Kategorie-Archiv: Literatur

Wichtig: Einführung in die Recherche-Plattform „Crossasia“

Sie suchen noch dringend Literatur für Ihre Abschlussarbeit? Sie wollen für die MRG einige Begriffe in der Kodansha Encyclopedia nachschlagen, aber nicht immer in die Bibliothek laufen müssen? Oder Sie interessieren sich einfach für die neuesten Artikel zum Thema Geburtenrückgang in der Asahi Shinbun?

Für all diese Anliegen ist die Recherche-Plattform „Crossasia“ eine tolle Anlaufstelle. Mit nur einem Zugang hat man dort Zugriff auf zahlreiche Datenbanken und fachbezogene Online-Dienste – und das alles ist für Studierende unseres Instituts umsonst! Ursula Flache von der Staatsbibliothek Berlin wird das Angebot am Mittwoch, 7. Dezember, um 12.30 Uhr bei uns im Intitut vorstellen. Treffpunkt ist im Raum 23.21.01.41.

Neues auf dem Büchertisch des Instituts!

Bald steht Weihnachten vor der Tür. Wer schon auf der Suche nach Lesestoff für die Ferien (oder dem „guten Buch“ für den Wunschzettel) ist, findet vielleicht unter den drei Neuerscheinungen am Institut Alternativen, die Studium und Interesse gut verbinden: Von weiblichen Geistern über das Mutterbild in Frauenzeitschriften bis hin zu japanischer Populärkultur.
Lange schwarze Haare, weiße Kleider, schlaff herabhängende Arme – die weiblichen Geister des japanischen Horrorfilms sind zu Prototypen des Unheimlichen avanciert, die weltweit kopiert werden. Doch woher stammen diese Wesen und was treibt sie an? Elisabeth Scherer verfolgt in „Spuk der Frauenseele“ die Spur der Totengeister (yûrei) in der japanischen Kulturgeschichte und stößt dabei auf eine Fülle von Vorbildern u.a. aus Volkserzählungen, Kabuki-Stücken und Ukiyo-e. In der Analyse japanischer Geisterfilme zeigt sich ein dichtes Geflecht aus Überlieferungen und neueren Angstmotiven – wie etwa dem Verlust familiärer Strukturen, Gender-Konflikten und urbaner Vereinsamung.

Die Publikation „Nationalisierte Mütterlichkeit als Phänomen der Moderne“ von Julia Siep beschäftigt sich mit der Frage nach der Funktionalisierung von Mütterlichkeit zur Verwirklichung nationalistischer Ziele in drei exemplarisch ausgewählten Ländern, nämlich Japan, Deutschland und Italien in den 1930er Jahren. Anhand drei exemplarisch ausgewählter Frauenzeitschriften werden die Argumentationsstrategien analysiert, die es ermöglichten, Mütterlichkeit im Kontext extrem nationalistischer Regimes als nationale und kulturelle Besonderheit zu legitimieren. Bei den untersuchten Zeitschriften handelt es sich um die Katei (Japan), die N.S. Frauen-Warte (Deutschland) und Il Giornale della Donna (Italien).
Diese kulturwissenschaftlich angelegte Arbeit trägt insgesamt dazu bei, Konstruktionsmechanismen bestimmter Genderstrukturen und deren Verbindung mit den Kategorien Nation/Nationalismus und Kultur in der Vorkriegszeit herauszuarbeiten, die auch prägend für die Jahre nach 1945 waren und deren Auswirkungen noch bis heute zu spüren sind.

Japan-Pop boomt: Auf der ganzen Welt konsumieren junge Menschen Manga, verkleiden sich wie japanische Fantasy-Figuren und hören die Musik von „Visual-Kei”-Bands. Für die junge Generation in Japan ist die Populärkultur ein Mittel, ihre Lebenswelt zu reflektieren und ihr Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen. Medien wie Anime, Fernsehserien oder Computerspiel sagen viel über die Verfassung der japanischen Gesellschaft aus und sind deshalb zum Gegenstand ernsthafter Forschung geworden. Elf Studierende unseres Instituts zeigen im Band „Japan Pop Revolution“ mit ihren Analysen, wie brisante gesellschaftliche Themen in der Populärkultur reflektiert werden: Multikulturalismus, Identitätsbildung, Homosexualität, häusliche Gewalt, das Leben in sozialer Isolation (hikikomori). Dabei offenbart sich ein subversives Potential, das im Denken und Fühlen junger Japaner/innen tiefgreifende Veränderungen bewirken könnte. Die neun Aufsätze in diesem Buch geben aufschlussreiche Einblicke in die heutige japanische Gesellschaft – nicht nur für Fans der japanischen Populärkultur.

