergrund die aktuelle Mode und wie man sie zu welchen Anlässen tragen kann. Darüber hinaus gibt es aber auch verschiedene Ernährungstipps, Sportübungen oder Hinweise zu Frisuren-, Schmink- und Einrichtungstrends, die sich mit der Mode verändern. Ein neues Outfit funktioniert erst durch den passenden Haarschnitt und das passende Make-Up. Die Ideen der Frauenzeitschriften prägen ganz selbstverständlich den Geschmack ihrer Rezipientinnen und so passen sich auch deren Lebensstile an. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Lebensstilen der Zeitschriften innerhalb einer Zielgruppe eher gering. Am offensichtlichsten bleibt es bei der Mode.

(5) BA+: Dann stellt sich nur noch die Frage, wo sich auf Okinawa die Frau zur Zeitschrift findet. Wo und wie gehen Sie auf die Jagd?

Vermutlich werde ich sie dort ansprechen, wo die Frau zur Zeitschrift die präsentierten Lebensstile umsetzt: beim Friseur, beim Kosmetiker, im Nagelstudio oder in der Boutique. Ich stelle mir den Zugang da recht einfach vor. Und natürlich werde ich auch am Zeitschriftenkiosk ein paar Kundinnen über die Schulter gucken. Wer Zeit hat und Kaffee mag, kann gleich mit zum Interview kommen.

Feldforschung online

Das Leben auf Facebook, Xing oder natürlich tomonetto ist bunt und die Gründe, soziale Netzwerke zu benutzen, ebenso. Ihre speziellen Formen der Kommunikation prägen aber nicht nur das Alltagsleben, sondern ermöglichen auch neue Bereiche der wissenschaftliche Forschung. Patrick Brückner, einer der Studierenden im neuen Studiengang Bachelor Plus, wird ab September an der Universität Ôsaka sein Studium und dabei seine Forschung in der Netzwerkwelt aufnehmen:

1. BA+: Herr Brückner, welche sozialen Netzwerke nutzen Sie?

Hauptsächlich Facebook und Skype. Ich habe zwar auch Benutzerkonten bei anderen
Netzwerken wie MySpace, ICQ und Windows Live, nutze diese aber nicht mehr, da sie
sich prinzipiell nur überspielen. Mittlerweile gibt es eine Schar an sozialen
Netzwerken unterschiedlicher Formen, ich habe mich dabei aber bewusst auf die
beiden genannten beschränkt, da sie mir alle Optionen der Kommunikation bieten
(telefonieren, konferenzen halten, instant messaging sowie posting von eigenen
Inhalten als auch einfach nur Nachrichten hinterlassen), die ich benötige.

2. BA+: Seit wann sind Sie über Netzwerke online auffindbar?

ICQ war das erste Netzwerk bei dem ich mich angemeldet habe. Das war im selben
Jahr, in dem mein Vater ein 56k-Modem kaufte und wir das erste Mal überhaupt
Internet hatten, da war ich in der 7. Klasse, glaube ich. Soziale Netzwerke sind
natürlich starken Entwicklungen und Trends unterlegen, so wechselt man auch ab
und an. Zuerst war es bei mir ICQ, dann der Windows Live Messenger, danach nur noch Skype.
Es hing zu der Zeit sicherlich sehr davon ab, wo sich die meisten Freunde
registrierten. Facebook nutze ich seit 2007 als Ergänzung zu Skype.

3. BA+: Wie nutzen Sie die Netzwerke, in denen Sie aktiv sind?

Skype und Facebook hauptsächlich zur Distanzüberbrückung mit
Freunden, die sich nicht in Düsseldorf befinden und die man nicht einfach mal
so am Abend treffen kann. Aber natürlich auch für die Kommunikation mit
Freunden und Bekannten hier. Die Möglichkeit, mit meinen Freunden in Leipzig
täglich zu telefonieren und zu chatten, negiert die 500 Kilometer Distanz nahezu
vollständig. Das ist denke ich der springende Punkt für mich.

4. BA+: Wie sieht es mit sozialen Netzwerken in Japan aus – haben Sie sich schon registriert?

Die japanische Lokalisierung von Facebook gibt es ja bereits, insofern wäre das
das erste Netzwerk. Bei Mixi konnte ich mich noch nicht registrieren, da es im
Grunde ein  ausschließlich japanisches Netzwerk ist. Bei der Registrierung
benötigt man ein japanisches Handy und für ein Handy braucht man wiederum eine
japanische Adresse, das macht die Sache für Interessenten im Ausland
etwas schwieriger. Zur Zeit kann ich Mixi über den Account meiner Frau
nutzen und sobald ich mit dem Studium in Japan beginne hoffentlich auch meinen eigenen
erstellen.

