Lehrportfolio Prof. Dr. Dr.h.c. Michiko Mae
Es ist vielleicht das Schönste am Beruf einer Professorin, dass das ständige Lernen und Gewinnen neuer Erkenntnisse Teil der täglichen Arbeit ist. Diese Freude, immer wieder Neues kennen zu lernen und zu entdecken, möchte ich in meiner Lehre an die Studierenden weitergeben und vermitteln. Wissenschaft ist vor allem Kommunikation, Dialog, Diskussion und Kritik. Deshalb möchte ich mit den Studierenden in eine produktive Kommunikation treten, in der wir alle Lernende sind.
In meinem wissenschaftlichen Werdegang bin ich den Weg von der Literatur- zur Kulturwissenschaft gegangen. Als zweites Standbein kommt die Genderforschung dazu. Die Sprach- und Literaturwissenschaft wie auch die Kommunikations- und Medienwissenschaft sind die Grundlagen für meine kulturwissenschaftlichen Arbeitsfelder und für die dazu gehörenden Arbeitsmethoden. Kultur allgemein und die japanische Kultur im Besonderen betrachte ich nicht als ein festes vorgegebenes Gebilde, sondern als einen „symbolisch und textuell vermittelten Prozess der Selbstauslegung und Bedeutungskonstruktion“ [1]. Deshalb sind vor allem die Diskursanalyse und der Dekonstruktionsansatz als Methoden geeignet, um die verschiedenen Ausdrucksformen und Selbstauslegungen der japanischen Kultur und ihrer vielfältigen Phänomene kritisch zu analysieren. Dabei geht es um Themen wie kulturelle Identitätsbildung und Ausdrucksformen der Subjektivität in der japanischen Moderne, wie sie sich z.B. in Werken der modernen und der Gegenwartsliteratur manifestieren. Als Schwerpunkte thematisiere ich in meinen Lehrveranstaltungen auch das kulturelle Verhältnis Japans zum Westen und zu ostasiatischen Ländern wie Korea und China und die Auswirkungen der Globalisierung, die sich in vielfältigen transkulturellen Phänomenen und in einem neuen Kulturverständnis im Sinne der Transkulturalität zeigen.
Will man die moderne japanische Kultur und Gesellschaft angemessen verstehen, dann muss man – neben der Kategorie Nation – auch die Kategorie Gender in die wissenschaftliche Arbeit mit einbeziehen. Durch die Genderforschung, die Geschlecht als historisches, kulturelles und gesellschaftliches Konstrukt betrachtet, werden die kulturellen und symbolischen Repräsentationen der Männlichkeit oder der Weiblichkeit untersucht, und es wird herausgearbeitet, was das Verhältnis der Geschlechter in verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Lebensfeldern bedeutet und bewirkt. Von der Genderdifferenz ausgehend wird ein neues Verständnis anderer kultureller, ethnischer und gesellschaftlicher Differenzen in der japanischen Gesellschaft – z.B. das Alter oder Minderheiten etc. – möglich. Es ist mir für meine Lehrveranstaltungen sehr wichtig, ein Bild und Verständnis der japanischen Kultur und Gesellschaft zu vermitteln, das weniger von Homogenität, als vielmehr von Heterogenität und Diversität geprägt ist.
Diese kulturelle Heterogenität und Diversität werden besonders deutlich in der Analyse populärkultureller Medienprodukte, wie Manga, Anime, Fernsehserien, Filme etc., die ein neuer Schwerpunkt meiner Forschung und Lehre sind. In diesem Bereich kennen sich die Studierenden sehr gut aus, und deshalb beziehe ich ihre Kompetenz in unsere Forschung und Lehre mit ein. Im Rahmen meines Examenskolloquiums haben wir seit einigen Semestern einen „Arbeitskreis Japanische Populärkultur“ (zusammen mit Elisabeth Scherer) gegründet, zu dem alle Studierenden eingeladen sind, mitzuarbeiten. Die Teilnehmer/innen an diesem Arbeitskreis können ihre Untersuchungsergebnisse als Projekt-, Bachelor- oder auch Masterarbeit entwickeln.
So sind wir nicht nur alle stets Weiterlernende, sondern auch Kooperationspartner/innen in suchenden, fragenden und entdeckenden Projektarbeiten. Die Studierenden werden nicht nur in unsere Forschungsarbeiten mit einbezogen, sondern wir forschen und arbeiten gemeinsam. Ich freue mich auf eine solche konstruktive Zusammenarbeit!
[1] Nünning, Ansgar (Hrsg.): Metzler Lexikon Lieteratur- und Kulturtheorie. Stuttgart 2001, S. 355.