Alle drei Bücher sind im Sekretariat Modernes Japan (23.02, Ebene 02, Raum 82) zum vergünstigten Autorenpreis erhältlich.

Eine Entdeckungsreise in die japanische Gegenwartsliteratur

Zum zweiten Mal dieses Jahr öffnete das Goethe-Museum Düsseldorf am Freitag den 17. Juni seine Tore für Japan-Interessierte und Japanologen zu dem Symposium „Jenseits von Murakami – Die ‚andere‘ japanische Literatur der Gegenwart“, veranstaltet vom Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Rahmen der Reihe: „Tokyo – Düsseldorf, und zurück“.

Diesmal drehte sich alles um die japanische Gegenwartsliteratur, in der es auch jenseits von Murakami Haruki spannende Werke und Autor/innen zu entdecken gibt. Beispielsweise die Literatur der in Japan lebenden koreanischen Minderheit, die Kristina Iwata-Weickgenannt (DIJ Tokyo) in dem ersten Beitrag „Zwischen den Zeilen. Identitätskonstruktionen in der japankoreanischen Literatur“ vorstellte. Für diese Schriftsteller ist die Frage, ob sie sich als japanisch, koreanisch, japankoreanisch oder vielleicht etwas ganz anderes verstehen, eine, der sie sich kaum entziehen können, selbst wenn sie es wollen. Andersherum fordern sie durch die Präsenz ihrer Stimme Konzepte einer japanischen Nationalliteratur heraus und regen so dazu an zu hinterfragen, was denn eigentlich ‚japanisch‘ ist.

Einer ganz anderen Perspektive auf letztere Fragestellung ging Lisette Gebhardt (Universität Frankfurt) in ihrem Vortrag über „Das japanische Unglück in der Ära vor Fukushima – Kirino Natsuos dunkle Welt“ nach. Kirino Natsuo gehört keiner japanischen Minderheit an, aber setzt sich äußerst kritisch mit der japanischen Gesellschaft, dem „Reich der Seifenblasen“ („Bubblonia“), wie Kirino sie nennt, auseinander. Kirinos düstere Romane gehören zum Genre des „Nippon Noir“, gleichzeitig sieht Gebhardt sie auch als Vertreterin einer neuen Prekariatsliteratur, die geprägt ist von der Angst vor dem sozialen Abstieg und ‚Japanhass‘. Abschließend wirft Gebhardt die Frage auf, ob und wie die gegenwärtige Katastrophe in Japan sich auf die Entstehung einer neuen engagierten Literatur auswirken und wie Unglück in der Post-Fukushima-Ära neu definiert werden wird.

Ina Hein (Universität Wien) führte in ihrem Vortrag „Magie und postkoloniale Subversion: Okinawa in der japanischsprachigen Gegenwartsliteratur“ in die Literatur aus und über Okinawa ein. Okinawa, die südlichste Präfektur Japans, erlebte eine wechselvolle Geschichte. Bis zum 17. Jahrhundert war sie ein eigenes Königreich zwischen China und Japan, danach galt die Inselgruppe als zu Japan gehörig und wurde dann im 19. Jahrhundert zur japanischen Präfektur erklärt. Nach der Niederlage Japans im zweiten Weltkrieg besetzten die USA Okinawa.

Dr. Ina Hein

Erst 1972 ist sie wieder ein Teil Japans, aber noch immer befinden sich dort zahlreiche amerikanische Stützpunkte, gleichzeitig ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor und ständige Quelle von Problemen. Auf den japanischen Hauptinseln sorgte ein regelrechter Okinawa-Boom dafür, dass Okinawa zum Inselparadies für zivilisationsmüde ‚Aussiedler‘ stilisiert wurde. Einige okinawanischen Autoren, beispielsweise Medoruma Shun und  Tefu Tefu P., versuchen durch den Bruch oder das Spiel mit bekannten Okinawa-Klischees ein eigenes, subversives Okinawa-Bild zu entwerfen. Dabei bedienen sie sich häufig des Stilmittels des magischen Realismus, weshalb Hein die These aufstellt, dass die Literatur okinawanischer Autor/innen aus einem postkolonialen Kontext heraus verstanden werden muss.