5. BA+: In Ihrem Projekt werden Sie das japanische Netzwerk mixi und seine Nutzung
thematisieren – wie kann man sich das vorstellen?

Meine Zielgruppe nutzt mixi eher in einer Form des Forums. Ursprünglich wollte
ich Organisationen ausfindig machen, die sich in sozialen Netzwerken
präsentieren und Pflegeausbildungen fördern bzw. Pflegeleistungen anbieten.
Dahingehend habe ich zwar nichts finden können, dafür aber eine Summe an
Communities, die sich mit Pflegeinhalten beschäftigen. Mein Eindruck ist, dass
man sich in diesen Foren als Pfleger – ob beruflich oder privat – Erlebnisse von
der Seele reden, sich Tips von Erfahrenen Arbeitern holen kann und mehr.
Insofern möchte ich untersuchen, ob meine Annahme zutrifft, in welchem Ausmaß
die Nutzung stattfindet und welche Auswirkungen dies mit sich bringt.

 

Vielen Dank an Patrick Brückner – und viel Erfolg bei der Forschungsarbeit online!

 

 

Workshop: »Feldforschung in Japan«: Erfahrungen aus erster Hand

Eigene Forschung in Japan zu planen steht zu Beginn jeder Bewerbung für Austauschplätze oder Stipendien. Aber wie kann erfolgsversprechende Forschungsarbeit in Japan aussehen? Welche Hürden erwarten Studierende, die in Japan Interviews führen, in Archiven und Bibliotheken recherchieren oder teilnehmend beobachten möchten? Wie können diese Hürden schon in Deutschland oder später in Japan angegangen werden?

Antworten und Auseinandersetzungen mit Forschung lieferte der Workshop »Feldforschung in Japan – Berichte aus der Praxis« im Rahmen des Studiengangs »Bachelor Plus: Kultur- und Sozialwissenschaftliche Japanforschung« am 11.06.2011. Die drei Vortragenden Dr. des. Cosima Wagner, Michiko Uike-Bormann und Celia Spoden veranschaulichten anhand ihrer eigenen Feldforschung in Japan vor, wie sie entsprechende Vorhaben konzipiert und realisiert haben. Dabei diskutierten sie theoretische wie praktische Forschungsfragen für Interviewplanung und –durchführung, Transkription, teilnehmender Beobachtung sowie Aufnahmetechnik, Zeitmanagement oder Kontaktpflege, sodass ein reger Dialog mit den anwesenden Studierenden entstand.

Prof. Dr. Shingo Shimada begrüßte die Gäste und führte in den Workshop ein, der die Zielsetzung des neuen Studiengangs »Bachelor Plus: Kultur- und Sozialwissenschaftliche Japanforschung« unterstützt. Innerhalb des Bachelor Plus-Programms stellt studentische Forschung ein zentrales Element dar. Während des Aufenthalts in Japan führen die Studierenden ein eigenes Forschungsprojekt durch und tauschen sich online vernetzt mit den Betreuern in Düsseldorf über Fortschritte und Ergebnisse  aus.

Auf eine Reise in japanologisches Neuland führte Dr. des. Cosima Wagner (Universität Frankfurt) zu Beginn des Workshops: In ihrer Dissertation untersuchte sie die gesellschaftliche Akzeptanz von Robotern in Japan und präsentierte hier einen Auszug zur „Feldforschung in Seniorenheimen in Japan – Fallstudien zur Roboter-Therapie (robotto serapii)“. Dazu interviewte sie Ingenieure, Beamte des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) wie auch Fachkräfte in der Pflege und ergänzte diese Perspektiven mit teilnehmender Beobachtung von Sitzungen der robotto serapii. An zwei Fallstudien zeichnete sie ihren Weg von Vorbereitung bis hin zur konkreten Interviewsituation nach und gab viele praktische Tipps zur Planung und Durchführung von studentischer Forschung.

Interviews und teilnehmende Beobachtung spielten eine entscheidende Rolle für Michiko Uike-Bormann, M.A. (Universität Freiburg) und ihre „Ethnologische Feldforschung in japanischen Themen- und Kulturparks“. Am Beispiel des Holland-Themenpark “Huis Ten Bosch” in Nagasaki zeigte sie, wie sie einen Zugang zum Feld vorbereitete, den Kontakt mit InterviewpartnerInnen aufbaute, Interviews führte und wie die spätere Datenverarbeitung ablief. Ihr praxisorientierter Vortrag zeigte sehr anschaulich Herausforderungen und Vorteile der Grounded Theory und die Bedeutung von Flexibilität im Forschungsalltag.

