Lehrpraxis
Zwei Beispiele verdeutlichen, wie ich meine Vorstellung von Lehre in der Praxis umsetze:
Global Japan (SS 2008)

Ziel dieses Hauptseminars für Viertsemester im BA-Studiengang Modernes Japan war es zum einen, Schlüsselbegriffe der Globalisierung zu erarbeiten. Zum anderen sollten die Studierenden einen Einblick in die Methoden der qualitativen Sozialforschung und der Ethnologie bekommen. Um sich die nötigen Kompetenzen anzueignen, planten die Studierenden eine Feldforschungsübung auf dem Japan-Tag 2008. Der Japan-Tag ist ein Großereignis, das jedes Jahr im Juli hundertausende Besucher an das Rheinufer lockt. Die japanische community in Düsseldorf stellt sich ebenso vor, wie Gruppen, die japanische Kampfkünste betreiben oder das Leben der Samurai nachstellen. Durch teilnehmende Beobachtung und Interviews versuchten die Studierenden zu erkunden, was hinter den verschiedenen Selbstrepräsentation steckt und welchen Sinn der Japan-Tag für die Beteiligten hat. Die Ergebnisse wurden als erster Sonderband der Düsseldorfer Japanstudien (DJAS) online veröffentlicht. Damit durchliefen die Studierenden alle Stufen einer Feldforschung von der Planung bis zur Veröffentlichung und das nicht nur zu Übungszwecken, sondern mit ganz realen Folgen–der ersten eigenen Veröffentlichung. Methodenkompetenzen, Fachkompetenzen aber auch die Selbstorganisation in einem Projekt konnten so eingeübt werden.
eYasukuni (WS 2009/10)
Der Yasukuni-Schrein ist als Symbol der äußersten Rechten in Japan bekannt und gut erforscht. Aber wie verhält es sich mit den regionalen Unterschreinen, den Gokokujinsha? Diese Frage bildete den Ausgangspunkt für das Projekt eYasukuni für Studierende der Masterstufe. Da die Projektteilnehmer alle im Auslandsjahr an japanischen Universitäten studierten, musste das Projekt über ein virtuelles Klassenzimmer und die ePortifolio-Software Mahara vorangetrieben werden. Damit lässt sich zwar ein Kontakt von Angesicht zu Angesicht nicht ersetzen. Doch die Studierenden konnten in Japan selbst Feldforschung betreiben. So wurden nicht nur Methodenkompetenzen vertieft, sondern die Sprachkompetenz in einer realen Forschungssituation auf die Probe gestellt und geschärft. Auch der Umgang mit der virtuellen Kommunikation verhalf dazu, sich Schlüsselkompetenzen für das Arbeitsumfeld global agierender Unternehmen anzueignen, in denen virtuelle Konferenzen fast alltäglich sind.
Die Studierenden erzielten Forschungsergebnisse in einem Umfeld, das auch für mich als Dozent nur teilweise bekannt war. Damit begannen wir alle voneinander zu lernen. Da die Gokoku-Schreine bisher kaum erforscht sind, konnten die Projektteilnehmer damit eine echte Forschungslücke angehen. Die Ergebnisse sollen im Sommer 2010 in DJAS veröffentlicht werden.
eYasukuni wurde von HeinEcomp gefördert. Es ist mein „innovatives Lehrprojekt“, um das Vertiefungsseminar im NRW-Zertifakt „Professionelle Lehrkompetenz für die Hochschule“ abzuschließen.