Mit „Yoko Tawada und ihre Werke: Eine transkulturelle Reise“ stellte Michiko Mae (Universität Düsseldorf) die Autorin Yoko Tawada und zentrale Motive ihres Œuvre vor. Yoko Tawada lebt seit 1982 in Deutschland und schreibt auf Deutsch und Japanisch. Mae stellt fest, dass Tawada die Fremdheitserfahrungen, die aus der Position eines Außenseiters in Deutschland und durch das Lernen und Sprechen einer Fremdsprache entstehen, als kreatives Potential benutzt. Sie positioniere ihr eigenes Sprechen und Schreiben dabei außerhalb einer bestimmten Sprache, Kultur und Nation in einem Raum des Dazwischen, der zum Ort des Schreibens und des Entdeckens wird.

Prof. Michiko Mae und Prof. Susan Winnett

Den krönenden Abschluss des Abends bildete dann die besonders gutbesuchte Lesung der bekannten Autorin Yoko Tawada. Tawada las aus ihrem neuesten Werk „Abenteuer der deutschen Grammatik“ und einigen älteren Texten. Frau Tawada ließ dabei die japanischen und deutschen Texte zu einem Erlebnis werden, bei dem das Publikum seiner eigenen Sprache wie einer Fremdsprache mit neuen Augen begegnete und in der Fremdsprache Vertrautes entdecken konnte.

Yoko Tawada und Prof. Michiko Mae

 

Literatursymposium: Jenseits von Murakami

Ein halbtägiges Symposium unter dem Titel „Jenseits von Murakami: Die ,andere‘ japanische Literatur der Gegenwart“ veranstaltet das Institut für Modernes Japan und das Goethe Museum am 17. Juni 2011. Ziel ist es, einer deutschen Öffentlichkeit einmal die ,andere‘ Seite der japanischen Gegenwartsliteratur zeigen, welche hierzulande meist nur durch den Autor Haruki Murakami bekannt ist. Im Anschluss an das Symposium gibt es eine Lesung mit Yoko Tawada aus ihrem neuen Buch „Abenteuer der deutschen Grammatik“ Weiterlesen

Haiku-Wettbewerb zur Japanwoche

Für alle die kreativ werden möchten, hier die Gelegenheit:

Zur Japanwoche vom 21. – 28. Mai veranstalten das Literaturbüro-NRW e.V. Düsseldorf, das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf und das Goethe-Institut Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem EKO-Haus der Japanischen Kultur und dem Japanischen Generalkonsulat Düsseldorf ein Haiku-Projekt. Vor, während und nach der Japan-Woche wird die japanische Haiku-Tradition durch Autoaufkleber- und eine Postkarten-Aktion präsentiert.

In diesem Zusammenhang laden die am Haiku-Projekt beteiligten Institutionen herzlich zur Teilnahme an einem Wettbewerb ein.

Das Thema des Wettbewerbs lautet ‚Freundschaft’ – das Motto des Japan-Jahres 2011 –  und den Gewinnern winken attraktive Preise.

Die Haiku müssen folgende Bedingungen erfüllen:

1. Sprache: deutsch oder japanisch

2. Silbenstruktur: 5-7-5 Silben

3. Thema: Freundschaft

4. Jahreszeitenwort

5. Gegenwartsbezug

6. Zäsur

Die Haiku schicken Sie unter Angabe Ihres Namens und Alters an: haiku@literaturbüro-nrw.de

Einsendeschluss ist der 18.06.2011

Die Preisverleihung findet am 21.07.2011 um 18 Uhr im EKO –Haus Düsseldorf statt.

Weiteres finden Sie hier:  Informationen zum Haiku-Wettbewerb

Viel Spaß beim Dichten!

Vom Geschlecht des Bleistifts und sprachlichen Märchenlanden

Der folgende Beitrag von Gina Di Dio stellte den Auftakt der neuen Kategorie Literatur unseres Weblogs dar. Wir freuen uns auf viele weitere interessante Berichte über literarische Begegnungen.

Buchrezension zu Tawada Yôkos „Talisman“ (Konkursbuchverlag, 1996, 142 S.)

In der Muttersprache sind die Worte den Menschen angeheftet, so daß man selten spielerische Freude an der Sprache empfinden kann. […] In einer Fremdsprache hat man aber so etwas wie einen Heftklammerentferner: Er entfernt alles, was sich aneinanderheftet und sich festklammert.

Dieser kurze Abschnitt aus Tawada Yôkos literarischem Werk „Talisman“ beschreibt auf passende Art, wie die Autorin mit der uns so bekannten deutschen Sprache spielt, sie auseinandernimmt und zu farbenfrohen neuen Bildern zusammensetzt. In den 16 Essays der Sammlung eröffnet sie dem Leser eine völlig neue Sicht auf die eigene Muttersprache und regt dazu an, sich auf dieselbe Art von Fremdsprachen faszinieren zu lassen.