Feldforschung als einen Prozess, der mitunter zu überraschenden, aber sehr produktiven Ergebnissen führen kann, verdeutlichte Celia Spoden, M.A. (Universität Düsseldorf) in ihrem Vortrag “Planen mit dem Unplanbaren: Von der Projektidee zum Interview”. Ausgehend von Forschung zu “Patientenverfügungen in Japan” veränderte und erweiterte sich ihr Forschungsthema durch die Ergebnisse der Feldforschung. Sie ermutigte zu Eigeninitiative bei der Kontaktaufnahme zu möglichen InterviewpartnerInnen und zu anpassungsfähiger Zeitplanung im Feld.

Wir bedanken uns bei allen Vortragenden und besonders den teilnehmenden Studierenden für einen vielseitigen und sehr ertragreichen Workshop, dessen Ergebnisse im kommenden Semester über die Düsseldorfer Japanstudien (DJAS) veröffentlicht werden sollen.

 

Sind Lehrer auch nur Menschen?

Für die BA-Plus Studentin Melanie Kopf beginnt im kommenden Wintersemester eine zweite Schulzeit in Japan. Ihr Forschungsprojekt führt sie an eine japanische Schule auf Okinawa, wo sie dem Lehrerideal auf den Zahn fühlen wird.

BA-Plus 5 Questions

(1) BA+: Zunächst, wie war für Sie die Zeit hinter der Schulbank – in Deutschland?

Ich mochte die Schulbank, besonders wenn sie nah am Fenster stand, sodass ich meine Gedanken ein wenig schweifen lassen konnte.

(2) BA+: …

Im Ernst, ich bin sehr gerne – und stets aufmerksam – in die Schule gegangen, besagte Bank stand immerhin in der zweiten Reihe auf der Seite des Lehrerpults. Dass ich etwas gelernt hatte, zeigte ich gerne; ich war eigentlich immer froh, wenn tatsächlich Leistungen von mir verlangt wurden, und natürlich noch glücklicher, wenn ich dafür Anerkennung erhielt. Die Schule war eine tolle Zeit für mich!

(3) BA+: Sie schreiben in Ihrer Projektbeschreibung, Ihre damalige Klassenlehrerin habe gesagt „um ein (guter) Lehrer zu sein, müsse man auch immer Idealist sein“. Wäre das Ihre Zielsetzung, dieser Art von Idealisten in Japan nachzuspüren?

Ja, solche Lehrer werden wohl im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen. Bei der Ausarbeitung des Projekts hatte ich natürlich erst einmal mein eigenes Lehrerbild im Kopf und das ist ohne Zweifel sehr nachhaltig geprägt worden durch Lehrer wie die erwähnte Klassenlehrerin, die eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Ideal auch im Unterricht thematisiert hat.

(4) BA+: Sehen sie denn das „Ideal eines Lehrers“ nur einseitig, d.h. wie sich die Lehrpersonen selber verstehen, oder würden sie auch das Ideal wie es rezipiert wird, also wie sie gesehen werden, in ihre Forschung mit einbringen wollen? Anders gefragt: Ist es nicht eine idealisierte Sichtweise, den Lehrer als „kami-sama“ zu betiteln?

Solche gesellschaftlichen Zuschreibungen sehe ich durchaus als eine weitere Ebene der Thematik die für meine Forschung relevant ist. Während meines Japanaufenthalts möchte ich mich deshalb auch verstärkt mit dem öffentlichen Diskurs beschäftigen. Ich denke da besonders an die auffallend große Anzahl an terebi-doramas, bei denen die Hauptfigur Lehrer ist und die sich mit dem Thema Schule auseinandersetzen, aber auch an andere mediale Erscheinungsformen.

(5) BA+: Auf welche Bereiche soll sich ihre Forschung in Japan erstrecken? Dürfen wir, im Rahmen der Auswertung Ihrer Feldforschung, mit einer Symbiose aus Medienanalyse und qualitativer Sozialforschung rechnen?

Für die Forschung werde ich mich in der Tat in diesen beiden Feldern bewegen. Was die Auswertung betrifft, würde ich diese Kombination [Medienanalyse und qual. Sozialforschung] auch wagen wollen, wenn es sich aus der Forschung so ergibt. Allerdings muss ich doch damit rechnen, dass das den Umfang einer Arbeit im Rahmen des Bachelor bei weitem überschreiten würde. In dem Fall würde ich die Auswertung also auf mehrere aufeinander aufbauende Arbeiten verteilen, aus denen sich dann erst später ein mehrschichtiges Bild zusammensetzen lässt, die aber per se auch einzeln betrachtet werden können.

BA+: Frau Kopf, wir freuen uns auf das, was Sie für sich und uns „zusammensetzen“ werden, und vielleicht geben Sie uns die Möglichkeit mit Ihnen die Schulbank zu drücken, sofern Sie einmal die Zeit für einen Zwischenbericht aus Japan finden.