Die Begeisterung für das Fremde lässt sich bei der gebürtigen Japanerin schon früh erahnen, so fand sie mit jungen 22 Jahren ihren neuen Wohnort in Deutschland und begann schon wenige Jahre später literarische Texte in japanischer und deutscher Sprache zu veröffentlichen. In ihren Texten ermöglicht sie dem Leser nicht nur einen Blick auf eine vielleicht fremde Kultur, sondern auch eine völlig neue Sichtweise auf die eigene. So wurde sie für ihre einzigartige literarische Leistung 1996 dann auch mit dem Chamisso-Preis ausgezeichnet.

Es lässt einen nicht nur schmunzeln, wenn Tawada Yôko in den Texten ihres Werks von den Schwierigkeiten spricht, die sie damit hatte, allen Gegenständen im Deutschen plötzlich ein Geschlecht zuzuordnen und damit ihre gesamte Umgebung zu sexualisieren, vielmehr regt es auch zum Nachdenken an, wenn sie auf gespielt naive Art danach fragt, wer eigentlich dieses es ist, das dafür sorgt, dass es regnet. Mit viel Sprachgefühl und einer Faszination für Wortspiele macht sie so aus einem grammatikalischen Lückenfüller einen mysteriösen Unbekannten. (Ob es sich hierbei um denselben Unbekannten handelt, der dafür sorgt, dass es einem gut geht?)
Auch der geschriebenen Sprache geht sie auf den Grund, wenn sie beschreibt, wie eine deutsche Freundin einen Drachen in dem chinesischen Schriftzeichen für „Drache“ erkennt, während sie eher Bilder in den ihr noch nicht völlig vertrauten römischen Buchstaben sieht.
In den verschiedenen Texten zieht sie interessante Parallelen zwischen der japanischen und der deutschen Kultur, beispielsweise wenn sie in Berichten ihrer Kindheitserinnerungen über die japanischen Baumgeister schreibt und die Vermutung anstellt, dass es sich wohl um dieselben Geschöpfe handeln muss, die man um Hilfe anruft, wenn man in Deutschland „auf Holz klopft“.
Sei es, dass sie beschreibt, wie die nachts hell erleuchteten Telefonzellen in Japan sie an ein Raumschiff erinnerten, oder aber sie dem Phänomen des fotografierenden Japaners auf den Grund zu gehen versucht, indem sie es mit dem alten Brauch des „Fuchsfensters“ vergleicht (hierbei formt man mit den Händen ein Fenster vor dem Gesicht, durch das man in tiefer Natur hindurchsehen soll, um keine seelischen Grenzen zu überschreiten und so den Verstand zu verlieren), die Autorin eröffnet eine völlig neue Sicht auf die Welt, die fasziniert, nachdenklich macht und manchmal vielleicht auch einfach nur verwirrt.

Tawada Yôkos manchmal sehr kühler Schreibstil, kombiniert mit einer gespielter Naivität und ihr Händchen für das Spiel mit Worten ist ein literarischer Genuss für sich. Es muss aber auf jeden Fall gesagt werden, dass es sich hierbei nicht und seichte Unterhaltungsliteratur handelt und „Talisman“ eine Sammlung von Texten für anspruchsvolle Leser ist, die auch bereit sind, einen schriftstellerische Leistung tiefergehend zu betrachten, um den literarischen Wert hinter manchmal sehr verwirrend wirkenden Texten zu finden.

Mich persönlich haben Tawada Yôkos Texte sehr fasziniert und auch dazu angeregt, weitere ihrer Werke zu lesen, da ich dieselbe Leidenschaft für Wortspiele mit eigener und fremder Sprache teile. Trotz allem gab es jedoch den ein oder anderen Kurztext, der mich verwirrt hat und dessen Sinn sich mir nicht erschließen konnte, wobei ich mir jedoch nicht so sicher bin, ob zu den Texten der Autorin auch tatsächlich nur eine vorgefertigte Interpretation gehört, oder ob das nicht vielmehr der Sichtweise und der Fantasie des Lesers überlassen ist.
Ich kann „Talisman“ jedem empfehlen, der eine Vorliebe für unkonventionelle Texte hat und sich von neuen Sichtweisen und Interpretationen bekannter Dinge faszinieren lässt. Hat man jedoch Probleme damit, manchmal mehr verwirrt als „erleuchtet“ zu werden und hat eher den Wunsch nach einfacher Unterhaltung, würde ich eher zu einem anderen Buch raten.

Gina Di Dio